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Dilatative Kardiomyopathie (DCM) beim Hund: Symptome, Diagnose und Behandlung

  • Autorenbild: Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
    Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
  • vor 2 Tagen
  • 12 Min. Lesezeit

Das Wichtigste zuerst: Vier Dinge solltest du über DCM wissen. Erstens: Bei der dilatativen Kardiomyopathie wird der Herzmuskel schwächer, das Herz erweitert sich und pumpt mit jedem Schlag weniger Blut – das kann zu Herzschwäche, Rhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen. Ernst, aber in vielen Fällen gut behandelbar. Zweitens: Betroffen sind vor allem große und Riesenrassen sowie einige bestimmte Rassen; die Erkrankung hat eine lange stumme („okkulte") Phase, in der der Hund völlig gesund wirkt, obwohl sich das Herz schon verändert. Drittens: Die wichtigste Untersuchung ist der Herzultraschall (Echokardiografie) – schmerzfrei und ohne Narkose; bei Risikorassen gehört zur Früherkennung zusätzlich die Rhythmusdiagnostik (Langzeit-EKG). Viertens: Die viel diskutierte „ernährungsbedingte DCM" ist wissenschaftlich nicht bewiesen, aber ernst zu nehmen – und bei manchen Hunden können sich Herzfunktion und Befunde nach einer Anpassung der Ernährung verbessern, während sich eine genetisch bedingte DCM so in der Regel nicht rückgängig machen lässt.

DCM ist eine der wichtigsten Herzerkrankungen des Hundes. Dieser Artikel erklärt, was im Herzen passiert, welche Hunde betroffen sind, woran du erste Anzeichen erkennst und wie richtig diagnostiziert und behandelt wird.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Diagnose. Bei einem Verdacht auf eine Herzerkrankung sollte dein Hund zeitnah tierärztlich vorgestellt werden. Für die Abklärung eines DCM-Verdachts ist eine Untersuchung durch eine kardiologisch erfahrene Tierärztin oder einen kardiologisch erfahrenen Tierarzt besonders wichtig, da die Diagnose eine Kombination aus Herzultraschall, Rhythmusdiagnostik und weiteren Befunden erfordert.


Tierarzt führt bei einem Dobermann einen Herzultraschall (Echokardiografie) in einer modernen Tierklinik durch. Der Hund liegt entspannt auf der Untersuchungsmatte, während der Tierarzt den Ultraschallkopf im Bereich des Brustkorbs hinter dem Vorderbein ansetzt. Im Hintergrund ist ein Ultraschallgerät mit Herzbildschirm zu sehen. Die Untersuchung dient der Diagnose von Herzerkrankungen wie dilatativer Kardiomyopathie (DCM) beim Hund.

Was ist DCM – und was passiert im Herzen?

„Dilatativ" heißt erweitert. Bei der DCM verliert der Herzmuskel seine Kraft: Weil er sich nicht mehr kräftig genug zusammenzieht, dehnen sich die Herzkammern (vor allem die linke) und der Vorhof aus, und mit jedem Schlag wird weniger Blut in den Kreislauf gepumpt. Der Körper gleicht das zunächst aus – deshalb bleibt die Erkrankung lange unbemerkt. Irgendwann reicht die Kompensation nicht mehr, und es kommt zur Herzinsuffizienz, oft mit Flüssigkeitsstau in der Lunge oder im Bauch.

Zwei Dinge machen DCM besonders tückisch. Erstens die Rhythmusstörungen: Das erkrankte Herz neigt zu unregelmäßigem Schlag, was zu Schwäche, Ohnmacht (Synkopen) und – gerade bei Dobermann und Boxer – zum plötzlichen Herztod führen kann, manchmal bevor je andere Symptome auffielen. Zweitens die lange stumme Phase: Ein Hund kann äußerlich völlig fit sein, während im Herzultraschall längst messbare Veränderungen bestehen.


