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Das Idealgewicht beim Hund: Warum es so wichtig ist

48 Labradore, paarweise ein Leben lang begleitet: Die schlanker gefütterte Gruppe lebte im Mittel fast zwei Jahre länger. Eine der saubersten Studien, die es zum Thema gibt.

Michael Sauerwein

Kurz zusammengefasst

Vier Dinge solltest du wissen. Erstens: Hinter dem Satz „Übergewicht verkürzt das Leben" steht eine ungewöhnlich saubere Studie – 48 Labrador Retriever, paarweise über ihr ganzes Leben begleitet. Zweitens: Die schlanker gefütterte Gruppe lebte im Mittel 1,8 Jahre länger und brauchte erst rund drei Jahre später eine Arthrosebehandlung. Drittens – und das ist der eigentliche Punkt: Der Unterschied bestand nicht zwischen normal und fettleibig, sondern zwischen schlank und leicht über dem Ideal. Und viertens: Die Waage sagt dir das nicht. Entscheidend ist, was du fühlst und siehst.

Dieser Artikel erklärt, wie du den Körperzustand deines Hundes selbst beurteilst, was ihn beeinflusst – und warum das Thema mehr Gewicht hat, als es klingt.

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Frau überprüft im Park die Körperkondition eines Bernhardiners, indem sie die Rippen tastet – Beispiel zur Einschätzung des Idealgewichts beim Hund.

1. Was die Studie tatsächlich zeigt

Die Untersuchung ist deshalb so aussagekräftig, weil sie fast alle Störgrößen ausschließt, die solche Studien sonst plagen (Kealy et al., 2002).

Der Aufbau: 48 Labrador Retriever aus sieben Würfen. Innerhalb jedes Wurfs wurden Paare nach Geschlecht und Gewicht gebildet, und aus jedem Paar wurde zufällig ein Hund ausgewählt, der 25 Prozent weniger Futter bekam als sein Geschwister. Ab der achten Lebenswoche bis zum Tod. Gleiches Futter, gleiche Haltung, nur unterschiedliche Menge. Der letzte Hund starb mit 14,5 Jahren.

Die Ergebnisse:

  • Die mediane Lebenserwartung lag bei 13,0 Jahren gegenüber 11,2 Jahren – ein Unterschied von 1,8 Jahren oder rund 15 Prozent.
  • Eine Arthrosebehandlung wurde in der schlanken Gruppe erst im Median mit 13,3 Jahren nötig – etwa drei Jahre später als in der Vergleichsgruppe.
  • Andere chronische Erkrankungen setzten im Mittel rund zwei Jahre später ein.
  • Die schlanker gefütterten Hunde hatten weniger Körperfett und günstigere Blutwerte.

Und jetzt der Punkt, der oft untergeht: Die Vergleichsgruppe war nicht fettleibig. Sie wurde ab dem dritten Lebensjahr so gefüttert, dass sie keine Adipositas entwickelte. Im Körperzustand lag sie bei Werten, die man als „etwas über dem Ideal" beschreiben würde – die schlanke Gruppe lag im Idealbereich.

Der Unterschied von fast zwei Lebensjahren entstand also nicht zwischen einem normalen und einem dicken Hund, sondern zwischen einem schlanken und einem leicht zu gut genährten. Das ist die eigentliche Botschaft: Es geht nicht erst dann los, wenn ein Hund offensichtlich dick ist.

Zur Einordnung: Die Studie wurde von einem Futtermittelhersteller finanziert und mitgetragen. Sie wurde in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht, unter Beteiligung mehrerer Universitäten, und gilt als Referenzarbeit. Die Finanzierung gehört trotzdem dazugesagt.

Diese Untersuchung ist nicht die einzige Datenquelle. Was eine Kohorte mit 50.787 Hunden über zwölf Rassen zur Lebenserwartung ergeben hat, wie verlässlich der Körperzustand überhaupt beurteilt wird und was Gewichtsabnahme bei Arthrose messbar bewirkt, steht in der ausführlichen Auswertung dazu: Übergewicht beim Hund – was die Evidenz zeigt.

