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Hundespielzeug sicher auswählen: Worauf du beim Kauf achten solltest

Eine Faustregel verhindert viele Fehlkäufe: Wenn du das Material nicht mit dem Daumennagel eindrücken kannst, ist Vorsicht geboten. Was damit auf einen Schlag ausfällt, überrascht.

Michael Sauerwein

Kurz zusammengefasst

Vier Dinge solltest du wissen. Erstens: Es gibt eine einfache Faustregel, die viele Fehlkäufe verhindert – wenn du das Material nicht mit dem Daumennagel eindrücken kannst oder es überhaupt nicht nachgibt, ist besondere Vorsicht geboten. Zweitens: Damit werden Nylonknochen, Geweihe, Hufe und Knochen kritisch – auch wenn sie als Kauspielzeug verkauft werden. Drittens, aus der tierzahnmedizinischen Praxis: Klassische Tennisbälle gelten als Zahnschädiger nicht durch Bruch, sondern durch Abrieb – der raue Filz wirkt wie Schmirgelpapier. Und viertens: Zahnfrakturen sind beim Hund häufig, und die AAHA-Leitlinien zur Zahnpflege sehen keine überzeugende Begründung dafür, harte Kauartikel wie Geweihe oder Knochen anzubieten.

Spielzeug leistet viel für Auslastung und Wohlbefinden – aber die Auswahl entscheidet mit, ob es hilft oder schadet. Dieser Artikel geht durch, worauf es beim Material ankommt, welche verbreiteten Produkte problematisch sind und wie du Spielzeug so einsetzt, dass es auch verhaltensmäßig etwas bringt.

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Vier Hunde spielen mit verschiedenen sicheren Hundespielzeugen im Park – Kauspielzeug, Ball und Zerrspielzeug für artgerechte Beschäftigung

1. Der wichtigste Test überhaupt

In der tierzahnmedizinischen Praxis gilt eine einfache Faustregel für Kauartikel und Kauspielzeug:

Als Faustregel gilt: Wenn du mit dem Daumennagel keinen Abdruck hinterlassen kannst oder das Material überhaupt nicht nachgibt, ist besondere Vorsicht geboten.

Die Härte ist dabei nicht der einzige Faktor – Form, Kanten, Elastizität und die Art, wie dein Hund kaut, spielen mit hinein. Aber sie ist der, den du im Laden prüfen kannst.

Der Grund ist physikalisch: Zahnschmelz ist sehr hart, aber dadurch auch spröde. Trifft er mit voller Beißkraft auf ein Material, das nicht nachgibt, kann der Zahn brechen – nicht das Spielzeug.

Eine Laborstudie zeigt die Größenordnung: Entnommene obere vierte Prämolaren von Hunden brachen im Mittel bei einer Last von etwa 1.281 Newton. Die Autoren folgern, dass Hunde, die regelmäßig harte Kauartikel und Spielzeuge bekommen, die nicht deutlich unterhalb dieser Last nachgeben, einem erhöhten Frakturrisiko ausgesetzt sein könnten. Was die Studie zeigen kann, ist begrenzt: 24 Zähne verstorbener Hunde, jeweils einmal bis zum Bruch belastet – sie zeigt einen plausiblen Mechanismus, nicht, wie oft Brüche im Alltag vorkommen.

Aus der Praxis: Eine typische Verletzung ist die sogenannte Slab-Fraktur: Ein Stück der Zahnkrone bricht seitlich ab. Unter den Backenzähnen wird der obere vierte Prämolar, der große Reißzahn unterhalb des Auges, am häufigsten als gebrochen beschrieben. Legt ein Bruch das Zahnmark frei, gelangen Bakterien aus der Maulhöhle in den Zahn, was zu Entzündung und Absterben des Zahnmarks führt – ein solcher Zahn braucht eine Wurzelbehandlung oder muss gezogen werden.

