Assistenzhunde in Deutschland 2026: Zwischen Gesetz, Umsetzung und Praxis
- Hundeschule unterHUNDs

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Stand: Februar 2026
1. Warum derzeit so viele Fragen entstehen
In den vergangenen Jahren wurde das Assistenzhundewesen in Deutschland erstmals bundesweit einheitlich geregelt. Mit dem Inkrafttreten des Assistenzhundegesetzes sollte Klarheit geschaffen werden – für Betroffene, Ausbildungsstätten, Behörden und Einrichtungen.
Seit dem 1. Juli 2024 gilt die neue Struktur vollständig. Seit diesem Stichtag dürfen staatlich anerkannte Assistenzhundeteams nur noch über entsprechend akkreditierte Prüfverfahren bestätigt werden.
In der Praxis zeigt sich jedoch:Die formalen Grundlagen sind geschaffen – die flächendeckende Umsetzung befindet sich noch im Aufbau.
Viele fertig ausgebildete Teams fragen sich daher:
Wie läuft die staatliche Anerkennung konkret ab?
Wann sind Prüfungen möglich?
Was gilt in der Übergangszeit?
Dieser Beitrag ordnet die Situation sachlich ein.

2. Was ein Assistenzhund rechtlich ist
Ein Assistenzhund ist im Sinne des Assistenzhundegesetz ein speziell ausgebildeter Hund, der eine Behinderung durch konkrete Aufgaben kompensiert.
Entscheidend sind:
Individuell angepasste Aufgaben
Behinderungsbezug
Zuverlässige Ausführung im Alltag
Nachweis der Teamfähigkeit
Ein Assistenzhund ist damit kein besonders gut erzogener Begleithund – sondern ein funktionales Hilfsmittel mit rechtlichem Status.
3. Klare Abgrenzung: Wer hat gesetzliche Sonderrechte?
Hundetyp | Einsatzbereich | Gesetzlicher Status | Zutrittsrechte |
Assistenzhund | Einzelperson mit Behinderung | Gesetzlich geregelt | Ja |
Therapiehund | Therapeutische Einrichtung | Keine Sonderrechte | Nein |
Besuchshund | Ehrenamtliche Tätigkeit | Keine Sonderrechte | Nein |
Schulhund | Pädagogischer Einsatz | Keine Sonderrechte | Nein |
Privater Begleithund | Alltag | Keine Sonderrechte | Nein |
Diese Differenzierung ist wichtig, da Begriffe im öffentlichen Raum zunehmend vermischt werden.
4. Der aktuelle Stand der Akkreditierung
Mit Ablauf der Übergangsfrist am 1. Juli 2024 dürfen staatlich anerkannte Assistenzhundeprüfungen nur noch über akkreditierte Prüfstellen erfolgen.
Eine solche Prüfstelle wurde inzwischen gemäß den Vorgaben der Assistenzhundeverordnung akkreditiert. Damit ist ein wesentlicher formaler Schritt erfolgt.
Die praktische Umsetzung ist jedoch noch nicht flächendeckend abgeschlossen. Insbesondere befinden sich Ausbildungsstätten im Prozess der strukturellen Anpassung an die neuen Akkreditierungsvorgaben.
Das bedeutet:
Das Gesetz gilt.
Die Prüfstruktur existiert formal.
Die praktische Infrastruktur ist noch im Aufbau.
Es handelt sich somit um eine Umsetzungsphase – nicht um eine Aufhebung des Assistenzhunderechts.
5. Ausbildungsdauer: Warum Zeit allein kein Qualitätsmerkmal ist
Das Assistenzhundegesetz schreibt keine feste Ausbildungsdauer vor.
Die tatsächliche Dauer hängt ab von:
Art der Assistenz (z. B. Führhund, Mobilitätsassistenz, psychiatrische Assistenz)
Eignung und Belastbarkeit des Hundes
Trainingskonsequenz des Halters
Komplexität der Aufgaben
Bei optimalen Voraussetzungen kann eine fundierte Ausbildung innerhalb eines Jahres realistisch sein. In vielen Fällen erstreckt sich der Prozess jedoch über einen längeren Zeitraum.
Entscheidend ist nicht die reine Stundenzahl, sondern:
Aufgabenverlässlichkeit unter Ablenkung
Generalisierung in unterschiedlichen Umgebungen
Stressstabilität
klare Belastungsgrenzen
Handlungssicherheit des Halters
Eine Assistenzhundeausbildung ist kein Stundenkonto, sondern ein systematischer Entwicklungsprozess.
6. Warum zusätzlich Verunsicherung entsteht
6.1 Nicht anerkannte Online-Zertifikate
Im Internet werden vermehrt sogenannte „Assistenzhund-Ausweise“ angeboten, die ohne unabhängige Prüfung ausgestellt werden.
Rechtlich maßgeblich ist jedoch nicht ein Dokument, sondern die tatsächliche Ausbildung und die gesetzlich vorgesehene Prüfung.
Ein Ausweis allein begründet keinen Assistenzhundstatus.
6.2 Verwechslung mit internationalen Modellen
Insbesondere aus den USA ist das Konzept der „Emotional Support Animals (ESA)“ bekannt.
In Deutschland existiert diese Kategorie rechtlich nicht.Ein Assistenzhund muss konkrete, behinderungsbezogene Aufgaben übernehmen – reine emotionale Unterstützung begründet keinen gesetzlichen Sonderstatus.
7. Was Betroffene jetzt beachten sollten
In einer Phase struktureller Umstellung gewinnen drei Punkte an Bedeutung:
1️⃣ Transparente Ausbildungsstruktur
Die Ausbildung sollte klar dokumentiert, mehrstufig aufgebaut und individuell angepasst sein.
2️⃣ Nachvollziehbare Leistungsnachweise
Aufgabenbeschreibung, Trainingsprotokolle, Belastungstests und Alltagssimulationen
schaffen Klarheit.
3️⃣ Strukturierte Prüfungsvorbereitung
Schriftliche Kenntnisse, Fachgespräch zur Halterkompetenz und standardisierte Praxisüberprüfung bilden eine stabile Grundlage – auch während der laufenden Systemumstellung.
8. Fazit: Qualität schafft Stabilität
Die aktuelle Situation ist für manche Teams belastend. Gleichzeitig handelt es sich um eine Übergangsphase innerhalb eines neuen gesetzlichen Rahmens.
Das Assistenzhunderecht ist in Kraft.Die Prüfstruktur ist formal etabliert.Die praktische Umsetzung wird schrittweise ausgebaut.
Wer auf fundierte Ausbildung, transparente Dokumentation und realistische Leistungsbewertung setzt, schafft eine belastbare Grundlage – unabhängig von zeitlichen Verzögerungen in der Systemimplementierung.
Langfristig wird sich fachliche Qualität durchsetzen.
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Häufige Fragen zur aktuellen Situation von Assistenzhunden

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