2. So beurteilst du den Körperzustand

Die Waage allein hilft nicht. Ein muskulöser Hund kann bei gleichem Gewicht schlank sein, ein anderer nicht. Deshalb wird der Körperzustand beurteilt, meist mit dem Body Condition Score auf einer Skala von 1 bis 9: 1 bis 3 untergewichtig, 4 bis 5 ideal, ab 6 über dem Ideal. Die AAHA-Leitlinien von 2021 empfehlen diese 9-Punkte-Skala als Standard und sehen einen Wert unter 4 oder über 5 als Anlass für eine genauere Abklärung (Cline et al., 2021).

Du kannst das selbst – es braucht drei Handgriffe:

1. Rippen tasten. Streich mit flacher Hand über den Brustkorb. Du solltest die Rippen fühlen können, ohne zu drücken – ähnlich wie die Knöchel auf deinem Handrücken. Musst du suchen oder Fett wegdrücken, ist zu viel drauf. Stehen sie sichtbar hervor, ist es zu wenig.

2. Von oben schauen. Steh über deinem Hund. Hinter dem Brustkorb sollte eine Taille erkennbar sein. Eine gerade Linie oder eine Auswölbung nach außen spricht für Übergewicht.

3. Von der Seite schauen. Die Bauchlinie sollte hinter dem Brustkorb nach oben laufen. Eine waagerechte oder durchhängende Linie ist ein Warnzeichen.

Diese drei Handgriffe entsprechen den Beschreibungen auf der WSAVA-Tafel zum Körperzustand beim Hund: Rippen tastbar ohne übermäßige Fettauflage, von oben eine Taille hinter den Rippen, von der Seite ein hochgezogener Bauch.

Wichtig bei bestimmten Typen: Bei Windhunden sind sichtbare Rippen normal. Bei stark bemuskelten und bei sehr behaarten Hunden ist Tasten wichtiger als Schauen. Und bei Rassen mit sehr tiefem Brustkorb täuscht die Seitenansicht leicht.

Mach es regelmäßig, etwa einmal im Monat, immer auf dieselbe Weise. Veränderungen fallen im Alltag nicht auf – wer seinen Hund täglich sieht, sieht die zwei Kilo nicht, die in einem Jahr dazugekommen sind. Ein Foto von oben und von der Seite, immer aus derselben Position, ist dafür erstaunlich hilfreich.

3. Fett ist nicht alles: die Muskelmasse

Ein Punkt, der in den meisten Texten fehlt und mit dem Alter wichtiger wird.

Der Body Condition Score bewertet vor allem das Körperfett. Muskulatur wird separat beurteilt, mit einem eigenen Muscle Condition Score (normale Muskelmasse oder leichter, mäßiger oder starker Muskelverlust); die AAHA-Leitlinien und die WSAVA-Tafel betonen beide, dass die beiden Werte unabhängig voneinander sind (Cline et al., 2021). Das ist deshalb relevant, weil ein älterer Hund Muskeln abbauen und gleichzeitig Fett zulegen kann – auf der Waage passiert dann scheinbar nichts.

Tast deshalb nicht nur die Rippen, sondern auch die Muskulatur über Wirbelsäule, Schulterblättern, Becken und Kopf – das sind die Bereiche, die für den Muscle Condition Score beurteilt werden. Fühlt sich das dünner an als früher, ist das ein eigenes Thema – und keines, das sich durch weniger Futter löst.

Mehr dazu im Beitrag Wenn Hunde älter werden.

4. Was das Gewicht beeinflusst

Rasse und Körperbau. Ein Whippet ist naturgemäß schlank gebaut, ein Labrador kompakt. Deshalb funktioniert kein Zahlenvergleich zwischen Hunden – nur der Körperzustand.

Alter. Welpen und Junghunde brauchen viel Energie, erwachsene Hunde weniger, Senioren wieder anders. Bei alten Hunden ist der Bedarf nicht automatisch niedriger – manche brauchen sogar mehr, weil die Verwertung nachlässt.

Aktivität. Der Unterschied zwischen einem Hund mit zwei Stunden Bewegung und einem mit drei kurzen Runden ist erheblich.

