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Hund wälzt sich in Aas und Kot: Warum macht er das?

Dein Hund wälzt sich in Aas, Kot oder Gülle? Welche Erklärungen es gibt, was die dünne Studienlage dazu sagt, welche Risiken bestehen und was im Alltag wirklich hilft.

Michael Sauerwein

Kurz zusammengefasst

Fast jeder Hundehalter kennt den Moment: Der Hund bleibt stehen, schnuppert, senkt die Schulter und wirft sich mit Genuss in einen toten Fisch, in Fuchskot oder in frisch ausgebrachte Gülle. Warum Hunde das tun, weiß niemand sicher. Vier Dinge sind wichtig. Erstens: Es gibt mehrere Erklärungen, vom Tarnen des eigenen Geruchs über das Mitbringen von Informationen bis zum Einparfümieren, aber für Haushunde ist keine davon direkt untersucht. Zweitens: Die wenigen Studien stammen von anderen Tieren; Wölfe wälzten sich in einem Versuch am stärksten in Parfüm und Motoröl, nicht in Beutegeruch, und Hyänen, die nach Aas rochen, bekamen von ihren Gruppenmitgliedern mehr Aufmerksamkeit. Drittens: Wälzen ist nicht nur eklig, sondern kann Parasiteneier und Keime ins Fell bringen. Viertens: Am besten hilft gutes Management mit Rückruf, Leine an bekannten Stellen und Ersatzbeschäftigung für die Nase, während Strafe das Problem eher verlagert.

Dieser Beitrag zeigt, wie Wälzen aussieht, welche Hypothesen es gibt und was für jede spricht, welche gesundheitlichen Risiken bestehen und wie du deinen Hund im Alltag davon abhältst und ihn danach ohne Drama wieder sauber bekommst.

Ein braun-weißer Hund wälzt sich auf dem Rücken im Gras neben einer aufgewühlten Erdfläche. Seine Beine ragen in die Luft, während sein Kopf seitlich am Boden liegt.

1. So sieht Wälzen aus

Wälzen in Gerüchen folgt bei vielen Hunden einem erstaunlich festen Ablauf. Zuerst bleibt der Hund an einer Stelle hängen und schnuppert intensiv, oft länger als sonst. Dann senkt er den Kopf und setzt meist mit der Wange, dem Hals oder der Schulter zuerst auf. Er schiebt sich über den Geruch, dreht sich auf den Rücken, strampelt mit den Beinen in der Luft und reibt Nacken und Rücken hin und her. Danach schüttelt er sich oft, schnuppert erneut und wiederholt das Ganze, völlig vertieft.

In der Fachliteratur heißt dieses Verhalten im Englischen „scent rubbing“ oder „scent rolling“, also Reiben oder Wälzen in Gerüchen. Es ist nicht auf Hunde beschränkt. Beschrieben ist es bei Wölfen, Hyänen, Katzen und vielen anderen Säugetieren.

Aus der Praxis: Typische Auslöser sind Aas, tote Fische und Vögel, Kot von Füchsen, Wildschweinen oder anderen Hunden, Gülle und Mist, aber auch Erbrochenes oder frisch gedüngte Wiesen. Nicht jedes Wälzen hat mit Gerüchen zu tun. Viele Hunde wälzen sich auch nach dem Baden, auf frisch gemähtem Gras, im Schnee oder einfach auf dem Teppich. Das dient oft dem Abtrocknen oder Kratzen. In diesem Beitrag geht es um das gezielte Wälzen in starken Gerüchen.

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2. Warum wälzt sich ein Hund? Die Hypothesen

Vorab das Wichtigste: Eine Studie, die das Wälzen von Haushunden gezielt untersucht, haben wir nicht gefunden. Alles, was du in Ratgebern liest, sind Hypothesen, die meist aus Beobachtungen an anderen Arten übertragen werden. Die folgenden Abschnitte zeigen, was jeweils dafür und dagegen spricht.

