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Grannen beim Hund: Die unterschätzte Sommer-Gefahr für Ohren, Pfoten und Nase

  • Autorenbild: Hundeschule unterHUNDs
    Hundeschule unterHUNDs
  • vor 2 Tagen
  • 9 Min. Lesezeit

Du kommst vom Spaziergang zurück. Alles war unauffällig – dein Hund ist durch eine Wiese getobt, hat gejagt, gespielt. Zwei Stunden später liegt er plötzlich auf dem Boden und leckt wie besessen an einer Pfote. Du schaust hin: keine Wunde. Kein Splitter. Nur dieses ständige, hektische Lecken.

Und genau hier beginnt das Problem.

Das sind Grannen – und sie gehören zu den häufigsten, aber am meisten unterschätzten Sommergefahren für Hunde. In der Praxis ist das ein absoluter Klassiker, den Tierärzte jeden Sommer sehen. Und oft kommen die Hunde zu spät, weil die Halter nicht wissen, worauf sie achten müssen.

In diesem ausführlichen Ratgeber erfährst du:

  • Was Grannen sind und warum sie durchs Gewebe wandern

  • Welche Körperstellen besonders betroffen sind – und wie du die Warnsignale erkennst

  • Wie aus einer harmlosen Pflanze innerhalb weniger Tage ein OP-Fall wird

  • Welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest – und warum „das geht schon wieder weg“ der gefährlichste Satz ist

  • Was im akuten Fall zu tun ist – und wann du sofort zum Tierarzt solltest


Hund liegt in trockenem Gras, während eine Hand seine Pfote hält – typische Situation bei Grannen-Gefahr im Sommer

Grannen – kleine Pflanzenteile mit großer Wirkung

Grannen sind die borstigen, pfeilförmigen Samenstände von Gräsern. Im Sommer, wenn die Gräser vertrocknen, lösen sie sich und werden vom Wind, von vorbeilaufenden Tieren oder durch Bewegung verbreitet. Sie sehen aus wie kleine Nadeln oder Pfeile – mit einer spitz zulaufenden Spitze und winzigen Widerhaken.

Die drei Eigenschaften, die Grannen so gefährlich machen:

  1. Sie sind federleicht und bleiben sofort im Fell hängen.

  2. Die Widerhaken wirken wie ein Klettverschluss – sie verankern sich in Haut, Fell oder Schleimhäuten.

  3. Sie bewegen sich nur in eine Richtung: nach vorne, tiefer ins Gewebe. Zurück geht nicht.

Stell dir vor, du schiebst einen kleinen Widerhaken in ein Stück Fleisch – er geht immer weiter, nie zurück. Genau das passiert im Körper deines Hundes.

📌 Die häufigsten Gräser mit Grannen:

  • Wiesenfuchsschwanz

  • Quecke

  • Roggen, Gerste, Hafer

Die Hochsaison ist von Juni bis August, vor allem bei trockenem, sonnigem Wetter. Besonders gefährlich sind hohe, trockene Wiesen, Feldränder und ungepflegte Grünflächen.

Der Mechanismus – wie eine Granne zum Wanderer wird

Das Problem ist nicht, dass die Granne oberflächlich im Fell hängt. Das wäre nervig, aber harmlos. Das Problem ist: Sie dringt aktiv ein und wandert weiter. Und das passiert oft, ohne dass du es sofort merkst.

So läuft es ab – Schritt für Schritt, wie in Zeitlupe:

  1. Kontakt: Dein Hund läuft durch hohes, trockenes Gras. Die Granne bleibt im Fell hängen – zwischen den Zehen, am Ohr, am Bauch.

  2. Eindringen: Durch die Bewegung des Hundes (Laufen, Schütteln, Kratzen) wird die Granne nach vorne geschoben. Die Widerhaken helfen ihr, die Haut zu durchstechen.

Du merkst in diesem Moment nichts. Vielleicht ein kurzes Zucken – mehr nicht.

  1. Wanderung: Jetzt arbeitet sich die Granne wie ein Widerhaken durch das Gewebe – immer tiefer, immer weiter. Sie rutscht zwischen Muskeln, Sehnen und Faszien hindurch.

  2. Reaktion: Der Körper erkennt den Fremdkörper. Er startet eine Entzündung: Schwellung, Eiter, Schmerz. Oft ist die Granne dann von außen nicht mehr sichtbar – sie ist schon tief drinnen.

  3. Folgen: Im schlimmsten Fall wandert die Granne in Gelenke, in die Atemwege, ins Mittelohr oder sogar in Richtung Gehirn.

Die bittere Wahrheit: Eine Granne wird nie von alleine herauskommen. Im Gegenteil – je länger du wartest, desto tiefer geht sie. Aus einem kleinen Problem wird eine Operation.

