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Hunderatgeber · Alltag mit Hund

Hund buddelt im Garten: Warum er gräbt und was wirklich hilft

Dein Hund buddelt Löcher in den Garten? Welche Gründe hinter dem Graben stecken können, was die dünne Studienlage hergibt und wie du mit Buddelplatz und Management gegensteuerst.

Michael Sauerwein

Kurz zusammengefasst

Graben gehört zum normalen Verhalten von Hunden und ist zunächst kein Erziehungsfehler. Vier Dinge sind wichtig. Erstens: Hinter dem Buddeln können sehr unterschiedliche Gründe stecken, vom Mäusegang über die kühle Kuhle bis zum Nestbau bei einer scheinträchtigen Hündin. Zweitens: Zum Graben selbst gibt es fast keine Forschung; was sich sagen lässt, stammt aus angrenzenden Gebieten. Drittens: Was hilft, hängt vom Grund ab. Buddelplatz, Nasenarbeit, Schatten, Begleitung und ein sicherer Zaun lösen jeweils ein anderes Problem. Viertens: Strafe im Nachhinein und Hausmittel in den Löchern lösen das eigentliche Problem nicht.

Dieser Beitrag zeigt, welche Funktionen das Buddeln haben kann, wie du den Grund bei deinem Hund findest, worauf du im Garten achten solltest und was wirklich hilft.

Ein braun-weißer Hund gräbt mit seinen Vorderpfoten ein Loch in die Erde eines Gartens. Dabei wirbelt er lockere Erde auf und konzentriert sich auf die Grabstelle.

1. Buddeln ist normales Hundeverhalten

Für Menschen ist Buddeln vor allem ein Problem für Rasen und Beete. Für den Hund ist es eine Möglichkeit, an etwas heranzukommen, etwas zu verstecken oder sich einen Platz zu schaffen. In einem älteren Experiment wurden Beagles aus einer angereicherten, großzügigen Gruppenhaltung im Freien für sechs Wochen in Einzelhaltung in kleine Innenzwinger verlegt. In den Zwingern liefen und gruben die Hunde vergleichsweise wenig, was die Autoren als Anpassung an die Haltung deuteten. Gleichzeitig zeigten sie Veränderungen, die als Zeichen von chronischem Stress eingeordnet wurden (Beerda et al., 1999). Das war ein Laborexperiment und keine Studie zum Graben. Es zeigt aber: Weniger Graben heißt nicht automatisch, dass es dem Hund besser geht, sondern manchmal nur, dass er keine Gelegenheit mehr hat.

Aus der Praxis: Die meisten Hunde, die im Garten buddeln, tun etwas, das sich für sie lohnt. Die Frage ist deshalb nicht, wie du das Graben abstellst, sondern was dein Hund davon hat.

2. Warum Hunde graben: mögliche Funktionen

Die folgenden Funktionen sind mögliche Erklärungen, oft kommen mehrere zusammen. Wie häufig die einzelnen Motive bei Familienhunden auftreten, lässt sich aus der hier ausgewerteten Forschung nicht zuverlässig ableiten.

2.1 Erkunden und Gerüchen folgen

Mäuse, Maulwürfe, Wühlmäuse, Insektenlarven oder Reste vom Kompost können einen Hund zum Graben bringen. Typisch ist, dass er an einer Stelle intensiv schnüffelt, innehält, lauscht und dann gezielt genau dort gräbt.

Wenn der Hund einer Maus oder einem Maulwurf nachgräbt, ist das Jagdverhalten. Die Forschung dazu ist überraschend dünn. Die erste planmäßige Beschreibung der Jagdabfolge beim Hund beruhte auf 60 Videos, die von zwei unabhängigen Beobachtenden ausgewertet wurden, und fand vier funktionale Phasen: Suchen, Annähern, Hetzen und Beißen (Broseghini et al., 2024). Viele bekannte Aussagen über die Jagdabfolge sind bisher nicht geprüft. Eine systematische Übersicht zu Maßnahmen gegen Probleme durch Jagdverhalten fand nur wenige, methodisch begrenzte Arbeiten und wies darauf hin, dass das reine Verhindern für den Hund Kosten für das Wohlbefinden haben kann (McLennan, 2023).

