Hunderatgeber · Hundegesundheit und Sicherheit
Hund im Winter: So schützt du deinen Vierbeiner in der kalten Jahreszeit
Die größte Wintergefahr ist nicht die Kälte, sondern Frostschutzmittel – es schmeckt süß und wird freiwillig aufgeleckt. Und es gibt eine Phase, in der scheinbar alles wieder gut ist.
Michael Sauerwein
Kurz zusammengefasst
Vier Dinge solltest du wissen. Erstens: Die größte Wintergefahr ist nicht die Kälte, sondern Frostschutzmittel – es schmeckt süß, wird freiwillig aufgeleckt und schon relativ kleine Mengen können lebensbedrohlich sein. Zweitens: Bei dieser Vergiftung gibt es eine Phase scheinbarer Besserung – genau dann läuft das Zeitfenster für die Behandlung ab. Drittens: Es gibt keine Temperaturgrenze, ab der es für alle Hunde zu kalt wird – entscheidend ist, was du am Hund siehst. Und viertens: Der Boden ist im Winter oft das größere Problem als die Luft.
Winter kann für Hunde anstrengend oder wunderbar sein – meist entscheidet die Vorbereitung. Dieser Artikel gibt den Überblick: worauf du achtest, was tatsächlich gefährlich ist und wie ihr die dunkle Jahreszeit gut hinter euch bringt.
👉 Grundlagen zu Vorsorge und Gesundheitskontrolle beim Hund
1. Frostschutzmittel – der gefährlichste Punkt zuerst
Dieser Abschnitt steht bewusst am Anfang, weil er in den meisten Winterratgebern als Nebensatz erscheint.
Warum es so gefährlich ist: Ethylenglykol, der Hauptbestandteil vieler Frostschutzmittel, schmeckt süß. Hunde meiden es nicht – sie lecken es freiwillig auf. Und schon relativ kleine Mengen können lebensbedrohlich sein – wie viel kritisch ist, hängt von Körpergewicht und Konzentration des Produkts ab.
Wo es vorkommt: Kühlerfrostschutz, manche Brems- und Getriebeflüssigkeiten und andere Wärmeträgerflüssigkeiten – und die Pfützen, die beim Nachfüllen daneben gehen. Auf Parkplätzen, in Garagen, in Einfahrten.
Der Verlauf, und das ist der entscheidende Punkt:
- Innerhalb von etwa einer halben Stunde bis zwölf Stunden können erste neurologische Symptome auftreten – der Hund wirkt wie betrunken, taumelt, speichelt, erbricht, wirkt orientierungslos.
- Danach kommt eine Phase scheinbarer Besserung. Der Hund wirkt wieder normal – beim Hund oft etwa zwölf Stunden nach der Aufnahme.
- Nach etwa anderthalb bis drei Tagen (36 bis 72 Stunden) setzt das akute Nierenversagen ein – starker Durst, Erbrechen, Mattigkeit, nachlassende Urinmenge.
Die trügerische Mitte ist das eigentliche Problem. Wer denkt „es ist ja wieder gut", verpasst das Zeitfenster.
Denn es gibt ein Gegenmittel – aber nur früh. Die Behandlung wirkt vor allem, solange der Körper das Gift noch nicht zum großen Teil abgebaut hat. Ist das geschehen, ist die Prognose deutlich schlechter.
Was du tun musst: Bei jedem Verdacht sofort in die Praxis oder Klinik, auch ohne Symptome, auch wenn es dem Hund gerade gut geht. Nimm mit, was du hast – Verpackung, Foto der Pfütze, Zeitangabe.
Vorbeugen:
- Frostschutzmittel unerreichbar lagern, verschüttete Reste sofort aufnehmen
- Nicht aus Pfützen trinken lassen – besonders nicht auf Parkplätzen, in Garagen und an Straßenrändern. Bunte Pfützen sind ein Warnzeichen.