2.1 Was ein Versuch mit Wölfen zeigt

Die für Hunde wichtigste Arbeit stammt aus den 1980er Jahren. Ryon et al. (1986) haben zwei Gruppen von insgesamt 15 Wölfen acht für sie neue Gerüche angeboten, aus vier Klassen: Kot von Pflanzenfressern, Kot von Raubtieren, Futter und künstliche Gerüche. Die Frage war, ob die Wölfe sich einfach in alles Neue wälzen oder ob die Art des Geruchs eine Rolle spielt.

Das Ergebnis war deutlich. Am stärksten wälzten sich die Wölfe in Parfüm und Motoröl. An zweiter Stelle kam Kot von Raubtieren, nämlich von Puma und Schwarzbär. Gesalzenes Schweinefleisch löste ein einziges Reiben bei einem Tier aus, Thunfischöl gar keines. Der Kot von Pflanzenfressern, in diesem Fall von Mähnenspringern und Pferden, wurde überhaupt nicht zum Wälzen genutzt. Gerüche, in denen sich die Wölfe wälzten, wurden eher nicht probiert, und umgekehrt. Bei wiederholter Darbietung nahm das Wälzen leicht ab, am deutlichsten bei Parfüm und Motoröl.

Die Autoren vermuten, dass vor allem drei Arten von Gerüchen Wälzen auslösen: Gerüche, die in der normalen Umgebung des Wolfs nicht vorkommen, vertraute Gerüche, die sich verändert haben, und Gerüche, die das Tier stark anziehen oder abstoßen. Das ist eine Deutung, kein Nachweis, aber es geht offenbar nicht einfach um Beutegeruch.

2.2 Den eigenen Geruch tarnen

Die bekannteste Erklärung lautet: Der Hund überdeckt seinen eigenen Geruch, um sich bei der Jagd unbemerkt an Beute heranschleichen zu können. Das klingt plausibel, ist aber nicht untersucht. Gegen eine einfache Version dieser Idee spricht der Wolfsversuch: Kot von Pflanzenfressern, also von möglicher Beute, löste dort gar kein Wälzen aus, Parfüm und Motoröl dagegen am meisten (Ryon et al., 1986). Allerdings waren das keine Tiere, die diese Wölfe jemals gejagt hätten, und Kot ist nicht dasselbe wie Aas. Ob ein Wolf, der nach Aas riecht, bei der Jagd erfolgreicher ist, hat niemand gemessen.

2.3 Informationen in die Gruppe tragen

Eine zweite Idee: Das Tier bringt einen Geruch mit nach Hause und teilt so den anderen Gruppenmitgliedern mit, was es unterwegs gefunden hat, etwa eine Futterquelle. Dafür gibt es einen Hinweis, allerdings nicht von Hunden. Drea et al. (2002) haben Tüpfelhyänen in Gefangenschaft verschiedene Gerüche angeboten. Die Hyänen beschnupperten alle Gerüche gleich häufig, leckten aber bevorzugt an Beutegerüchen und wälzten sich vor allem in Gerüchen tierischer Herkunft.

In einem zweiten Teil trugen die Forschenden die Gerüche direkt auf das Fell einzelner Hyänen auf. Rochen die Tiere nach Aas, bekamen sie von ihren Gehegegenossen mehr Aufmerksamkeit: Sie wurden häufiger beschnuppert und häufiger beleckt. Rochen sie dagegen nach Kampfer, fiel das übliche Begrüßungsritual kürzer aus (Drea et al., 2002). Das zeigt, dass ein mitgebrachter Geruch das Verhalten der anderen verändern kann. Ob Hyänen sich deshalb wälzen, ist damit nicht bewiesen.

Aus der Praxis: Viele Halter beschreiben, dass andere Hunde im Haushalt einen frisch gewälzten Hund ausgiebig beschnuppern. Das passt zur Hyänenstudie, ist bei Hunden aber nicht systematisch untersucht.

2.4 Sich einparfümieren: Status und eigene Duftmarke

Eine dritte Erklärung sieht das Wälzen als eine Art Selbstdarstellung. Gosling und McKay (1990) haben in einem theoretischen Beitrag vorgeschlagen, dass Säugetiermännchen sich in Gerüchen aus der Umgebung reiben, um ihren Status zu signalisieren. Die Idee: Rivalen vergleichen den Geruch eines Tieres mit den Gerüchen an einem verteidigten Revier oder einer Ressource. Beim Markieren stammt der Geruch vom Tier selbst, beim Wälzen aus der Umgebung. Wälzen könnte den eigenen Geruch komplexer machen oder seine Reichweite erhöhen.

