Hunderatgeber · Hundeerziehung und Training
Welpenerziehung Woche 3–4: Mut, Grenzen und die erste große Weltentdeckung
Jetzt wird dein Welpe mutiger, neugieriger, energiegeladener. Die Phase, in der erste Regeln entstehen – und in der zwei Fehler besonders leicht passieren.
Michael Sauerwein · 20. März 2026
Die ersten beiden Wochen sind geschafft! Dein Welpe hat sich inzwischen meist etwas eingelebt und kennt viele Abläufe seines neuen Zuhauses. Nun öffnet sich das nächste Kapitel: Nach den ersten Wochen im neuen Zuhause wirken viele Welpen bereits sicherer und erkunden ihre Umwelt aktiver. Gleichzeitig entwickeln sich körperliche und kognitive Fähigkeiten kontinuierlich weiter.
Kurz zusammengefasst
Viele Welpen wirken jetzt mutiger, neugieriger und energiegeladener. Das ist die Phase, in der du erste klare Regeln etablierst und ihn behutsam an die Welt heranführst. Zwei Dinge sind entscheidend: das richtige Maß zwischen Förderung und Überforderung – neue Reize immer in kleinen, positiven Dosen und unterhalb seiner individuellen Belastungsgrenze – und gutes Timing beim Belohnen. Was oft als „Grenzentesten“ bezeichnet wird, ist meist normales Lernen – und eine Regel, die zu Hause sitzt, gilt für deinen Welpen nicht automatisch überall. Training bleibt kurz, spielerisch und endet möglichst positiv. Es geht nicht um Perfektion, sondern um gute erste Erfahrungen.
👉 Welpenerziehung Woche 1–2: Orientierung, Sicherheit & Bindung
1. Das große Ziel: Struktur, erste Regeln und Umwelttraining
Lag der Schwerpunkt in den ersten Tagen vor allem auf Ankommen, Orientierung und einem ruhigen Alltag, können Anforderungen und Umweltreize nun schrittweise erweitert werden. Was oft als „Grenzentesten“ bezeichnet wird, ist dabei meist normales Lernen: Dein Welpe probiert Verhalten aus und erfährt, welche Konsequenzen es in unterschiedlichen Situationen hat.
Gleichzeitig öffnest du die Tür zur Umwelt. Umwelttraining heißt: Du begleitest deinen Welpen beim Erkunden neuer Reize in bewältigbarer Dosis und sorgst dafür, dass diese Erfahrungen möglichst positiv bleiben. Das schafft gute Voraussetzungen dafür, dass er später mit Alltagssituationen sicher umgeht – eine Garantie für ein bestimmtes späteres Verhalten ist es nicht.
2. Was sich in dieser Phase entwickelt
Dein Welpe wird oft mutiger. Sichere, bewältigbare Erfahrungen können dazu beitragen, dass er sich mehr zutraut. Wo er anfangs zögerlich an deiner Seite blieb, traut er sich nun ein Stück weiter, schnuppert an unbekannten Dingen und reagiert neugieriger auf Geräusche.
Er probiert mehr aus. Dein Welpe erfährt, dass sein Verhalten Konsequenzen hat: Was passiert, wenn ich an der Hose zupfe? Wenn ich nicht komme? Wenn ich auf die Couch springe? Das ist kein Zeichen von Dominanz und kein Ungehorsam, sondern normales Lernen. Dazu kommt: Eine Regel, die zu Hause schon funktioniert, ist nicht automatisch auf andere Orte und Ablenkungen generalisiert.
Er wirkt oft wacher. Schlaf und Ruhe bleiben weiterhin wichtig. Wie lange einzelne Wach- und Ruhephasen dauern, unterscheidet sich zwischen Welpen deutlich. Zur Reichweite: Wissenschaftlich gesicherte Sollwerte gibt es dafür nicht, und die Unterschiede zwischen einzelnen Welpen sind groß – in einer großen Kohorte lag die von Haltern berichtete Gesamtschlafzeit bei 16 Wochen alten Hunden im Mittel deutlich unter den oft genannten Zahlen (Kinsman et al., 2020). Dein Welpe hat nun mehr Energie für Spiel, Erkundung und erste Trainingseinheiten. Wird diese Energie nicht gelenkt, sucht er sich selbst Beschäftigung – und die ist nicht immer die, die du dir wünschst.
