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Scheinträchtigkeit beim Hund – Ursachen, Symptome und was du tun kannst

  • Autorenbild: Hundeschule unterHUNDs
    Hundeschule unterHUNDs
  • 10. Nov. 2023
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. März

Scheinträchtigkeit, auch Pseudogravidität oder Scheinschwangerschaft, ist ein natürlicher hormoneller Zustand, der bei nicht trächtigen Hündinnen auftreten kann. Viele Hundehalter sind zunächst verunsichert, wenn ihre Hündin plötzlich Verhalten zeigt, das einer Schwangerschaft ähnelt.

Dabei handelt es sich meist um einen physiologischen Prozess, der nach der Läufigkeit auftreten kann und in den meisten Fällen von selbst wieder abklingt.

In diesem Artikel erfährst du, warum Scheinträchtigkeit entsteht, welche Symptome auftreten können und wie du deine Hündin in dieser Phase unterstützen kannst.

Scheinträchtige Hündin liegt in ihrem Hundebett und bemuttert ein Stofftier – typisches Verhalten bei Scheinschwangerschaft beim Hund


Ursachen der Scheinträchtigkeit

Die Hauptursache für eine Scheinschwangerschaft liegt in hormonellen Veränderungen nach der Läufigkeit.

Nach dem Eisprung (Ovulation) bereitet sich der Körper der Hündin grundsätzlich auf eine mögliche Trächtigkeit vor – unabhängig davon, ob tatsächlich eine Befruchtung stattgefunden hat.

Dabei spielen vor allem zwei Hormone eine wichtige Rolle:

Progesteron Dieses Hormon sorgt dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vorbereitet.

Prolaktin Sinkt der Progesteronspiegel nach einigen Wochen wieder ab, steigt der Prolaktinspiegel. Prolaktin ist unter anderem für Milchproduktion und mütterliches Verhalten verantwortlich.

Dieser hormonelle Wechsel kann dazu führen, dass die Hündin typische Anzeichen einer Trächtigkeit zeigt – obwohl sie nicht trächtig ist.

Interessant ist dabei auch ein möglicher evolutionärer Hintergrund:Bei wildlebenden Hundeartigen, etwa Wölfen, kann Scheinträchtigkeit dazu beitragen, dass nicht trächtige Weibchen bei der Aufzucht der Welpen im Rudel helfen. Dieses Verhalten wird als alloparentale Fürsorge bezeichnet und kann das Überleben der Jungtiere verbessern.

Symptome einer Scheinschwangerschaft

Die Symptome können von Hündin zu Hündin unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche Tiere zeigen nur leichte Veränderungen, während andere deutliche körperliche und verhaltensbezogene Anzeichen entwickeln.

Grundsätzlich lassen sich die Symptome in körperliche und psychische Veränderungen unterteilen.

Körperliche Symptome

Typische körperliche Anzeichen können sein:

Schwellung des Gesäuges Die Milchdrüsen können anschwellen, teilweise kommt es auch zu Milchbildung.

Milchproduktion In manchen Fällen produziert die Hündin tatsächlich Milch, obwohl keine Welpen vorhanden sind.

Gewichtszunahme Durch Wassereinlagerungen oder gesteigerten Appetit kann es zu einer vorübergehenden Gewichtszunahme kommen.

vergrößerter Bauchumfang Einige Hündinnen wirken optisch trächtig, obwohl keine Schwangerschaft vorliegt.

Verhaltensänderungen

Neben körperlichen Veränderungen treten häufig auch psychische oder verhaltensbezogene Symptome auf.

Typische Anzeichen sind:

Nestbauverhalten Viele Hündinnen beginnen, Decken oder Kissen zu sammeln und ein „Nest“ für vermeintliche Welpen zu bauen.

Bemuttern von Gegenständen Spielzeuge oder andere Gegenstände werden manchmal wie Welpen behandelt.

erhöhte Anhänglichkeit Manche Hündinnen suchen verstärkt die Nähe ihrer Bezugsperson.

