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Hunderatgeber · Hundegesundheit und Sicherheit

Mit dem Hund entspannt durch den Sommer – So gelingt es trotz Hitze

Die häufigste Situation, in der Hunde überhitzen, ist nicht das Auto – es ist der ganz normale Spaziergang. Und das mit deutlichem Abstand. Was daraus für den Sommer folgt.

Michael Sauerwein

Golden Retriever steht in einem flachen Bach.

Kurz zusammengefasst

Vier Dinge machen den Sommer mit Hund sicher. Erstens: Die häufigste Situation, in der Hunde überhitzen, ist nicht das heiße Auto, sondern der ganz normale Spaziergang – in einer britischen Auswertung von über 900.000 Hunden gingen 74,2 Prozent der hitzebedingten Fälle mit bekanntem Auslöser auf Belastung zurück, und zwei Drittel davon folgten schlicht einer Gassirunde. Zweitens: Es gibt keine Temperaturgrenze, ab der es gefährlich wird – Bulldoggen können bereits in einem 21 °C warmen Raum überhitzen. Drittens: Der Boden ist oft das größere Problem als die Luft, und er bleibt es bis in den Abend. Und viertens: Falls es doch passiert, gilt kaltes Wasser – nicht lauwarmes.

Sommerspaziergänge sind nicht das Problem, solange man sie anpasst. In diesem Artikel geht es darum, wie du Zeit, Strecke und Tempo so wählst, dass ihr beide etwas davon habt – und woran du merkst, dass es genug ist.

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1. Warum Hitze für Hunde ein anderes Problem ist

Hunde geben Wärme vor allem über das Hecheln ab. An den Pfotenballen sitzen zwar Schweißdrüsen – sie können zur Thermoregulation beitragen, sind aber gegenüber dem Hecheln nur von geringer Bedeutung. Hunde schwitzen also nicht im eigentlichen Sinn, sie verdunsten über die Atemwege.

Das erklärt auch, warum eine feste Temperaturgrenze nicht funktioniert. Man liest oft, ab einem bestimmten Wert reiche das Hecheln nicht mehr aus. So einfach ist es nicht: Bei englischen Bulldoggen wurde beobachtet, dass sie bereits beim Stehen in einem 21 °C warmen Raum überhitzen können. Entscheidend ist nicht die Zahl auf dem Thermometer, sondern das Zusammenspiel aus Temperatur, Luftfeuchte, Belastung, Kondition, Körperbau und Gewöhnung.

Praktisch heißt das: Der Blick geht auf den Hund, nicht aufs Thermometer.

2. Wer besonders aufmerksam sein sollte

Die Risikoprofile unterscheiden sich danach, wie es zur Überhitzung kommt (Hall et al., 2020). Das ist relevant, weil es eine verbreitete Annahme korrigiert.

Bei Belastung – also beim Spaziergang, beim Spiel, beim Sport:

  • Junge Hunde. Hunde über acht Jahre hatten geringere Chancen auf einen belastungsbedingten Fall als Hunde unter zwei Jahren.
  • Größere und schwerere Hunde. Alle Gewichtsklassen ab 10 kg lagen höher als Hunde unter 10 kg.
  • Aktive Familien- und Gebrauchsrassen. Labrador Retriever hatten das 2,1-Fache der Chance gegenüber Mischlingen, ähnlich Boxer, Golden Retriever und Border Collie.

Das ist der Punkt, der überrascht: Bei der häufigsten Form trifft es überdurchschnittlich oft den jungen, kräftigen, sportlichen Hund – nicht den Senior.

Bei reiner Umgebungshitze:

  • Kurzköpfige Hunde (brachyzephale Rassen). Das 2,36-Fache gegenüber Hunden mit mittellanger Schnauze; naheliegende Erklärung ist die eingeschränkte Wärmeabgabe beim Hecheln. Mops, Bulldoggen, Boxer, Shih Tzu.
  • Alte Hunde. Ab zwölf Jahren das 3,15-Fache gegenüber Hunden unter zwei Jahren.
  • Hunde mit Vorerkrankungen, besonders an Herz, Kreislauf oder Atemwegen.
  • Übergewichtige Hunde. Mehr Masse, schlechtere Wärmeabgabe.