3. Training jetzt – die wichtigsten Übungen
Es geht nicht um Perfektion, sondern um positive Grundsteine. Jede Einheit bleibt kurz – wenige Minuten genügen, und wie lange dein Welpe konzentriert mitarbeitet, ist individuell verschieden. Beenden solltest du, solange es noch gut läuft.
Leinengewöhnung
In dieser Phase geht es noch nicht um „Leinenführigkeit“, sondern darum, dass dein Welpe die Leine als etwas Neutrales oder Positives kennenlernt. Beginne ohne Druck: Leg Geschirr oder Halsband zunächst nur für ein paar Sekunden an und belohne, dann steigere die Tragezeit langsam. Lass die Leine unter Aufsicht im Haus hinter deinem Welpen herlaufen, damit er sich an das Gefühl gewöhnt, ohne dass du ziehst. Nimm sie dann in die Hand und folge deinem Welpen, statt ihn zu führen – jeden entspannten Schritt belohnen, nie ruckartig ziehen (das erzeugt Gegenwehr und negative Verknüpfungen).
Beispiel aus der Praxis: Yuki findet ihr Geschirr anfangs unheimlich. Statt es ihr einfach überzuziehen, hält ihr Mensch es nur hin – und es regnet Leckerli. Nach ein paar Tagen steckt Yuki den Kopf freiwillig hindurch, weil „Geschirr“ inzwischen „gleich passiert was Gutes“ bedeutet. Erst dann kommt der nächste Schritt.
Rückruf ausbauen
Den spielerischen Grundstein aus Woche 1–2 baust du jetzt aus – weiter ohne Druck und ohne Ablenkung. Ruf deinen Welpen in ruhiger Umgebung und belohne mit etwas besonders Hochwertigem oder einem kurzen Spiel; variiere den Abstand. Wichtig: Das Rückrufsignal muss der absolute „Hit“ sein – benutze es nie, um etwas Unangenehmes einzuleiten (Spiel beenden, ins Körbchen schicken). Je stärker die Belohnungsgeschichte jetzt ist, desto zuverlässiger wird der Rückruf später unter Ablenkung.
👉 Rückruftraining für Hunde – Schritt für Schritt zum zuverlässigen Rückruf
Frustration aushalten lernen
Nicht jeder Wunsch wird sofort erfüllt – dein Welpe darf lernen, dass kurze Wartemomente nicht bedrohlich sind. Du kannst zum Beispiel kurze, freiwillige Wartemomente fördern, indem du ruhiges Verhalten belohnst und den Zugang zu einer Ressource – etwa dem Napf – ruhig und kontrolliert gestaltest; die Wartezeit steigerst du ganz langsam von einer auf wenige Sekunden. Oder du unterbrichst ein tolles Spiel kurz und machst dann weiter, sodass er lernt: „Kurze Pause – gleich geht’s weiter.“ Solche kleinen Übungen können deinem Welpen helfen, in genau diesen Situationen kurze Wartezeiten auszuhalten. Ob sich diese Fähigkeit auf andere Situationen überträgt, lässt sich nicht automatisch voraussetzen.
Deckentraining starten
Das Deckentraining gibt deinem Welpen einen festen Rückzugsort, der Entspannung signalisiert – und dir hilft es, im Alltag Ruhephasen zu schaffen. Leg eine weiche Decke an einen ruhigen Ort und wirf immer wieder Leckerli darauf, sodass dein Welpe freiwillig hingeht. Sucht er die Decke auf, kannst du nach und nach ein Signal wie „Decke“ ergänzen und zunächst nur kurze Verweildauern verlangen. Ganz wichtig: Die Decke ist immer etwas Positives – schick deinen Welpen nie „zur Strafe“ dorthin. Er soll sich selbst für die Decke entscheiden, weil dort Gutes passiert.
Alleinbleiben vorbereiten
Auch wenn dein Welpe jetzt noch nicht lange allein bleiben soll, kannst du erste Grundlagen legen. Beginne mit ganz kurzen Trennungsmomenten im Alltag: Tür kurz schließen, wieder zurückkommen, dabei ruhig und unaufgeregt bleiben. Ziel ist ausdrücklich nicht, dass dein Welpe etwas „aushalten muss“, sondern dass er die Erfahrung macht: Dein Weggehen ist vorhersehbar – und du kommst zuverlässig zurück. Bleibt dein Welpe dabei entspannt, kann die Dauer schrittweise erhöht werden. Wie schnell das möglich ist, richtet sich nach seiner Reaktion.