Kastration. Der Energiebedarf sinkt, der Nährstoffbedarf bleibt weitgehend gleich. Ohne Anpassung steigt das Risiko für Übergewicht deutlich – wie stark, hängt zusätzlich von Aktivität, Fütterung und individuellem Stoffwechsel ab. Das ist keine Nebenwirkung, mit der man leben muss, sondern eine, die man einplant.

Ausführlich: Kastration bei der Hündin und Kastration bei Rüden.

Erkrankungen und Medikamente. Schilddrüsenunterfunktion, hormonelle Erkrankungen und bestimmte Medikamente können das Gewicht beeinflussen. Eine unerklärliche Zu- oder Abnahme gehört abgeklärt – besonders bei gleichbleibender Fütterung.

5. Wenn es zu viel ist

Übergewicht belastet Gelenke, Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel. Und es wirkt in beide Richtungen: Ein Hund mit schmerzenden Gelenken bewegt sich weniger, nimmt dadurch zu, und das Mehrgewicht belastet die Gelenke zusätzlich.

Ein Hinweis zur Trägheit: „Er wird ruhiger" wird gern dem Gewicht oder dem Alter zugeschrieben. Es kann aber auch Schmerz sein. Wenn dein Hund unwilliger wird, lohnt sich der Blick auf beides.

Woran du Schmerzen erkennst: Schmerzerkennung beim Hund.

Warum Abnehmen in der Praxis schwer ist – und das ist der Teil, der in Ratgebern fehlt:

  • Die Packungsangabe ist ein Startwert, kein Zielwert. Sie geht von einem durchschnittlich aktiven Hund aus.
  • Leckerlis summieren sich. Als Orientierung gilt, dass sie etwa zehn Prozent der Tagesenergie nicht überschreiten sollten (Cline et al., 2021) – und was im Training verfüttert wird, gehört von der Hauptmahlzeit abgezogen.
  • Mehrere Personen füttern. Wenn drei Menschen im Haushalt „nur ein Stückchen" geben, ist das kein Stückchen mehr. Eine gemeinsame Absprache ist oft wirksamer als jede Futterumstellung.
  • Betteln funktioniert, weil es funktioniert hat. Es hört nicht auf, weil man einmal Nein sagt – es kann zunächst sogar heftiger werden. Wer weiß, dass das kommen kann, hält es eher durch.
  • Umlenken statt streichen. Ein Teil der Tagesration über Suchspiele oder Futterspielzeug zu verfüttern, sättigt gleich und beschäftigt zusätzlich.

Und der wichtigste Punkt: Eine Gewichtsreduktion gehört tierärztlich begleitet – wegen der Ausgangsdiagnostik, wegen der Nährstoffversorgung bei reduzierter Menge und weil Kontrolltermine erfahrungsgemäß den Unterschied machen.

6. Abnehmen: was im Alltag tatsächlich funktioniert

Zwischen „er soll abnehmen" und tatsächlich weniger Hund liegt der Alltag, und dort scheitert es meist nicht am Willen, sondern an vier konkreten Stellen.

6.1 Abwiegen statt schätzen

Der Messbecher ist eine der häufigsten Fehlerquellen. Gehäuft statt gestrichen macht über Wochen mehrere Kilo Futter aus, und niemand bemerkt es. Eine Küchenwaage kostet wenig und löst das Problem an einem Tag.

Dasselbe gilt für die Ausgangsmenge: Die Packungsangabe ist ein Startwert für einen durchschnittlich aktiven Hund im Erhaltungsbedarf – kein Zielwert für deinen. Wie viel es tatsächlich sein soll, orientiert sich am Körperzustand aus Kapitel 2 und am Verlauf.

6.2 Die Leckerchen sind das eigentliche Thema

Als Orientierung gelten etwa zehn Prozent der Tagesenergie für alles, was neben der Mahlzeit gegeben wird (Cline et al., 2021). Im Training ist das schnell überschritten, ohne dass es nach viel aussieht.

Was hilft: die Tagesration abwiegen und einen Teil davon für Training und Leckerchen abzweigen, statt zusätzlich zu geben. Ein Hund, der sein Futter über den Tag erarbeitet, frisst dieselbe Menge – und ist dabei beschäftigt.