Zu dunklem Fell: Dass sich dunkles Fell in der Sonne stärker aufheizt, ist physikalisch plausibel, taucht in den großen Risikofaktor-Auswertungen aber nicht als eigenständiger Faktor auf. Nimm es als Zusatzüberlegung, nicht als Hauptkriterium.

3. Der Spaziergang ist die Hauptgefahr – nicht das Auto

Das ist die wichtigste Umstellung gegenüber der gängigen Sommerberatung, und sie betrifft genau das Thema dieses Artikels.

In der bislang größten Untersuchung dazu wurden 905.543 Hunde in britischer Grundversorgung ausgewertet. Von den Hitzeereignissen mit bekanntem Auslöser entfielen 74,2 Prozent auf Belastung, 12,9 Prozent auf Umgebungshitze und 5,2 Prozent auf das Einsperren im Fahrzeug (Hall et al., 2020).

Und innerhalb der belastungsbedingten Fälle mit erfasster Aktivität: 67,5 Prozent ereigneten sich nach einem Spaziergang. Nur 17,6 Prozent nach intensiven Aktivitäten wie Laufen oder Radfahren, 13,8 Prozent nach dem Spiel.

Der typische Fall ist also nicht der vergessene Hund im Auto und nicht der überdrehte Sporthund. Es ist die gewohnte Runde bei zu warmem Wetter – gegangen von jemandem, der nichts falsch machen wollte.

Deshalb ist der wichtigste Satz dieses Artikels unspektakulär: An heißen Tagen ist auch der normale Spaziergang eine Entscheidung, keine Selbstverständlichkeit. Kürzen, verlegen oder ausfallen lassen und durch ruhige Beschäftigung im Kühlen ersetzen sind alle drei legitime Antworten.

4. Der richtige Zeitpunkt

Die kühlen Morgenstunden und der späte Abend sind die naheliegenden Fenster. Die verbreiteten Uhrzeitregeln – vor neun, nach acht, die Mittagsstunden meiden – sind eine brauchbare Orientierung, aber sie sind keine Messwerte. Entscheidend sind die tatsächlichen Bedingungen: Sonnenstand, Luftfeuchte, Wind, Schatten auf der Strecke, Bodenbelag.

Ein Punkt, der dabei oft untergeht: Asphalt kühlt sehr langsam ab. Er speichert die Wärme des Tages und kann noch lange nach Sonnenuntergang deutlich wärmer sein als die Luft. Der Abendspaziergang ist also nicht automatisch der sichere – prüf den Boden auch dann.

Und zum beliebten Tipp, mittags einfach an den See zu fahren: Das kann funktionieren, wenn ihr direkt ins Wasser kommt und der Weg dorthin kurz und schattig ist. Der Haken liegt in der Anreise und im Weg vom Parkplatz. Ein Hund, der bei 30 °C zwanzig Minuten über eine offene Wiese zum Wasser läuft, hat die Belastung schon hinter sich, bevor die Abkühlung anfängt.

5. Boden und Strecke

Nicht die Lufttemperatur allein entscheidet, sondern der Untergrund.

Dunkler Asphalt in der Sonne kann bei etwa 25 °C Lufttemperatur rund 50 °C erreichen und liegt an heißen Tagen deutlich darüber. Verbrennungen an den Ballen können bei entsprechend heißen Oberflächen entstehen.

Der Bodentest: Handrücken für etwa sieben Sekunden auf den Belag. Hältst du es nicht aus, ist es für die Pfoten deines Hundes zu heiß. Das ist keine Messmethode, aber eine gute Faustregel.

Wichtig dazu: Die Pfoten sind kein Indikator für die gesamte Hitzebelastung. Ein kühler Waldboden schützt nicht davor, dass die Runde insgesamt zu viel ist. Umgekehrt kann der Boden längst zu heiß sein, während die Luft sich noch angenehm anfühlt.

Gut geeignet: dichte Wälder mit kühlem Untergrund, Feld- und Wiesenwege abseits befestigter Straßen, schattige Uferwege. Schatten senkt die Oberflächentemperatur erheblich.

Wenn Asphalt unvermeidbar ist: Strecke kurz halten, schattige Straßenseite wählen, Grünflächen für Pausen nutzen.

6. Unterwegs

Tempo rausnehmen. Schnüffeln und trödeln lassen. Ein Hund, der die Nase benutzt, ist ausgelastet, ohne sich zu verausgaben.