- Nach dem Spaziergang Pfoten abspülen, damit dein Hund es nicht beim Putzen aufnimmt
- Wo es geht, Produkte auf Propylenglykolbasis wählen – sie gelten als deutlich weniger giftig, gehören aber auch nicht in den Hund
Zum Vorgehen bei Vergiftungsverdacht allgemein: Verdacht auf Vergiftung.
2. Wann wird es zu kalt?
Es gibt keine allgemeingültige Temperaturgrenze. Wie ein Hund Kälte verträgt, hängt ab von:
- Fell. Langhaarige oder dicht bemantelte Hunde vertragen Kälte meist besser, kurzhaarige spüren sie schneller. Aus der Praxis: Eine dichte Unterwolle zählt dabei mehr als die Haarlänge allein.
- Größe und Körperbau. Kleine Hunde verlieren im Verhältnis mehr Wärme; schlanke Hunde mit wenig Körperfett ebenfalls.
- Alter. Welpen regulieren noch nicht gut, Senioren nicht mehr gut.
- Gesundheit. Hunde mit Diabetes, Herz- oder Nierenerkrankungen oder hormonellen Störungen können ihre Körpertemperatur schlechter regulieren.
- Gewöhnung. Ein Hund aus dem Süden kann Wochen brauchen, um sich anzupassen.
- Wetter. Wind und Nässe senken die gefühlte Temperatur erheblich. Nasses Fell isoliert kaum noch.
Der verlässlichere Maßstab sind die Zeichen am Hund: Zittern, aufgekrümmter Rücken, angespannte Haltung, hochgehaltene Pfoten, Langsamerwerden, Drängen in Richtung Heimweg. Dazu kalte Ohrränder und kalte Rutenspitze.
Zur Vorsicht: Zittern kann auch Angst oder Schmerz bedeuten. Hört es im Warmen nicht auf, ist es kein Kältezeichen.
Wann ein Mantel sinnvoll ist – und wann nicht: Der richtige Wintermantel für deinen Hund.
3. Pfoten
Im Winter ist der Boden meist das größere Problem als die Luft.
Streusalz reizt die Ballen und kann zu Rissen und Entzündungen führen. Dazu kommt, dass Hunde es beim Putzen aufnehmen.
Eisklumpen zwischen den Ballen entstehen bei Hunden mit Zwischenzehenbehaarung. Sie sind schmerzhaft und verändern die Fußung.
Was hilft:
- Nach jedem Spaziergang die Pfoten mit lauwarmem Wasser abspülen und abtrocknen. Auch die AVMA empfiehlt, Pfoten und Beine nach dem Spaziergang von Streumitteln zu befreien; aus der Praxis ist das die wichtigste Einzelmaßnahme.
- Haare zwischen den Ballen kürzen, um Eisbildung zu verringern.
- Ballen kontrollieren – Risse, gerötete Stellen, Fremdkörper.
- Zu Pfotenbalsam: Er kann die Haut geschmeidig halten. Erwarte aber keinen Schutzfilm gegen Salz – nach unserer Praxiserfahrung kann er vor dem Spaziergang aufgetragen Salz sogar eher binden. Das Abspülen danach ist der wichtigere Teil.
- Bei empfindlichen Hunden kommen Schuhe infrage. Sie müssen aufgebaut werden wie jedes andere Handling, sonst laufen die Hunde staksig.
Ausführlich: Streusalz – Gefahr für Hundepfoten im Winter.
4. Unterkühlung und Erfrierungen
Aus der Praxis: Am häufigsten betroffen sind die Bereiche mit wenig Durchblutung und wenig Fell: Ohrränder, Rutenspitze, Zitzen, Hodensack und die Ballen.
