Hunderatgeber · Hundeerziehung und Training
Mantrailing: Eine faszinierende Form der Nasenarbeit für Hunde
Dein Hund verfolgt den Individualgeruch eines bestimmten Menschen – und entscheidet dabei selbst, wo es langgeht. Genau das macht Mantrailing so anstrengend und so wertvoll.
Michael Sauerwein
Kurz zusammengefasst
Drei Dinge machen Mantrailing so wertvoll. Erstens nutzt dein Hund dabei genau das, wofür seine Nase gemacht ist – er verfolgt gezielt den Individualgeruch eines bestimmten Menschen. Zweitens kann er innerhalb des Trainings eigenständige Suchentscheidungen treffen, was aus der Praxis betrachtet Konzentration, Selbstvertrauen und die Zusammenarbeit mit dir stärken kann – Studien zum Mantrailing selbst fehlen bisher. Und drittens eignet sich Mantrailing für viele Hunde – vom Anfänger über ältere Tiere bis zu unsicheren Hunden aus dem Tierschutz.
Mantrailing gehört zu den beeindruckendsten Formen der Hundearbeit. Ob als professioneller Einsatzhund bei Polizei und Rettungsdiensten oder als anspruchsvolle Freizeitbeschäftigung – die gezielte Personensuche fordert den Hund geistig, stärkt seine natürlichen Fähigkeiten und kann die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund intensivieren. Für viele Hunde ist diese Arbeit besonders erfüllend: Sie dürfen ihre Nase einsetzen, eigenständig entscheiden und gemeinsam mit ihrem Menschen eine Aufgabe lösen. Genau diese Kombination macht Mantrailing zu einer Beschäftigungsform, die viele natürliche Fähigkeiten des Hundes nutzt.
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1. Was ist Mantrailing?
Beim Mantrailing verfolgt der Hund den Individualgeruch eines bestimmten Menschen. Jeder Mensch hinterlässt beim Gehen eine Spur aus Hautpartikeln, Mikroorganismen und individuellen Geruchsstoffen. Diese Mischung bildet eine einzigartige Duftsignatur, die dein Hund mit seiner außergewöhnlichen Nase auseinanderhalten kann.
Gut trainierte Hunde können eine solche Spur auch dann verfolgen, wenn sie bereits älter ist oder durch andere Gerüche überlagert wurde.
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Im Unterschied zur klassischen Fährtenarbeit folgt der Hund beim Mantrailing nicht nur Bodenverletzungen oder einer exakt gelegten Spur. Stattdessen orientiert er sich an der Geruchswolke der gesuchten Person, die sich durch Bewegung, Luftströmungen und Umweltbedingungen verteilt. Dadurch können Mantrailer auch in komplexen Umgebungen arbeiten – etwa in Städten, auf Parkplätzen, in Wohngebieten oder in Wäldern und offenen Landschaften. Gerade diese Vielseitigkeit macht Mantrailing zu einer besonders realitätsnahen Form der Sucharbeit.
Ein Detail, das kaum jemand kennt
Die Riechbahn verläuft beim Hund anders als die Seh- und Hörbahnen: Sie ist überwiegend ungekreuzt. Ein Geruch, der über das rechte Nasenloch aufgenommen wird, gelangt vorrangig in die rechte Hirnhälfte.
Das ist mehr als eine anatomische Fußnote. Eine italienische Arbeitsgruppe fand, dass Hunde je nach Art des Geruchs unterschiedlich stark ein Nasenloch bevorzugen – bei vertrauten Gerüchen anders als bei solchen, die eine Stressreaktion auslösen (Siniscalchi et al., 2011). Zur Reichweite: Untersucht wurden dabei standardisierte Geruchsproben unter Laborbedingungen, nicht das Verhalten am Trail. Wer beim Trail genau hinsieht, beobachtet also nicht nur, dass der Hund riecht.
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2. Ablauf einer Mantrailing-Einheit
Eine Trainingseinheit folgt einem klaren Ablauf, der dem Hund Orientierung gibt und die Suche strukturiert.
Geruchsaufnahme
Zu Beginn erhält der Hund einen sogenannten Geruchsträger, zum Beispiel ein getragenes Kleidungsstück oder einen persönlichen Gegenstand der Zielperson.