Die häufigsten Eintrittsstellen – und wie du sie erkennst

1. Grannen in der Pfote – die Nummer eins im Sommer

Die Szene, die du kennen wirst: Du warst mit deinem Hund auf einer schönen, trockenen Wiese. Alles war gut. Am Abend, beim Fernsehen, fängt er plötzlich an, wie wild an einer Pfote zu lecken. Du schaust: keine Wunde. Aber das Lecken hört nicht auf.

Am nächsten Morgen humpelt er – und du weißt nicht warum.

Das ist passiert: Eine Granne hat sich zwischen die Zehen gebohrt. Sie ist winzig – kaum sichtbar. Aber sie wandert. Der Hund spürt ein Kribbeln, dann Schmerz.

Typische Anzeichen:

  • Exzessives Lecken an einer Pfote, oft stundenlang.

  • Humpeln – mal stärker, mal schwächer.

  • Schwellung zwischen den Zehen, oft heiß.

  • Kleine Eintrittsstelle oder gar Eiter.

  • Die Zehen sind gespreizt, der Hund mag nicht hingreifen.

Das ist eine der häufigsten Ursachen für plötzliches Humpeln im Sommer. Und viele Tierärzte kennen das: Der Halter kommt mit der suchenden Frage – „Er humpelt, aber ich sehe nichts“ – und der Tierarzt findet nach ein paar Minuten die winzige Granne.

2. Grannen im Ohr – ein echter Notfall

Die Szene: Dein Hund schüttelt plötzlich wie verrückt den Kopf. Erst denkst du, irgendwas ist ins Ohr geflogen. Aber es hört nicht auf. Er hält den Kopf schief, reibt sich am Boden, winselt bei Berührung.

Das ist passiert: Eine Granne ist ins Ohr gefallen – besonders bei hängenden Ohren (Cocker Spaniel, Dackel, Basset) passiert das schnell. Dort ist es warm und feucht – perfekt für die Granne, um weiterzuwandern. Sie kratzt am empfindlichen Gehörgang, löst starken Juckreiz und Schmerz aus.

Typische Anzeichen:

  • Plötzliches, heftiges Kopfschütteln (oft abrupt beginnend).

  • Kopf schief gehalten.

  • Kratzen am Ohr mit der Pfote.

  • Schmerzreaktion bei Berührung.

  • Später Rötung, Schwellung, übelriechender Ausfluss.

Hier zählt jede Minute – und zwar ohne Ausnahme. Eine Granne im Ohr kann das Trommelfell durchbohren, ins Mittelohr wandern und eine lebensbedrohliche Gehirnhautentzündung verursachen. Keine Pinzette, kein Wattestäbchen – sofort zum Tierarzt.

3. Grannen in der Nase – wenn dein Hund plötzlich heftig niest

Die Szene: Dein Hund schnüffelt an einem Grasbüschel – plötzlich niest er heftig, mehrfach hintereinander. Fast wie ein Niesanfall. Er reibt sich die Nase mit der Pfote. Später siehst du: Es kommt ein wenig Blut aus einem Nasenloch.

Das ist passiert: Mit einem kräftigen Schnüffer hat er eine Granne direkt in die Nasenhöhle eingesogen. Dort reizt sie die empfindliche Schleimhaut.

Typische Anzeichen:

  • Explosionsartiges, wiederholtes Niesen.

  • Nasenausfluss – anfangs klar, später gelblich oder blutig.

  • Reiben der Nase am Boden oder mit der Pfote.

  • Unruhe, Kopfschütteln.

Auch hier: Tierarzt. Die Granne ist oft tief in der Nase – nur mit Spezialinstrumenten (Otoskop, Endoskop) sichtbar.

4. Grannen im Auge – höchste Gefahrenstufe

Die Szene: Dein Hund blinzelt ständig mit einem Auge. Es tränt, die Bindehaut ist rot. Er kneift es zu. Vielleicht reibt er es mit der Pfote – was die Sache nur schlimmer macht.

Das ist passiert: Eine Granne ist direkt ins Auge geflogen (Wind) oder vom Fell hineingerutscht. Sie liegt auf der Hornhaut oder ist schon eingedrungen.

Typische Anzeichen:

  • Ständiges Blinzeln, Zukneifen.

  • Tränenfluss, Rötung.

  • Reiben mit der Pfote (sehr gefährlich!).

  • Sichtbarer Fremdkörper auf der Hornhaut (nicht immer).

Absoluter Notfall. Die Granne kann die Hornhaut zerkratzen oder sogar durchbohren. Das Auge kann bleibend geschädigt werden. Keine Augentropfen ohne tierärztliche Abklärung!