Unruhe oder Reizbarkeit Andere wirken sensibler oder reagieren schneller gereizt.

Appetitveränderungen Der Appetit kann sowohl steigen als auch vorübergehend abnehmen.

Wie lange dauert eine Scheinträchtigkeit?

In vielen Fällen dauert eine Scheinschwangerschaft etwa zwei bis drei Wochen, nachdem die Symptome deutlich geworden sind.

Die Dauer kann jedoch individuell variieren. Manche Hündinnen zeigen nur leichte Symptome, die schnell wieder verschwinden, während andere über mehrere Wochen hinweg deutlich ausgeprägte Anzeichen entwickeln.

Auch die Intensität der Symptome ist sehr unterschiedlich. Während einige Hündinnen kaum Veränderungen zeigen, können andere starkes Nestbauverhalten oder ausgeprägte Milchbildung entwickeln.

Umgang mit einer scheinträchtigen Hündin

Auch wenn Scheinträchtigkeit meist harmlos ist, kannst du deine Hündin in dieser Zeit unterstützen.

Ruhe und Sicherheit

Biete deiner Hündin einen ruhigen Rückzugsort, an dem sie sich entspannen kann.

Bewegung und Ablenkung

Regelmäßige Spaziergänge und leichte Beschäftigung können helfen, die Aufmerksamkeit deiner Hündin von ihrem Nestbauverhalten abzulenken.

Spielzeuge nicht übermäßig fördern

Wenn deine Hündin Spielzeuge stark bemuttert, kann es sinnvoll sein, diese zeitweise wegzuräumen, um das Verhalten nicht zusätzlich zu verstärken.

Milchdrüsen nicht stimulieren

Das Ausdrücken von Milch oder häufiges Berühren des Gesäuges kann die Milchproduktion verstärken und sollte daher vermieden werden.

Wann solltest du zum Tierarzt gehen?

In einigen Fällen kann eine Scheinträchtigkeit zu Problemen führen, zum Beispiel:

  • Milchstau

  • Gesäugeentzündung (Mastitis)

  • starke Verhaltensveränderungen

  • Schmerzen oder Fieber

Wenn solche Symptome auftreten, solltest du deine Hündin unbedingt tierärztlich untersuchen lassen.

Kann eine Kastration Scheinträchtigkeit verhindern?

Da Scheinträchtigkeit hormonell bedingt ist, kann sie bei unkastrierten Hündinnen grundsätzlich immer wieder auftreten.

Bei Hündinnen mit stark ausgeprägten oder wiederkehrenden Beschwerden kann eine Kastration eine mögliche langfristige Lösung sein.

Dabei spielt jedoch der Zeitpunkt der Operation im Zusammenhang mit dem Läufigkeitszyklus eine wichtige Rolle. Wird eine Hündin während einer aktiven hormonellen Phase kastriert, kann dies unter Umständen selbst eine Scheinträchtigkeit auslösen.

Aus diesem Grund empfehlen viele Tierärzte, eine Kastration erst außerhalb hormoneller Aktivitätsphasen und häufig nach der ersten Läufigkeit zu planen.

Die Entscheidung für eine Kastration sollte daher immer individuell und in Rücksprache mit einem Tierarzt getroffen werden.

Fazit

Scheinträchtigkeit ist ein natürlicher hormoneller Zustand, der bei vielen Hündinnen nach der Läufigkeit auftreten kann. Obwohl die Symptome manchmal ungewöhnlich wirken, handelt es sich meist um eine vorübergehende Phase.

Mit Geduld, Verständnis und der richtigen Betreuung kannst du deiner Hündin helfen, diese Zeit stressfrei zu überstehen. Treten jedoch starke körperliche oder verhaltensbezogene Symptome auf, sollte immer tierärztlicher Rat eingeholt werden.



Häufige Fragen zur Scheinträchtigkeit bei Hündinnen

Ursachen, Symptome und wie du richtig damit umgehst



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