Der Hund nimmt diesen Geruch auf. Dabei „speichert" er ihn nicht im Sinne eines mentalen Bildes; der Geruch dient vielmehr als Referenz, an der sich die Suche während des gesamten Trails ausrichtet. Das ermöglicht es dem Hund, auch bei komplexen Spuren den richtigen Weg zu verfolgen.
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Verfolgung der Spur
Nach der Geruchsaufnahme beginnt der eigentliche Trail. Der Hund folgt der Spur der gesuchten Person – oft über größere Distanzen und durch unterschiedliche Umgebungen. Dabei kann die Spur über verschiedene Untergründe führen:
- Asphalt
- Grasflächen
- Waldwege
- Gehwege oder Plätze
Selbst Kreuzungen, Richtungswechsel oder belebte Bereiche können von trainierten Hunden erfolgreich gearbeitet werden. Während der Suche arbeitet der Hund hochkonzentriert und trifft eigenständige Entscheidungen darüber, welcher Spur er folgt.
Diese Konzentration hat allerdings eine Grenze. Erregung und Aufmerksamkeit hängen zusammen: Ein Hund, der über der Schwelle liegt, arbeitet in der Regel nicht besser, sondern schlechter – seine Fähigkeit, zwischen ähnlichen Reizen zu unterscheiden, kann leiden.
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Fundanzeige
Hat der Hund die gesuchte Person gefunden, zeigt er dies durch ein zuvor trainiertes Verhalten an – zum Beispiel durch Hinsetzen vor der Person, Verbellen oder einfaches Anzeigen durch Nähe zur Zielperson.
Anschließend erhält der Hund eine Belohnung: Futter, Spielzeug, gemeinsames Spiel oder intensive soziale Bestätigung.
Ein Befund dazu ist für die Praxis bemerkenswert: In einer Untersuchung an 114 Hunden wirkte verbales Lob allein kaum stärker als gar keine Zuwendung – auch dann nicht, wenn es vom eigenen Halter kam. Streicheln wurde deutlich bevorzugt. Wer den Fund also nur mit Worten bestätigt, arbeitet möglicherweise mit einem schwächeren Verstärker, als es sich anfühlt.
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3. Einsatzmöglichkeiten des Mantrailings
Rettungshundearbeit
Professionell ausgebildete Mantrailer unterstützen Polizei und Rettungsdienste bei der Suche nach vermissten Personen. Ihre Fähigkeit, selbst ältere oder stark überlagerte Spuren zu verfolgen, macht sie zu wichtigen Helfern bei Suchaktionen.
Freizeit und Hundesport
Für viele Hundehalter ist Mantrailing eine spannende Freizeitbeschäftigung. Die Arbeit fordert den Hund geistig und kann aus der Praxis betrachtet seine Konzentration und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund stärken. Da Trails individuell angepasst werden können, eignet sich diese Form der Beschäftigung sowohl für Anfänger als auch für fortgeschrittene Teams.
Therapeutisches Mantrailing
Mantrailing kann auch eine wertvolle Rolle im Verhaltenstraining spielen. Aus der Praxis: Besonders unsichere oder ängstliche Hunde scheinen häufig von dieser Form der Arbeit zu profitieren. Kontrollierte Studien zum Mantrailing selbst gibt es bisher nicht; die folgenden Faktoren sind plausible Erklärungen, keine belegten Wirkungen:
- Klare Struktur: Der Trail bietet eine eindeutige Aufgabe mit einem klaren Ziel.
- Fokus auf eine Aufgabe: Während der Suche konzentriert sich der Hund auf den Geruch und blendet viele Umweltreize aus.
- Erfolgserlebnisse: Das Finden der Person wirkt für viele Hunde stark motivierend.
- Selbstwirksamkeit: Der Hund erlebt, dass er eine Aufgabe eigenständig lösen kann.
Der letzte Punkt ist verhaltensbiologisch der interessanteste – und das Prinzip dahinter ist gut untersucht, allerdings nicht am Mantrailing.