Aus der Praxis: Hunde, die einer Maus nachgraben, sind oft kaum ansprechbar und kehren immer wieder an dieselbe Stelle zurück. Das Graben lohnt sich für sie oft schon an sich, auch wenn sie nie etwas erwischen.

👉 Jagdverhalten beim Hund: Die Jagdverhaltenskette verstehen

2.2 Abkühlen in einer Kuhle

Aus der Praxis: An heißen Tagen graben manche Hunde flache Mulden im Schatten oder in feuchter Erde und legen sich hinein, denn frisch aufgegrabene Erde ist kühler als die Oberfläche. Tritt das Graben vor allem im Sommer auf und liegt der Hund danach in der Kuhle, ist Abkühlen naheliegend. Studien zu genau diesem Verhalten gibt es nicht.

Ernst wird Hitze, wenn der Hund keine Möglichkeit hat, sich abzukühlen. In einer großen Auswertung von Tierarztdaten aus Großbritannien ging die Mehrzahl der Hitzschlagfälle mit bekanntem Auslöser auf körperliche Belastung zurück, aber 12,9 Prozent auf Umgebungshitze ohne Belastung (Hall et al., 2020). Ein Hund, der an einem heißen Tag lange allein im Garten ohne Schatten ist, gehört genau in diese Gruppe.

👉 Hitzschlag bei Hunden

2.3 Vergraben und Verstecken

Aus der Praxis: Manche Hunde graben, um etwas zu verstecken: einen Kauknochen, ein Spielzeug, ein Stück Brot. Sie legen den Gegenstand ins Loch und schieben mit der Nase Erde darüber. Das sieht man häufiger, wenn der Hund mehr Kauartikel bekommt, als er gerade fressen möchte, oder wenn ein anderer Hund im Haushalt lebt.

2.4 Nestbau bei trächtigen und scheinträchtigen Hündinnen

Scharrt eine Hündin einige Wochen nach der Läufigkeit in Ecken, schiebt Decken zusammen oder gräbt Kuhlen, baut sie möglicherweise ein Nest. Das ist vor einer Geburt zu erwarten, kommt aber auch bei der Scheinträchtigkeit vor. Eine Übersichtsarbeit beschreibt sie als physiologischen Zustand nicht trächtiger Hündinnen gegen Ende des Zyklus, unter anderem mit Nestbau, vergrößerten Milchdrüsen, Milchbildung und mütterlichem Verhalten. Sie kommt häufig vor, und leichte Fälle brauchen meist keine Behandlung (Gobello et al., 2001).

In einer Auswertung von Fällen einer spanischen Tierklinik setzte die Scheinträchtigkeit typischerweise mit Verhaltensänderungen ein, erst danach folgten körperliche Zeichen. Bei Hündinnen, die kastriert worden waren, begann sie im Median sieben Tage nach der Kastration. Die Autoren vermuten, dass Scheinträchtigkeit häufiger vorkommt als diagnostiziert, weil Halter die Anzeichen oft nicht erkennen (Falceto et al., 2024). Gräbt deine Hündin plötzlich und bemuttert dazu Spielzeug oder ist unruhiger, lohnt sich ein Blick in den Kalender.

👉 Scheinträchtigkeit bei Hündinnen

2.5 Ausbrechen oder etwas erreichen wollen

Aus der Praxis: Gräbt dein Hund vor allem am Zaun, unter dem Gartentor oder an der Grundstücksgrenze, will er oft auf die andere Seite. Dahinter kann ein Nachbarhund sein, eine läufige Hündin, Wild am Waldrand oder der Wunsch, bei seinen Menschen zu sein. Diese Form ist die gefährlichste, weil ein Hund, der durchkommt, auf der Straße landen oder Wild hetzen kann.

2.6 Aufmerksamkeit und Unterforderung

Gräbt ein Hund vor allem, wenn er lange allein im Garten ist, liegt Langeweile nahe. Beim Hund ist Langeweile aber praktisch noch nicht untersucht. Ein konzeptioneller Übersichtsartikel argumentierte, dass Langeweile wahrscheinlich einen Anpassungswert hat, weil sie Erkundung anstößt, und dass sie sich sowohl in Unruhe als auch in Schläfrigkeit zeigen kann (Burn, 2017). Ein weiterer Übersichtsartikel ordnete Langeweile als Tierschutzthema ein und empfahl, Tieren eine Wahl über das Maß an Reizen zu geben (Meagher, 2019). „Er gräbt, weil ihm langweilig ist“ bleibt deshalb eine plausible Vermutung, keine Diagnose.