👉 Trennungsangst beim Hund – warum dein Verhalten entscheidend ist
4. Umwelttraining: die Welt entdecken
Jetzt erweiterst du die „kleine Welt“ eures Zuhauses behutsam. Umwelttraining heißt: Du begleitest deinen Welpen aktiv beim Erkunden neuer Reize und sorgst dafür, dass diese Erfahrungen positiv bleiben.
👉 Sozialisation beim Welpen – der wichtigste Grundstein
Verschiedene Untergründe. Bisher kannte dein Welpe meist nur glatte Böden. Draußen warten Gras, Asphalt, Kies, Holz, nasser Boden, vielleicht Schnee oder Sand. Nimm ihn an ruhige, überschaubare Orte und lass ihn die Untergründe in seinem eigenen Tempo erkunden; geh selbst voran und unterstütze ihn ruhig. Unterschiedliche bewältigbare Erfahrungen während der frühen Sozialisation können dazu beitragen, dass neue Umweltreize später vertrauter sind.
Geräusche. Staubsauger, Waschmaschine, Autos, Kinderlachen – all das muss dein Welpe erst einordnen lernen. Spiele Geräusche zunächst leise ab, während er entspannt ist, und verknüpfe sie mit etwas Gutem (Futter, Spiel). Überschreite dabei nie die Reizschwelle: Zeigt dein Welpe Angst oder Stress (angelegte Ohren, eingezogene Rute, Fluchtversuch), reduziere den Reiz sofort. Bei guter Desensibilisierung arbeitet man unterhalb der Reizschwelle – niemals durch „Überfluten“.
Kurze Ausflüge. Erste Ausflüge sind jetzt möglich, aber altersgerecht: Ein junger Welpe ist noch nicht bereit für lange Spaziergänge oder den Trubel der Fußgängerzone. Halte erste Ausflüge überschaubar und richte Dauer und Reizdichte nach deinem Welpen. Wähle ruhige Wohnstraßen, Feldwege oder stille Parks, wo du die Reizdichte steuern kannst. Ziel sind nicht Kilometer oder eine bestimmte Minutenzahl, sondern bewältigbare Erfahrungen mit ausreichend Ruhe dazwischen und positive Eindrücke: stehen bleiben, beobachten, entspanntes Verhalten belohnen. Wird dein Welpe unsicher, darf er ruhig auf den Arm – so lernt er: „Ich bin sicher, mein Mensch passt auf.“
5. Was körperlich dazukommt
Parallel dazu verändert sich auch der Körper – und daraus folgen zwei Dinge für den Alltag.
5.1 Der Zahnwechsel
Er beginnt bei vielen Welpen etwa ab dem vierten Lebensmonat und zieht sich über Wochen. In dieser Zeit kann das Kaubedürfnis zunehmen, manche Welpen fressen zögerlicher oder wirken empfindlicher am Fang.
Was hilft: geeignete Kaumöglichkeiten anbieten, statt nur wegzunehmen. Und Handling am Maul in dieser Phase besonders behutsam, damit die Gewöhnung aus Woche 1 und 2 nicht mit einem unangenehmen Gefühl überschrieben wird.
Lockere Milchzähne gehören zum normalen Zahnwechsel. Bei stärkeren oder anhaltenden Blutungen, deutlichen Schmerzen, anhaltender Futterverweigerung oder wenn ein Milchzahn stehen bleibt, obwohl der bleibende Zahn schon durchbricht, sollte die Tierarztpraxis draufschauen – persistierende Milchzähne können zu Fehlstellungen führen.
5.2 Bewegung und Belastung
Gelenke und Wachstumsfugen sind noch nicht ausgereift. Das heißt nicht, Bewegung zu vermeiden – freie, selbstbestimmte Bewegung ist wichtig. Problematisch sind eher unangemessen hohe oder stark wiederholte Belastungen: lange Strecken am Stück, Treppensteigen, Sprünge aus der Höhe, Radfahren neben dem Hund.
Wie viel im Einzelfall passt, hängt von Rasse, Größe und Entwicklungsstand ab und gehört mit der Tierarztpraxis besprochen. Wichtig dabei: Auch selbst gewählte Aktivität ist nicht automatisch risikolos. Hohe Sprünge, häufige Treppen oder stark repetitive Belastungen sollten bei jungen Welpen begrenzt werden. In einer prospektiven Untersuchung an 501 großwüchsigen Hunden war die Treppennutzung in den ersten drei Lebensmonaten mit einem höheren Risiko für röntgenologisch auffällige Hüftgelenke verbunden, freie Bewegung auf weichem, mäßig unebenem Gelände dagegen mit einem geringeren (Krontveit et al., 2012). Zur Reichweite: Die Untersuchung betraf vier große Rassen und belegt keine allgemeingültige Regel.
