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Hunderatgeber · Alltag mit Hund

Hund und Katze: So gelingt das Zusammenleben unter einem Dach

Hund und Katze können unter passenden Bedingungen friedlich oder konfliktarm zusammenleben. Was Studien dazu zeigen, wie du beide zusammenführst und wann Jagdverhalten ein Warnsignal ist.

Michael Sauerwein · 30. Mai 2026

Kurz zusammengefasst

Hund und Katze können unter passenden Bedingungen friedlich zusammenleben, obwohl ihre Kommunikations- und Verhaltenssysteme unterschiedlich sind. In Befragungen von Haltern, die beide Tierarten haben, wurde das Zusammenleben häufig als friedlich oder konfliktarm beschrieben, auch wenn eine wirklich enge Beziehung eher selten war. Vier Dinge sind wichtig. Erstens: Ein frühes Kennenlernen und eine Katze, die schon vor dem Hund im Haushalt lebte, gingen in einer Studie mit einem besseren Verhältnis einher. Zweitens: Wie wohl sich die Katze mit dem Hund fühlt, hing in einer Befragung stärker mit einem friedlichen Zusammenleben zusammen als das Befinden des Hundes. Drittens: Welpen, die früh und schrittweise mit der Katze bekannt gemacht wurden, zeigten häufiger ausschließlich erwünschtes Verhalten. Viertens: Jagdverhalten ist der Punkt, an dem Neugier gefährlich werden kann, und es lässt sich nicht allein am Sichtkontakt ablesen.

Dieser Beitrag zeigt, was die Studien zum Zusammenleben von Hund und Katze sagen, wie du die Wohnung vorbereitest, wie eine Zusammenführung Schritt für Schritt aussehen kann und woran du erkennst, dass es nicht gut läuft.

Golden Retriever liegt entspannt auf einem Teppich und begrüßt eine Katze ruhig mit Nasenkontakt. Beide Tiere befinden sich in einem hellen Wohnzimmer mit Kratzbaum im Hintergrund.

1. Wie gut vertragen sich Hund und Katze?

1.1 Meist friedlich, selten eng

Feuerstein und Terkel (2008) haben Halter befragt, die mindestens einen Hund und eine Katze hatten, und zusätzlich das Verhalten der Tiere bei ihnen zu Hause beobachtet. Beide Tierarten waren ähnlich gut in der Lage, ein vergleichsweise freundliches Verhältnis zur anderen Art aufzubauen. Das Geschlecht der Tiere spielte dabei kaum eine Rolle.

Eine Befragung aus Italien mit 1.270 Haltern beider Tierarten kam zu einem ähnlichen Bild (Menchetti et al., 2020). In 68,5 Prozent der Haushalte schliefen Hund und Katze zumindest gelegentlich zusammen, in 62,4 Prozent spielten sie miteinander. Gleichzeitig fraßen sie in der Regel an verschiedenen Orten, und die Rollen waren ungleich verteilt: 42,8 Prozent der Hunde leckten die Katze ab, und 41,8 Prozent der Katzen ignorierten den Hund, jeweils häufiger als umgekehrt.

Auch Thomson, Hall und Mills (2018) fanden, dass die meisten Halter ihr Hund-Katze-Verhältnis als friedlich einschätzten. Nur wenige beschrieben es aber als wirklich eng. Gemeinsames Fressen, geteilte Liegeplätze oder gegenseitige Fellpflege waren selten. Friedlich heißt also meistens: Man lässt sich gegenseitig in Ruhe.

1.2 Zwei Sprachen

Hund und Katze nutzen einzelne Signale unterschiedlich. Ein bekanntes Beispiel ist der Schwanz: Eine schlagende Rute zeigt bei der Katze eher Erregung oder Ärger, ein wedelnder Schwanz beim Hund kann ganz anderes bedeuten. Feuerstein und Terkel (2008) fanden Verhaltensreaktionen, die mit einem funktionierenden gegenseitigen Verständnis vereinbar waren; dieses war bei früherem Kennenlernen ausgeprägter. Menchetti et al. (2020) berichten ebenfalls, dass die meisten Hunde und Katzen auf Annäherungen des Mitbewohners entspannt reagierten.