Welche Hunde betroffen sind

DCM ist in erster Linie eine Erkrankung großer und sehr großer Rassen mit einer erblichen Komponente. Zu den klassisch veranlagten Rassen zählen unter anderem Dobermann, Deutsche Dogge, Irischer Wolfshund, Boxer und Cocker Spaniel; auch Neufundländer und Portugiesischer Wasserhund werden genannt. Die Liste ist nicht vollständig, und die Veranlagung ist rasseabhängig unterschiedlich stark ausgeprägt. Beim Dobermann ist die Erkrankung besonders häufig und hat eine lange okkulte Phase; hier wird ab etwa dem dritten Lebensjahr ein jährliches Herzscreening mit Herzultraschall und Langzeit-EKG (Holter) empfohlen.

Umgekehrt gilt: Bei einer Rasse oder einem Einzelhund ohne typisches DCM-Risiko sollte ein DCM-Befund besonders kritisch hinterfragt und sauber bestätigt werden, bevor man ihn als gesichert annimmt.

Eine Sonderrolle spielt der Boxer: Bei ihm steht meist eine eigene Form im Vordergrund, die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC, „Boxer-Kardiomyopathie"). Sie fällt vor allem durch Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall durch plötzlichen Herztod auf – oft, bevor die Pumpkraft sichtbar nachlässt. Deshalb ist beim Boxer das Langzeit-EKG (Holter) die zentrale Screening-Methode, ergänzend zum Herzultraschall.



Genetik und Gentests

DCM hat bei vielen Rassen – allen voran dem Dobermann – eine erbliche Grundlage. Sie ist allerdings polygen und multifaktoriell: An der Entstehung sind mehrere Gene und zusätzlich nicht-genetische Faktoren beteiligt, und längst nicht alle sind bekannt.


Für den Dobermann gibt es bereits kommerzielle Gentests. Beim amerikanischen Dobermann wurden zwei Risikovarianten identifiziert (Meurs und Kolleg:innen, NC State): DCM1 im Gen PDK4 (Energiestoffwechsel des Herzmuskels) und DCM2 im Titin-Gen (TTN, Herzkontraktion). In den untersuchten (amerikanischen) Populationen entwickelten schätzungsweise etwa 37 % der Träger von DCM1 und rund 50 % der Träger von DCM2 tatsächlich eine DCM, bei beiden Varianten zusammen mehr. Wichtig ist die unvollständige Penetranz: Ein Träger kann erkranken, muss aber nicht – und mancher erkrankt nie.


Zwei Einschränkungen sind für Halter:innen zentral. Erstens: Ein negativer Gentest schließt eine DCM nicht aus. Weil die Erkrankung polygen ist, kann ein Hund auch ohne die getesteten Varianten erkranken. Zweitens, und für Europa besonders relevant: DCM1 und DCM2 ließen sich in europäischen Dobermann-Populationen bislang nicht bestätigen – dort wurden eigene Risikovarianten beschrieben (DCM3 und DCM4; Niskanen et al. 2023). Ein Gentest ist deshalb vor allem für Zuchtentscheidungen wertvoll. Als zentrale Untersuchung zur Früherkennung bleibt der Herzultraschall – bei Risikorassen ergänzt durch das Langzeit-EKG – der wichtigste Standard.




Symptome – oft spät und unspezifisch

In der frühen, okkulten Phase gibt es meist gar keine Symptome. Werden sie sichtbar, sind sie zunächst unspezifisch: nachlassende Leistung und schnellere Ermüdung, vermehrtes Hecheln, Husten, eine schnellere oder angestrengte Atmung, Appetitverlust, ein zunehmender Bauchumfang (durch Flüssigkeit) und – als Warnzeichen für Rhythmusstörungen – kurze Ohnmachtsanfälle. Weil diese Zeichen so allgemein sind, werden sie leicht dem Alter oder „einem schlechten Tag" zugeschrieben.


