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Mit dem Hund entspannt durch den Sommer – So gelingt es trotz Hitze

  • Autorenbild: Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
    Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
  • 15. Mai 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 11 Stunden

Das Wichtigste zuerst: Vier Dinge machen den Sommer mit Hund sicher. Erstens: Die häufigste Situation, in der Hunde überhitzen, ist nicht das heiße Auto, sondern der ganz normale Spaziergang – in einer britischen Auswertung von über 900.000 Hunden gingen 74,2 Prozent der hitzebedingten Notfälle auf Belastung zurück, und zwei Drittel davon folgten schlicht einer Gassirunde. Zweitens: Es gibt keine Temperaturgrenze, ab der es gefährlich wird – Bulldoggen können bereits in einem 21 °C warmen Raum überhitzen. Drittens: Der Boden ist oft das größere Problem als die Luft, und er bleibt es bis in den Abend. Und viertens: Falls es doch passiert, gilt kaltes Wasser – nicht lauwarmes.

Sommerspaziergänge sind nicht das Problem, solange man sie anpasst. In diesem Artikel geht es darum, wie du Zeit, Strecke und Tempo so wählst, dass ihr beide etwas davon habt – und woran du merkst, dass es genug ist.



Warum Hitze für Hunde ein anderes Problem ist

Hunde geben Wärme vor allem über das Hecheln ab. An den Pfotenballen sitzen zwar Schweißdrüsen – sie können zur Thermoregulation beitragen, sind aber gegenüber dem Hecheln nur von geringer Bedeutung. Hunde schwitzen also nicht im eigentlichen Sinn, sie verdunsten über die Atemwege.

Das erklärt auch, warum eine feste Temperaturgrenze nicht funktioniert. Man liest oft, ab einem bestimmten Wert reiche das Hecheln nicht mehr aus. So einfach ist es nicht: Bei englischen Bulldoggen wurde beobachtet, dass sie bereits beim Stehen in einem 21 °C warmen Raum überhitzen können. Entscheidend ist nicht die Zahl auf dem Thermometer, sondern das Zusammenspiel aus Temperatur, Luftfeuchte, Belastung, Kondition, Körperbau und Gewöhnung.

Praktisch heißt das: Der Blick geht auf den Hund, nicht aufs Thermometer.

Wer besonders aufmerksam sein sollte

Die Risikoprofile unterscheiden sich danach, wie es zur Überhitzung kommt (Hall et al., 2020). Das ist relevant, weil es eine verbreitete Annahme korrigiert.

Bei Belastung – also beim Spaziergang, beim Spiel, beim Sport:


  • Junge Hunde. Hunde über acht Jahre hatten geringere Chancen auf einen belastungsbedingten Fall als Hunde unter zwei Jahren.

  • Größere und schwerere Hunde. Alle Gewichtsklassen ab 10 kg lagen höher als Hunde unter 10 kg.

  • Aktive Familien- und Gebrauchsrassen. Labrador Retriever hatten das 2,1-Fache der Chance gegenüber Mischlingen, ähnlich Boxer, Golden Retriever und Border Collie.

Das ist der Punkt, der überrascht: Bei der häufigsten Form trifft es überdurchschnittlich oft den jungen, kräftigen, sportlichen Hund – nicht den Senior.

Bei reiner Umgebungshitze:

  • Kurzköpfige Hunde (brachyzephale Rassen). Durch die eingeschränkte Wärmeabgabe beim Hecheln das 2,36-Fache gegenüber Hunden mit mittellanger Schnauze. Mops, Bulldoggen, Boxer, Shih Tzu.

  • Alte Hunde. Ab zwölf Jahren das 3,15-Fache gegenüber Hunden unter zwei Jahren.

  • Hunde mit Vorerkrankungen, besonders an Herz, Kreislauf oder Atemwegen.

  • Übergewichtige Hunde. Mehr Masse, schlechtere Wärmeabgabe.


Zu dunklem Fell: Dass sich dunkles Fell in der Sonne stärker aufheizt, ist physikalisch plausibel, taucht in den großen Risikofaktor-Auswertungen aber nicht als eigenständiger Faktor auf. Nimm es als Zusatzüberlegung, nicht als Hauptkriterium.



Der Spaziergang ist die Hauptgefahr – nicht das Auto

Das ist die wichtigste Umstellung gegenüber der gängigen Sommerberatung, und sie betrifft genau das Thema dieses Artikels.


In der bislang größten Untersuchung dazu wurden 905.543 Hunde in britischer Grundversorgung ausgewertet. Bei den hitzebedingten Notfällen mit bekanntem Auslöser entfielen 74,2 Prozent auf Belastung, 12,9 Prozent auf Umgebungshitze und 5,2 Prozent auf das Einsperren im Fahrzeug (Hall et al., 2020).