Und der Punkt, der in Mehrpersonenhaushalten entscheidet: Alle müssen mitmachen. Ein Familienmitglied, das nebenbei etwas abgibt, hebt den Rest auf. Notiert eine Woche lang, wer was gibt – das Ergebnis überrascht regelmäßig.

6.3 Langsam statt schnell

Eine Gewichtsabnahme wird über Monate geplant, nicht über Wochen. Zu schnelles Abnehmen kann neben Fett auch Muskulatur kosten – und das ist nach Kapitel 3 genau das Falsche. Wie schnell es gehen soll, legt die Praxis fest; sie kann auch ein Diätfutter empfehlen, das bei reduzierter Energie den Nährstoffbedarf weiter deckt.

Wichtig: Einfach weniger vom normalen Futter zu geben, geht bei kleinen Reduktionen, bei größeren nicht – dann fehlen Nährstoffe. Das ist der Punkt, an dem ein Diätfutter mehr ist als ein Verkaufsargument.

6.4 Messen, nicht hoffen

Wieg deinen Hund alle zwei Wochen, immer auf derselben Waage, und schreib die Zahl auf. Dazu einmal im Monat der Körperzustand aus Kapitel 2 und ein Foto von oben und von der Seite.

Ohne diese Zahlen entsteht das häufigste Ergebnis solcher Vorhaben: Nach drei Monaten weiß niemand, ob sich etwas getan hat – und die Sache schläft ein.

6.5 Bewegung hilft, aber anders als gedacht

Mehr Bewegung allein bringt beim Hund wenig Gewichtsverlust; der größere Hebel liegt bei der Energiezufuhr. Was Bewegung beitragen kann, ist der Erhalt der Muskulatur während der Abnahme – und genau deshalb gehört sie dazu.

Diese Aussage beruht auf einer kleinen randomisierten Untersuchung, die beides direkt gegeneinander geprüft hat: 10 Prozent Gewichtsabnahme durch Kalorienbeschränkung gegen 2 Prozent durch mehr Bewegung, bei dreizehn Hunden. Die Untersuchung samt ihrer Grenzen ist unter Übergewicht beim Hund dargestellt.

Zwei Einschränkungen: Bei einem übergewichtigen Hund mit Gelenkproblemen wird die Belastung vorsichtig aufgebaut, nicht am ersten Tag verdoppelt. Und Schwimmen oder ruhige Nasenarbeit sind hier oft die bessere Wahl als lange Laufstrecken.

7. Wenn es zu wenig ist

Deutlich sichtbare Rippen, Hüftknochen oder Wirbelsäule, schwache Bemuskelung, wenig Energie.

Untergewicht hat oft eine Ursache, die nichts mit der Futtermenge zu tun hat: Parasiten, Zahnschmerzen, Erkrankungen des Verdauungstrakts, Stoffwechselerkrankungen, chronischer Stress. Mehr füttern ist deshalb selten die erste Antwort – abklären lassen ist es.

8. Fazit

Das Idealgewicht beim Hund ist kein Schönheitsthema, sondern der Faktor mit einem der größten und am direktesten steuerbaren Effekte auf Lebensdauer und Lebensqualität.

Die drei Dinge, die zählen:

Tasten statt wiegen. Rippen fühlbar, Taille von oben sichtbar, Bauchlinie von der Seite ansteigend.

Regelmäßig hinschauen. Einmal im Monat, immer gleich – Veränderungen entstehen zu langsam, um im Alltag aufzufallen.

Früh gegensteuern. In der bekannten Labrador-Studie entsprach schon der Unterschied zwischen schlank und leicht zu gut genährt fast zwei Lebensjahren. Man muss nicht warten, bis ein Hund dick ist.

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Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zum Idealgewicht

Der Unterschied bestand nicht zwischen normal und fettleibig, sondern zwischen schlank und leicht über dem Ideal – und betrug fast zwei Lebensjahre (Kealy et al., 2002).

48 Labradore, paarweise ein Leben lang begleitet: mediane Lebenserwartung 13,0 gegen 11,2 Jahre, Arthrosebehandlung rund drei Jahre später, andere chronische Erkrankungen etwa zwei Jahre später.