Auch Aufmerksamkeit kann eine Rolle spielen. Bei Untersuchungen zu sich wiederholendem Verhalten von Hunden, nicht zum Graben, zeigte sich, dass das, was das Verhalten aufrechterhielt, von Hund zu Hund verschieden war: Bei manchen war es die Reaktion des Halters, bei anderen der Reiz selbst (Hall et al., 2015). Übertragen heißt das: Wenn nach jedem Loch jemand in den Garten gelaufen kommt, kann genau das Graben attraktiv machen.

In einer großen finnischen Befragung mit über 11.000 Hunden hing mehr Zeit allein mit höheren Werten für Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit zusammen (Sulkama et al., 2021). Das ist ein Zusammenhang, keine Ursache, und Graben wurde nicht erfasst.

👉 Langeweile beim Hund

2.7 Rasse und Persönlichkeit

Aus der Praxis: Manche Hunde graben deutlich mehr als andere. Häufig genannt werden Terrier und Dackel, die ursprünglich für die Arbeit an und unter der Erde gezüchtet wurden, und manche nordischen Rassen, die sich gern Kuhlen graben. Belastbare Daten zu Rasseunterschieden beim Graben gibt es nicht. Die Rasse kann ein Hinweis sein, erklärt aber nicht, warum dein Hund gerade hier und jetzt gräbt.

3. Erst die Funktion klären

Aus der Praxis: Bevor du etwas änderst, schau ein bis zwei Wochen genau hin. Diese Fragen helfen:

  • Wo liegen die Löcher? An Mäusegängen spricht eher für Jagdverhalten, am Zaun für Ausbruch, im Schatten für Abkühlen, in einer ruhigen Ecke für Verstecken oder Nestbau.
  • Wann gräbt dein Hund? Nur an heißen Tagen, nur einige Wochen nach der Läufigkeit, nur wenn er allein ist, oder auch, wenn du daneben stehst?
  • Was passiert danach? Legt er sich hinein, frisst er etwas, vergräbt er etwas, schaut er zu dir, oder läuft er weg?
  • Wie wirkt er dabei? Konzentriert und kaum ansprechbar, entspannt und spielerisch, oder hektisch und unruhig?

Gräbt dein Hund plötzlich viel mehr als früher oder kratzt er auch im Haus an Türen, können Stress beim Alleinsein oder gesundheitliche Gründe dahinterstecken. Das gehört fachlich abgeklärt.

4. Sicherheit im Garten

Aus der Praxis: Schneckenkorn, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Rattengift und Wühlmausköder sind im Garten mit grabendem Hund besonders heikel, weil sie gerade dort liegen, wo der Hund gräbt. Viele dieser Produkte sind für Hunde giftig. Verzichte wo möglich darauf oder nutze sie nur dort, wo dein Hund nicht hinkommt. Auch Blumenzwiebeln und manche Gartenpflanzen können giftig sein.

Aus der Praxis: Ausgegrabenes wird oft auch gefressen: Kompostreste, verschimmelte Essensreste, tote Mäuse, Knochen. Schimmeliges kann giftig sein, deshalb gehört der Kompost außer Reichweite. Erbricht dein Hund nach dem Buddeln, zittert oder speichelt er stark, geh sofort zum Tierarzt.

Aus der Praxis: Prüfe den Zaun regelmäßig von unten. Löcher und unterspülte Stellen fallen oft erst auf, wenn der Hund schon draußen ist.

👉 Giftige Pflanzen für Hunde

5. Was wirklich hilft

In der hier ausgewerteten Forschung findet sich keine kontrollierte Studie, die konkrete Trainingsmaßnahmen gegen Buddeln im Garten bei Familienhunden direkt prüft. Die folgenden Schritte leiten sich aus den möglichen Funktionen ab und stammen aus der Trainingspraxis. Wo es Forschung zu einem angrenzenden Thema gibt, ist sie genannt.