Bewegung aufteilen. Mehrere kurze Runden über den Tag sind bei Hitze besser als eine lange Strecke.

Wasser mitnehmen. Faltbarer Napf oder Hundetrinkflasche, bei jedem Ausgang.

Pausen im Schatten oder am Wasser. Ein kurzer Aufenthalt im Bach entlastet spürbar.

Abbruchsignal und Rückruf trainieren. Das ist die Stelle, an der Training konkret Notfälle verhindern kann. Viele Hunde regulieren sich bei Hitze nicht selbst – ein ballverrückter oder jagdlich motivierter Hund hört oft nicht von selbst auf, nur weil ihm zu warm ist – wohl aber, wenn du ihn abrufen kannst. Ein zuverlässiger Rückruf und ein sauber aufgebautes Abbruchsignal sind im Sommer Sicherheitsausrüstung.

Zu feuchten Tüchern. Ein angefeuchtetes Tuch im Rucksack klingt praktisch, ist als Kühlmethode aber wenig wirksam – aufgelegt isoliert es eher, als dass es kühlt. Als nasse Unterlage zum Draufliegen ist es sinnvoll, als Auflage auf dem Hund nicht.

7. Zu Hause: die andere Hälfte des Sommers

Die Kapitel oben handeln vom Spaziergang – der häufigsten Gefahrenquelle. Die zweitgrößte ist die Umgebungshitze, und die betrifft vor allem die Gruppen aus Kapitel 2: kurzköpfige Hunde, alte Hunde, Hunde mit Vorerkrankungen. Für sie entscheidet die Wohnung mehr als die Runde.

7.1 Die Wohnung kühl halten

Nachts und früh morgens lüften, tagsüber geschlossen halten – und zwar konsequent. Ein Fenster, das ab zehn Uhr offen steht, heizt den Raum auf, statt ihn zu kühlen.

Außenliegende Beschattung schlägt Innenjalousien. Was draußen abgehalten wird, muss drinnen nicht abtransportiert werden. Wo das nicht geht, helfen helle Vorhänge oder Reflexionsfolie an der Sonnenseite.

Ein Ventilator kühlt den Raum nicht, sondern verbessert die Verdunstung. Für einen hechelnden Hund ist genau das nützlich – aber nur, wenn er sich dem Luftstrom auch entziehen kann. Stell ihn nicht direkt auf den Liegeplatz.

Der kühlste Platz ist selten der, den du ausgesucht hast. Viele Hunde legen sich in Flure, Bäder oder auf Fliesen. Räum diese Plätze frei, statt darauf zu bestehen, dass das Körbchen benutzt wird.

7.2 Der Balkon, das Auto, der Garten

Auf dem Balkon wandert der Schatten. Ein Hund, der mittags im Schatten lag, liegt um vier in der Sonne – und kann bei geschlossener Tür nicht ausweichen.

Im Garten braucht es Schatten, der den ganzen Tag hält, und Wasser, das nicht in der Sonne steht. Ein Napf auf der Terrasse ist um Mittag warm.

Im Auto gilt die einfachste Regel dieses Artikels: gar nicht. Auch nicht kurz, auch nicht im Schatten, auch nicht bei gekipptem Fenster. Ein geparktes Auto kann sich binnen Minuten auf Werte aufheizen, gegen die Hecheln nicht mehr ankommt.

7.3 Und die Fütterung

Viele Hunde fressen bei Hitze weniger – das ist normal und kein Grund zur Sorge, solange sie trinken und munter sind. Sinnvoll ist, die Hauptmahlzeit in die kühlen Stunden zu legen, Futter nicht stehen zu lassen und darauf zu achten, dass frisches Wasser an mehreren Stellen erreichbar ist.

8. Abkühlungshilfen: was wirkt und was nicht

Der Markt ist im Sommer voll davon, und die Wirkung unterscheidet sich erheblich. Der gemeinsame Maßstab: Hunde kühlen über Verdunstung. Was die Verdunstung unterstützt, hilft – was sie behindert, nicht.

Nasses Handtuch als Unterlage: brauchbar. Als Auflage auf dem Hund dagegen nicht – ein dicht aufliegendes Tuch erwärmt sich rasch und behindert dann die Wärmeabgabe.