Ein einfacher, wertvoller Heim-Marker ist die Ruhe-Atemfrequenz: Zähle beim entspannt schlafenden Hund die Atemzüge pro Minute (ein Heben und Senken des Brustkorbs = ein Atemzug). Dauerhaft mehr als etwa 30 Atemzüge pro Minute in Ruhe sind ein Grund, zeitnah tierärztlich abklären zu lassen – besonders bei bekannter Herzerkrankung.



Diagnose: Herzultraschall und Rhythmusdiagnostik

Beim Abhören kann ein Herzgeräusch oder ein unregelmäßiger Rhythmus ein erster Hinweis sein – aber DCM verursacht nicht immer ein Herzgeräusch, sie kann also beim reinen Abhören übersehen werden. Die wichtigste Untersuchung zur Beurteilung von Herzstruktur und Pumpfunktion ist die Echokardiografie (Herzultraschall): Sie zeigt die Größe der Herzkammern und misst die Pumpkraft, vor allem die sogenannte Verkürzungsfraktion (FS). Der große Vorteil: Der Herzultraschall ist schmerzfrei, nicht invasiv und braucht keine Narkose.


Bei der DCM steht die Echokardiografie allerdings nicht allein. Gerade zur Früherkennung bei Risikorassen gehört die Rhythmusdiagnostik dazu, da Rhythmusstörungen der sichtbaren Pumpschwäche vorausgehen können – deshalb wird beim Dobermann das jährliche Screening aus Echo und Langzeit-EKG (Holter) empfohlen (Wess et al. 2017). Ergänzend kommen je nach Fall ein Röntgenbild (Herzgröße, Lunge) und Blut-Biomarker (z. B. proBNP) hinzu. Eine belastbare DCM-Diagnose gehört in kardiologisch erfahrene Hände und stützt sich nie auf einen einzelnen Messwert, sondern auf das Gesamtbild aus Struktur, Funktion, Rhythmus, Rasse, Alter und dem Ausschluss anderer Ursachen.



Was könnte es sonst sein? Differenzialdiagnosen

Viele Menschen landen bei diesem Thema, weil ihr Hund hustet oder an Leistung verliert. Beides kann viele Ursachen haben – DCM ist nur eine davon. Ein paar häufige Alternativen zur Einordnung (das ersetzt keine Untersuchung):


  • Mitralklappenerkrankung (Endokardiose, MMVD): die insgesamt häufigste Herzerkrankung des Hundes, betrifft aber vor allem kleine bis mittelgroße Rassen (klassisch der Cavalier King Charles Spaniel, außerdem z. B. Dackel oder kleine Terrier). Dabei verändern sich die Herzklappen, was fast immer ein deutliches Herzgeräusch verursacht – anders als bei der DCM, die nicht zwingend ein Geräusch macht.

  • Zwingerhusten oder Trachealkollaps: Husten ohne Herzerkrankung, der leicht für ein Herzproblem gehalten wird. Zwingerhusten ist infektiös; der Trachealkollaps betrifft vor allem kleine Rassen und äußert sich in einem typischen „hupenden" Husten.

  • Altersbedingter Muskelabbau oder Arthrose: Bei großen, älteren Hunden wird nachlassende Leistung und schnellere Ermüdung oft dem Herz zugeschrieben, obwohl Gelenkschmerzen oder Muskelschwund dahinterstecken.


Die Unterscheidung gelingt nicht am Symptom, sondern über die Untersuchung – Abhören, Herzultraschall und je nach Fall Röntgen oder EKG.




Vorsicht bei Herzbefunden in Narkose

Ein wenig bekannter, aber wichtiger Punkt betrifft Herzbefunde, die zufällig während einer Sedierung oder Narkose auffallen – etwa im Rahmen einer Zahnbehandlung oder Operation. Hintergrund: Viele Narkose- und Beruhigungsmittel dämpfen die Herzkraft und verändern die Kreislaufverhältnisse. Dadurch können sich genau die Messwerte verschlechtern, die bei DCM beurteilt werden.