Das ist ausdrücklich eine Hypothese und keine Messung an Hunden. Sie bezieht sich auf Männchen im Wettbewerb und erklärt schlecht, warum sich auch Hündinnen, kastrierte Rüden und Welpen in Gerüchen wälzen. Für Haushunde ist sie nicht geprüft.

2.5 Schutz durch Einreiben?

Bei manchen Tieren dient das Einreiben mit Gerüchen nachweislich dem Schutz. Das beste Beispiel kommt von Katzen. Uenoyama et al. (2021) haben gezeigt, dass Katzen sich an Katzenminze und Silberwein reiben und sich am Boden wälzen, weil diese Pflanzen einen bestimmten Duftstoff enthalten. Durch das Reiben gelangt der Stoff auf Gesicht und Kopf der Katze und hält dort Stechmücken ab.

Einreiben kann also einen Nutzen haben. Auf Hunde und Aas lässt sich das aber nicht übertragen. Dass Aas oder Kot Hunde vor Insekten oder Parasiten schützen, ist nicht belegt und wegen der Keime darin eher unwahrscheinlich.

2.6 Einfach weil es sich lohnt

Die schlichteste Erklärung: Wälzen fühlt sich für den Hund gut an, unabhängig davon, wozu es ursprünglich einmal gedient hat. Die Katzenstudie zeigt immerhin, dass der auslösende Duftstoff im Blut Beta-Endorphin ansteigen ließ, einen körpereigenen Stoff des Belohnungssystems, und das typische Reiben schwächer ausfiel, wenn die passenden Opioidrezeptoren blockiert waren (Uenoyama et al., 2021). Für Hunde und Aas ist das nicht untersucht.

Aus der Praxis: Für das Training ist die Möglichkeit einer selbstbelohnenden Wirkung relevant. Sie könnte erklären, warum Wälzen für manche Hunde besonders verlockend ist. Ob das bei einem bestimmten Hund zutrifft, ist nicht gemessen. Management und gut belohnte Alternativen sind daher ein sinnvoller praktischer Ansatz.

3. Gesundheit: Wann Wälzen zum Problem wird

3.1 Parasiteneier im Fell

Kot anderer Hunde und von Füchsen kann Eier von Darmparasiten enthalten. Eine Übersichtsarbeit zu Spulwürmern, Hakenwürmern und Peitschenwürmern beschreibt, dass Hunde und Menschen sich typischerweise über infektiöse Stadien aus der Umgebung anstecken, und dass Boden und Gras in Parks, Grünanlagen und auf Spielplätzen weltweit häufig damit belastet sind (Traversa et al., 2014).

Dass Spulwurmeier auch im Fell von Hunden vorkommen, ist untersucht. Keegan und Holland (2010) haben bei 184 Hunden in Privathaushalten Fellproben an Kopf, Hals, Rücken und After genommen. Bei 8,8 Prozent der Hunde fanden sie Spulwurmeier, ältere Hunde waren häufiger betroffen als Hunde unter einem Jahr. Keines der Eier war allerdings schon so weit entwickelt, dass es ansteckend gewesen wäre, und die Autoren schätzen das Risiko durch Kontakt mit gut gepflegten Hunden als gering ein. Wälzen wurde in dieser Studie nicht erfasst. Ob ein Hund, der sich in Kot gewälzt hat, mehr Eier im Fell trägt, ist also nicht gemessen, liegt aber nahe.

Aus der Praxis: Verschmutztes Fell kann den Kontakt mit unterschiedlichen Krankheitserregern erleichtern, etwa beim Belecken oder über ungewaschene Hände. Bei Spulwürmern ist wichtig: Frisch ausgeschiedene Eier sind normalerweise noch nicht infektiös und müssen sich erst in der Umwelt entwickeln. Die Studie von Keegan und Holland (2010) belegt deshalb kein unmittelbares Infektionsrisiko nach dem Wälzen. Nach Kontakt mit Kot lohnt sich gründliches Abwaschen; eine bedarfsgerechte Parasitenvorsorge und Händehygiene sind sinnvoll.