Anzeichen einer Unterkühlung: Zittern, Winseln, Unruhe, Langsamerwerden oder Stehenbleiben, Schwäche; in schwereren Fällen langsamer Puls, flache Atmung, Verwirrtheit oder Zusammenbruch. Zittern ist kein verlässliches Zeichen: Bei fortgeschrittener Unterkühlung hört das Zittern auf – das ist ein Verschlechterungszeichen, kein Entwarnungssignal.
Anzeichen von Erfrierungen (aus der Praxis): blasse, später gerötete oder bläuliche Hautstellen, Schwellung, Schmerzhaftigkeit. Die Beschwerden zeigen sich oft erst beim Aufwärmen.
Was zu tun ist: Ins Warme bringen, langsam aufwärmen, mit trockenen Tüchern abtrocknen.
Und was ausdrücklich nicht:
- Nicht reiben und keinen Schnee auflegen. Betroffenes Gewebe ist verletzlich; Reiben verschlimmert den Schaden.
- Kein heißes Wasser, keine Heizung direkt, keine Wärmflasche unmittelbar auf die Haut. Zu große Hitze kann das geschädigte Gewebe zusätzlich verletzen.
Bei Verdacht auf Erfrierungen oder ausgeprägte Unterkühlung gehört der Hund zeitnah tierärztlich angesehen.
5. Die anderen Wintergefahren
Neben Frostschutzmittel und Kälte gibt es eine Reihe von Dingen, die nur in dieser Jahreszeit vorkommen – und die deshalb selten auf dem Schirm sind.
5.1 Schnee fressen
Viele Hunde tun es, und in kleinen Mengen ist es meist unproblematisch. Zwei Einschränkungen gehören dazu. Größere Mengen können den Magen reizen und zu Erbrechen oder Durchfall führen. Und Schnee am Straßenrand ist nicht sauber: Streusalz, Splitt und Reste von Fahrzeugflüssigkeiten sammeln sich genau dort.
Was daraus folgt, ist keine Verbotsregel, sondern die Ortswahl: frischer Schnee abseits von Wegen ja, aufgeschobener Schnee am Fahrbahnrand nein.
5.2 Zugefrorene Gewässer
Das ist die Gefahr mit dem schlechtesten Verhältnis von Wahrscheinlichkeit zu Ausgang. Eine Eisdecke, die einen Menschen trägt, kann unter einem rennenden Hund brechen – und umgekehrt lockt gerade sie ihn hinaus.
An Gewässern im Winter gilt deshalb Leine, auch bei Hunden, die sonst zuverlässig abrufbar sind. Und falls doch etwas passiert: selbst nicht aufs Eis gehen. Rettungsorganisationen wie die DLRG raten, bei einem Einbruch sofort den Notruf 112 zu wählen und nur vom Ufer aus zu helfen – das gilt auch, wenn es dein Hund ist. Notruf wählen, den Hund vom Ufer aus zum Rufen bringen und auf Rettungskräfte warten.
5.3 Silvester
Der Jahreswechsel fällt in diese Jahreszeit und ist für einen Teil der Hunde die belastendste Nacht des Jahres. Was dabei hilft, gehört Wochen vorher vorbereitet und nicht am 31. Dezember – dazu haben wir einen eigenen Beitrag.
5.4 Kürzere Tage, weniger Auslauf
Ein unspektakulärer Punkt mit realen Folgen: Zwischen November und Februar bewegen sich viele Hunde deutlich weniger, weil beide Spaziergänge im Dunkeln liegen und kürzer ausfallen. Bei gleichbleibender Futtermenge kann das über den Winter zu Gewichtszunahme führen – und die fällt erst im Frühjahr auf.
Wieg deinen Hund deshalb im Winter monatlich. Es ist die einfachste Gegenmaßnahme, und sie kostet dreißig Sekunden.
6. Bewegung und Beschäftigung
Kürzer und häufiger statt lang und selten. Bei starkem Frost mehrere kurze Runden – so bleibt der Hund in Bewegung, ohne auszukühlen.