Und sie fallen oft nicht auf. Viele Hunde fressen weiter, spielen weiter und zeigen keinen offensichtlichen Schmerz. Entdeckt werden diese Brüche häufig erst bei einer Zahnkontrolle – manchmal Monate später. Auch Brüche ohne sichtbar freiliegendes Zahnmark sind nicht automatisch harmlos: In einer rückblickenden Auswertung von 111 solchen Brüchen am oberen vierten Prämolaren zeigte etwa ein Viertel im Röntgenbild Entzündungszeichen an der Wurzelspitze; die Autoren empfehlen deshalb, jeden solchen Bruch zu röntgen.

2. Was danach ausscheidet

Diese Produkte werden verbreitet als Kauspielzeug verkauft und bestehen den Test nicht:

  • Geweihe – die AAHA-Leitlinien zur Zahnpflege sehen keine überzeugende Begründung dafür, harte Kauartikel wie Geweihe oder künstliche und natürliche Knochen anzubieten, weil sie den Zahn schädigen können. „Natürlich" heißt hier nicht „sicher".
  • Knochen, roh wie gekocht. Gekochte splittern zusätzlich. Ringförmige Knochen können sich hinter den unteren Eckzähnen verklemmen und müssen dann in Narkose entfernt werden.
  • Hufe
  • Harte Nylonknochen – sie fallen unter die künstlichen Knochen, die die AAHA-Leitlinien in einem Atemzug mit Geweihen nennen.
  • Harte, dicke Kauhäute
  • Eiswürfel in größerer Menge

Was stattdessen funktioniert: Kauspielzeug aus Naturkautschuk oder anderem Gummi, das nachgibt. Es kann trotzdem sehr haltbar sein – haltbar und hart sind zwei verschiedene Dinge.

Als zusätzliche Orientierung gibt es das VOHC-Siegel, das Produkte kennzeichnet, deren Wirksamkeit gegen Zahnbelag oder Zahnstein in Studien geprüft wurde. Über die Sicherheit eines Kauartikels – etwa seine Härte – sagt das Siegel nichts aus.

3. Der Tennisball – ein anderer Schadmechanismus

Beim Tennisball geht es nicht um Bruch, sondern um Abrieb.

Systematische Studien dazu haben wir nicht gefunden; die folgende Beschreibung beruht auf der tierzahnmedizinischen Praxis. Vor allem klassische Tennisbälle mit rauem Filz sind problematisch – speziell für Hunde hergestellte Bälle haben oft eine andere Oberfläche. Der Filz ist deutlich rauer, als er aussieht, und er nimmt beim Spielen Sand und Schmutz auf. Beim Kauen und Tragen wirkt er dann wie Schmirgelpapier auf den Zahnschmelz. Über Monate und Jahre können sich die Zahnspitzen abschleifen – in der Praxis wird das als „Blunting" beschrieben, also ein Abflachen der Zähne.

Wird der Schmelz dünn genug, liegt das darunterliegende Dentin frei. Das ist schmerzempfindlich und anfälliger für Entzündungen.

Das Tückische ist die Unauffälligkeit. Es gibt kein Ereignis, keinen Knacks, keinen Notfall – nur allmählichen Verschleiß, der erst auffällt, wenn er weit fortgeschritten ist. Betroffen sind vor allem Hunde, die viel und ausdauernd apportieren.

Was daraus folgt: Ein Tennisball zum gelegentlichen Werfen ist etwas anderes als ein Tennisball, auf dem ein Hund täglich herumkaut oder den er stundenlang im Maul trägt. Wenn dein Hund ein Ballfan ist, gibt es Alternativen aus glattem Gummi in Ballform, die dasselbe leisten, ohne zu schmirgeln.

Dasselbe gilt für Frisbees mit rauer Oberfläche.