Die Studie wurde von einem Futtermittelhersteller finanziert. Sie ist begutachtet, unter Beteiligung mehrerer Universitäten entstanden und gilt als Referenzarbeit – die Finanzierung gehört trotzdem dazugesagt.

Die Waage allein hilft nicht. Entscheidend ist der Körperzustand: Rippen fühlbar ohne Drücken, Taille von oben erkennbar, Bauchlinie von der Seite nach oben laufend.

Muskulatur wird getrennt beurteilt. Ein älterer Hund kann Muskeln abbauen und Fett zulegen – auf der Waage passiert dann scheinbar nichts.

Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf, der Nährstoffbedarf bleibt. Ohne Anpassung steigt das Risiko deutlich – das ist eine Nebenwirkung, die man einplant, nicht eine, mit der man lebt.

Wer seinen Hund täglich sieht, sieht die zwei Kilo nicht, die in einem Jahr dazugekommen sind. Monatlich beurteilen, immer auf dieselbe Weise, am besten mit Foto.

Beim Abnehmen liegt der größere Hebel bei der Energiezufuhr, nicht bei der Bewegung. Bewegung kann helfen, die Muskulatur zu erhalten – und genau deshalb gehört sie dazu.

Quellen

  • Kealy, R. D., Lawler, D. F., Ballam, J. M., Mantz, S. L., Biery, D. N., Greeley, E. H., Lust, G., Segre, M., Smith, G. K., & Stowe, H. D. (2002). Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 220(9), 1315–1320. https://doi.org/10.2460/javma.2002.220.1315
  • Lawler, D. F., Larson, B. T., Ballam, J. M., Smith, G. K., Biery, D. N., Evans, R. H., Greeley, E. H., Segre, M., Stowe, H. D., & Kealy, R. D. (2008). Diet restriction and ageing in the dog: Major observations over two decades. British Journal of Nutrition, 99(4), 793–805.
  • Cline, M. G., Burns, K. M., Coe, J. B., Downing, R., Durzi, T., Murphy, M., & Parker, V. (2021). 2021 AAHA nutrition and weight management guidelines for dogs and cats. Journal of the American Animal Hospital Association, 57(4), 153–178. https://doi.org/10.5326/JAAHA-MS-7232
  • World Small Animal Veterinary Association (WSAVA), Global Nutrition Committee: Body Condition Score – Dog. https://wsava.org/wp-content/uploads/2025/06/WSAVA_BCSCat_BCSDog_Nutrition_250612.pdf (Skala von 1 bis 9; Beschreibungen der drei Handgriffe)
  • World Small Animal Veterinary Association (WSAVA), Global Nutrition Committee: Muscle Condition Score – Dog. https://wsava.org/wp-content/uploads/2020/01/Muscle-Condition-Score-Chart-for-Dogs.pdf (Muskelzustand getrennt vom Körperzustand beurteilt)

Einordnung der Quellenlage

Studiendesign und Hauptergebnisse wurden anhand der Publikationsangaben sowie der Darstellungen der beteiligten Einrichtungen eingeordnet. Die Volltexte wurden für diese Fassung nicht vollständig ausgewertet.

Die Untersuchung wurde von einem Futtermittelhersteller finanziert und mitgetragen; beteiligt waren zudem mehrere Universitäten, und die Ergebnisse erschienen in einer begutachteten Fachzeitschrift. Wir nennen die Finanzierung, weil sie zur Bewertung dazugehört – die Arbeit gilt fachlich als Referenzstudie.

Die Angaben zur Beurteilung von Körper- und Muskelzustand sowie die Orientierung für Leckerlis folgen den AAHA-Leitlinien zu Ernährung und Gewichtsmanagement von 2021 und den WSAVA-Tafeln zu Körper- und Muskelzustand. Konkrete Futtermengen, Kalorienangaben oder Reduktionspläne nennen wir bewusst nicht – sie hängen vom einzelnen Hund ab und gehören in die tierärztliche Sprechstunde.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Ernährungsberatung. Eine geplante Gewichtsreduktion und jede unerklärliche Gewichtsveränderung gehören tierärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen zum Idealgewicht beim Hund

Woran erkenne ich, ob mein Hund Idealgewicht hat?