5.1 Ein erlaubter Buddelplatz

Aus der Praxis: Für viele Hunde ist ein eigener Buddelplatz die beste Lösung. Das kann eine Sandkiste oder ein abgetrennter Bereich mit lockerer Erde sein, der attraktiver ist als das Beet. Vergrabe dort anfangs flach ein paar Leckerchen oder ein Spielzeug, während dein Hund zusieht, und freu dich mit ihm über jeden Fund. Später vergräbst du die Belohnungen tiefer und auch, wenn er nicht zusieht. Gräbt er woanders, lenkst du ihn ruhig zum Buddelplatz um. Ein Buddelplatz im Schatten erfüllt gleich zwei Funktionen.

5.2 Die Nase beschäftigen

Stecken Gerüche hinter dem Graben, braucht die Nase andere Aufgaben. In einer Studie mit Familienhunden verschob sich nach zwei Wochen Nasenarbeit ein Maß für kognitive Verzerrung in optimistische Richtung, verglichen mit einer Kontrollgruppe, die Fußarbeit übte (Duranton & Horowitz, 2019). Eine Übersichtsarbeit zu Geruchsaktivitäten fand eine wachsende, aber lückenhafte Literatur und kam zu dem Schluss, dass die Mechanismen, über die Nasenarbeit Hunden nützen könnte, unvollständig verstanden sind (Fountain et al., 2025). Ob Nasenarbeit das Graben verringert, hat niemand untersucht.

Mehr Spielzeug allein ist dagegen nicht unbedingt die Lösung. In einer kontrollierten Studie mit Familienhunden veränderte kurzfristig angebotenes Spielzeug die gemessenen Wohlbefindensmaße nicht signifikant; die Zuteilung zu den Gruppen war dabei nur pseudo-randomisiert (Chan et al., 2023).

Aus der Praxis: Futtersuche im Gras, Suchspiele oder Mantrailing geben der Nase eine Aufgabe gemeinsam mit dir. Ein paar Minuten Suchspiel bringen oft mehr als eine Kiste voller Spielzeug.

👉 Denksport und Nasenarbeit

5.3 Schatten und kühle Plätze

Aus der Praxis: Gräbt dein Hund vor allem an heißen Tagen, braucht er einen kühlen Platz, der nicht im Beet liegt. Schatten, eine flache Wanne mit Wasser, frisches Trinkwasser und an sehr heißen Tagen der kühle Flur im Haus sind besser als ein zugeschüttetes Loch. An heißen Tagen sollte dein Hund nicht lange allein draußen sein.

5.4 Begleiten statt lange allein lassen

Aus der Praxis: Der Garten ist kein Ersatz für Spaziergänge und Gesellschaft. Sei dabei, wenn dein Hund im Garten ist, gerade in der Phase, in der du einen Buddelplatz aufbaust. So kannst du rechtzeitig umlenken, bevor ein neues Loch entsteht. Kannst du nicht dabei sein, ist der Hund im Haus oft besser aufgehoben. Frisch bepflanzte Beete kannst du vorübergehend abgrenzen.

5.5 Den Zaun sichern, wenn Ausbruch das Ziel ist

Aus der Praxis: Gräbt dein Hund am Zaun, um hinauszukommen, ist Training allein nicht genug, weil jeder erfolgreiche Ausbruch das Verhalten verstärkt und gefährlich ist. Sichere den Zaun zuerst baulich, zum Beispiel mit einem in den Boden eingelassenen Drahtgeflecht oder einem Streifen Pflaster entlang der Grenze. Danach geht es darum, was den Hund hinauszieht: Gegen einen Nachbarhund hilft oft Sichtschutz, gegen den Wunsch, bei dir zu sein, nur deine Gesellschaft.

5.6 Alternativen belohnen

Aus der Praxis: Belohne deinen Hund im Garten für alles, was du gerne siehst: ruhiges Liegen im Schatten, Spielen mit dir, Kauen auf seiner Decke, Graben am Buddelplatz. Viele Halter beachten ihren Hund im Garten erst, wenn er gräbt. Dreh das um. Fängt er an einer verbotenen Stelle an, ruf ihn freundlich zu dir und gib ihm etwas anderes zu tun.