Und zur Größe: Ein Ball muss so groß sein, dass er nicht hinter die Zungenwurzel rutschen kann. Aus der Praxis: Zu kleine Bälle sind ein bekanntes Erstickungsrisiko – besonders bei großen Hunden, die kleine Bälle nehmen.

Zum Ballspiel selbst – Nutzen, Grenzen und die Frage der Überdrehung: Ballspiele mit Hunden.

4. Größe, Material, Verarbeitung

Größe. Ein Spielzeug darf nicht vollständig ins Maul passen. Prüf das nicht nach Gefühl, sondern am Hund – und denk daran, dass Hunde in Aufregung schlucken, was sie nüchtern nicht schlucken würden.

Material. Achte auf Angaben wie frei von Weichmachern und BPA, auf transparente Herstellerangaben und nachvollziehbare Herkunft. Meiden: stark riechende Billigprodukte ohne Angaben und lackiertes Holz mit unklarer Beschichtung.

Verarbeitung. Keine losen Teile oder aufgeklebten Details. Stabile Nähte bei Stoffspielzeug. Quietschelemente müssen fest eingearbeitet sein.

Ein Hinweis zum Quietscher: Für manche Hunde ist er ein starker Reiz, der das Zerlegen geradezu anheizt. Wenn dein Hund Plüschtiere systematisch aufschlitzt, bis er den Quietscher hat, ist das kein Materialproblem, sondern eine Frage der Aufsicht.

Seilspielzeug verdient eine eigene Anmerkung: Ausgefranste Fasern können verschluckt werden und sich im Darm zusammenziehen. Das ist eine der unangenehmeren Fremdkörpersituationen. Seile gehören zum gemeinsamen Spiel, nicht zum unbeaufsichtigten Hund.

5. Welches Spielzeug für welchen Hund

Plüsch eignet sich für Hunde, die tragen und kuscheln statt zu zerlegen. Waschbar und ohne verschluckbare Kleinteile. Für Zerleger ist es kein dauerhaftes Spielzeug, sondern ein Verbrauchsartikel unter Aufsicht.

Kauspielzeug ist wichtig für Junghunde im Zahnwechsel und für Hunde mit hohem Kaubedürfnis. Kauen kann bei vielen Hunden zur Entspannung beitragen – das ist ein realer Effekt und kein Nebenschauplatz. Entscheidend ist das Material: nachgiebig, nicht hart.

Intelligenzspielzeug fördert Konzentration und lastet ohne körperliche Belastung aus – ideal für Regentage, für Hunde in Schonung und für Senioren. Achte darauf, dass sich keine Teile herauslösen lassen.

Ein Punkt, der oft schiefgeht: Der Schwierigkeitsgrad muss passen. Ein Spiel, an dem der Hund scheitert, erzeugt Frust statt Auslastung. Fang leicht an und steigere erst, wenn es zuverlässig klappt.

Interaktives Spielzeug – Apportier-, Wurf- und Zerrspielzeug – wird gemeinsam genutzt und gehört danach weggeräumt.

Weitere Ideen für Beschäftigung: Denksport und Nasenarbeit.

6. Zum Zerrspiel – eine Richtigstellung

Zerrspiele haben einen schlechten Ruf, der sich hartnäckig hält: Sie würden Hunde dominant oder aggressiv machen. Dafür gibt es keine belastbaren Belege. Im Gegenteil ist das Zerrspiel eines der besten kooperativen Spiele überhaupt – es findet zwischen euch statt, nicht nebeneinander.

Worauf es tatsächlich ankommt, ist die Ausführung:

  • Nicht hochheben. Der Hund soll alle vier Pfoten am Boden behalten.
  • Nicht ruckartig seitlich reißen. Zug in der Längsachse, gleichmäßig.
  • Den Hund die Intensität mitbestimmen lassen.
  • Pausen einbauen und das Spiel auf Signal beenden können.
  • Bei Junghunden im Zahnwechsel deutlich zurückhaltender.