6. Wenn Regeln nicht greifen
Das Ausprobieren aus Kapitel 2 fühlt sich im Alltag oft anders an, als es der Beitrag beschreibt – und der Reflex ist meist, konsequenter zu werden. Das ist selten die beste Antwort.
6.1 Zuerst: die Grundlagen prüfen
Bevor du an einer Regel arbeitest, geh drei Dinge durch: Wie viel hat dein Welpe geschlafen? Wie lange ist die letzte Gelegenheit zum Lösen her? Und war die Situation für ihn überhaupt bewältigbar?
Was wie Ignorieren aussieht, kann auch mit Übermüdung, hoher Erregung, einer zu schwierigen Situation oder einem gerade dringenderen Bedürfnis zusammenhängen.
6.2 Dann: Management statt Wiederholung
Ein Welpe, der auf die Couch springt, lernt bei jedem gelungenen Sprung dazu – unabhängig davon, wie oft du ihn herunterholst. Solange eine Regel noch nicht sitzt, ist es wirksamer, die Gelegenheit zu verhindern, als sie immer wieder zu korrigieren.
Türen zu, Kissen weg, Leine im Haus, Gitter davor: Das ist keine Kapitulation, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Regel überhaupt gelernt werden kann.
6.3 Und: alle machen dasselbe
Wenn eine Person den Welpen hochlässt und eine andere ihn herunterschickt, lernt er nicht zwei Regeln, sondern dass die Sache unklar ist. Eine einheitliche Regel, die nicht deine Lieblingsregel ist, funktioniert besser als deine, die nur die Hälfte des Haushalts mitträgt.
Diese Frage gehört einmal ausgesprochen, statt sie stillschweigend unterschiedlich zu handhaben.
7. Typische Fehler in Woche 3 und 4
1. Zu schnell, zu viel wollen. Dein Welpe macht Fortschritte – also gleich Hundeschule, Stadtpark und Besuch bei Oma? Sein Nervensystem ist noch nicht ausgereift; zu viele oder zu intensive Reize auf einmal können zu Überforderung beitragen; mögliche Reaktionen sind beispielsweise Unruhe, Meideverhalten oder Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen. Frühe belastende Lebensbedingungen und unzureichende Sozialisation werden mit späteren Verhaltensunterschieden in Verbindung gebracht; eine einfache Dosis-Wirkungs-Regel für einzelne stressige Erlebnisse lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Besser: Als praktische Orientierung nutzen wir das „Zwei-Schritte-Prinzip“ – ein neuer Reiz, dann wieder vertraute Umgebung. Reizdichte langsam aufbauen.
Beispiel aus der Praxis: Ninos Familie meint es gut und packt an einem Tag Baumarkt, Café und Welpentreffen zusammen. Am Abend ist Nino völlig überdreht, beißt wie wild und findet keine Ruhe. In dieser Situation war das Programm offenbar zu viel auf einmal. Am nächsten Tag: nur ein kleiner, ruhiger Reiz – und Nino ist wieder ausgeglichen.
2. Zu lange oder zu schwere Einheiten. „Sitz klappt, dann üben wir jetzt zehn Minuten Platz!“ Welpen haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne; zu lange Einheiten können frustrieren. Besser: kurz trainieren und rechtzeitig pausieren. Dauer und Häufigkeit richten sich nach Hund und Aufgabe; mehr Training ist nicht automatisch besser.
3. Falsches Timing beim Belohnen. Hunde verknüpfen eine Konsequenz eng mit dem unmittelbar vorangegangenen Verhalten. Belohnst du zu spät (etwa erst, wenn dein Welpe sich schon wieder abgewandt hat), verstärkst du womöglich das Falsche. Besser: möglichst unmittelbar markieren beziehungsweise belohnen. Ein gut aufgebautes Markersignal (Clicker oder ein kurzes „Ja“) kann den richtigen Moment präzise kennzeichnen und die kurze Zeit bis zur eigentlichen Belohnung überbrücken.