Und innerhalb der belastungsbedingten Fälle mit erfasster Aktivität: 67,5 Prozent ereigneten sich nach einem Spaziergang. Nur 17,6 Prozent nach intensiven Aktivitäten wie Laufen oder Radfahren, 13,8 Prozent nach dem Spiel.


Der typische Fall ist also nicht der vergessene Hund im Auto und nicht der überdrehte Sporthund. Es ist die gewohnte Runde bei zu warmem Wetter – gegangen von jemandem, der nichts falsch machen wollte.


Deshalb ist der wichtigste Satz dieses Artikels unspektakulär: An heißen Tagen ist auch der normale Spaziergang eine Entscheidung, keine Selbstverständlichkeit. Kürzen, verlegen oder ausfallen lassen und durch ruhige Beschäftigung im Kühlen ersetzen sind alle drei legitime Antworten.



Der richtige Zeitpunkt

Die kühlen Morgenstunden und der späte Abend sind die naheliegenden Fenster. Die verbreiteten Uhrzeitregeln – vor neun, nach acht, die Mittagsstunden meiden – sind eine brauchbare Orientierung, aber sie sind keine Messwerte. Entscheidend sind die tatsächlichen Bedingungen: Sonnenstand, Luftfeuchte, Wind, Schatten auf der Strecke, Bodenbelag.


Ein Punkt, der dabei oft untergeht: Asphalt kühlt sehr langsam ab. Er speichert die Wärme des Tages und kann noch lange nach Sonnenuntergang deutlich wärmer sein als die Luft. Der Abendspaziergang ist also nicht automatisch der sichere – prüf den Boden auch dann.


Und zum beliebten Tipp, mittags einfach an den See zu fahren: Das kann funktionieren, wenn ihr direkt ins Wasser kommt und der Weg dorthin kurz und schattig ist. Der Haken liegt in der Anreise und im Weg vom Parkplatz. Ein Hund, der bei 30 °C zwanzig Minuten über eine offene Wiese zum Wasser läuft, hat die Belastung schon hinter sich, bevor die Abkühlung anfängt.



Boden und Strecke

Nicht die Lufttemperatur allein entscheidet, sondern der Untergrund.


Dunkler Asphalt in der Sonne kann bei etwa 25 °C Lufttemperatur rund 50 °C erreichen und liegt an heißen Tagen deutlich darüber. Verbrennungen an den Ballen können bei entsprechend heißen Oberflächen entstehen.


Der Bodentest: Handrücken für etwa sieben Sekunden auf den Belag. Hältst du es nicht aus, ist es für die Pfoten deines Hundes zu heiß. Das ist keine Messmethode, aber eine gute Faustregel.


Wichtig dazu: Die Pfoten sind kein Indikator für die gesamte Hitzebelastung. Ein kühler Waldboden schützt nicht davor, dass die Runde insgesamt zu viel ist. Umgekehrt kann der Boden längst zu heiß sein, während die Luft sich noch angenehm anfühlt.


Gut geeignet: dichte Wälder mit kühlem Untergrund, Feld- und Wiesenwege abseits befestigter Straßen, schattige Uferwege. Schatten senkt die Oberflächentemperatur erheblich.


Wenn Asphalt unvermeidbar ist: Strecke kurz halten, schattige Straßenseite wählen, Grünflächen für Pausen nutzen.



Unterwegs

Tempo rausnehmen. Schnüffeln und trödeln lassen. Ein Hund, der die Nase benutzt, ist ausgelastet, ohne sich zu verausgaben.


Bewegung aufteilen. Mehrere kurze Runden über den Tag sind bei Hitze besser als eine lange Strecke.


Wasser mitnehmen. Faltbarer Napf oder Hundetrinkflasche, bei jedem Ausgang.


Pausen im Schatten oder am Wasser. Ein kurzer Aufenthalt im Bach entlastet spürbar.


Abbruchsignal und Rückruf trainieren. Das ist die Stelle, an der Training konkret Notfälle verhindert. Viele Hunde regulieren sich bei Hitze nicht selbst – ein ballverrückter oder jagdlich motivierter Hund hört nicht auf, weil ihm zu warm ist. Er hört auf, wenn du ihn abrufen kannst. Ein zuverlässiger Rückruf und ein sauber aufgebautes Abbruchsignal sind im Sommer Sicherheitsausrüstung.


Zu feuchten Tüchern. Ein angefeuchtetes Tuch im Rucksack klingt praktisch, ist als Kühlmethode aber wenig wirksam – aufgelegt isoliert es eher, als dass es kühlt. Als nasse Unterlage zum Draufliegen ist es sinnvoll, als Auflage auf dem Hund nicht.


Woran du merkst, dass es zu viel wird

Manche Hunde zeigen deutlich, wenn sie überhitzen. Andere laufen trotz Erschöpfung weiter – das ist der gefährlichere Typ.