Wie stark eine Situation ein Tier belastet, hängt weniger von der Reizstärke ab als von zwei anderen Größen: ob es den Verlauf beeinflussen kann und ob es vorhersehen kann, was passiert. Bemerkenswert daran ist, dass frühere Erfahrung mit Kontrolle die Reaktion auf spätere, tatsächlich unkontrollierbare Belastungen verändert. Wer gelernt hat, dass eigenes Verhalten wirkt, geht mit dieser Erwartung in neue Situationen.
Ein Trail bietet genau diese Art von Aufgabe: Der Hund entscheidet selbst und erlebt, dass seine Entscheidung zum Ziel führt. Ob sich das auf andere Situationen überträgt, ist für Mantrailing nicht untersucht; es ist eine plausible Annahme aus der Praxis.
Der nächstliegende direkte Beleg stammt aus einer verwandten Beschäftigung: In einer kleinen Studie machten 20 Familienhunde zwei Wochen lang täglich entweder Nasenarbeit (Suche nach verstecktem Futter) oder Fußarbeit an der Leine. Nur die Nasenarbeitsgruppe näherte sich danach einem mehrdeutigen Reiz schneller, was die Autorinnen als optimistischere Erwartungshaltung deuten (Duranton & Horowitz, 2019). Zur Reichweite: Das war kein Mantrailing, die Stichprobe war klein und der Zeitraum kurz. Es stützt die Annahme, dass Nasenarbeit Hunden guttun kann – nicht eine spezifische Wirkung von Mantrailing auf Selbstvertrauen oder Angst.
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Bei Hunden mit Unsicherheiten oder Ängsten kann Mantrailing deshalb ein wertvoller Bestandteil eines therapeutischen Trainingskonzeptes sein.
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Aus der Praxis: Rüde Aiko kam unsicher aus dem Tierschutz und erstarrte anfangs bei vielen Umweltreizen. Beim Mantrailing bekam er eine klare, lösbare Aufgabe – und durfte selbst entscheiden. Mit jedem gefundenen Menschen wuchs sein Zutrauen, und nach einigen Wochen wirkte er auch außerhalb der Trails gelassener. Das Erleben „ich kann etwas bewirken" scheint für viele unsichere Hunde ein wichtiger Baustein zu sein.
4. Für welche Hunde eignet sich Mantrailing?
Grundsätzlich können viele Hunde Mantrailing lernen – unabhängig von Rasse, Größe oder Alter. Wichtige Voraussetzungen sind Interesse an Nasenarbeit, Motivation zur Suche, körperliche Grundfitness und Kooperation mit dem Menschen.
Dass Rasse und Größe kaum eine Rolle spielen, deckt sich mit der Befundlage zu individuellen Unterschieden: Persönlichkeitsmerkmale beim Hund sind nur moderat stabil, und der weit überwiegende Teil der Verhaltensunterschiede lässt sich nicht durch die Rasse erklären.
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Auch ältere Hunde oder Hunde aus dem Tierschutz können hervorragende Mantrailer werden. Da die Arbeit hauptsächlich geistig fordernd ist, eignet sie sich auch für Hunde, die körperlich nicht stark belastet werden sollten.
Bei älteren Hunden lohnt allerdings ein zweiter Blick. Arthrose gilt als Alterserkrankung – tatsächlich zeigten in einer Untersuchung rund 40 Prozent der Hunde zwischen acht Monaten und vier Jahren bereits Veränderungen im Röntgenbild, und ein Teil davon zeigt keine Lahmheit. Ein Hund, der beim Trail langsamer wird oder unwillig scheint, hat deshalb nicht zwangsläufig die Motivation verloren.
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Bei sehr alten Hunden kommt ein weiterer Punkt dazu: Orientierungsprobleme und nachlassende Konzentration werden gern dem Alter zugeschrieben. Ein Teil davon ist behandelbar.
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Aus der Praxis: Der zwölfjährige Wotan sollte gelenkschonend beschäftigt werden. Ballspiele und lange Renneinheiten fielen weg – Mantrailing dagegen forderte ihn vor allem geistig. Nach einem ruhigen Trail war er sichtbar zufrieden und ausgeglichen, ganz ohne körperliche Überlastung.