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3.2 Aas, Kot und Keime

Aus der Praxis: Aas und Kot können neben Wurmeiern auch Bakterien und andere Krankheitserreger enthalten, etwa Giardien im Kot anderer Hunde. Beim Wälzen selbst nimmt der Hund diese Keime nicht direkt auf. Kritisch wird es, wenn er anschließend am Aas frisst, sich das Fell sauber leckt oder Kot frisst. Bekommt dein Hund nach einem Fund Durchfall, Erbrechen oder wirkt er matt, sprich mit deiner Tierarztpraxis und erwähne, was er gefunden hat.

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3.3 Haut, Augen und Giftstoffe

Aus der Praxis: Gülle, Mist, frisch gedüngte oder gespritzte Felder und Uferzonen mit Öl- oder Chemikalienresten können die Haut reizen. Achte nach dem Wälzen auf gerötete Stellen, starkes Kratzen oder tränende Augen. Ein besonderes Risiko sind ausgelegte Giftköder oder vergiftete Tierkadaver. Zeigt dein Hund nach dem Kontakt mit einem Fund Zittern, Speicheln, Erbrechen, Taumeln oder andere ungewöhnliche Anzeichen, ist das ein Notfall für die Tierarztpraxis. Spül bei Hautkontakt mit unbekannten Substanzen gründlich mit Wasser ab.

4. Was hilft: Management und Training

Da die Ursachen nicht geklärt sind, gibt es auch keine Studie, die eine Methode gegen das Wälzen prüft. Die folgenden Schritte sind deshalb Praxiserfahrung aus dem Training. Das Prinzip: Gelegenheiten verringern, früh unterbrechen, etwas Besseres anbieten.

4.1 Hotspots kennen und vorbeugen

Aus der Praxis: Die meisten Hunde haben Lieblingsstellen: Ufer mit angespülten Fischen, Waldränder mit Wildwechseln, Wiesen nach dem Düngen, Wege, auf denen viele Hunde unterwegs sind. Merke dir, wo dein Hund sich gewälzt hat, und nimm ihn dort an die Leine oder an die Schleppleine, bevor er etwas findet. So kann er weiter schnüffeln, aber nicht losrennen und sich hineinwerfen. Die Schleppleine ersetzt kein Training, verhindert aber, dass das Wälzen sich währenddessen immer wieder lohnt.

4.2 Die Vorzeichen lesen

Aus der Praxis: Bei manchen Hunden lässt sich Wälzen früh erkennen. Der Hund bleibt plötzlich stehen, schnuppert sehr intensiv an einer Stelle, kreist mit der Nase und senkt dann Kopf oder Schulter. In diesem kurzen Moment ist eine Unterbrechung noch möglich. Liegt er erst auf dem Rücken, ist es meist zu spät.

4.3 Rückruf und Umorientierung mit Belohnung

Aus der Praxis: Der Rückruf ist das wichtigste Werkzeug, muss aber gegen einen sehr starken Reiz bestehen. Übe ihn deshalb zuerst in einfachen Situationen und steigere die Ablenkung langsam. Belohne einen Rückruf weg von einem verlockenden Geruch außergewöhnlich gut, etwa mit besonders begehrtem Futter oder einem kurzen Spiel. Rufe nicht erst, wenn der Hund schon im Aas liegt, sondern bei den ersten Vorzeichen.

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4.4 Ein Alternativverhalten aufbauen

Aus der Praxis: Statt dem Hund nur zu sagen, was er nicht tun soll, gib ihm etwas, das er stattdessen tun kann. Bewährt hat sich, dass der Hund einen spannenden Geruch anzeigen darf, etwa indem er stehen bleibt oder sich zu dir umdreht, und dafür belohnt wird. So darf er den Fund ausgiebig beschnuppern, ohne sich hineinzuwerfen. Belohne es so gut, dass es gegen das Wälzen bestehen kann.