Belegt ist das unter anderem für Alpha-2-Agonisten (z. B. Medetomidin, Dexmedetomidin), die häufig zur Sedierung eingesetzt werden. Sie senken Herzfrequenz und Pumpkraft. Über veränderte Herzfrequenz, Vorlast und Kontraktilität beeinflussen sie dann die echokardiografischen Messwerte – etwa eine niedrigere Verkürzungsfraktion und größere gemessene Kammerdurchmesser während der Systole. Eine echte, strukturelle Erweiterung des Herzmuskels muss dabei nicht vorliegen. In einer Untersuchung an gesunden Hunden sank die Verkürzungsfraktion nach Dexmedetomidin von rund 41 % auf etwa 24 % – also unter den üblichen unteren Normwert von etwa 25 % (Wang et al. 2016). Auch Propofol kann die Herzkontraktion deutlich dämpfen, und selbst eine Vollnarkose mit Beatmung verringert die messbare Herzfunktion.


Wichtig ist die richtige Einordnung – und hier bewusst vorsichtig formuliert: Eine Narkose „erzeugt" keine DCM. Sie kann aber die Herzfunktion schlechter erscheinen lassen, als sie unter normalen Bedingungen ist, und damit die Beurteilung erschweren. Eine echte DCM-Diagnose ist eben mehr als „schlechte Pumpkraft": Dazu gehören eine tatsächliche Erweiterung der Kammern, eine systolische Funktionsstörung, das Risikoprofil aus Rasse und Alter, oft Rhythmusbefunde und der Ausschluss anderer Ursachen.


Deshalb gilt die Praxisregel: Ein Herzbefund, der nur unter Sedierung oder Narkose auffällt, wird im Licht der verwendeten Medikamente interpretiert und bei Verdacht durch eine gezielte Echokardiografie am wachen Hund bestätigt – gegebenenfalls mit einer Verlaufskontrolle. Warum das zählt: Eine unbestätigte DCM-Diagnose aus der Narkose kann konkrete Folgen haben – eine möglicherweise unnötige, langfristige und nicht nebenwirkungsfreie Herzmedikation, unnötige Sorge und Einschränkungen für Hund und Halter, zusätzliche Kosten sowie das Risiko, dass die eigentliche Ursache übersehen wird. Umgekehrt gilt genauso: Manchmal wird während einer OP zufällig eine echte, bis dahin unbemerkte DCM sichtbar. Beides führt zur selben Konsequenz – einen solchen Befund weder vorschnell verwerfen noch vorschnell behandeln, sondern am wachen Hund sauber abklären.



Die umstrittene „ernährungsbedingte DCM"

Seit einer Warnung der US-Behörde FDA im Jahr 2018 wird ein möglicher Zusammenhang zwischen bestimmten Diäten – vor allem getreidefreien, stark hülsenfrüchte- oder kartoffellastigen Futtern – und DCM diskutiert, auch bei Rassen ohne bekannte genetische Veranlagung. Zur Begriffsklärung: Die FDA prägte den Ausdruck „nutritional DCM"; in der Tiermedizin spricht man heute meist von „diät-assoziierter DCM" (diet-associated DCM), um die unsichere Kausalität zu betonen. Gemeint ist dabei keine eigenständige Krankheit, sondern eine mögliche Untergruppe der DCM.