6. Was nicht hilft

Ein Hund lässt sich vom Graben auch abhalten, indem man ihn anschreit, ihn wegzerrt oder die Löcher mit unangenehmen Dingen füllt. Im Moment hört er dann vielleicht auf. Die Frage ist, was er dabei lernt und um welchen Preis. Ein Hund, der in deiner Gegenwart ausgeschimpft wird, lernt oft nicht „Graben ist falsch“, sondern „Graben, wenn niemand hinschaut“. Der Garten wird zum Ort von Konflikten, und die eigentliche Funktion bleibt unberührt. Auch die Übersicht zum Jagdverhalten weist darauf hin, dass reines Verhindern Kosten für das Wohlbefinden haben kann (McLennan, 2023).

Strafe im Nachhinein hilft ebenfalls nicht. Findest du das Loch erst Stunden später, kann dein Hund die Strafe nicht mit dem Graben verbinden. Er erlebt nur einen Menschen, der ohne erkennbaren Grund ärgerlich wird.

Aus der Praxis: Lass auch Hausmittel weg, die im Internet empfohlen werden, etwa Kot, Chili, Pfeffer, Mottenkugeln, Essig, Luftballons oder Mausefallen in den Löchern. Manche sind giftig, andere reizen die Schleimhäute oder verletzen den Hund, und keines klärt, warum er gräbt.

7. Zur Reichweite

Das Graben selbst ist bei Familienhunden bislang wenig systematisch untersucht. Belastbare Daten zur Häufigkeit, zu den verschiedenen Funktionen und zur Wirksamkeit konkreter Maßnahmen sind begrenzt. Alles Weitere stammt aus angrenzenden Gebieten oder aus der Praxis.

Die Beagle-Studie (Beerda et al., 1999) war ein Laborexperiment zu Einschränkung und Stress, in dem Graben eines von vielen Verhalten war. Die Jagdabfolge (Broseghini et al., 2024) beruht auf 60 Videos, die Übersicht zu Maßnahmen (McLennan, 2023) auf wenigen, begrenzten Arbeiten. Die Arbeiten zu Langeweile (Burn, 2017; Meagher, 2019) sind konzeptionell und beim Hund ungeprüft, die Untersuchungen zu wiederholtem Verhalten (Hall et al., 2015) betrafen kein Graben, und die finnische Befragung (Sulkama et al., 2021) zeigt Zusammenhänge aus Halterangaben. Die Studien zu Nasenarbeit und Spielzeug (Duranton & Horowitz, 2019; Chan et al., 2023; Fountain et al., 2025) maßen Wohlbefinden, nicht Graben. Die Hitzschlagdaten (Hall et al., 2020) stammen aus britischen Praxen, die Arbeiten zur Scheinträchtigkeit sind eine Übersicht (Gobello et al., 2001) und eine Fallauswertung einer einzigen Klinik (Falceto et al., 2024).

Die Einordnung der Funktionen, die Beobachtungsfragen, der Buddelplatz, die Hinweise zu Zaun, Sicherheit und Management sind deshalb als Praxiserfahrung gekennzeichnet.

8. Fazit

Buddeln ist kein Fehlverhalten, sondern ein normales Hundeverhalten mit unterschiedlichen möglichen Gründen. Wer herausfindet, warum sein Hund gräbt, kann gezielt etwas ändern, statt nur Löcher zuzuschütten.

Die drei Dinge, die den Unterschied machen:

Erst die Funktion klären. Wo, wann und wie dein Hund gräbt, verrät oft, was er davon hat.

Eine erlaubte Alternative schaffen. Ein attraktiver Buddelplatz, Suchspiele und kühle Plätze statt Verbote.

Sicherheit und Management zuerst. Giftiges wegräumen, den Zaun sichern und den Hund nicht lange allein im Garten lassen.

👉 Individuelle Beratung und Training im Saarland

Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zum Buddeln im Garten

Weniger Graben heißt nicht mehr Wohlbefinden. Beagles, die aus großzügiger Haltung im Freien in kleine Innenzwinger kamen, gruben weniger und zeigten zugleich Zeichen, die als chronischer Stress eingeordnet wurden (Beerda et al., 1999).