So gespielt hält Zerren die Belastung für die Gelenke gering, ist beziehungsfördernd und ein hervorragender Verstärker im Training.

7. Umgang im Alltag

Beobachten, besonders am Anfang. Wie geht dein Hund mit dem neuen Spielzeug um? Trägt er es, oder zerlegt er es? Danach richtet sich, ob es unbeaufsichtigt bleiben darf.

Regelmäßig kontrollieren auf Risse, lose Teile und aufgegangene Nähte. Beschädigtes Spielzeug wird ersetzt, nicht repariert.

Nichts Zerlegbares beim Alleinlassen. Kauartikel, Seile und Plüsch gehören zum beaufsichtigten Hund. Für die Zeit allein eignen sich robuste, befüllbare Gummispielzeuge.

Rotieren statt anhäufen. Wenn zwanzig Spielzeuge dauerhaft herumliegen, sind sie irgendwann alle uninteressant. Vier oder fünf im Wechsel wirken deutlich besser – und ein Spielzeug, das nur beim gemeinsamen Spiel herauskommt, behält seinen Wert als Belohnung.

Wenn dein Hund Spielzeug verteidigt, ist Wegnehmen die schlechteste Antwort. Das kann das Verteidigen verschärfen. Sinnvoll ist stattdessen ein sauber aufgebauter Tausch – und bei ausgeprägtem Verteidigen fachliche Begleitung.

Zur Hygiene: Stoffspielzeug regelmäßig waschen, Gummispielzeug abspülen. Und bei Intelligenzspielen mit Futter darauf achten, dass keine Reste darin verderben.

8. Prüfen, reinigen, aussortieren

Die Auswahl im Laden ist die eine Hälfte. Die andere ist, dass ein Spielzeug, das heute sicher war, es in drei Monaten nicht mehr sein muss – und genau dieser Teil wird fast nie gemacht.

8.1 Die monatliche Durchsicht

Nimm einmal im Monat den ganzen Korb durch und sortier aus, was folgende Merkmale zeigt:

Risse und abstehende Teile an Gummispielzeug – dort setzt das nächste Stück an, das abgebissen wird.

Ausgefranste Seile. Der Punkt aus Kapitel 4 verschärft sich mit der Zeit: Je aufgelöster das Seil, desto mehr lose Fasern.

Offene Nähte und freigelegte Füllung bei Stoffspielzeug. Ein Plüschtier, dessen Quietscher erreichbar geworden ist, ist kein Spielzeug mehr.

Abgeriebene und dünn gewordene Stellen – besonders bei Bällen, die viel getragen werden.

Und alles, was kleiner geworden ist. Ein Kauartikel, der auf die Hälfte abgekaut wurde, hat irgendwann die Größe erreicht, in der er verschluckt werden kann. Das ist ein typischer Weg zum Fremdkörper.

8.2 Reinigen

Spielzeug wird feucht, liegt draußen und geht durch viele Mäuler. Gummi- und Hartplastikspielzeug lässt sich heiß abspülen, vieles auch in der Spülmaschine. Stoffspielzeug gehört bei 60 Grad gewaschen, wenn das Material es erlaubt.

Das ist kein Hygienefimmel: Bei mehreren Hunden im Haushalt oder in der Gruppe ist gemeinsam benutztes Spielzeug ein Übertragungsweg – dieselbe Überlegung wie beim Wassernapf.

8.3 Rotation statt Dauerverfügbarkeit

Ein Punkt, der nichts mit Sicherheit zu tun hat und trotzdem viel bringt: Spielzeug, das dauerhaft herumliegt, verliert an Reiz. Wer einen Teil wegräumt und alle paar Wochen tauscht, hat mit denselben Gegenständen deutlich mehr Wirkung.

Und die besonderen Stücke – das Zerrseil, der Ball fürs Training – gehören ohnehin weggeräumt. Was immer verfügbar ist, taugt nicht als Belohnung.