Der Körperzustand lässt sich am besten über den Body Condition Score (BCS) beurteilen. Beim 9-Punkte-System liegt der Idealbereich meist bei 4 bis 5. Die Rippen sollten tastbar sein, ohne dass man stark drücken muss, und eine erkennbare Taille sollte von oben sichtbar sein.

Warum ist Übergewicht beim Hund gefährlich?

Übergewicht belastet Gelenke, Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel. Eine bekannte Langzeitstudie an Labrador Retrievern zeigte, dass schlanker gefütterte Hunde im Median fast zwei Jahre länger lebten als etwas schwerer gefütterte Vergleichshunde.

Kann ein Hund auch zu dünn sein?

Ja. Sichtbare Rippen, Hüftknochen oder Wirbelsäule sowie ein Verlust an Muskelmasse können auf Untergewicht hinweisen. Ursachen können Erkrankungen, Parasiten, Stress oder eine nicht passende Fütterung sein. Eine unerklärliche Gewichtsabnahme sollte abgeklärt werden.

Wie kann ich meinem Hund beim Abnehmen helfen?

Wichtig sind eine angepasste Futtermenge, bedarfsgerechte Ernährung, kontrollierte Leckerlimengen und passende Bewegung. Bei deutlichem Übergewicht sollte eine Gewichtsreduktion tierärztlich begleitet werden, damit die Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen erhalten bleibt.

Verändert sich das Idealgewicht im Laufe des Lebens?

Ja. Der Energiebedarf verändert sich mit Alter, Aktivität, Muskelmasse und Gesundheitszustand. Auch hormonelle Veränderungen, etwa nach einer Kastration, können die Gewichtskontrolle beeinflussen.

Wie oft sollte ich das Gewicht meines Hundes kontrollieren?

Eine Kontrolle etwa einmal im Monat hilft, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Zusätzlich sollte der Körperzustand regelmäßig über Tasten und Sichtkontrolle beurteilt werden, weil die Waage allein keine Aussage über Fett- und Muskelmasse macht.

Wie viel soll mein Hund wiegen?

Eine Zahl gibt es nicht, und Rassetabellen führen in die Irre: Ein muskulöser Hund kann bei gleichem Gewicht schlank sein, ein anderer nicht. Maßgeblich ist der Körperzustand – Rippen fühlbar ohne Drücken, Taille von oben erkennbar, Bauchlinie von der Seite nach oben laufend. Das Gewicht, bei dem dein Hund diesen Zustand hat, ist sein Zielgewicht; notier es dir, dann hast du künftig eine Vergleichsgröße.

Wie schnell darf mein Hund abnehmen?

Langsam und über Monate geplant. Zu schnelles Abnehmen kann neben Fett auch Muskulatur kosten, und das ist das Gegenteil des Ziels. Wie viel pro Woche sinnvoll ist, legt die Praxis fest. Wichtig dabei: Einfach weniger vom gewohnten Futter zu geben, funktioniert bei kleinen Reduktionen – bei größeren fehlen dann Nährstoffe. Dafür gibt es Diätfutter, das bei reduzierter Energie den Bedarf weiter deckt.

Mein Hund frisst kaum etwas und ist trotzdem zu dick – wie geht das?

Meistens ist die tatsächliche Menge höher als die vermutete. Der Messbecher gehäuft statt gestrichen, Leckerchen im Training, etwas vom Tisch, ein Kauartikel nebenbei – das summiert sich, ohne nach viel auszusehen. Wieg die Ration ab und notiert eine Woche lang, wer im Haushalt was gibt. Bleibt es danach unerklärlich, gehört eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine andere hormonelle Ursache abgeklärt.

Muss ich nach der Kastration die Futtermenge reduzieren?

In aller Regel ja. Der Energiebedarf sinkt, während der Nährstoffbedarf weitgehend gleich bleibt – ohne Anpassung steigt das Risiko für Übergewicht deutlich. Wie stark, hängt zusätzlich von Aktivität, Fütterung und Stoffwechsel ab. Sinnvoll ist, den Körperzustand in den Monaten nach dem Eingriff engmaschiger zu beurteilen und rechtzeitig anzupassen, statt später abnehmen zu müssen.

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