Reines Verhindern hat Kosten. Eine Übersicht zu Maßnahmen bei Jagdverhalten fand wenige Arbeiten und wies auf mögliche Kosten des Verhinderns für das Wohlbefinden hin (McLennan, 2023).

Nestbau gehört zur Scheinträchtigkeit. Scheinträchtigkeit ist häufig, geht unter anderem mit Nestbau einher und beginnt typischerweise mit Verhaltensänderungen (Gobello et al., 2001; Falceto et al., 2024).

Umgebungshitze ist ein eigenes Risiko. 12,9 Prozent der britischen Hitzschlagfälle mit bekanntem Auslöser gingen auf Umgebungshitze ohne Belastung zurück (Hall et al., 2020).

Nasenarbeit ist ein guter Kandidat. Zwei Wochen Nasenarbeit verschoben ein Maß für kognitive Verzerrung in optimistische Richtung (Duranton & Horowitz, 2019), die Mechanismen sind aber unvollständig verstanden (Fountain et al., 2025).

Quellen

  • Beerda, B., Schilder, M. B. H., van Hooff, J. A. R. A. M., de Vries, H. W., & Mol, J. A. (1999). Chronic stress in dogs subjected to social and spatial restriction. I. Behavioral responses. Physiology & Behavior, 66(2), 233–242. https://doi.org/10.1016/S0031-9384(98)00289-3
  • Broseghini, A., Lõoke, M., Guérineau, C., Marinelli, L., & Mongillo, P. (2024). Ethogram of the predatory sequence of dogs (Canis familiaris). Applied Animal Behaviour Science, 279, Artikel 106402. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2024.106402
  • Burn, C. C. (2017). Bestial boredom: A biological perspective on animal boredom and suggestions for its scientific investigation. Animal Behaviour, 130, 141–151. https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2017.06.006
  • Chan, K., Arellano, C., & Horowitz, A. (2023). Here puppy, chew on this: Short-term provision of toys does not improve welfare in companion dogs. Animals, 13(21), Artikel 3340. https://doi.org/10.3390/ani13213340
  • Duranton, C., & Horowitz, A. (2019). Let me sniff! Nosework induces positive judgment bias in pet dogs. Applied Animal Behaviour Science, 211, 61–66. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2018.12.009
  • Falceto, M. V., Garrido, A. M., Bueno, M., Tejedor, M. T., Cantin, J., Garza-Moreno, L., & Mitjana, O. (2024). Prevalence of pseudopregnancy in bitch attending a veterinary teaching hospital in Spain. Reproduction in Domestic Animals, 59(S3), Artikel e14638. https://doi.org/10.1111/rda.14638
  • Fountain, J., Fernandez, E. J., McWhorter, T. J., & Hazel, S. J. (2025). The value of sniffing: A scoping review of scent activities for canines. Applied Animal Behaviour Science, 282, Artikel 106485. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2024.106485
  • Gobello, C., de la Sota, R. L., & Goya, R. G. (2001). A review of canine pseudocyesis. Reproduction in Domestic Animals, 36(6), 283–288. https://doi.org/10.1046/j.1439-0531.2001.00322.x
  • Hall, E. J., Carter, A. J., & O’Neill, D. G. (2020). Dogs don’t die just in hot cars – Exertional heat-related illness (heatstroke) is a greater threat to UK dogs. Animals, 10(8), Artikel 1324. https://doi.org/10.3390/ani10081324
  • Hall, N. J., Protopopova, A., & Wynne, C. D. L. (2015). The role of environmental and owner-provided consequences in canine stereotypy and compulsive behavior. Journal of Veterinary Behavior, 10(1), 24–35. https://doi.org/10.1016/j.jveb.2014.10.005
  • McLennan, T. (2023). Review of literature on interventions aimed at resolving problems caused by predatory behaviour in dogs (Canis familiaris). Applied Animal Behaviour Science, 266, Artikel 106037. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2023.106037
  • Meagher, R. K. (2019). Is boredom an animal welfare concern? Animal Welfare, 28(1), 21–32. https://doi.org/10.7120/09627286.28.1.021
  • Sulkama, S., Puurunen, J., Salonen, M., Mikkola, S., Hakanen, E., Araujo, C., & Lohi, H. (2021). Canine hyperactivity, impulsivity, and inattention share similar demographic risk factors and behavioural comorbidities with human ADHD. Translational Psychiatry, 11, Artikel 501. https://doi.org/10.1038/s41398-021-01626-x