Denn ein Ursache-Wirkung-Nachweis fehlt bis heute. Die Datenlage ist widersprüchlich, und das Bild ist offenbar multifaktoriell – der ursprüngliche Verdacht, es liege allein an einem Taurinmangel, erklärt die Fälle nicht vollständig, denn viele betroffene Hunde hatten normale Taurinwerte. Diskutiert werden heute unter anderem die Verfügbarkeit schwefelhaltiger Aminosäuren, Gallensäure- und Mikrobiom-Effekte sowie individuelle genetische Empfänglichkeit (Freeman et al. 2018; Freeman, Rush, Adin et al. 2022). Die FDA selbst stellte ihre regelmäßigen Updates Ende 2022 ein und hielt fest, dass die gemeldeten Fälle allein keinen kausalen Zusammenhang belegen – die Frage bleibt also offen und wird weiter erforscht.


Ein Aspekt ist praktisch besonders relevant: Bei manchen Hunden mit ernährungsassoziierter DCM können sich Herzfunktion und Befunde nach einer Anpassung der Ernährung verbessern (und gegebenenfalls Taurin-Ergänzung), während eine genetisch bedingte DCM in der Regel nicht durch eine Futterumstellung rückgängig gemacht werden kann. Deshalb gehört bei einer DCM-Diagnose immer auch die Fütterung auf den Tisch. Bei Verdacht auf eine ernährungsassoziierte Form – besonders bei Rassen ohne typisches DCM-Risiko – ist es sinnvoll, den Taurin-Wert im Blut (und je nach Fall Carnitin) zu bestimmen, um einen Mangel gezielt behandeln zu können.


Ausgewogen bleibt festzuhalten: „Getreidefrei" ist nicht automatisch gefährlich, und viele solcher Futter sind vollwertig. Vorsicht ist eher bei sehr hülsenfrüchtelastigen Rezepturen ohne belastbare Fütterungsstudien angebracht. Wer unsicher ist, wählt ein ernährungsphysiologisch geprüftes, vollständiges und ausgewogenes Futter und bespricht die Auswahl im Zweifel tierärztlich.




Behandlung

DCM ist in der Regel nicht heilbar, aber gut behandelbar – das Ziel ist, den Herzmuskel zu unterstützen und das Herz zu entlasten. Welche Medikamente sinnvoll sind, hängt vom Stadium ab. In der veterinärkardiologischen Einteilung der chronischen Herzerkrankungen werden Hunde grob in Risikotiere ohne strukturellen Befund (Stadium A), Hunde mit struktureller Herzerkrankung ohne Symptome (Stadium B) sowie Hunde mit bestehender oder früherer Herzinsuffizienz (Stadium C/D) eingeordnet.


In der okkulten Phase erhält nicht jeder Hund automatisch Medikamente. Für den Dobermann mit präklinischer DCM zeigte jedoch die PROTECT-Studie: Pimobendan zögert – wenn definierte echokardiografische Kriterien erfüllt sind (deutlich reduzierte Pumpkraft, vergrößerte linke Kammer) – den Zeitpunkt bis zur Herzinsuffizienz oder zum plötzlichen Herztod hinaus und verlängert die Überlebenszeit (Summerfield et al. 2012). Pimobendan verbessert die Pumpkraft und entlastet die Gefäße.


Bei manifester Herzinsuffizienz (Stadium C/D) kommt eine Kombination zum Einsatz: Entwässerungsmittel (Diuretika wie Furosemid), ACE-Hemmer (z. B. Enalapril oder Benazepril), Pimobendan und – bei relevanten Rhythmusstörungen – Antiarrhythmika (z. B. Sotalol oder Mexiletin). Bei ernährungsassoziierter DCM gehört die Futterumstellung dazu.

Welche Kombination passt, ist immer individuell und gehört in kardiologische Hand. Die Prognose hängt stark von Rasse, Stadium und Ansprechen ab – früh erkannt lässt sich oft viel Lebensqualität und Lebenszeit gewinnen.



Prognose und Lebenserwartung: Wie ernst ist DCM?

Eine DCM-Diagnose ist ernst, aber kein pauschales Todesurteil – wie viel Zeit bleibt, hängt stark von Stadium, Rasse und Ursache ab. Deshalb lassen sich nur Spannen nennen, keine festen Zahlen für den Einzelfall; die individuelle Prognose gehört in die Hand der behandelnden Kardiolog:in.