Kühlwesten wirken über Verdunstung und damit nur, solange sie feucht sind und Luft daran vorbeikommt. In schwüler Luft oder unter der prallen Sonne lässt der Effekt schnell nach. Regelmäßig nachfeuchten, sonst wird die Weste zur zusätzlichen Schicht.

Kühlmatten mit Gelfüllung nehmen Wärme auf, bis sie gesättigt sind – danach wirken sie nicht mehr und fühlen sich für den Hund warm an. Sie brauchen Erholungszeit im Schatten. Und manche Hunde meiden sie schlicht; das ist kein Trotz, sondern eine Rückmeldung.

Ein flaches Planschbecken ist eine wirksame und billige Maßnahme – vorausgesetzt, es steht im Schatten und das Wasser wird gewechselt. Aufgeheiztes Wasser kühlt nicht.

Das Fell nass machen wirkt, wenn es bis auf die Haut durchdringt und Luftbewegung dazukommt. Oberflächlich befeuchtetes dichtes Fell kann dagegen wie eine feuchte Schicht wirken, die die Abgabe eher behindert – gerade bei Hunden mit viel Unterwolle.

Eiswürfel und gefrorene Leckerchen sind eine gute Beschäftigung und eine nette Abkühlung von innen. Als Maßnahme gegen echte Überhitzung taugen sie nicht – die Menge ist dafür zu klein.

Und das Scheren: Bei Hunden mit dichter Unterwolle ist Ausbürsten in aller Regel sinnvoller als Scheren, weil das Deckhaar auch vor Sonneneinstrahlung schützt. Ob eine Schur im Einzelfall passt, hängt vom Felltyp ab und gehört mit jemandem besprochen, der das Fell deines Hundes kennt.

9. Woran du merkst, dass es zu viel wird

Manche Hunde zeigen deutlich, wenn sie überhitzen. Andere laufen trotz Erschöpfung weiter – das ist der gefährlichere Typ.

Frühe Zeichen: intensiveres Hecheln als gewöhnlich ohne Erholung in den Pausen, Unruhe, Suche nach Schatten oder kühlem Untergrund, langsamer werden, Trödeln, das nicht nach Schnüffeln aussieht.

Alarmzeichen: schwankender Gang, Taumeln, Erbrechen oder plötzlicher Durchfall, stark gerötetes, blasses oder bläuliches Zahnfleisch, zäher Speichel, Muskelzittern, Apathie, Zusammenbruch.

Zur Körpertemperatur: Der Normalbereich liegt etwa zwischen 37,5 und 39 °C. Werte darüber sind ein Warnsignal, das immer im Gesamtbild zu bewerten ist – ein Hund, der gerade gerannt ist, liegt vorübergehend höher, ohne krank zu sein. Als kritischer Bereich gelten Temperaturen ab etwa 41 °C. Eine einzelne Zahl ersetzt aber nie den Blick auf den Zustand.

10. Wenn es doch passiert

Die Kurzfassung – ausführlich steht sie im Beitrag zum Hitzschlag beim Hund:

Erst kühlen, dann fahren. So lauten die tierärztlichen Leitlinien zur Erstversorgung. Nicht ins Auto setzen und losfahren, sondern vor Ort mit dem Kühlen beginnen.

Kaltes Wasser, ganzer Körper. Die verbreitete Warnung, man dürfe nur lauwarmes Wasser verwenden, weil sich sonst die Gefäße zusammenziehen, gilt in der Fachliteratur als widerlegt. Verwende kaltes Leitungs- oder Umgebungswasser, das verfügbar ist, und übergieße den ganzen Körper – nicht nur Pfoten und Bauch. Kopf frei lassen. Bach, Gartenschlauch, Wanne, Eimer.

Für Luftbewegung sorgen. Wasser plus Luftstrom kühlt deutlich besser als Wasser allein.

Belastung sofort beenden, Schatten oder kühler Raum.

Kleine Mengen Wasser anbieten, nie aufzwingen. Ein bewusstseinsgetrübter Hund bekommt nichts zu trinken.

Praxis anrufen und hinfahren – auch wenn es besser wird. Organschäden können sich verzögert zeigen.

11. Fazit

Hohe Temperaturen bedeuten nicht, dass dein Hund auf Spaziergänge verzichten muss. Sie bedeuten, dass der Spaziergang selbst zur Entscheidung wird.