Frühe Zeichen: intensiveres Hecheln als gewöhnlich ohne Erholung in den Pausen, Unruhe, Suche nach Schatten oder kühlem Untergrund, langsamer werden, Trödeln, das nicht nach Schnüffeln aussieht.


Alarmzeichen: schwankender Gang, Taumeln, Erbrechen oder plötzlicher Durchfall, stark gerötetes, blasses oder bläuliches Zahnfleisch, zäher Speichel, Muskelzittern, Apathie, Zusammenbruch.


Zur Körpertemperatur: Der Normalbereich liegt etwa zwischen 37,5 und 39 °C. Werte darüber sind ein Warnsignal, das immer im Gesamtbild zu bewerten ist – ein Hund, der gerade gerannt ist, liegt vorübergehend höher, ohne krank zu sein. Als kritischer Bereich gelten Temperaturen ab etwa 41 °C. Eine einzelne Zahl ersetzt aber nie den Blick auf den Zustand.



Wenn es doch passiert

Die Kurzfassung – ausführlich steht sie im Beitrag zum Hitzschlag beim Hund:

Erst kühlen, dann fahren. So lauten die tierärztlichen Leitlinien zur Erstversorgung. Nicht ins Auto setzen und losfahren, sondern vor Ort mit dem Kühlen beginnen.


Kaltes Wasser, ganzer Körper. Die verbreitete Warnung, man dürfe nur lauwarmes Wasser verwenden, weil sich sonst die Gefäße zusammenziehen, gilt in der Fachliteratur als widerlegt. Verwende kaltes Leitungs- oder Umgebungswasser, das verfügbar ist, und übergieße den ganzen Körper – nicht nur Pfoten und Bauch. Kopf frei lassen. Bach, Gartenschlauch, Wanne, Eimer.


Für Luftbewegung sorgen. Wasser plus Luftstrom kühlt deutlich besser als Wasser allein.


Belastung sofort beenden, Schatten oder kühler Raum.


Kleine Mengen Wasser anbieten, nie aufzwingen. Ein bewusstseinsgetrübter Hund bekommt nichts zu trinken.


Praxis anrufen und hinfahren – auch wenn es besser wird. Organschäden können sich verzögert zeigen.



Fazit

Hohe Temperaturen bedeuten nicht, dass dein Hund auf Spaziergänge verzichten muss. Sie bedeuten, dass der Spaziergang selbst zur Entscheidung wird.


Die drei Dinge, die zählen:


Auf den Hund schauen, nicht aufs Thermometer. Es gibt keine sichere Gradzahl.


Den Boden prüfen – auch abends. Asphalt hält die Wärme lange.


Bereit sein, die Runde ausfallen zu lassen. Ein Schnüffelspiel im kühlen Flur ist an manchen Tagen die bessere Beschäftigung als die gewohnte Strecke.


Der Sommer bietet genug Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu erleben – früh morgens, im schattigen Wald, am Wasser. Es geht nicht darum, weniger zu machen, sondern anderes.





Quellen

  • Hall, E. J., Carter, A. J., & O'Neill, D. G. (2020). Dogs don't die just in hot cars – Exertional heat-related illness (heatstroke) is a greater threat to UK dogs. Animals, 10(8), Artikel 1324. https://doi.org/10.3390/ani10081324


  • Hall, E. J., Carter, A. J., Chico, G., Bradbury, J., Gentle, L. K., Barfield, D., & O'Neill, D. G. (2023). Cooling methods used to manage heat-related illness in dogs presented to primary care veterinary practices during 2016–2018 in the UK. Veterinary Sciences, 10(7), Artikel 465. https://doi.org/10.3390/vetsci10070465


  • Lilja-Maula, L., Lappalainen, A. K., Hyytiäinen, H. K., Kuusela, E., Kaimio, M., Schildt, K., Mölsä, S., Morelius, M., & Rajamäki, M. M. (2017). Comparison of submaximal exercise test results and severity of brachycephalic obstructive airway syndrome in English bulldogs. The Veterinary Journal, 219, 22–26. https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2016.11.019

Zur Asphalt-Angabe: Die Größenordnung „bei rund 25 °C Lufttemperatur etwa 50 °C Oberflächentemperatur bei dunklem Asphalt in der Sonne" stammt aus Aufklärungsmaterial von Tierschutz- und Verbrennungsfachgesellschaften und deckt sich mit mehreren unabhängigen Zusammenstellungen. Eine einzelne begutachtete Primärquelle mit exakt diesem Wertepaar haben wir nicht geprüft; die tatsächliche Oberflächentemperatur hängt stark von Sonneneinstrahlung, Belagsfarbe, Wind und Tageszeit ab.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei Verdacht auf Überhitzung beginne sofort mit dem Kühlen und wende dich unverzüglich an deine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst.



Häufige Fragen zu "Mit dem Hund entspannt durch den Sommer"

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