1.3 Das Befinden der Katze ist besonders wichtig

Thomson et al. (2018) fanden zwei Dinge, die viele überraschen. Erstens zeigten Katzen dem Hund gegenüber häufiger drohendes Verhalten als Hunde der Katze gegenüber. Zweitens waren Faktoren auf Seiten der Katze stärkere Prädiktoren für ein als freundlich eingeschätztes Zusammenleben als Faktoren auf Seiten des Hundes. Für die Praxis heißt das: Das Sicherheits- und Komfortempfinden der Katze verdient besondere Aufmerksamkeit.

2. Was das Zusammenleben erleichtert

2.1 Früh kennenlernen

In der Studie von Feuerstein und Terkel (2008) war das Verhältnis besser, wenn sich die Tiere jung kennengelernt hatten, Katzen bis zu einem Alter von etwa sechs Monaten, Hunde bis zu etwa einem Jahr. Thomson et al. (2018) fanden ebenfalls, dass Katzen, die schon jung mit Hunden zusammengekommen waren, sich in deren Gegenwart wohler fühlten.

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2.2 Die Reihenfolge

Ein freundliches Verhältnis entstand bei Feuerstein und Terkel (2008) eher, wenn die Katze vor dem Hund in den Haushalt gekommen war. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Katze dann ihr Revier, ihre Wege und ihre Rückzugsorte schon kennt. Das ist eine Deutung, kein Ergebnis der Studie. Wenn es bei dir umgekehrt ist, heißt das nicht, dass es nicht klappen kann. Es heißt nur, dass du der Katze besonders viel Sicherheit verschaffen solltest.

2.3 Schrittweise statt auf einmal

Kinsman et al. (2022) haben in einer großen britischen Langzeitstudie 1.211 Welpen ausgewertet, die zu Katzen in den Haushalt kamen. Das häufigste Verhalten der Welpen gegenüber der Katze war Spielen (58,9 Prozent), gefolgt von Übererregung (56,6 Prozent) und Hinterherjagen (48,6 Prozent). Nur 7,3 Prozent zeigten ausschließlich erwünschtes Verhalten, also etwa ruhiges Desinteresse. Eine frühe Zusammenführung im Alter unter zwölf Wochen, ein schrittweises Vorgehen und ein Haushalt mit mehreren Hunden gingen mit einer höheren Chance auf ausschließlich erwünschtes Verhalten einher.

Die Daten zeigen, dass aufgeregtes, spielerisches und jagdnahes Verhalten in der ersten Phase mit Katzen häufig berichtet wurde. Hinterherjagen sollte trotzdem nicht zur Gewohnheit werden, weil wiederholtes Hetzen die Katze belasten und sich das Verhalten mit der Zeit verfestigen kann.

3. Jagdverhalten: wenn Neugier kippt

Jagdverhalten ist eine Abfolge von Schritten: Orten, Fixieren, Anschleichen, Hetzen, Packen. Nicht jeder Hund, der einer Katze hinterherläuft, will sie erbeuten. Aber Fixieren und Hetzen gehören zu derselben Kette wie das Packen.

👉 Jagdverhalten beim Hund: Die Jagdverhaltenskette verstehen

Hoffman et al. (2017) haben 69 Hunde mit drei Arten von Katzenreizen getestet: einer realistischen Katzenattrappe, Katzengeräuschen und Katzenurin. Die Hunde reagierten am stärksten auf die Geräusche. Hunde, die laut ihren Haltern schon einmal Katzen oder andere Kleintiere verletzt oder getötet hatten, hörten den Katzengeräuschen besonders lange zu. Auf die Attrappe oder den Geruch reagierten sie nicht auffällig anders als die übrigen Hunde. Das ist ein Hinweis darauf, dass ein kurzer rein visueller Test möglicherweise nicht alle relevanten Reaktionen eines Hundes auf Katzen erfasst, insbesondere wenn sich eine echte Katze bewegt oder Geräusche macht.