9. Wann du zum Tierarzt gehst

Sofort, wenn dein Hund ein Teil verschluckt hat oder du das vermutest – besonders bei Seilfasern, Plüschfüllung, Plastikteilen oder Ballstücken.

Anzeichen einer Passagestörung: wiederholtes Erbrechen, kein Kotabsatz, Bauchschmerzen, angespannte Haltung, Fressunlust, Apathie. Das kann sich über Tage entwickeln.

Und beim Verdacht auf einen Zahnschaden: Kauen auf einer Seite, Fallenlassen von Futter, Zurückweichen bei Berührung am Fang, Reiben der Schnauze. Zahnschmerz zeigt sich beim Hund selten laut.

Woran du Schmerzen erkennst: Schmerzerkennung beim Hund.

Und weil es dazugehört: Stöcke sind kein Spielzeug. Die Verletzungen, die dabei entstehen, gehören zu den unangenehmsten überhaupt.

Warum: Gefahren beim Spielen mit Stöcken.

10. Fazit zum Hundespielzeug

Spielzeug ist eines der wenigen Dinge im Hundealltag, bei denen eine einzelne Kaufentscheidung jahrelang nachwirkt.

Die drei Dinge, die zählen:

Die Daumennagel-Faustregel anwenden. Was du nicht eindrücken kannst, gibt auch dem Zahn deines Hundes nicht nach.

Beim Ball auf die Oberfläche achten. Glattes Gummi statt Filz, und groß genug, dass er nicht rutschen kann.

Nach dem Hund auswählen, nicht nach dem Regal. Ein Zerleger braucht anderes als ein Träger, und ein Junghund im Zahnwechsel anderes als ein erwachsener Hund.

Und das beste Spielzeug ist ohnehin das, mit dem ihr gemeinsam etwas macht.

👉 Beratung und Training im Saarland

Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zum Hundespielzeug

Eine Faustregel verhindert viele Fehlkäufe: Wenn du mit dem Daumennagel keinen Abdruck hinterlassen kannst oder das Material nicht nachgibt, ist Vorsicht geboten.

Der Grund ist physikalisch. Zahnschmelz ist sehr hart und dadurch spröde – trifft er mit voller Beißkraft auf etwas, das nicht nachgibt, kann der Zahn brechen, nicht das Spielzeug.

Damit fallen Geweihe, Hufe, Knochen und harte Nylonknochen aus, auch wenn sie als Kauspielzeug verkauft werden. „Natürlich“ heißt hier nicht „sicher“.

Eine typische Verletzung aus der Praxis ist die Slab-Fraktur am oberen vierten Prämolaren – und sie fällt oft nicht auf, weil viele Hunde normal weiterfressen. Entdeckt wird sie oft erst Monate später bei einer Zahnkontrolle.

Beim Tennisball geht es nicht um Bruch, sondern um Abrieb. Nach der tierzahnmedizinischen Praxis nimmt der raue Filz Sand auf und wirkt wie Schmirgelpapier – der Schaden entsteht allmählich und ohne erkennbares Ereignis.

Haltbar und hart sind zwei verschiedene Dinge. Kauspielzeug aus Naturkautschuk gibt nach und kann trotzdem sehr haltbar sein.

Ein Spielzeug darf nicht vollständig ins Maul passen – und in Aufregung schlucken Hunde, was sie nüchtern nicht schlucken würden.

Ausgefranste Seilfasern können sich im Darm zusammenziehen. Das ist einer der Gründe, warum Spielzeug regelmäßig aussortiert gehört – was heute sicher war, ist es in drei Monaten nicht mehr zwingend.