Auf die Aufwärmphase achten. Ein Hund, der aus der warmen Wohnung kommt und sofort losrennt, hat kalte, unaufgewärmte Muskulatur. Die ersten Minuten ruhig gehen ist besonders bei Senioren und sportlich geführten Hunden sinnvoll.
Der Winter ist die beste Zeit für Nasenarbeit. Sie lastet aus, ohne dass der Hund lange stehen muss, funktioniert bei Dunkelheit und lässt sich drinnen wie draußen umsetzen.
Zugefrorene Gewässer sind tabu. Eisflächen tragen selten so, wie sie aussehen. Und ein Hund, der einbricht, kann auch den Menschen in Lebensgefahr bringen, der hinterherspringt. In der Nähe von Teichen, Seen und Flüssen gehört der Hund im Winter an die Leine.
Wie sich Training im Winter sinnvoll verändert: Winterzeit mit Hund. Ideen für drinnen: Denksport und Nasenarbeit.
7. Sichtbarkeit in der dunklen Jahreszeit
Ein Punkt, der in Winterratgebern regelmäßig fehlt, obwohl er ein reales Unfallrisiko betrifft: Die meisten Spaziergänge fallen jetzt in die Dämmerung oder Dunkelheit.
Sinnvoll sind: ein Leuchthalsband oder Leuchtgeschirr, reflektierende Elemente an Leine und Geschirr – und auch für dich selbst, damit Autofahrer die Kombination rechtzeitig sehen.
Und für dich: eine Stirnlampe. Nicht nur zum Gesehenwerden, sondern um zu sehen, was dein Hund gerade aufnimmt.
8. Ernährung und Wasser
Der Energiebedarf kann steigen, vor allem bei viel Bewegung draußen und bei Hunden, die im Freien gehalten werden. Bei einem Hund, der im Winter weniger läuft, ist eher das Gegenteil der Fall – gerade in der dunklen Jahreszeit nehmen viele Hunde zu.
Der Maßstab bleibt der Körperzustand, nicht die Jahreszeit.
Wasser darf nicht gefrieren. Draußen stehende Näpfe regelmäßig kontrollieren. Und Schnee ersetzt kein Trinken.
Zum Schneefressen: Viele Hunde tun es begeistert. In kleinen Mengen ist das meist unproblematisch; größere Mengen können den Magen reizen und zu Erbrechen und Durchfall führen. Kritisch wird es, wenn im Schnee Streusalz oder Frostschutzmittel enthalten ist – ein weiterer Grund, an Straßen aufzupassen.
9. Der Schlafplatz
Trocken, zugfrei, warm gelegen und gut gepolstert. Bei älteren Hunden lohnt sich ein orthopädisches Bett, weil viele Halter berichten, dass arthrotische Hunde bei Kälte steifer wirken.
Nasse Hunde abtrocknen, bevor sie sich hinlegen – ein nasser Hund kühlt auch im Warmen aus.
Zur Außenhaltung: Sie ist in Deutschland an klare Anforderungen an Unterbringung, Schutzhütte und Liegeplatz gebunden (§ 4 Tierschutz-Hundeverordnung, TierSchHuV) und im Winter besonders anspruchsvoll. Für viele Familienhunde stellt die dauerhafte Außenhaltung darüber hinaus besondere Anforderungen an Sozialkontakt, Unterbringung und Gesundheitsmanagement.
10. Senioren und vorerkrankte Hunde
Viele Halter berichten, dass ihr arthrotischer Hund bei Kälte steifer wirkt. Die Daten sind weniger eindeutig: In einer Studie mit 62 Hunden mit Arthrose erklärten Temperatur und Tageslicht weniger als ein Prozent der Aktivitätsunterschiede, und das Wetter hatte keinen klinisch relevanten Einfluss auf die von Haltern eingeschätzten Schmerzwerte (Katz et al., 2017). Konkreter ist das Risiko am Boden: Arthrotische und ältere Hunde tun sich auf Schnee und Eis schwerer und rutschen leichter aus.