Aus der Praxis: Diese Anzeichen solltest du ernst nehmen, wenn dein Hund die Katze sieht:

  • Fixieren mit starrem Blick, oft mit gesenktem Kopf.
  • Erstarren oder ein geducktes, anschleichendes Vorwärtsgehen.
  • Starkes Zittern, Fiepen oder geringe Ansprechbarkeit zeigen zusätzlich hohe Erregung, sind für sich allein aber kein Beleg für Jagdverhalten.
  • Sofortiges Hetzen, sobald die Katze sich bewegt oder wegläuft.

Solche Zeichen bedeuten nicht automatisch, dass der Hund die Katze verletzen wird. Sie bedeuten aber, dass die Begegnungen bis auf Weiteres nur gesichert stattfinden sollten.

4. Die Wohnung vorbereiten

Die Richtlinien der amerikanischen und der internationalen Fachgesellschaft für Katzenmedizin zu den Umweltbedürfnissen von Katzen nennen fünf Grundpfeiler. Zwei davon sind für das Zusammenleben mit einem Hund besonders wichtig: ein sicherer Rückzugsort und mehrere, voneinander getrennte Ressourcen wie Futter, Wasser, Toilette, Kratzplatz, Spielbereich und Ruheplatz. Erhöhte Plätze vergrößern laut den Richtlinien den Raum der Katze und erlauben ihr, die Umgebung zu überblicken (Ellis et al., 2013).

Aus der Praxis heißt das:

  • Rückzugsorte, die der Hund nicht erreicht. Kratzbäume, Regale, Fensterbänke, ein Raum mit Kinder- oder Türgitter, durch das nur die Katze passt.
  • Wege nach oben in jedem Raum. Die Katze muss sich jederzeit aus der Reichweite des Hundes bringen können, ohne an ihm vorbei zu müssen.
  • Katzenfutter erhöht oder abgetrennt. Viele Hunde fressen Katzenfutter, wenn sie können. Fressen ist außerdem eine Situation, in der Ressourcenverteidigung auftreten kann.
  • Katzentoilette außer Reichweite des Hundes. Die Toilette sollte an einem ruhigen, für den Hund nicht zugänglichen Ort stehen, damit die Katze sie ungestört nutzen kann. Manche Hunde fressen außerdem Katzenkot.
  • Eigene Liegeplätze für beide. Wenn sie später freiwillig zusammen liegen, umso besser. Erzwingen solltest du es nicht.

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5. Die Zusammenführung Schritt für Schritt

Eine tierärztliche Übersichtsarbeit empfiehlt, neue Haustiere schrittweise und kontrolliert einzuführen, erwünschtes Verhalten zu belohnen und bei Problemen früh fachliche Hilfe zu holen (Bergman & Gaskins, 2008). Das ist eine Empfehlung aus der klinischen Praxis. Eine Studie, die verschiedene Arten der Zusammenführung direkt vergleicht, gibt es nicht. Die folgenden Schritte sind eine mögliche praktische Umsetzung aus dem Training.

5.1 Erst der Geruch

Aus der Praxis: Halte Hund und Katze in den ersten Tagen in getrennten Bereichen. Tausche Decken oder Liegeplätze aus, damit beide den Geruch des anderen kennenlernen, ohne sich zu begegnen. Füttere beide an den gegenüberliegenden Seiten einer geschlossenen Tür, wenn sie dabei entspannt bleiben.