Die drei Dinge, die zählen:

Auf den Hund schauen, nicht aufs Thermometer. Es gibt keine sichere Gradzahl.

Den Boden prüfen – auch abends. Asphalt hält die Wärme lange.

Bereit sein, die Runde ausfallen zu lassen. Ein Schnüffelspiel im kühlen Flur ist an manchen Tagen die bessere Beschäftigung als die gewohnte Strecke.

Der Sommer bietet genug Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu erleben – früh morgens, im schattigen Wald, am Wasser. Es geht nicht darum, weniger zu machen, sondern anderes.

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Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zum Sommer mit Hund

Der Spaziergang ist die Hauptgefahr, nicht das Auto. In einer Auswertung von 905.543 Hunden gingen 74,2 Prozent der Hitzeereignisse mit bekanntem Auslöser auf Belastung zurück, 5,2 Prozent auf das Fahrzeug – und zwei Drittel der Belastungsfälle folgten einer Gassirunde (Hall et al., 2020).

Es gibt keine Temperaturgrenze. Englische Bulldoggen können bereits beim Stehen in einem 21 °C warmen Raum überhitzen. Der Blick geht auf den Hund, nicht aufs Thermometer.

Beim belastungsbedingten Fall trifft es überdurchschnittlich den jungen, kräftigen Hund – nicht den Senior. Der Senior und der kurzköpfige Hund stehen bei der Umgebungshitze oben.

Der Boden ist oft das größere Problem als die Luft. Dunkler Asphalt kann bei 25 °C Lufttemperatur rund 50 °C erreichen – und er kühlt langsam ab, der Abendspaziergang ist also nicht automatisch sicher.

Die Pfoten sind kein Maß für die Gesamtbelastung. Ein kühler Waldboden schützt nicht davor, dass die Runde insgesamt zu viel ist.

Abkühlungshilfen wirken über Verdunstung – oder gar nicht. Kühlwesten müssen feucht bleiben, Gelmatten sättigen sich, und ein aufgelegtes nasses Tuch behindert die Wärmeabgabe eher, als es sie unterstützt.

Falls es doch passiert: kaltes Wasser, nicht lauwarmes. Die alte Warnung davor gilt inzwischen als überholt.

Quellen

  • Hall, E. J., Carter, A. J., & O'Neill, D. G. (2020). Dogs don't die just in hot cars – Exertional heat-related illness (heatstroke) is a greater threat to UK dogs. Animals, 10(8), Artikel 1324. https://doi.org/10.3390/ani10081324
  • Hall, E. J., Carter, A. J., Bradbury, J., Beard, S., Gilbert, S., Barfield, D., & O'Neill, D. G. (2023). Cooling methods used to manage heat-related illness in dogs presented to primary care veterinary practices during 2016–2018 in the UK. Veterinary Sciences, 10(7), Artikel 465. https://doi.org/10.3390/vetsci10070465
  • Lilja-Maula, L., Lappalainen, A. K., Hyytiäinen, H. K., Kuusela, E., Kaimio, M., Schildt, K., Mölsä, S., Morelius, M., & Rajamäki, M. M. (2017). Comparison of submaximal exercise test results and severity of brachycephalic obstructive airway syndrome in English bulldogs. The Veterinary Journal, 219, 22–26. https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2016.11.019

Zur Asphalt-Angabe: Die Größenordnung „bei rund 25 °C Lufttemperatur etwa 50 °C Oberflächentemperatur bei dunklem Asphalt in der Sonne" stammt aus Aufklärungsmaterial von Tierschutz- und Verbrennungsfachgesellschaften und deckt sich mit mehreren unabhängigen Zusammenstellungen. Eine einzelne begutachtete Primärquelle mit exakt diesem Wertepaar haben wir nicht geprüft; die tatsächliche Oberflächentemperatur hängt stark von Sonneneinstrahlung, Belagsfarbe, Wind und Tageszeit ab.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei Verdacht auf Überhitzung beginne sofort mit dem Kühlen und wende dich unverzüglich an deine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst.

Häufige Fragen zum Sommer mit Hund

So schützt du deinen Hund im Sommer vor Überhitzung – mit klugen Tipps für Timing, Strecke und Verhalten

Wann ist die beste Zeit für Spaziergänge im Sommer?