Einordnung der Quellenlage

Die Aussagen zu Zahnfrakturen und harten Kauartikeln stützen sich auf die AAHA-Leitlinien zur Zahnpflege von 2019, eine Laborstudie zur Bruchlast des oberen vierten Prämolaren und eine rückblickende Auswertung von Brüchen an diesem Zahn. Die Daumennagel-Faustregel, die Slab-Fraktur als typisches Bild, die abrasive Wirkung von Tennisballfilz sowie die Aussagen zu Erstickungs- und Fremdkörperrisiken (Bälle, Seile, ringförmige Knochen) beruhen auf der tierärztlichen Praxis; systematische Studien dazu haben wir nicht gefunden.

Zur Häufigkeit einzelner Verletzungsarten durch Spielzeug liegen für den deutschsprachigen Raum keine belastbaren Zahlen vor.

Die Aussage, dass Zerrspiele Dominanz oder Aggression fördern, gilt in der Verhaltensforschung als nicht belegt; die genannten Ausführungsregeln folgen der gängigen trainingspraktischen Empfehlung.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei Verdacht auf ein verschlucktes Teil oder einen Zahnschaden wende dich an deine Tierarztpraxis.

Quellenverzeichnis

  • Bellows, J., Berg, M. L., Dennis, S., Harvey, R., Lobprise, H. B., Snyder, C. J., Stone, A. E. S. & Van de Wetering, A. G. (2019): 2019 AAHA Dental Care Guidelines for Dogs and Cats. Journal of the American Animal Hospital Association 55(2): 49–69. https://doi.org/10.5326/JAAHA-MS-6933 (keine überzeugende Begründung für harte Kauartikel wie Geweihe oder künstliche und natürliche Knochen, die den Zahn schädigen können; Zahnfrakturen lassen sich oft durch passende Auswahl von Kauartikeln und Spielzeug verhindern; ein Bruch mit freiliegendem Zahnmark führt zu Infektion und Absterben des Zahnmarks; VOHC-Anerkennung als Nachweis der Wirksamkeit gegen Zahnbelag und Zahnstein)
  • Soltero-Rivera, M., Elliott, M. I., Hast, M. W., Shetye, S. S., Castejon-Gonzalez, A. C., Villamizar-Martinez, L. A., Stefanovski, D. & Reiter, A. M. (2019): Fracture Limits of Maxillary Fourth Premolar Teeth in Domestic Dogs Under Applied Forces. Frontiers in Veterinary Science 5: 339. https://doi.org/10.3389/fvets.2018.00339 (24 obere vierte Prämolaren verstorbener Hunde; mittlere Bruchlast 1.281 N; harte Kauartikel und Spielzeuge, die nicht deutlich unterhalb dieser Last nachgeben, könnten das Frakturrisiko erhöhen; Laborstudie mit einmaliger Belastung bis zum Bruch)
  • Goodman, A. E., Niemiec, B. A., Carmichael, D. T., Thilenius, S., Lamb, K. E. & Tozer, E. (2020): The Incidence of Radiographic Lesions of Endodontic Origin Associated with Uncomplicated Crown Fractures of the Maxillary Fourth Premolar in Canine Patients. Journal of Veterinary Dentistry 37(2): 71–76. https://doi.org/10.1177/0898756420946500 (rückblickende Auswertung; Röntgenbefunde einer Entzündung ausgehend vom Zahnmark bei 27 von 111 Kronenbrüchen ohne freiliegendes Zahnmark, 24,3 %, gegenüber 0 von 500 Kontrollzähnen; Empfehlung, jeden solchen Bruch zu röntgen)
  • Veterinary Oral Health Council (VOHC): VOHC Seal of Acceptance. https://vohc.org/ (das Siegel wird für die Kontrolle von Zahnbelag, Zahnstein oder beidem an Produkte vergeben, die die VOHC-Standards für Wirksamkeit erfüllen)

Häufige Fragen zu Hundespielzeug

Welches Spielzeug ist für Hunde wirklich sicher?

Sicheres Hundespielzeug ist passend groß, frei von verschluckbaren Teilen und besteht aus einem Material, das für die Zähne geeignet ist. Als Faustregel gilt: Was extrem hart ist und nicht nachgibt, kann das Risiko für Zahnverletzungen erhöhen.