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Grundsätzlich kann jeder Hund betroffen sein, der sich in der Grannen-Saison draußen aufhält. Aber einige tragen ein deutlich höheres Risiko:


  • Hunde mit langem, dichtem Fell – Grannen verstecken sich (Golden Retriever, Australian Shepherd, Berner Sennenhund).

  • Hunde mit viel Unterwolle – Grannen bleiben im Unterfell hängen und wandern Richtung Haut.

  • Hunde mit hängenden Ohren – Die Ohrenklappe ist ein Grannen-Fänger.

  • Aktive Hunde, die durch hohes Gras pflügen – mehr Kontakt = mehr Risiko.

  • Hunde mit Pfotenbehaarung (Terrier, Pudel) – Haare zwischen den Zehen verfangen Grannen.


Gerade in der Verhaltensberatung sehe ich immer wieder Hunde, die wegen solcher unterschätzten Probleme langfristig Schmerzverknüpfungen entwickeln: Ein Hund, der an der Pfote operiert werden musste, wird plötzlich unsicher beim Spaziergang. Die eigentliche Ursache ist längst vergessen – aber die Unsicherheit bleibt.


Der gefährlichste Fehler – und warum „das geht schon wieder weg“ zur Operation führt

Es gibt einen Satz, den Tierärzte im Sommer am häufigsten hören – und der sie zur Weißglut bringt:

„Ich dachte, das geht schon wieder weg.“

Nein. Tut es nicht. Nie.

Und das ist einer der häufigsten Gründe, warum aus einem kleinen Problem eine Narkose, eine OP und wochenlanger Heilungsverlauf wird.

Warum? Eine Granne ist kein Dorn oder Splitter. Ein Dorn bleibt oft stecken, kann rauswachsen. Eine Granne wandert. Jeden Tag tiefer. Je länger du wartest, desto schwieriger und aufwendiger wird die Entfernung. Für den Hund bedeutet das: Stress, Schmerzen, Narkose und eine echte Operation – die du oft mit einem frühen Tierarztbesuch hättest verhindern können.

Deshalb: Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Bei Verdacht auf Granne – sofort zum Tierarzt. Nicht abwarten, nicht selbst herumstochern.

Die 5 häufigsten Fehler – und was du stattdessen tun solltest

Fehler 1: „Das geht schon wieder weg“

Das ist der Klassiker. Und jedes Jahr kommen Hunde zu spät in die Praxis, weil der Halter eine Woche gewartet hat.

Richtig: Bei Humpeln, Kopfschütteln, Niesen, Augenreißen – keine Diskussion, ab zum Tierarzt.

Fehler 2: Selbst herumstochern im Ohr oder in der Nase

Mit der Pinzette, mit dem Wattestäbchen – das ist gefährlich. Du schiebst die Granne nur tiefer. Im Ohr riskierst du das Trommelfell.

Richtig: Nichts selbst versuchen. Ab zum Tierarzt.

Fehler 3: Grannen ignorieren, weil der Hund keine Schmerzen zeigt

Manche Hunde – vor allem Jagdhunde mit hoher Schmerztoleranz – zeigen erst Symptome, wenn die Entzündung massiv ist. Sie laufen noch völlig unauffällig, ohne zu humpeln – während sich die Granne längst ihren Weg tief ins Gewebe bahnt.

Richtig: Bei jedem Verhaltenswechsel nach einem Spaziergang im hohen Gras – kontrolliere genau.

Fehler 4: Keine regelmäßige Kontrolle

Einmal pro Woche nach Grannen schauen reicht nicht. In Risikogebieten reicht ein einziger Spaziergang.

Richtig: Nach jedem Spaziergang durch hohes Gras – Check. Das sind 2 Minuten. Das kann eine OP ersparen.

Fehler 5: Falsche Fellpflege

Langes Fell zwischen den Zehen oder an den Ohren ist ein Grannen-Magnet. Viele Halter scheren im Sommer den Bauch – aber vergessen die Pfoten.

Richtig: Regelmäßig die Haare zwischen den Zehen kürzen. Ohren auskämmen. Nach jedem Spaziergang abtasten.


So schützt du deinen Hund – Prävention, die wirklich wirkt


1. Meide kritische Bereiche im Hochsommer

  • Geh nicht durch hohe, trockene Wiesen.

  • Nutze Waldwege, kurz gemähte Rasenflächen, Feldwege mit festem Boden.

  • Wenn du durch Grünflächen musst: lass deinen Hund nah bei dir laufen, nicht durchs Gras pflügen lassen.

2. Die 2-Minuten-Kontrolle nach jedem Spaziergang (in Risikogebieten)

Mach es zu deiner Routine, wie das Absuchen nach Zecken.