4.5 Der Nase ein Ventil geben

Es liegt nahe, der Nase gezielte Arbeit zu geben. Ob Nasenarbeit das Wälzen verringert, ist nicht untersucht. Es gibt aber einen Hinweis, dass Nasenarbeit für Hunde wertvoll ist. Duranton und Horowitz (2019) haben 20 Haushunde zwei Wochen lang entweder Nasenarbeit oder eine andere Übung trainieren lassen. Nach der Nasenarbeit näherten sich die Hunde einem mehrdeutigen Reiz schneller, was als optimistischere Grundstimmung gedeutet wird. In der Vergleichsgruppe veränderte sich das nicht.

Aus der Praxis: Futtersuche, Fährtenarbeit oder Geruchsunterscheidung lasten viele Hunde gut aus und geben dir zugleich mehr Kontrolle über das Schnüffeln unterwegs. Dazu gehört auch erlaubtes Schnüffeln an harmlosen Stellen.

5. Waschen ohne Stress

Aus der Praxis: Ist es passiert, hilft zuerst Gelassenheit. Ärger in deiner Stimme verbindet dein Hund eher mit dem Waschen oder mit dir als mit dem Wälzen, das schon vorbei ist. Hab für bekannte Hotspots ein altes Handtuch, eine Flasche Wasser und Einmalhandschuhe im Auto. Grobe Reste kannst du mit Gras oder einem Tuch abstreifen, dann spülst du die Stelle mit lauwarmem Wasser.

Aus der Praxis: Oft reicht es, nur die betroffene Stelle zu waschen statt den ganzen Hund. Shampoo brauchst du nur bei starkem Geruch oder fettigen Resten, dann ein mildes Hundeshampoo, gründlich ausgespült. Spar Augen und Ohren aus. Bei Fischgeruch oder Gülle musst du manchmal zweimal waschen. Wenn dein Hund das Baden nicht mag, übe es unabhängig vom Wälzen in kleinen Schritten mit Belohnung, damit nicht jedes Wälzen mit einem unangenehmen Erlebnis endet. Frottiere ihn danach gut ab.

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6. Warum Strafe keine Lösung ist

Ein lautes Schimpfen oder ein Ruck kann das Wälzen im Moment unterbrechen. Die Frage ist, was dein Hund dabei lernt und um welchen Preis.

Aus der Praxis: Strafe kommt meist zu spät, wenn der Hund schon gewälzt hat. Selbst wenn sie rechtzeitig kommt, lernt er nicht, was er stattdessen tun soll. Viele Hunde lernen eher, sich weiter weg oder außer Sichtweite zu wälzen, oder sie kommen beim Rückruf zögerlicher, weil die Rückkehr zu dir unangenehm geworden ist. Ein Rückruf, der zuverlässig klappt, entsteht über Belohnung, nicht über Druck.

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7. Zur Reichweite

Zum Wälzen von Haushunden gibt es nach unserer Recherche keine eigene Studie. Eine besonders einschlägige Arbeit an Hundeartigen ist der Versuch mit 15 Wölfen, die acht Gerüche angeboten bekamen (Ryon et al., 1986). Gerüche wie Aas waren dort nicht dabei, und die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf Hunde übertragen. Die Hyänenstudie (Drea et al., 2002) wurde mit Tieren in Gefangenschaft durchgeführt und zeigt eine soziale Wirkung des Geruchs, nicht aber, dass Hyänen sich deshalb wälzen. Die Statushypothese (Gosling & McKay, 1990) ist ein theoretischer Beitrag ohne eigene Daten. Die Katzenstudie (Uenoyama et al., 2021) betrifft einen Pflanzenstoff und Katzen und ist nur als Beispiel für einen möglichen Nutzen des Einreibens genannt.

Die Arbeit zu Spulwurmeiern im Fell (Keegan & Holland, 2010) untersuchte 184 Hunde in Privathaushalten und erfasste nicht, ob sie sich gewälzt hatten. Die Übersicht zur Umweltbelastung (Traversa et al., 2014) beschreibt Parasiten im Boden, nicht im Fell. Die Studie zur Nasenarbeit (Duranton & Horowitz, 2019) umfasste nur 20 Hunde, nutzte ein indirektes Maß für die Stimmung und prüfte nicht, ob Nasenarbeit das Wälzen verringert. Alle Hinweise zu Management, Training, Waschen und den gesundheitlichen Warnzeichen sind deshalb als Praxiserfahrung gekennzeichnet.

