Wandern mit Hund im Saarland – worauf es bei der Wegwahl ankommt
- Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs

- 12. Sept. 2023
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Juli
Das Wichtigste zuerst: „Premiumweg" ist kein Gütesiegel für Hundetauglichkeit – eher im Gegenteil.
Das Deutsche Wanderinstitut zertifiziert Wege nach Erlebnispunkten. Punkte bringen unter anderem Felspassagen, Leitern, Gitterroste, schmale Stege und lange Treppenabschnitte. Genau diese Elemente sind für Hunde häufig das Problem – Gitterroste und Sprossenleitern lassen sich mit Pfoten nicht begehen, und einen 30-Kilo-Hund über eine gesicherte Steilpassage zu tragen, ist keine Option.
Das Saarland hat rund 65 Premiumwanderwege, überwiegend als Rundwege und dort „Traumschleifen" genannt. Viele davon eignen sich hervorragend fürs Wandern mit Hund. Aber eben nicht, weil sie Premiumwege sind, sondern unabhängig davon.

Woran du erkennst, ob ein Weg für deinen Hund passt
Diese Prüfung nimmt dir keine Wegbeschreibung ab, weil sie für Wandernde geschrieben ist, nicht für Hunde.
Ausschlusskriterien – wenn eines davon in der Beschreibung auftaucht, plane um:
Leitern und Sprossentreppen
Gitterroste und Metallstufen – dazu zählen auch Aussichtsplattformen und Hängebrücken mit Gitterboden
Mit Tauen oder Seilen gesicherte Steilpassagen
Klettersteig-Elemente jeder Art
längere Treppenabschnitte, besonders steile Holztreppen mit offenen Stufen
Kritisch prüfen solltest du außerdem:
Felsige Abschnitte – scharfkantiger Fels beansprucht Ballen erheblich, gerade bergab
Bachquerungen ohne Brücke – für viele Hunde unproblematisch, für manche nicht
Wegabschnitte durch Weideflächen – dazu unten mehr
Fehlende Wasserstellen auf Höhenwegen ohne Bachlauf
Wo du das nachliest: Die offiziellen Tourenbeschreibungen unter urlaub.saarland und beim Deutschen Wanderinstitut nennen solche Passagen in der Regel im Wegverlauf. Es lohnt sich, den Text vor der Tour einmal ganz zu lesen statt nur Länge und Schwierigkeitsgrad.
Leinenpflicht: die Regel ist nicht die Ausnahme
Im Saarland gibt es keine allgemeine Leinenpflicht. Sie entsteht über drei Wege, und mindestens einer davon betrifft fast jede Wanderstrecke.
Vom 1. März bis 30. Juni gilt nach § 33 des Saarländischen Jagdgesetzes in Jagdbezirken außerhalb eingefriedeter Flächen: Hunde dürfen nur unangeleint laufen, wenn sie den Bereich des Weges zuverlässig nicht verlassen. Das umfasst praktisch die gesamte Feldflur und den Wald.
Einzelne Gemeinden verlängern diesen Zeitraum – in Mettlach und Überherrn etwa bis zum 15. Juli.
In Landschafts-, Natur- und Wildschutzgebieten gelten Anleinpflichten häufig ganzjährig. Das betrifft im Saarland viele beliebte Strecken, unter anderem im Bliesgau.
Vor einer Tour lohnt deshalb der Blick auf den Schutzgebietsstatus – nicht nur auf die Jahreszeit.
Weidevieh und Herdenschutzhunde
Ein Punkt, der in Wanderführern fehlt und im Saarland zunehmend relevant wird: Mehrere Wanderstrecken führen durch oder an Weideflächen vorbei, und in Gebieten mit Wolfsvorkommen werden Herden zunehmend durch Herdenschutzhunde bewacht.
Diese Hunde arbeiten. Ein angeleinter, ruhig vorbeigeführter Hund ist für sie meist unproblematisch, ein freilaufender nicht.
Praktisch heißt das: Weideflächen nur auf dem Weg queren, Hund kurz anleinen, Zäune nicht öffnen, Abstand halten, nicht stehenbleiben und fotografieren. Und wenn ein Herdenschutzhund reagiert: ruhig weitergehen, den eigenen Hund körperlich abschirmen, nicht anschreien und nicht zurückweichen im Laufschritt.
Kondition ist Trainingssache, nicht Rassefrage