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8. Fazit: Struktur, Freude und ein sicherer Rahmen
Die Wochen 3 und 4 sind eine aufregende Zeit: Dein Welpe zeigt mehr Persönlichkeit, wird selbstbewusster und erkundet die Welt mit eigenen Pfoten. Deine Aufgabe ist ein sicherer Rahmen – mit klaren Regeln, liebevoller Konsequenz und einem feinen Gespür für seine Grenzen. Struktur gibt Orientierung, erste Regeln werden nicht durch Härte, sondern durch positive Verstärkung und Geduld gefestigt, und Umwelttraining öffnet die Tür zur Welt – immer in kleinen, sicheren Schritten.
Damit schaffst du gute Voraussetzungen dafür, dass dein Welpe unterschiedliche Alltagssituationen zunehmend sicher bewältigen kann. Frühe Erfahrungen sind wichtig, bestimmen seine spätere Entwicklung aber nicht allein. Genieße die kleinen Fortschritte.
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Quellen
- Kinsman, R., et al. (2020). Sleep duration and behaviours: A descriptive analysis of a cohort of dogs up to 12 months of age. Animals, 10(7), 1172. https://doi.org/10.3390/ani10071172
- McEvoy, V., et al. (2022). Canine socialisation: A narrative systematic review. Animals, 12(21), 2895. https://doi.org/10.3390/ani12212895
- Bray, E. E., et al. (2021). Dog cognitive development: A longitudinal study across the first 2 years of life. Animal Cognition, 24, 311–328. https://doi.org/10.1007/s10071-020-01443-7
- Krontveit, R. I., Nødtvedt, A., Sævik, B. K., Ropstad, E. & Trangerud, C. (2012). Housing- and exercise-related risk factors associated with the development of hip dysplasia as determined by radiographic evaluation in a prospective cohort of Newfoundlands, Labrador Retrievers, Leonbergers, and Irish Wolfhounds in Norway. American Journal of Veterinary Research, 73(6), 838–846. https://doi.org/10.2460/ajvr.73.6.838
- American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB). Position Statement on Puppy Socialization. Abrufbar über die Position Statements der AVSAB unter avsab.org.
Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zu Woche 3 und 4
Was oft „Grenzentesten“ heißt, ist meist normales Lernen. Dein Welpe probiert Verhalten aus und erfährt dessen Konsequenzen – und eine Regel, die zu Hause sitzt, ist nicht automatisch auf andere Orte und Ablenkungen generalisiert.
Es geht um das Maß zwischen Förderung und Überforderung – neue Reize in kleinen, bewältigbaren Dosen und unterhalb der individuellen Belastungsgrenze.
Training bleibt kurz und endet, solange es noch gut läuft. Wie lange dein Welpe konzentriert mitarbeitet, ist individuell verschieden.
Der Schlafbedarf bleibt hoch. Wissenschaftlich gesicherte Sollwerte gibt es dafür allerdings nicht, und die Unterschiede zwischen einzelnen Welpen sind groß (Kinsman et al., 2020).
Inhibitorische Kontrolle ist beim Welpen messbar vorhanden, aber noch unreif und entwickelt sich über die folgenden Monate weiter (Bray et al., 2021). Kleine Warteübungen helfen in genau diesen Situationen; ein Übertrag auf andere Situationen lässt sich nicht voraussetzen.
Gelenke und Wachstumsfugen sind noch nicht ausgereift. Das heißt nicht, Bewegung zu vermeiden – aber auch selbst gewählte Aktivität ist nicht automatisch risikolos: Hohe Sprünge, häufige Treppen und stark repetitive Belastungen gehören begrenzt (Krontveit et al., 2012).
Solange eine Regel noch nicht sitzt, wirkt Management besser als Wiederholung. Jeder gelungene Sprung auf die Couch ist eine Übung – unabhängig davon, wie oft du ihn herunterholst.
Was wie Ignorieren aussieht, kann mit Übermüdung, hoher Erregung oder einer zu schwierigen Situation zusammenhängen – oder mit einem Bedürfnis, das gerade dringender ist als dein Signal.
Eine einheitliche Regel trägt weiter als die beste Regel, die nur die Hälfte des Haushalts mitmacht.
Welpenerziehung Woche 3–4 – Training, Regeln und Umwelt
Häufige Fragen
Was lernt mein Welpe in Woche 3–4?
In Woche 3–4 geht es darum, die sichere Basis aus den ersten Tagen auszubauen. Dein Welpe lernt erste Regeln, sammelt positive Erfahrungen mit seiner Umwelt und entwickelt mehr Selbstvertrauen. Wichtig sind Struktur, Orientierung und ein langsamer Aufbau neuer Reize.