5. Training und Vorbereitung
Der Einstieg
Zu Beginn arbeitet man mit sehr einfachen Trails: Die Strecke ist kurz und übersichtlich, die Zielperson bleibt oft in Sichtweite. Der Hund lernt dabei, den Geruch aufzunehmen, die Spur aufzunehmen und der Geruchsrichtung zu folgen. Diese ersten Erfahrungen sind entscheidend für Motivation und Lernverständnis.
Aus der Praxis: Für das Mensch-Hund-Team um Hündin Nele war der erste Trail bewusst einfach: wenige Meter, die Zielperson in Sichtweite, am Ende ausgelassenes Spiel. Genau diese frühen Erfolgserlebnisse legten den Grundstein – Nele suchte schon bald mit sichtbarer Begeisterung.
Training in kleinen Schritten
Mit zunehmender Erfahrung werden die Trails komplexer. Typische Steigerungen sind längere Strecken, Richtungswechsel, Ablenkungen durch andere Gerüche, unterschiedliche Untergründe und urbane Umgebungen. Dabei gilt immer ein wichtiges Prinzip: Der Hund soll gerne suchen und Erfolg haben.
Ein verbreiteter Fehler beim Steigern ist, zu schnell zu viel zu verlangen. Wenn ein Hund eine Aufgabe erwartet, die er lösen kann, und dann scheitert, kann Frustration entstehen – und die kann die Leistung zusätzlich verschlechtern, weil sie die Regulationsfähigkeit belasten kann.
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6. Warum Mantrailing für Hunde so wertvoll ist
Die Nase des Hundes ist eines seiner wichtigsten Sinnesorgane. Während der Sucharbeit nutzt er genau diese Fähigkeit intensiv: Er arbeitet hochkonzentriert, trifft eigenständige Entscheidungen, löst komplexe Aufgaben und erlebt Erfolge. Aus der Praxis: Viele Hunde wirken nach einem Trail zufrieden und ausgeglichen – eine häufige Beobachtung, kein gemessenes Ergebnis.
Ein Hinweis zur Einordnung: Was Hunde beim Trail leisten, ist eine beeindruckende Wahrnehmungs- und Unterscheidungsleistung – nicht unbedingt logisches Schlussfolgern. In Untersuchungen zum Kausalverständnis schneiden Hunde bei rein mechanischen Aufgaben eher zurückhaltend ab, während sie im sozial-kommunikativen Bereich herausragen. Mantrailing spielt genau in diese Stärke hinein.
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7. Nach dem Trail
Zwei Dinge werden nach einer Trainingseinheit regelmäßig unterschätzt.
Erholung. Geistige Arbeit ermüdet, und ein Teil der Verarbeitung des Gelernten findet in Ruhephasen statt. Ein Hund, der nach dem Trail keine echte Ruhe bekommt, profitiert möglicherweise weniger von der Einheit – und ein Hund, der nach einer Belastung ungewöhnlich lange braucht, bis er wieder ansprechbar ist, kann damit etwas über seinen Gesamtzustand aussagen.
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Kontrolle des Hundes. Trails führen durch Gras, Unterholz und Waldwege – also genau dorthin, wo Zecken sitzen und Grannen anhaften. Beides gehört nach jeder Einheit abgesucht, besonders Pfotenzwischenräume, Ohren, Achseln und Leisten.
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Und bei Trails im Sommer gilt dasselbe wie für jede andere Auslastung: Hitze und intensive Nasenarbeit vertragen sich schlecht.
8. Vorteile von Mantrailing auf einen Blick
- kann die Bindung zwischen Mensch und Hund stärken
- intensive mentale Auslastung
- kann Konzentration und Selbstvertrauen fördern
- geeignet für viele Hunde – auch ältere oder unsichere Tiere
- abwechslungsreiche Beschäftigung bei nahezu jedem Wetter
- natürliche Nutzung der hervorragenden Hundenase
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9. Mantrailing bei unterHUNDs
Unsere Mantrailing-Kurse finden regelmäßig an mehreren Trainingsorten statt. Die Plätze sind fest strukturiert, teilweise eingezäunt und bieten gute Bedingungen für alle Trainingslevel:
- Standort Weiskirchen / Wadern
- Standort Losheim
- Standort Illingen
- Standort Riegelsberg-Köllerbach
- Standort Tholey
- Standort Nonnweiler
- Standort Schmelz
- Standort Eppelborn
- Standort Lebach
- Standort Heusweiler
Weitere Infos zu Kursinhalten, Einstiegsmöglichkeiten und Terminen findest du auf unserer Kursseite.