Der entscheidende Unterschied ist: früh oder spät erkannt. DCM läuft oft über Jahre stumm ab. Wird sie erst sichtbar, wenn der Hund hustet, schlapp wird oder Atemnot zeigt, ist der Herzmuskel meist schon erheblich geschädigt – die Zeit ab den ersten Symptomen ist dann nur die letzte Phase einer langen Erkrankung. Wird sie dagegen in der stummen Phase über ein Screening entdeckt, lässt sich der Verlauf deutlich hinauszögern: In der PROTECT-Studie verlängerte Pimobendan bei präklinischer Dobermann-DCM die Zeit bis zu Herzinsuffizienz oder plötzlichem Tod im Median von rund 14 auf etwa 24 Monate (Summerfield et al. 2012).


Ist die Herzinsuffizienz erst ausgebrochen, wird die Prognose deutlich ernster – gerade beim Dobermann zählt DCM dann zu den aggressivsten Herzerkrankungen. Nach Ausbruch einer Herzinsuffizienz ist die Prognose häufig deutlich eingeschränkt; ältere Studien berichten teilweise sehr kurze Überlebenszeiten, wobei moderne Diagnostik und Therapie den Verlauf beeinflussen können. Hunde anderer Rassen überleben im Schnitt länger, mit großer Streuung. Solche Angaben sind Durchschnittswerte; der einzelne Hund kann deutlich darüber oder darunter liegen, je nachdem, wie gut er auf die Therapie anspricht.

Das unberechenbare Risiko ist der plötzliche Herztod. Ein Grund, warum sich der Verlauf schwer vorhersagen lässt, sind bösartige Herzrhythmusstörungen. Beim Dobermann spielt der plötzliche Herztod eine besonders wichtige Rolle; verschiedene Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil der betroffenen Hunde daran verstirbt – teils schon in der stummen Phase, wenn der Hund äußerlich noch völlig fit wirkt. Beim Boxer (ARVC) steht dieses Risiko ebenfalls im Vordergrund. Genau deshalb ist das jährliche Langzeit-EKG (Holter) bei Risikorassen so wichtig: Es macht solche Rhythmusstörungen früh sichtbar, sodass sie mit Antiarrhythmika abgefangen werden können.

Die große Ausnahme ist die ernährungsassoziierte Form. Wird eine diät-assoziierte DCM früh erkannt, unterscheidet sich die Prognose grundlegend: Bei vielen dieser Hunde kann sich die Herzfunktion nach einer Futterumstellung (und gegebenenfalls Taurin-/Carnitin-Ergänzung) teilweise oder weitgehend erholen, und einige Hunde können sich deutlich verbessern und über längere Zeit stabil bleiben. Auch bei Rassen mit Taurinbezug – etwa dem Cocker Spaniel – spricht die Erkrankung oft besser an.


Unterm Strich: Je früher DCM erkannt wird – idealerweise am wachen Hund per Ultraschall und, bei Risikorassen, per Holter –, desto größer die Chance, dem Hund noch viel gute Zeit zu schenken. Bei den gefährdeten Rassen ist die Früherkennung der wirksamste Hebel überhaupt.


Was du zu Hause tun kannst

Beobachte Leistung, Atmung und Appetit, und miss im Zweifel die Ruhe-Atemfrequenz. Nimm Ohnmachtsanfälle immer ernst. Nutze die jährliche Vorsorge – bei Risikorassen mit gezieltem Herzscreening. Und wenn eine Narkose ansteht: Lass das Herz möglichst vorher am wachen Hund einschätzen.