Was hilft: rutschfeste Läufer auf glatten Böden, ein warmer Liegeplatz, längere Aufwärmphasen, kürzere und häufigere Runden.
Und was du beobachten solltest: Wenn dein Hund im Winter deutlich unwilliger wird, sich beim Aufstehen schwertut oder Treppen meidet, ist das kein Wintertief – das gehört abgeklärt.
Woran du Schmerzen erkennst: Schmerzerkennung beim Hund. Und was sich im Alter allgemein verändert: Wenn Hunde älter werden.
👉 Was dein Hund in der Dämmerung tatsächlich sieht: Wie gut sehen Hunde im Dunkeln?
11. Fazit
Der Winter stellt weniger Anforderungen an die Ausrüstung als an die Aufmerksamkeit.
Die drei Dinge, die zählen:
Frostschutzmittel ernst nehmen. Hier können wenige Stunden über Leben und Tod entscheiden – und die trügerische Besserung dazwischen ist die Falle.
Auf den Hund schauen, nicht aufs Thermometer. Zittern, aufgekrümmter Rücken, hochgehaltene Pfoten sind die Kriterien.
Pfoten abspülen. Zwei Minuten nach jedem Spaziergang, und viele typische Winterprobleme an den Pfoten lassen sich vermeiden.
👉 Beratung und Training im Saarland
Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zum Winter
Frostschutzmittel ist die größte Wintergefahr. Ethylenglykol schmeckt süß und wird freiwillig aufgeleckt – und schon kleine Mengen können tödlich sein.
Die Phase scheinbarer Besserung ist das eigentliche Problem. Nach ersten neurologischen Zeichen wirkt der Hund wieder normal, und etwa anderthalb bis drei Tage nach der Aufnahme setzt das Nierenversagen ein. Wer abwartet, verpasst das Zeitfenster.
Es gibt ein Gegenmittel – aber nur früh. Die Behandlung wirkt vor allem, solange der Körper das Gift noch nicht zum großen Teil abgebaut hat. Deshalb gilt bei jedem Verdacht: sofort fahren, auch ohne Symptome.
Es gibt keine Temperaturgrenze. Entscheidend sind Fell, Größe, Alter, Gesundheit, Gewöhnung und das Wetter – und vor allem das, was du am Hund siehst.
Wenn das Zittern bei fortgeschrittener Unterkühlung aufhört, ist das ein Verschlechterungszeichen, kein Entwarnungssignal.
Bei Erfrierungen wird nicht gerieben, und es wird langsam aufgewärmt – kein heißes Wasser, keine Wärmflasche direkt auf die Haut.
Der Boden ist im Winter oft das größere Problem als die Luft. Pfoten nach jedem Spaziergang mit lauwarmem Wasser abspülen ist aus der Praxis die wichtigste Einzelmaßnahme – ein Balsam ersetzt sie nicht.
Auf Eisflächen gehört der Hund an die Leine, und wenn doch etwas passiert, geht niemand selbst aufs Eis.
Einordnung der Quellenlage
Die Angaben zur Ethylenglykol-Vergiftung – süßer Geschmack, dreiphasiger Verlauf mit scheinbarer Besserung, zeitlicher Ablauf und die Abhängigkeit der Prognose vom Behandlungszeitpunkt – beruhen auf den unten genannten tiermedizinischen Nachschlagewerken. Einzelne Primärarbeiten zur Vergiftung wurden für diese Fassung nicht im Volltext ausgewertet.
Mengenangaben nennen wir bewusst nicht. Die in der Literatur genannten Werte schwanken, und für die Entscheidung eines Halters sind sie ohne Bedeutung: Bei jedem Verdacht gilt dasselbe Vorgehen.