5.2 Sehen, aber mit Abstand

Aus der Praxis: Erste Sichtkontakte finden hinter einem Gitter statt, der Hund ist angeleint oder hat eine Aufgabe, etwa auf seiner Decke zu liegen und dafür belohnt zu werden. Die Katze kommt freiwillig und kann jederzeit gehen. Belohne deinen Hund dafür, dass er die Katze anschaut und sich dann wieder dir zuwendet. Halte die Einheiten kurz und hör auf, solange beide noch entspannt sind.

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5.3 Gemeinsam im Raum

Aus der Praxis: Erst wenn dein Hund hinter dem Gitter ruhig bleibt, kommen beide in einen Raum. Der Hund trägt dabei eine Hausleine, damit du ihn ohne Hektik zurückhalten kannst. Die Katze hat erhöhte Plätze und einen freien Weg nach draußen. Hetzen wird gar nicht erst möglich gemacht.

5.4 Freie Begegnungen

Aus der Praxis: Unbeaufsichtigt lässt du beide erst zusammen, wenn sie über längere Zeit in vielen Situationen entspannt miteinander umgehen. Bis dahin werden sie getrennt, wenn niemand dabei ist. Wie lange das dauert, ist individuell sehr unterschiedlich. Entscheidend ist nicht ein fester Zeitplan, sondern das Verhalten beider Tiere in den einzelnen Schritten.

6. Stress bei der Katze erkennen

Kinsman et al. (2022) fanden in den freien Antworten der Halter, dass Katzen auf den neuen Welpen unter anderem mit Aggression und Meiden reagierten. Die Autoren werten solches Verhalten als Hinweis auf Stress. Gleichzeitig wurde es von manchen Haltern als normaler Teil der Eingewöhnung hingenommen.

Aus der Praxis: Achte bei deiner Katze auf diese Zeichen:

  • Sie versteckt sich deutlich mehr als vorher oder meidet bestimmte Räume.
  • Sie frisst weniger, kommt nicht mehr zum Napf oder nur noch, wenn der Hund weg ist.
  • Sie wird unsauber oder markiert.
  • Sie faucht, schlägt oder knurrt häufig, auch ohne dass der Hund sie bedrängt.
  • Sie putzt sich übermäßig oder zieht sich auch von den Menschen zurück.

Wenn solche Zeichen über mehrere Tage anhalten, geh einen Schritt zurück und gib der Katze mehr Abstand und Rückzug. Lass sie außerdem tierärztlich untersuchen, wenn sie weniger frisst oder unsauber wird, weil dahinter auch eine Erkrankung stecken kann.

👉 Stress beim Hund messen

7. Wenn ein erwachsener Hund einzieht

Bei einem Welpen kennst du die Vorgeschichte, bei einem erwachsenen Hund aus dem Tierschutz oft nicht. Frag deshalb gezielt nach, ob der Hund schon mit Katzen gelebt hat und wie das lief. Die Angabe „katzenverträglich“ beruht oft auf einer kurzen Begegnung. Hoffman et al. (2017) zeigen, dass Hunde auf Katzengeräusche deutlich reagieren können. Eine kurze ruhige Begegnung mit einer still sitzenden Katze ist deshalb nur begrenzt aussagekräftig für das Verhalten gegenüber einer sich bewegenden oder lautäußernden Katze zu Hause.

Aus der Praxis: Bei einem erwachsenen Hund ohne bekannte Katzenerfahrung planst du die Zusammenführung von Anfang an gesichert, mit Gitter und Leine. Ein Maulkorb, an den der Hund vorher in Ruhe gewöhnt wurde, kann bei den ersten gemeinsamen Begegnungen im Raum eine zusätzliche Sicherung sein.

👉 Adoption eines Tierschutzhundes

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8. Helfen Pheromone?