Deine Checkliste:

  • Pfoten: Hebe jede Pfote an. Spreize die Zehen. Such nach roten Stellen, kleinen Löchern, Eiter. Fühl mit dem Finger.

  • Ohren: Fahre mit einem weichen Tuch über die Innenseite. Schau mit einer Taschenlampe hinein. Riecht es? Ist es rot? Schüttelt der Hund?

  • Nase: Gibt es Ausfluss? Niest er?

  • Augen: Blinzelt er einseitig? Tränt es?

  • Fell: Streiche gegen die Wuchsrichtung – vor allem Achseln, Leisten, Hals, Rute. Du ertastest Grannen als kleine, steife Stoppeln.

Das kostet dich 2 Minuten. Es kann deinem Hund eine Operation und wochenlange Schmerzen ersparen.

3. Fellpflege anpassen

  • Kürze die Haare zwischen den Zehen (runde Schere, vorsichtig).

  • Kürze langes Fell an Bauch, Achseln und Hinterläufen.

  • Bürste nach jedem Spaziergang – besonders bei langem Fell.

4. Was tun, wenn du eine Granne siehst?

  • Granne lose im Fell: Vorsichtig mit der Pinzette entfernen (greife an der Basis, nicht an den Widerhaken). Kein Ruckeln.

  • Granne steckt bereits in der Haut: Nicht selbst ziehen! Sie könnte abbrechen oder tiefer rutschen. Sofort zum Tierarzt.

  • Hund zeigt Symptome (humpelt, schüttelt Kopf, niest): Auch ohne sichtbare Granne → Tierarzt.


Was passiert beim Tierarzt?

Granne im Ohr: Der Tierarzt schaut mit einem Otoskop (Ohrenspiegel) ins Ohr. Oft kann er die Granne mit einer feinen Pinzette sehen und entfernen – in leichter Sedation (kurzer Schlaf), damit der Hund still hält. Danach bekommt das Ohr je nach Befund entzündungshemmende oder antibiotische Ohrmedikation. Würdest du selbst herumstochern, wäre die Granne meist schon tiefer.

Granne in der Pfote: Oft ist die Granne von außen nicht mehr sichtbar – sie ist schon eingewandert. Der Tierarzt tastet ab, vielleicht muss er eine kleine Öffnung machen, um sie zu finden. Das geschieht unter örtlicher Betäubung oder Kurznarkose. Die Wunde wird nicht genäht – sie muss offen abheilen, damit keine Entzündung eingeschlossen wird. Viele Halter sind überrascht, wie aufwendig so eine kleine Granne plötzlich ist.

Granne in der Nase: Der Tierarzt versucht, die Granne mit einem Endoskop (Nasenspiegelung) zu sehen und zu entfernen. Das ist aufwendiger, meist unter Vollnarkose.

Granne im Auge: Das ist ein Eingriff unter dem Mikroskop, in Sedation oder Kurznarkose. Anschließend folgen meist Augensalbe und ein Schutzkragen, damit der Hund nicht am Auge reibt.

Die gute Nachricht: In den meisten Fällen ist die Granne schnell gefunden und entfernt. Die schlechte Nachricht: Je länger du wartest, desto tiefer wandert sie – und desto größer wird der Eingriff.

🔗 Tierarztbesuch vorbereiten: Was macht einen guten Tierarzt aus?

Fazit: Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst

Grannen sind klein, aber ihre Wirkung ist es nicht. Sie gehören zu den häufigsten unterschätzten Sommergefahren und sind in der Praxis eine der Hauptursachen für plötzliches Humpeln, Kopfschütteln oder Niesen im Sommer.

Die gute Nachricht: Mit einer einfachen Routine – nach jedem Spaziergang durch hohes Gras die Pfoten, Ohren, Nase und das Fell kontrollieren – kannst du viele Probleme verhindern.

Die wichtigste Regel, die du behalten solltest: Bei Verdacht auf Granne – zögere nicht. Geh zum Tierarzt. Lieber einmal zu viel als einmal zu spät.

Viele Halter sind überrascht, wie aufwendig so eine kleine Granne plötzlich werden kann – eine Narkose, ein chirurgischer Eingriff, Wochen der Heilung. All das ist vermeidbar, wenn du früh handelst.

Grannen beim Hund sind kein kleines Problem – sie sind ein typischer Sommer-Notfall, den du mit zwei Minuten Aufmerksamkeit verhindern kannst.

Also: Kontrolliere deinen Hund. Im Sommer nach jedem Spaziergang. Es dauert zwei Minuten und kann ihm viel ersparen.

🐾 Bleib wachsam – und genieße den Sommer trotzdem.

Häufige Fragen aus der Praxis zu Grannen beim Hund


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