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung. Wenn dein Hund nach dem Buddeln etwas Giftiges gefressen haben könnte, erbricht, zittert oder auffällig wirkt, geh sofort zum Tierarzt. Gräbt er plötzlich deutlich mehr als früher oder wirkt er dabei unruhig, lass gesundheitliche Ursachen und Stress abklären.

Häufige Fragen zum Buddeln im Garten

Ursachen, Sicherheit und Training

Warum buddelt mein Hund im Garten?

Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe: Er folgt Gerüchen oder Mäusen, sucht sich an heißen Tagen eine kühle Kuhle, versteckt Futter oder Spielzeug, baut als scheinträchtige Hündin ein Nest, will unter dem Zaun hindurch oder beschäftigt sich, weil er lange allein ist. Wo, wann und wie er gräbt, gibt oft den besten Hinweis.

Ist Buddeln beim Hund normal?

Ja, Graben gehört zum normalen Verhalten von Hunden. Manche Hunde graben mehr als andere. Problematisch wird es vor allem, wenn der Hund dabei an Giftiges kommt, unter dem Zaun ausbricht oder sehr viel allein im Garten ist und sich so selbst beschäftigen muss.

Wie gewöhne ich meinem Hund das Buddeln ab?

Statt das Graben komplett abzustellen, gibst du ihm eine erlaubte Möglichkeit, zum Beispiel einen Buddelplatz mit vergrabenen Leckerchen. Dazu kommen mehr Nasenarbeit, Schatten an heißen Tagen, weniger Zeit allein im Garten und ein gesicherter Zaun, wenn er ausbrechen will. Was davon nötig ist, hängt davon ab, warum er gräbt.

Wie lege ich einen Buddelplatz an?

Nimm eine Sandkiste oder einen abgegrenzten Bereich mit lockerer Erde oder Sand, am besten im Schatten. Vergrabe anfangs flach Leckerchen oder ein Spielzeug, während dein Hund zusieht, und freu dich mit ihm über jeden Fund. Später vergräbst du die Belohnungen tiefer und auch, wenn er nicht zusieht.

Darf ich meinen Hund fürs Buddeln bestrafen?

Anschreien oder Löcher mit unangenehmen Dingen füllen kann das Graben im Moment stoppen. Die Frage ist, was dein Hund dabei lernt und um welchen Preis: oft, dass er nur dann gräbt, wenn niemand hinschaut, und dass der Garten ein Ort voller Konflikte ist. Strafe im Nachhinein versteht er gar nicht. Besser ist es, den Grund anzugehen und eine erlaubte Alternative zu belohnen.

Helfen Hausmittel wie Chili, Pfeffer oder Kot im Loch?

Davon ist abzuraten. Manche dieser Mittel können die Schleimhäute reizen, giftig sein oder den Hund verletzen, etwa Mottenkugeln. Sie klären außerdem nicht, warum dein Hund gräbt, und meistens gräbt er dann einfach woanders weiter.

Meine Hündin gräbt plötzlich und schiebt Decken zusammen. Was steckt dahinter?

Wenn das einige Wochen nach der Läufigkeit oder kurz nach einer Kastration auftritt, kann eine Scheinträchtigkeit dahinterstecken. Typisch sind dann auch Anhänglichkeit, Unruhe, das Bemuttern von Spielzeug oder geschwollene Milchdrüsen. Leichte Fälle gehen meist von selbst vorbei, bei starken Anzeichen sprich mit deiner Tierarztpraxis.

Was mache ich, wenn mein Hund unter dem Zaun durchgräbt?

Sichere den Zaun zuerst baulich, etwa mit einem in den Boden eingelassenen Drahtgeflecht oder einem Streifen Pflaster entlang der Grenze, und lass deinen Hund bis dahin nicht allein im Garten. Danach geht es darum, herauszufinden, was ihn nach draußen zieht, und genau daran zu arbeiten.

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