Die kühlsten Tageszeiten sind meist der frühe Morgen und der späte Abend. Eine feste Uhrzeit gibt es jedoch nicht, denn entscheidend sind Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Schatten, Wind und der Bodenbelag. Prüfe die Bedingungen vor Ort und passe die Strecke entsprechend an.

Welche Hunde sind besonders hitzeempfindlich?

Besonders aufmerksam solltest du bei kurzköpfigen Hunden wie Mops oder Bulldogge, alten Hunden, übergewichtigen Tieren sowie Hunden mit Herz-, Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen sein. Bei belastungsbedingter Überhitzung können aber auch junge, aktive und kräftige Hunde gefährdet sein.

Wie kann ich meinen Hund unterwegs vor Überhitzung schützen?

Wähle möglichst schattige Wege, passe das Tempo an, nimm Wasser mit und plane Pausen ein. Prüfe heiße Bodenbeläge und vermeide Überlastung. Feuchte Tücher auf dem Hund sind als Kühlmethode nicht empfehlenswert, da sie die Wärmeabgabe sogar behindern können.

Woran erkenne ich, dass es meinem Hund zu heiß wird?

Warnzeichen sind ungewöhnlich starkes Hecheln, fehlende Erholung in Pausen, Unruhe, langsamer werden, Orientierungsschwierigkeiten, Taumeln, Erbrechen, Muskelzittern oder verfärbtes Zahnfleisch. Die Körpertemperatur sollte immer im Zusammenhang mit dem Gesamtzustand beurteilt werden.

Was tue ich, wenn mein Hund überhitzt ist?

Beende die Belastung sofort und bringe deinen Hund aus der Hitze. Beginne direkt mit der Kühlung: Verwende kaltes Wasser über den ganzen Körper und sorge für Luftbewegung. Biete nur bei vollem Bewusstsein Wasser an und kontaktiere anschließend die Tierarztpraxis oder Klinik.

Kann mein Hund auch bei einem normalen Spaziergang einen Hitzschlag bekommen?

Ja. Die häufigste Ursache für hitzebedingte Erkrankungen ist nicht das heiße Auto, sondern körperliche Belastung. Viele Fälle treten nach ganz normalen Spaziergängen auf. Deshalb sollte auch die gewohnte Runde an heißen Tagen angepasst werden.

Ab welcher Temperatur soll ich nicht mehr spazieren gehen?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Temperatur, Luftfeuchte, Belastung, Kondition, Körperbau und Gewöhnung – englische Bulldoggen können bereits beim Stehen in einem 21 °C warmen Raum überhitzen. Brauchbarer als eine Zahl ist die Frage, ob dir die geplante Runde in Straßenkleidung joggend unangenehm klänge. Und prüfe den Boden, nicht nur die Luft.

Helfen Kühlmatten und Kühlwesten wirklich?

Sie können helfen, aber nur unter Bedingungen. Kühlwesten wirken über Verdunstung und damit nur, solange sie feucht sind und Luft daran vorbeikommt – in schwüler Luft lässt der Effekt schnell nach. Gelmatten nehmen Wärme auf, bis sie gesättigt sind, und fühlen sich danach warm an; sie brauchen Erholungszeit im Schatten. Wirksamer und billiger ist oft ein flaches Planschbecken im Schatten mit gewechseltem Wasser.

Soll ich meinen Hund im Sommer scheren?

Bei Hunden mit dichter Unterwolle ist regelmäßiges Ausbürsten in aller Regel sinnvoller, weil das Deckhaar auch vor Sonneneinstrahlung schützt. Ob eine Schur im Einzelfall passt, hängt vom Felltyp ab und gehört mit jemandem besprochen, der das Fell deines Hundes kennt. Was in jedem Fall hilft, ist das Herauskämmen der losen Unterwolle.

Mein Hund frisst bei Hitze weniger – ist das schlimm?

In aller Regel nicht, solange er trinkt, munter ist und sein Gewicht hält. Sinnvoll ist, die Hauptmahlzeit in die kühlen Stunden zu legen, Futter nicht in der Wärme stehen zu lassen und frisches Wasser an mehreren Stellen anzubieten. Anhaltende Appetitlosigkeit über mehrere Tage oder Futterverweigerung zusammen mit Teilnahmslosigkeit gehört dagegen abgeklärt.

#Mit dem Hund entspannt durch den Sommer

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