Prior und Mills (2020) haben in 34 Haushalten mit Hund und Katze zwei Pheromon-Diffuser verglichen, eines für Hunde und eines für Katzen. Die Studie war randomisiert und verblindet. Nach sechs Wochen berichteten die Halter in beiden Gruppen weniger unerwünschte Begegnungen, etwa Hetzen, Verstecken, Anstarren oder Bellen. Eine Placebogruppe gab es aber nicht. Die Gruppen waren klein, und die meisten Teilnehmenden arbeiteten beruflich mit Tieren. Ceva Animal Health stellte die Produkte kostenlos zur Verfügung und übernahm später die Open-Access-Kosten; laut Publikation war das Unternehmen nicht an Studiendesign, Durchführung oder Veröffentlichung beteiligt, und die Autoren gaben keinen Interessenkonflikt an. Ohne Placebogruppe lässt sich dennoch nicht trennen, wie viel der Verbesserung spezifisch auf die Produkte und wie viel auf Zeit, Beobachtung und andere Veränderungen im Haushalt zurückging.

👉 Pheromone und Nahrungsergänzung beim Hund

9. Wann du dir Hilfe holen solltest

Hol dir fachliche Hilfe, wenn dein Hund die Katze trotz Training immer wieder fixiert, hetzt oder packt, wenn er sie schon einmal verletzt hat, oder wenn die Katze über Wochen nicht zur Ruhe kommt, sich versteckt, weniger frisst oder unsauber wird. Bis dahin werden beide konsequent getrennt, wenn niemand aufpasst.

👉 Hundetrainer oder Verhaltenstherapeut?

10. Zur Reichweite

Die Studien zum Zusammenleben von Hund und Katze beruhen überwiegend auf Angaben der Halter (Feuerstein & Terkel, 2008; Thomson et al., 2018; Menchetti et al., 2020; Kinsman et al., 2022). Nur Feuerstein und Terkel haben zusätzlich zu Hause beobachtet. Halter, die an solchen Befragungen teilnehmen, sind nicht unbedingt typisch, und Haushalte, in denen das Zusammenleben gescheitert ist und ein Tier abgegeben wurde, kommen darin kaum vor. Die Zusammenhänge mit Alter und Reihenfolge sind Beobachtungen, keine Belege dafür, dass genau diese Faktoren das Verhältnis verursachen.

Die Studie zu Katzenreizen (Hoffman et al., 2017) umfasst 69 Hunde, und die Angaben zu früheren Vorfällen mit Katzen oder anderen Kleintieren stammen von den Haltern. Ob sich mit Katzengeräuschen vorhersagen lässt, welcher Hund eine Katze gefährdet, ist damit noch nicht geprüft. Die Pheromonstudie (Prior & Mills, 2020) hat keine Placebogruppe. Die Umweltrichtlinien für Katzen (Ellis et al., 2013) und die Übersichtsarbeit zur Einführung neuer Haustiere (Bergman & Gaskins, 2008) sind fachliche Empfehlungen, keine Vergleichsstudien. Die Schritte der Zusammenführung in diesem Beitrag sind deshalb als Praxiserfahrung gekennzeichnet.

11. Fazit

Hund und Katze können gut zusammenleben, und in vielen gemeinsamen Haushalten gelingt ein friedliches oder zumindest konfliktarmes Nebeneinander. Meist ist das Verhältnis eher friedlich als eng. Ob es gelingt, hängt wesentlich davon ab, wie sicher sich die Katze fühlt und wie gut der Alltag organisiert ist.

Drei praktische Punkte sind besonders sinnvoll:

Der Katze Sicherheit geben. Rückzugsorte, Wege nach oben, eigene Ressourcen, die der Hund nicht erreicht.

Schrittweise zusammenführen. Erst Geruch, dann Sicht mit Abstand, dann gemeinsam im Raum mit Leine.

Jagdverhalten ernst nehmen. Fixieren und Hetzen nicht laufen lassen, sondern von Anfang an verhindern.