8. Fazit

Warum Hunde sich in Aas und Kot wälzen, ist nicht geklärt. Die gängigen Erklärungen sind Hypothesen, die meist von anderen Tieren übertragen werden. Gut möglich ist, dass mehrere Gründe zusammenspielen und dass das Wälzen sich für den Hund in sich lohnt. Für den Alltag heißt das: Du wirst das Verhalten kaum völlig abstellen, aber du kannst es gut in den Griff bekommen.

Die drei Dinge, die den Unterschied machen:

Vorbeugen statt hinterherräumen. Hotspots kennen, dort Leine oder Schleppleine, Vorzeichen früh erkennen.

Ein besseres Angebot machen. Rückruf und Alternativverhalten mit starker Belohnung, Nasenarbeit als Ventil.

Gelassen bleiben. Ohne Strafe, ruhig waschen und bei Warnzeichen die Tierarztpraxis fragen.

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Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zum Wälzen beim Hund

Für Haushunde gibt es keine eigene Studie. Alle gängigen Erklärungen für das Wälzen sind Hypothesen, die von anderen Arten übertragen werden.

Wölfe wälzten sich am stärksten in künstlichen Gerüchen. Parfüm und Motoröl lösten mehr Wälzen aus als Raubtierkot, Kot von Pflanzenfressern gar keines (Ryon et al., 1986).

Ein mitgebrachter Geruch verändert das Verhalten anderer. Hyänen, die nach Aas rochen, wurden von Gruppenmitgliedern häufiger beschnuppert und beleckt (Drea et al., 2002).

Die Statushypothese ist Theorie. Wälzen könnte den eigenen Geruch ergänzen und Status signalisieren, geprüft ist das an Hunden nicht (Gosling & McKay, 1990).

Einreiben kann schützen, aber nicht mit Aas. Katzen übertragen beim Wälzen einen mückenabweisenden Pflanzenstoff auf ihr Fell (Uenoyama et al., 2021).

Parasiteneier können im Fell landen. Bei 8,8 Prozent von 184 Hunden fanden sich Spulwurmeier im Fell, keines davon war ansteckend (Keegan & Holland, 2010).

Quellen

  • Drea, C. M., Vignieri, S. N., Cunningham, S. B., & Glickman, S. E. (2002). Responses to olfactory stimuli in spotted hyenas (Crocuta crocuta): I. Investigation of environmental odors and the function of rolling. Journal of Comparative Psychology, 116(4), 331–341. https://doi.org/10.1037/0735-7036.116.4.331
  • Duranton, C., & Horowitz, A. (2019). Let me sniff! Nosework induces positive judgment bias in pet dogs. Applied Animal Behaviour Science, 211, 61–66. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2018.12.009
  • Gosling, L. M., & McKay, H. V. (1990). Scent-rubbing and status signalling by male mammals. Chemoecology, 1(3–4), 92–95. https://doi.org/10.1007/BF01241649
  • Keegan, J. D., & Holland, C. V. (2010). Contamination of the hair of owned dogs with the eggs of Toxocara spp. Veterinary Parasitology, 173(1–2), 161–164. https://doi.org/10.1016/j.vetpar.2010.06.010
  • Ryon, J., Fentress, J. C., Harrington, F. H., & Bragdon, S. (1986). Scent rubbing in wolves (Canis lupus): The effect of novelty. Canadian Journal of Zoology, 64(3), 573–577. https://doi.org/10.1139/z86-084
  • Traversa, D., Frangipane di Regalbono, A., Di Cesare, A., La Torre, F., Drake, J., & Pietrobelli, M. (2014). Environmental contamination by canine geohelminths. Parasites & Vectors, 7, Artikel 67. https://doi.org/10.1186/1756-3305-7-67
  • Uenoyama, R., Miyazaki, T., Hurst, J. L., Beynon, R. J., Adachi, M., Murooka, T., Onoda, I., Miyazawa, Y., Katayama, R., Yamashita, T., Kaneko, S., Nishikawa, T., & Miyazaki, M. (2021). The characteristic response of domestic cats to plant iridoids allows them to gain chemical defense against mosquitoes. Science Advances, 7(4), Artikel eabd9135. https://doi.org/10.1126/sciadv.abd9135

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung. Wenn dein Hund nach dem Kontakt mit einem Fund Zittern, Erbrechen, Durchfall, Taumeln oder Hautreizungen zeigt, lass ihn umgehend tierärztlich untersuchen.