Woran erkenne ich schlechtes oder gefährliches Spielzeug?

Problematisch sind sehr harte Kauartikel wie Geweihe, Knochen oder harte Nylonprodukte, weil sie Zahnfrakturen verursachen können. Auch lose Teile, schlechte Verarbeitung, starke Beschädigungen oder Spielzeug in falscher Größe erhöhen das Risiko.

Brauchen Hunde überhaupt Spielzeug?

Ja. Geeignetes Spielzeug kann körperliche und geistige Beschäftigung ermöglichen, beim Training helfen und gemeinsame Interaktion fördern. Entscheidend ist, dass das Spielzeug zum Hund und seiner Art zu spielen passt.

Was ist besser: Stoffspielzeug, Seile oder Gummi?

Das hängt vom Hund ab. Ruhige Hunde können mit Stoffspielzeug gut zurechtkommen, während viele Hunde von nachgiebigem Gummi profitieren. Seile eignen sich für gemeinsames Zerrspiel, sollten aber nicht ausgefranst sein und nicht unbeaufsichtigt zum Kauen angeboten werden.

Sollte ich das Spielzeug regelmäßig austauschen?

Ja. Beschädigtes Spielzeug sollte ersetzt werden. Eine Rotation verschiedener Spielzeuge erhält außerdem die Attraktivität und verhindert, dass alles dauerhaft verfügbar und uninteressant wird.

Warum sind Geweihe und Knochen problematisch, wenn sie doch natürlich sind?

Weil die Härte entscheidet, nicht die Herkunft. Zahnschmelz ist sehr hart und dadurch spröde: Trifft er mit voller Beißkraft auf ein Material, das nicht nachgibt, kann der Zahn brechen. Die AAHA-Leitlinien zur Zahnpflege sehen keine überzeugende Begründung dafür, harte Kauartikel wie Geweihe oder künstliche und natürliche Knochen anzubieten, weil sie den Zahn schädigen können. Dazu kommt bei Knochen die Splittergefahr, und ringförmige Knochen können sich hinter den unteren Eckzähnen verklemmen.

Mein Hund liebt seinen Tennisball – muss ich ihn wegnehmen?

Nicht zwingend, aber unterscheide zwischen gelegentlichem Werfen und einem Ball, auf dem täglich herumgekaut oder der stundenlang getragen wird. Aus der tierzahnmedizinischen Praxis: Der raue Filz nimmt Sand auf und kann über Monate die Zahnspitzen abschleifen – ohne erkennbares Ereignis. Für ausgeprägte Ballfans gibt es Alternativen aus glattem Gummi in Ballform. Und achte auf die Größe: Ein Ball darf nicht hinter die Zungenwurzel rutschen können.

Woran merke ich, dass ein Spielzeug aussortiert gehört?

An Rissen und abstehenden Teilen, ausgefransten Seilen, offenen Nähten mit erreichbarer Füllung oder Quietscher, dünn gewordenen Stellen – und vor allem an der Größe. Ein Kauartikel, der auf die Hälfte abgekaut wurde, erreicht irgendwann die Größe, in der er verschluckt werden kann. Das ist ein typischer Weg zum Fremdkörper. Nimm den Korb einmal im Monat durch.

Was tun, wenn mein Hund ein Stück verschluckt hat?

Ruf an, auch wenn er sich normal verhält. Halte bereit, was verschluckt wurde, wie groß es ungefähr war, wann es passiert ist und wie viel dein Hund wiegt. Löse kein Erbrechen auf eigene Faust aus – bei spitzen oder scharfkantigen Teilen kann der zweite Weg durch die Speiseröhre zusätzlichen Schaden anrichten. Besonders kritisch sind lange Gegenstände wie Seilstücke, weil sie sich im Darm zusammenziehen können.

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