👉 Individuelle Beratung und Training im Saarland

Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zu Hund und Katze

Meist friedlich, selten eng. In mehreren Befragungen beschrieb die Mehrheit der Halter das Zusammenleben als friedlich, eine enge Beziehung war seltener (Thomson et al., 2018; Menchetti et al., 2020).

Viele schlafen und spielen zusammen. In 68,5 Prozent der Haushalte schliefen Hund und Katze zumindest gelegentlich zusammen, in 62,4 Prozent spielten sie miteinander (Menchetti et al., 2020).

Frühes Kennenlernen und Katze zuerst waren mit einem freundlicheren Verhältnis assoziiert. Ein Kennenlernen im jungen Alter und eine Katze, die vor dem Hund im Haushalt war, gingen in einer Beobachtungsstudie mit einem freundlicheren Verhältnis einher (Feuerstein & Terkel, 2008).

Das Befinden der Katze war besonders aussagekräftig. Wie wohl sich die Katze fühlte, hing stärker mit einem friedlichen Zusammenleben zusammen als das Befinden des Hundes (Thomson et al., 2018).

Schrittweise Zusammenführung bei Welpen. Frühe und schrittweise Zusammenführungen gingen mit einer höheren Chance auf ausschließlich erwünschtes Verhalten einher; insgesamt zeigten das nur 7,3 Prozent der Welpen (Kinsman et al., 2022).

Hunde reagieren stark auf Katzengeräusche. Hunde mit einer Vorgeschichte des Verletzens oder Tötens von Katzen oder anderen Kleintieren hörten Katzengeräuschen besonders lange zu, nicht aber der Attrappe oder dem Geruch (Hoffman et al., 2017).

Getrennte Ressourcen und erhöhte Plätze. Fachliche Richtlinien empfehlen für Katzen einen sicheren Rückzugsort und getrennte Ressourcen (Ellis et al., 2013).

Quellen

  • Bergman, L., & Gaskins, L. (2008). Expanding families: Preparing for and introducing dogs and cats to infants, children, and new pets. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 38(5), 1043–1063. https://doi.org/10.1016/j.cvsm.2008.04.004
  • Ellis, S. L. H., Rodan, I., Carney, H. C., Heath, S., Rochlitz, I., Shearburn, L. D., Sundahl, E., & Westropp, J. L. (2013). AAFP and ISFM feline environmental needs guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery, 15(3), 219–230. https://doi.org/10.1177/1098612X13477537
  • Feuerstein, N., & Terkel, J. (2008). Interrelationships of dogs (Canis familiaris) and cats (Felis catus L.) living under the same roof. Applied Animal Behaviour Science, 113(1–3), 150–165. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2007.10.010
  • Hoffman, C. L., Workman, M. K., Roberts, N., & Handley, S. (2017). Dogs’ responses to visual, auditory, and olfactory cat-related cues. Applied Animal Behaviour Science, 188, 50–58. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2016.12.016
  • Kinsman, R. H., Owczarczak-Garstecka, S. C., Casey, R. A., Da Costa, R. E. P., Tasker, S., & Murray, J. K. (2022). Introducing a puppy to existing household cat(s): Mixed method analysis. Animals, 12(18), Artikel 2389. https://doi.org/10.3390/ani12182389
  • Menchetti, L., Calipari, S., Mariti, C., Gazzano, A., & Diverio, S. (2020). Cats and dogs: Best friends or deadly enemies? What the owners of cats and dogs living in the same household think about their relationship with people and other pets. PLOS ONE, 15(8), Artikel e0237822. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0237822
  • Prior, M. R., & Mills, D. S. (2020). Cats vs. dogs: The efficacy of Feliway FriendsTM and AdaptilTM products in multispecies homes. Frontiers in Veterinary Science, 7, Artikel 399. https://doi.org/10.3389/fvets.2020.00399
  • Thomson, J. E., Hall, S. S., & Mills, D. S. (2018). Evaluation of the relationship between cats and dogs living in the same home. Journal of Veterinary Behavior, 27, 35–40. https://doi.org/10.1016/j.jveb.2018.06.043

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung. Wenn dein Hund eine Katze fixiert, hetzt oder schon einmal verletzt hat, trenne beide konsequent und hol dir fachliche Hilfe.