Quellen
- Siniscalchi, M., Sasso, R., Pepe, A. M., Dimatteo, S., Vallortigara, G. & Quaranta, A. (2011). Sniffing with the right nostril: Lateralization of response to odour stimuli by dogs. Animal Behaviour, 82(2), 399–404. https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2011.05.020 (Laborstudie zur Nasenloch-Lateralität bei unterschiedlichen Geruchsarten)
- Mills, D. S., et al. (2020). Pain and problem behavior in cats and dogs. Animals, 10(2), 318. https://doi.org/10.3390/ani10020318 (Schmerz als möglicher Faktor bei Verhaltensveränderungen)
- Demant, H., Ladewig, J., Balsby, T. J. S. & Dabelsteen, T. (2011). The effect of frequency and duration of training sessions on acquisition and long-term memory in dogs. Applied Animal Behaviour Science, 133(3–4), 228–234. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2011.05.010 (44 Beagles, Laborstudie zum Aufgabenerwerb)
- Duranton, C. & Horowitz, A. (2019). Let me sniff! Nosework induces positive judgment bias in pet dogs. Applied Animal Behaviour Science, 211, 61–66. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2018.12.009 (20 Familienhunde, zwei Wochen Nasenarbeit vs. Fußarbeit; keine Mantrailing-Studie)
- Vieira de Castro, A. C., et al. (2020). Does training method matter? Evidence for the negative impact of aversive-based methods on companion dog welfare. PLOS ONE, 15(12), e0225023. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0225023
Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zum Mantrailing
Der Hund verfolgt den Individualgeruch einer bestimmten Person – nicht irgendeine frische Spur. Das ist der Unterschied zur Fährtenarbeit.
Er kann innerhalb des Trainings eigenständige Suchentscheidungen treffen. Genau das macht die Arbeit anstrengend und wertvoll zugleich.
Der Mensch folgt, statt zu führen. Wer den Hund lenken will, nimmt ihm die Aufgabe weg, um die es geht.
Kontrollierbarkeit ist der verhaltensbiologisch interessanteste Punkt. Eine Aufgabe, die der Hund eigenständig lösen kann, kann ihn anders belasten als eine, der er ausgeliefert ist – ein plausibler Mechanismus, der für Mantrailing selbst nicht untersucht ist.
Nasenarbeit ermüdet deutlich. Eine kurze, konzentrierte Suche kann für viele Hunde sehr fordernd sein.
Weniger und kürzer üben ist oft besser. Ein verbreiteter Fehler ist, zu schnell zu steigern.
Ein Hund, der langsamer wird, hat nicht zwangsläufig die Motivation verloren. Schmerzen gehören abgeklärt – sie zeigen sich nicht immer durch offensichtliche Lahmheit (Mills et al., 2020).
Nach dem Trail braucht dein Hund Ruhe. Ein Teil der Verarbeitung findet nicht während der Suche statt, sondern danach.
Mantrailing eignet sich für viele Hunde – unabhängig von Rasse, Größe und Alter, solange der Aufbau zum einzelnen Hund passt.
Häufige Fragen
Antworten für Einsteiger, Interessierte und neugierige Hundenasen
Was ist Mantrailing genau?
Mantrailing ist die Suche nach einer bestimmten Person anhand ihres individuellen Geruchs. Der Hund folgt dabei einer Geruchsspur und kann diese auch über längere Strecken, in Städten oder unterschiedlichen Umgebungen verfolgen.
Ab wann kann mein Hund mit Mantrailing beginnen?
Grundsätzlich können Hunde bereits früh spielerisch an Nasenarbeit und einfache Suchaufgaben herangeführt werden. Entscheidend sind Motivation, Konzentrationsfähigkeit und eine Trainingsgestaltung, die zum jeweiligen Hund passt.
Eignet sich Mantrailing für ängstliche oder unsichere Hunde?