Zur Frage, ab welcher Temperatur es für Hunde kritisch wird, gibt es keine belastbaren allgemeingültigen Werte. Die beschriebenen Verhaltenszeichen sind der verlässlichere Maßstab.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei Verdacht auf Kontakt mit Frostschutzmittel wende dich unverzüglich an deine Tierarztpraxis, eine Tierklinik oder den tierärztlichen Notdienst – auch wenn dein Hund unauffällig wirkt.
Quellen
American Veterinary Medical Association (AVMA). (o. J.). Cold weather animal safety. https://www.avma.org/resources-tools/pet-owners/petcare/cold-weather-animal-safety (Kälteverträglichkeit hängt von Fell, Körperfett, Aktivität und Gesundheit ab; sehr junge und sehr alte Tiere sowie Hunde mit Diabetes, Herz-, Nieren- oder Hormonerkrankungen sind anfälliger; Pfoten nach dem Spaziergang säubern; schon kleine Mengen Frostschutzmittel können tödlich sein; Anzeichen einer Unterkühlung)
DLRG Landesverband Nordrhein. (o. J.). Eisregeln. https://nordrhein.dlrg.de/informieren/ueber-uns/presse/eisregeln/ (bei einem Einbruch sofort den Notruf 112 wählen; nur vom Ufer aus helfen)
Grauer, G. F. (2020, zuletzt aktualisiert 2024). Ethylene Glycol (Antifreeze) Poisoning. MSD/Merck Veterinary Manual, Special Pet Topics. https://www.merckvetmanual.com/special-pet-topics/poisoning/ethylene-glycol-antifreeze-poisoning (süßer Geschmack; kurze scheinbare Besserung etwa zwölf Stunden nach der Aufnahme; Nierenversagen beim Hund nach 36 bis 72 Stunden; Gegenmittel nur vor einer Nierenschädigung wirksam; Propylenglykol weniger giftig)
Katz, E. M., Scott, R. M., Thomson, C. B., Mesa, E., Evans, R., & Conzemius, M. G. (2017). Evaluation of the environmental bias on accelerometer-measured total daily activity counts and owner survey responses in dogs with osteoarthritis. Veterinary and Comparative Orthopaedics and Traumatology, 30(6), 385–390. https://doi.org/10.3415/VCOT-17-02-0028 (62 Hunde mit Arthrose; Temperatur und Tageslicht erklärten weniger als 1 % der Aktivitätsunterschiede; kein klinisch relevanter Einfluss auf die von Haltern eingeschätzten Schmerzwerte)
Regehr, T. (2022, zuletzt aktualisiert 2024). Ethylene Glycol Toxicosis in Animals. MSD/Merck Veterinary Manual. https://www.merckvetmanual.com/toxicology/ethylene-glycol-toxicosis/ethylene-glycol-toxicosis-in-animals (Vorkommen u. a. in manchen Brems- und Getriebeflüssigkeiten; erste Zeichen 30 Minuten bis 12 Stunden nach der Aufnahme; Prognose umso schlechter, je später die Behandlung beginnt)
Textor, J. (2025). What to Do in a Dog or Cat Emergency. MSD/Merck Veterinary Manual, Special Pet Topics. https://www.merckvetmanual.com/special-pet-topics/emergencies/what-to-do-in-a-dog-or-cat-emergency (Zittern ist kein verlässliches Zeichen einer Unterkühlung; warm, nicht heiß; bei Erfrierungen langsam auftauen, nicht reiben, kein Schnee, kein sehr heißes Wasser)
Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV), § 4. https://www.gesetze-im-internet.de/tierschhuv/__4.html (Anforderungen an das Halten von Hunden im Freien)
Häufige Fragen zum Hund im Winter
Brauchen Hunde im Winter einen Mantel?
Das hängt vom einzelnen Hund ab. Entscheidend sind Unterwolle, Körpergröße, Körperbau, Alter, Gesundheit und Gewöhnung. Kleine, schlanke, kurzhaarige oder ältere Hunde profitieren häufiger von einem passenden Hundemantel, während viele Hunde mit dichter Unterwolle gut angepasst sind.