Häufige Fragen zu Hund und Katze

Zusammenführung, Alltag und Jagdverhalten

Können Hund und Katze sich vertragen?

Ja, in vielen gemeinsamen Haushalten leben sie friedlich oder konfliktarm zusammen. In einer Befragung mit 1.270 Haltern schliefen Hund und Katze in 68,5 Prozent der Haushalte zumindest gelegentlich zusammen und spielten in 62,4 Prozent miteinander. Eine wirklich enge Beziehung ist aber seltener als ein friedliches Nebeneinander.

Was ist besser: erst die Katze oder erst der Hund?

In einer Studie entstand ein freundliches Verhältnis eher, wenn die Katze vor dem Hund im Haushalt war und sich beide jung kennenlernten. Das ist ein beobachteter Zusammenhang, keine Garantie. Auch umgekehrt kann es gut klappen, wenn die Katze genug Rückzug und Sicherheit hat.

Wie führe ich Hund und Katze zusammen?

Schrittweise. Erst lernen beide den Geruch des anderen kennen, dann folgen kurze Sichtkontakte hinter einem Gitter, dann gemeinsame Zeit im Raum mit Hausleine. Die Katze kommt freiwillig und kann jederzeit gehen. Unbeaufsichtigt bleiben beide erst, wenn sie über längere Zeit entspannt miteinander umgehen.

Wie lange dauert die Eingewöhnung?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Entscheidend ist nicht ein fester Zeitplan, sondern ob beide, vor allem die Katze, in den einzelnen Schritten entspannt bleiben.

Mein Hund jagt die Katze – ist das nur Spiel?

Nicht unbedingt. Hinterherjagen ist schon bei Welpen häufig, aber Fixieren und Hetzen gehören zur selben Verhaltenskette wie das Packen. Wiederholtes Hetzen kann die Katze deutlich belasten und sollte deshalb nicht zugelassen werden. Verhindere das Hetzen von Anfang an mit Gitter und Leine und belohne deinen Hund für ruhiges Verhalten in Gegenwart der Katze.

Darf ich meinen Hund bestrafen, wenn er die Katze jagt?

Eine Strafe kann das Hetzen im Moment unterbrechen. Die Frage ist aber, was dein Hund dabei lernt und um welchen Preis: Strafe kann zusätzliche negative Erregung erzeugen und bringt ihm nicht automatisch bei, welches Verhalten stattdessen erwünscht ist. Sicherer ist es, Hetzen durch Management gar nicht erst möglich zu machen und ruhiges Verhalten gezielt zu belohnen.

Woran erkenne ich, dass meine Katze gestresst ist?

Mögliche Belastungszeichen sind häufiges Verstecken, Meiden bestimmter Räume, weniger Fressen, Unsauberkeit, häufiges Fauchen oder Schlagen und übermäßiges Putzen. Halten solche Zeichen an, gib der Katze mehr Abstand und Rückzug und lass sie tierärztlich untersuchen, wenn sie weniger frisst oder unsauber wird.

Ist ein Hund „katzenverträglich“, wenn er im Tierheim ruhig an einer Katze vorbeigeht?

Nicht unbedingt. In einer Studie reagierten Hunde stärker auf Katzengeräusche als auf den Anblick oder den Geruch einer Katze. Eine kurze ruhige Begegnung mit einer still sitzenden Katze ist deshalb nur begrenzt aussagekräftig für das Verhalten gegenüber einer laufenden oder fauchenden Katze zu Hause. Plane die Zusammenführung bei unbekannter Vorgeschichte von Anfang an gesichert.

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