Eine Zwölf-Kilometer-Tour ist für einen untrainierten Hund viel – unabhängig davon, wie fit er im Alltag wirkt. Der Bewegungsapparat passt sich langsamer an als die Ausdauer.
Bau die Strecke über Wochen auf, nicht über ein Wochenende. Und plane für den Hund immer weniger, als du dir selbst zutraust: Er läuft auf derselben Strecke ein Vielfaches, weil er hin- und herwechselt.
Junghunde im Wachstum gehören nicht auf lange Touren mit Höhenmetern. Wann das Wachstum abgeschlossen ist, hängt stark von der Größe ab – das schätzt die Tierarztpraxis ein.
Senioren und Hunde mit orthopädischen Befunden: kurze Strecken, wenig Abstieg. Bergab belastet Gelenke stärker als bergauf.
Hitze, Wasser, Pfoten
Wasser wird bei Wanderungen regelmäßig zu knapp eingeplant. Nimm mehr mit, als du denkst, plus Faltnapf – auf Höhenwegen gibt es oft kilometerlang keine Bachstelle. Und verlass dich nicht auf Trinkstellen aus der Wegbeschreibung; die können im Sommer trockenfallen.
Bei Wärme früh starten oder auf den Abend verlegen. Waldwege sind schattig, offene Kammlagen nicht. Die Tourenbeschreibung sagt dir, welcher Anteil im Freien liegt.
Pfoten nach der Tour kontrollieren – Ballen, Zwischenzehenbereich, Krallen. Felsuntergrund und Schotter beanspruchen anders als Waldboden.
Zecken und Grannen sind auf Wanderstrecken erhöht präsent, besonders an Wegrändern und in hohem Gras.
Wie du eine passende Strecke findest
Die Wegbeschreibungen der offiziellen Portale sind für Wandernde geschrieben. Für die Hundefrage musst du sie anders lesen.
Lies den Wegverlauf ganz, nicht nur die Eckdaten. Länge und Schwierigkeitsgrad sagen nichts über Leitern oder Gitterroste. Die stehen im Fließtext der Tourenbeschreibung – meist beiläufig, weil sie für Wandernde ein Highlight sind.
Achte auf Signalwörter: Klettersteig, gesicherte Passage, Drahtseil, Tau, Leiter, Sprossen, Aussichtsplattform, Hängebrücke, Steg, Gitterrost, Treppenabstieg. Taucht eines davon auf, prüf genauer.
Nutz die Filter. Mehrere Wanderportale erlauben es, nach Streckenlänge und Höhenprofil zu sortieren. Für den Einstieg mit Hund sind kürzere Rundwege mit wenig Höhenmetern die bessere Wahl als eine anspruchsvolle Kammtour.
Prüf den Schutzgebietsstatus der Strecke – davon hängt ab, ob ganzjährig Anleinpflicht besteht.
Und schau nach Sperrungen, bevor du losfährst. Wege werden für Forstarbeiten oder nach Sturmschäden zeitweise geschlossen.
Landschaftlich unterschiedliche Regionen
Das Saarland bietet für Wanderungen mit Hund sehr verschiedene Charaktere, und die Wahl entscheidet oft mehr als der einzelne Weg:
Waldreiche Mittelgebirgslagen im Norden – schattig, kühler im Sommer, häufig mit Bachläufen und damit Trinkmöglichkeiten
Ausgedehnte Waldgebiete im Südwesten – überwiegend flach, ruhig, gut für lange, unspektakuläre Runden
Offene Kulturlandschaft im Bliesgau – landschaftlich reizvoll, aber wenig Schatten und häufig Weideflächen; im Sommer eher ungeeignet
Stadtnahe Waldgebiete – kurze Anfahrt, gut für den Einstieg und für Hunde, die noch aufbauen
Für heiße Tage gilt durchgehend: Wald schlägt Aussicht.
Wo du nachschaust: Die offiziellen Tourenportale des Landes und die Übersicht des Deutschen Wanderinstituts führen die zertifizierten Wege mit vollständigen Beschreibungen und aktuellen Hinweisen.
Fazit
Das Saarland ist eine hervorragende Wanderregion, auch mit Hund. Die Auswahl sollte allerdings nicht über das Premium-Siegel laufen, sondern über zwei Fragen:
Enthält die Strecke Passagen, die ein Hund baulich nicht bewältigen kann? Und passt die Länge zum aktuellen Trainingsstand – nicht zu dem, was er theoretisch schaffen würde?
Dazu die Leinenfrage nach Jahreszeit und Schutzgebiet. Alles Weitere ist Rucksackpacken.

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