Wie schütze ich die Pfoten meines Hundes im Winter?
Streusalz, Eis und Schnee können die Pfoten reizen. Spüle die Pfoten nach Spaziergängen mit lauwarmem Wasser ab und trockne sie gut. Kontrolliere die Ballen regelmäßig und kürze bei Bedarf Haare zwischen den Zehen, damit sich weniger Eis festsetzt.
Wann ist es für Hunde im Winter zu kalt?
Es gibt keine feste Temperaturgrenze, die für alle Hunde gilt. Entscheidend sind Fell, Körperbau, Alter, Gesundheit, Wetterbedingungen und die Signale des Hundes. Zittern, hochgehaltene Pfoten, eine angespannte Haltung oder der Wunsch nach Hause zu gehen sind wichtige Hinweise.
Können Hunde im Winter unterkühlen?
Ja. Besonders Nässe, Wind und lange Aufenthalte draußen können zu Unterkühlung führen. Anzeichen sind anhaltendes Zittern, Steifheit, langsame Bewegungen oder Teilnahmslosigkeit. Wenn das Zittern aufhört, obwohl der Hund weiterhin kalt wirkt, ist das ein Warnzeichen.
Ist Streusalz gefährlich für Hunde?
Streusalz kann die Pfoten reizen, Risse verursachen und beim Ablecken Magenprobleme auslösen. Deshalb sollten die Pfoten nach Spaziergängen kontrolliert und bei Bedarf mit lauwarmem Wasser gereinigt werden.
Brauchen Hunde im Winter mehr Futter?
Sehr aktive Hunde oder Hunde mit viel Aufenthalt im Freien können einen höheren Energiebedarf haben. Entscheidend bleibt aber der Körperzustand: Die Futtermenge sollte an Aktivität, Gewicht und Gesundheitszustand angepasst werden.
Dürfen Hunde im Winter draußen schlafen?
Eine dauerhafte Außenhaltung stellt hohe Anforderungen an Schutz vor Witterung, Unterbringung und soziale Bedürfnisse. Für viele Familienhunde ist ein Leben im Haus die passendere Lösung. Entscheidend ist immer, dass der Hund ausreichend Schutz, Komfort und Kontakt zu seinen Menschen hat.
Mein Hund hat aus einer Pfütze auf dem Parkplatz getrunken – muss ich etwas tun?
Ruf an und fahr hin, wenn Frostschutzmittel nicht auszuschließen ist. Der Grund ist der Verlauf: Nach ersten Zeichen – der Hund wirkt wie betrunken, taumelt, speichelt – folgt eine Phase, in der er wieder normal wirkt, und erst nach etwa anderthalb bis drei Tagen setzt das Nierenversagen ein. Es gibt ein Gegenmittel, aber es wirkt nur früh. Auf die scheinbare Besserung zu warten ist deshalb der teuerste Fehler.
Darf mein Hund Schnee fressen?
In kleinen Mengen ist es meist unproblematisch. Größere Mengen können den Magen reizen und zu Erbrechen oder Durchfall führen. Wichtiger als die Menge ist der Ort: Aufgeschobener Schnee am Fahrbahnrand kann Streusalz, Splitt und Reste von Fahrzeugflüssigkeiten enthalten. Frischer Schnee abseits von Wegen ist etwas anderes als der Haufen am Straßenrand.
Bringt Pfotenbalsam etwas gegen Streusalz?
Er kann die Haut geschmeidig halten, aber einen Schutzfilm gegen Salz solltest du nicht erwarten – nach unserer Praxiserfahrung kann er vor dem Spaziergang aufgetragen Salz sogar eher binden. Die wichtigste Einzelmaßnahme ist das Abspülen danach: lauwarmes Wasser, abtrocknen, Ballen auf Risse und Fremdkörper kontrollieren.