Häufige Fragen zum Wälzen beim Hund

Ursachen, Gesundheit und Training

Warum wälzt sich mein Hund in Aas und Kot?

Sicher weiß das niemand. Diskutiert werden das Tarnen des eigenen Geruchs, das Mitbringen von Informationen für die Gruppe, das Einparfümieren als eigene Duftmarke und schlicht die Freude daran. Für Haushunde ist keine dieser Erklärungen direkt untersucht, die wenigen Studien stammen von Wölfen, Hyänen und anderen Tieren. Gut möglich ist, dass mehrere Gründe zusammenspielen.

Tarnt sich mein Hund damit für die Jagd?

Das ist die bekannteste Erklärung, aber sie ist nicht belegt. In einem Versuch mit Wölfen löste Kot von Pflanzenfressern gar kein Wälzen aus, Parfüm und Motoröl dagegen am meisten. Das spricht gegen eine einfache Tarnungsidee, widerlegt sie aber nicht, weil Aas in dem Versuch nicht getestet wurde.

Ist Wälzen in Kot gefährlich für meinen Hund?

Es kann Parasiteneier und Keime ins Fell bringen. In einer Studie fanden sich bei knapp neun Prozent der untersuchten Hunde Spulwurmeier im Fell, allerdings noch nicht ansteckend. Ein unmittelbares Infektionsrisiko durch die dort gefundenen, nicht infektiösen Spulwurmeier ist damit nicht belegt; andere Erreger in Kot oder Aas bleiben möglich. Wasch die betroffenen Stellen deshalb gründlich ab und achte auf eine sinnvolle Entwurmungs- oder Kotprobenroutine.

Wann muss ich nach dem Wälzen zum Tierarzt?

Wenn dein Hund danach Zittern, Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Taumeln, starke Hautreizungen oder tränende Augen zeigt. Gerade bei möglichen Giftködern oder vergifteten Kadavern ist schnelles Handeln wichtig. Sag in der Praxis, was dein Hund gefunden hat.

Wie gewöhne ich meinem Hund das Wälzen ab?

Ganz abstellen lässt es sich oft nicht, aber gut in den Griff bekommen. Nimm deinen Hund an bekannten Stellen an die Leine oder Schleppleine, lerne die Vorzeichen wie intensives Schnuppern und Absenken der Schulter, und übe einen Rückruf mit sehr guter Belohnung. Ein Alternativverhalten wie Anzeigen des Fundes und regelmäßige Nasenarbeit helfen zusätzlich.

Darf ich meinen Hund für das Wälzen bestrafen?

Schimpfen oder ein Ruck können das Wälzen im Moment unterbrechen. Die Frage ist, was dein Hund dabei lernt und um welchen Preis. Strafe kommt meist zu spät, zeigt ihm nicht, was er stattdessen tun soll, und kann dazu führen, dass er beim Rückruf zögert oder sich außer Sichtweite wälzt. Belohnung für Rückruf und Alternativverhalten bringt dich weiter.

Wie bekomme ich den Gestank wieder aus dem Fell?

Grobe Reste abstreifen, dann die betroffene Stelle mit lauwarmem Wasser spülen. Bei starkem Geruch ein mildes Hundeshampoo verwenden und gründlich ausspülen, bei Fisch oder Gülle manchmal zweimal. Augen und Ohren aussparen und auf scharfe Hausmittel verzichten. Danach gut abfrottieren.

Warum wälzt sich mein Hund direkt nach dem Baden?

Wälzen nach dem Baden hat oft andere Gründe als Wälzen in Aas. Viele Hunde trocknen sich so ab, kratzen sich oder wollen den ungewohnten Shampoogeruch loswerden. Untersucht ist das nicht. Ein mild riechendes Shampoo und gutes Abfrottieren können helfen.

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