Aus der Praxis: häufig ja. Gerade unsichere Hunde können von Mantrailing profitieren, weil die klare Aufgabe, Erfolgserlebnisse und eigenständiges Arbeiten das Selbstvertrauen unterstützen können; Studien zum Mantrailing selbst fehlen bisher. Wichtig ist ein ruhiger und individuell angepasster Trainingsaufbau.
Wie läuft eine typische Mantrailing-Trainingseinheit ab?
Eine Einheit beginnt mit der Geruchsaufnahme, beispielsweise über einen persönlichen Gegenstand der Zielperson. Anschließend arbeitet der Hund die Spur aus und erhält nach erfolgreichem Finden eine passende Belohnung. Umfang und Schwierigkeit werden an den Ausbildungsstand des Hundes angepasst.
Wo findet das Mantrailing bei unterHUNDs statt?
Unsere Mantrailing-Kurse werden an mehreren Standorten und in deren Umgebung im Saarland angeboten – unter anderem in Weiskirchen/Wadern, Losheim, Illingen, Riegelsberg-Köllerbach, Tholey, Nonnweiler, Schmelz, Eppelborn, Lebach und Heusweiler.
Wie oft und wie lange sollte ich mit meinem Hund trailen?
Deutlich kürzer und seltener, als die meisten vermuten. Nasenarbeit ermüdet stark – eine kurze, konzentrierte Suche kann für viele Hunde sehr fordernd sein. Für den Einstieg reichen kurze Trails von wenigen Minuten. In einer Laborstudie zum Aufgabenerwerb lernten Hunde, die ein- bis zweimal pro Woche trainierten, besser als Hunde mit täglichem Training (Demant et al., 2011); übertragbar ist das nicht eins zu eins, aber der Grundgedanke trägt: Hör auf, solange es noch gut läuft.
Mein Hund wird beim Trailen langsamer – verliert er die Lust?
Möglich, aber das ist nicht die erste Erklärung, die man prüfen sollte. Nachlassende Belastbarkeit, Vorsicht bei bestimmten Untergründen oder ein verändertes Tempo können auch auf Schmerzen hindeuten – und Schmerz zeigt sich nicht immer durch offensichtliche Lahmheit. Gerade bei älteren Hunden gehört das tierärztlich abgeklärt, bevor an der Motivation gearbeitet wird. Auch der Trainingsaufbau lohnt einen Blick: Wurde zu schnell gesteigert, verliert ein Hund an Sicherheit, nicht an Interesse.
Ist Mantrailing auch etwas für unsichere oder ängstliche Hunde?
Häufig ja, und zwar aus einem bestimmten Grund: Der Hund löst die Aufgabe eigenständig. Wie stark eine Situation belastet, hängt wesentlich davon ab, ob sie vorhersehbar und beeinflussbar ist – und ein gut aufgebauter Trail bietet beides. Wichtig ist allerdings der Rahmen: ruhige Umgebung, bekannte Versteckperson, kurze Strecken, keine Gruppensituation mit vielen fremden Hunden. Bei ausgeprägter Angst gehört das in fachliche Begleitung, nicht in einen offenen Kurs.
Braucht mein Hund eine bestimmte Rasse oder Ausbildung dafür?
Nein. Der Individualgeruch ist grundsätzlich für jeden Hund wahrnehmbar – Nasenarbeit ist keine Frage bestimmter Rassen. Unterschiede gibt es eher im Arbeitsstil: Manche Hunde arbeiten schnell und zielstrebig, andere gründlich und langsam. Beides führt zum Ziel. Wichtiger als die Rasse ist, dass der Aufbau zum einzelnen Hund passt und dass er gerne sucht.
Was mache ich, wenn mein Hund die Spur verliert?
Nichts von dem, was naheliegt. Nicht helfen, nicht in die vermutete Richtung ziehen, nicht kommentieren. Der Hund darf Fehler machen und sich korrigieren – genau das ist der Lernvorgang. Wer eingreift, nimmt ihm die Entscheidung ab, um die es beim Trailing geht. Kommt er längere Zeit nicht weiter, war der Trail wahrscheinlich zu schwer: Dann geht man einen Schritt zurück und macht es beim nächsten Mal einfacher.