Wann beginne ich mit dem Training meines Welpen?
Training beginnt bereits im Welpenalter, aber immer spielerisch und angepasst an die Belastbarkeit des Hundes. In Woche 3–4 eignen sich kurze Einheiten von wenigen Minuten für Übungen wie Aufmerksamkeit, erste Rückrufspiele, Leinengewöhnung und Deckentraining.
Wie lange sollte ich mit meinem Welpen trainieren?
Trainingseinheiten dürfen kurz sein und sollten beendet werden, solange dein Welpe noch konzentriert und motiviert mitarbeitet. Dauer und Häufigkeit richten sich nach Hund und Aufgabe; mehr Training ist nicht automatisch besser, da Welpen nur eine kurze Konzentrationsspanne haben und Lernen positiv bleiben soll.
Wie gewöhne ich meinen Welpen an neue Umweltreize?
Neue Reize sollten schrittweise und positiv eingeführt werden. Unterschiedliche Untergründe, Geräusche und Orte werden in einem Tempo erkundet, das den Welpen nicht überfordert. Ziel ist nicht möglichst viel zu erleben, sondern gute Erfahrungen zu sammeln.
Warum probiert mein Welpe plötzlich so viel aus?
Was oft als „Grenzentesten“ bezeichnet wird, ist meist normales Lernen: Dein Welpe probiert Verhalten aus und erfährt, welche Konsequenzen es in unterschiedlichen Situationen hat. Dazu kommt, dass eine Regel, die zu Hause schon funktioniert, nicht automatisch auf andere Orte und Ablenkungen übertragen wird. Es geht dabei nicht um Dominanz oder Ungehorsam, sondern um Lernen und Orientierung.
Wie übe ich die Leine mit meinem Welpen?
In dieser Phase geht es zunächst um Leinengewöhnung, nicht um perfekte Leinenführigkeit. Dein Welpe soll Halsband, Geschirr und Leine positiv kennenlernen. Ruhiges Verhalten wird belohnt, Druck und Leinenruck sollten vermieden werden.
Kann ich in Woche 3–4 schon Alleinbleiben üben?
Ja, erste Grundlagen können spielerisch aufgebaut werden. Es geht noch nicht darum, den Welpen lange alleine zu lassen, sondern kurze, positive Trennungsmomente zu schaffen. Der Welpe soll lernen, dass Weggehen vorhersehbar ist und du zuverlässig zurückkommst.
Was ist in Woche 3–4 besonders wichtig?
Das richtige Gleichgewicht zwischen Förderung und Ruhe ist entscheidend. Dein Welpe braucht neue Erfahrungen, aber auch ausreichend Schlaf und Erholung. Struktur, positive Verstärkung und ein langsamer Aufbau helfen ihm, sicher und souverän zu werden.
Mein Welpe hört plötzlich nicht mehr – ist das Trotz?
Nein. Eine Regel, die zu Hause bereits funktioniert, ist nicht automatisch auf andere Orte, Ablenkungen und Situationen übertragen. Außerdem probiert dein Welpe unterschiedliche Verhaltensweisen aus und lernt dabei, welche Konsequenzen sie haben. Das ist normales Lernen, kein Trotz. Bevor du an der Regel arbeitest, prüf allerdings drei Dinge: Wie viel hat er geschlafen? Wie lange ist die letzte Gelegenheit zum Lösen her? Und war die Situation für ihn bewältigbar? Was wie Ignorieren aussieht, kann auch mit Übermüdung, hoher Erregung, einer zu schwierigen Situation oder einem gerade dringenderen Bedürfnis zusammenhängen.
Wie viel Bewegung verträgt mein Welpe in dieser Zeit?
Gelenke und Wachstumsfugen sind noch nicht ausgereift. Das heißt nicht, Bewegung zu vermeiden – freie, selbstbestimmte Bewegung ist wichtig. Problematisch sind eher unangemessen hohe oder stark wiederholte Belastungen: lange Strecken am Stück, viel Treppensteigen, Sprünge aus der Höhe oder Radfahren neben dem Hund. Wie viel im Einzelfall passt, hängt von Rasse, Größe und Entwicklungsstand ab und gehört mit der Tierarztpraxis besprochen. Wichtig dabei: Auch selbst gewählte Aktivität ist nicht automatisch risikolos – hohe Sprünge, häufige Treppen oder stark repetitive Belastungen sollten begrenzt werden.