Grenzen und wann zum Spezialisten

Dieser Beitrag kann eine Untersuchung nicht ersetzen. Bei Husten, Leistungsabfall, auffälliger Atmung oder Ohnmacht gehört dein Hund zeitnah in die Praxis. Ein DCM-Verdacht – erst recht ein zufälliger Narkosebefund – gehört durch eine kardiologische Echokardiografie am wachen Hund abgeklärt. Und weil sich gerade die Ernährungsfrage wissenschaftlich noch entwickelt, lohnt es sich, bei diesem Thema auf aktuelle tierärztliche Einschätzungen zu vertrauen statt auf pauschale Futter-Urteile.



Fazit

DCM ist eine ernste, aber behandelbare Herzmuskelerkrankung mit einer langen stummen Phase – Früherkennung durch Herzultraschall und, bei Risikorassen, Langzeit-EKG ist deshalb entscheidend. Ebenso wichtig ist die saubere Einordnung: Nicht jeder erweiterte, „schwache" Herzbefund ist gleich eine DCM. Im Zweifel sichert ein Herzultraschall am wachen Hund – in kardiologisch erfahrener Hand – die Diagnose, bevor daraus eine Dauertherapie wird. So lassen sich zwei Fehler zugleich vermeiden: die übersehene echte Erkrankung und die überflüssige Behandlung eines gesunden Herzens.



Quellen

  • Wess, G., Domenech, O., Dukes-McEwan, J., Häggström, J. & Gordon, S. (2017): European Society of Veterinary Cardiology screening guidelines for dilated cardiomyopathy in Doberman Pinschers. Journal of Veterinary Cardiology 19(5): 405–415. https://doi.org/10.1016/j.jvc.2017.08.006 (ESVC-Screening-Leitlinie: Echo + Holter, jährliches Screening ab dem 3. Lebensjahr)


  • Summerfield, N. J., Boswood, A., O'Grady, M. R., Gordon, S. G., Dukes-McEwan, J., Oyama, M. A. et al. (2012): Efficacy of pimobendan in the prevention of congestive heart failure or sudden death in Doberman Pinschers with preclinical dilated cardiomyopathy (the PROTECT Study). Journal of Veterinary Internal Medicine 26(6): 1337–1349. https://doi.org/10.1111/j.1939-1676.2012.01026.x (Pimobendan verzögert bei okkulter Dobermann-DCM Herzinsuffizienz/plötzlichen Tod und verlängert das Überleben)


  • Freeman, L. M., Stern, J. A., Fries, R., Adin, D. B. & Rush, J. E. (2018): Diet-associated dilated cardiomyopathy in dogs: what do we know? Journal of the American Veterinary Medical Association 253(11): 1390–1394. https://doi.org/10.2460/javma.253.11.1390


  • Freeman, L. M., Rush, J. E., Adin, D. B. et al. (2022): Prospective study of dilated cardiomyopathy in dogs eating nontraditional or traditional diets and in dogs with subclinical cardiac abnormalities. Journal of Veterinary Internal Medicine 36(2): 451–463. https://doi.org/10.1111/jvim.16397 (aktuelle prospektive Studie zur diät-assoziierten DCM)



  • Wang, H.-C., Hung, C.-T., Lee, W.-M., Chang, K.-M. & Chen, K.-S. (2016): Effects of intravenous dexmedetomidine on cardiac characteristics measured using radiography and echocardiography in six healthy dogs. Veterinary Radiology & Ultrasound 57(1): 8–15. https://doi.org/10.1111/vru.12305 (Verkürzungsfraktion fiel von ~41 % auf ~24 %, Kammermaße stiegen – Beleg für den Einfluss der Sedierung auf Echo-Messwerte)



  • Niskanen, J. E. et al. (2023): Identification of novel genetic risk factors of dilated cardiomyopathy: from canine to human. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10506233/ (Risikovarianten DCM3/DCM4 beim europäischen Dobermann; DCM1/DCM2 dort nicht bestätigt)



DCM beim Hund: Häufige Fragen und Antworten



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