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Silvester mit Hund: So kommt dein Hund durch die Feuerwerksnacht

Für viele Hunde ist Silvester die schwerste Nacht des Jahres. Was du ab jetzt vorbereiten kannst, was am Abend selbst hilft und welche beliebten Mittel kaum etwas bringen.

Michael Sauerwein · 3. Oktober 2026

Hund liegt während eines Feuerwerks aufmerksam in seinem Hundebett, während eine Bezugsperson ihn ruhig begleitet und berührt. Im Hintergrund sind durch das Fenster unscharfe Feuerwerkslichter zu sehen.

Kurz zusammengefasst

Für viele Hunde ist Silvester die schwerste Nacht des Jahres. In einer großen finnischen Halterbefragung zeigte gut jeder vierte Hund Angst vor Feuerwerk. Fünf Dinge machen den Unterschied. Erstens: früh planen, denn Training und ein Tierarztgespräch brauchen Wochen, nicht Tage. Zweitens: Bei starker Angst früh mit der Tierarztpraxis über Medikamente sprechen – es gibt Präparate, die in placebokontrollierten Studien genau in der Silvesternacht geprüft wurden. Drittens: Ein Rückzugsort ist wichtig, reicht allein aber nicht. In einer Befragung von 1.225 Haltern war von vier untersuchten Management-Komponenten nur „Futter/Spiel“ mit einer günstigeren Entwicklung der Feuerwerksangst verbunden. Viertens: Trösten ist erlaubt. Fünftens: Sichere deinen Hund in diesen Tagen doppelt – ein verängstigter Hund, der sich losreißt, ist die eigentliche Gefahr.

Dieser Beitrag ist der praktische Plan: was du ab jetzt tun kannst, in der letzten Woche, am Abend selbst und an Neujahr. Die Forschung zur Geräuschangst im Detail findest du im ausführlichen Fachbeitrag.

👉 Geräuschangst beim Hund: Häufigkeit, Schmerz und was die Evidenz stützt

Hund kauert hinter einem Sofa, im Fenster dahinter ist Feuerwerk am Nachthimmel zu sehen.

1. Warum Silvester für so viele Hunde schwer ist

1.1 Wie häufig Feuerwerksangst ist

In einer finnischen Untersuchung mit 13.715 Hunden war Geräuschempfindlichkeit das häufigste angstbezogene Merkmal, mit 32 Prozent. Angst vor Feuerwerk lag bei 26 Prozent (Salonen et al., 2020). In einer Online-Befragung mit 1.225 Haltern beschrieb gut die Hälfte den eigenen Hund als zumindest teilweise ängstlich bei Feuerwerk (Riemer, 2019). Diese Zahl liegt höher, weil an solchen Befragungen bevorzugt Halter teilnehmen, die das Thema betrifft. Die genaue Höhe ist also unsicher, die Größenordnung nicht: Feuerwerksangst ist kein Randproblem.

1.2 Was Feuerwerk so belastend macht

Feuerwerk ist laut, kommt plötzlich und aus wechselnden Richtungen. Der Hund kann weder vorhersehen noch beeinflussen, wann der nächste Knall kommt. Dazu kommen Lichtblitze, Brandgeruch und ein Abend, der anders läuft als sonst: Besuch, späte Uhrzeit, aufgekratzte Stimmung im Haus.

Aus der Praxis: Viele Hunde stecken einen einzelnen Knall weg, aber nicht eine Stunde Dauerfeuer um Mitternacht. Dass sich die Belastung über den Abend aufschaukelt, ist plausibel – gesondert gemessen wurde es für Feuerwerk aber nicht.

1.3 Die Angst beginnt oft früh und kann sich verändern

Feuerwerksangst begann häufig sehr früh: 45 Prozent der Hunde mit bekanntem Beginn zeigten sie bereits vor dem ersten Geburtstag, der Median lag bei einem Jahr (Riemer, 2019). Sie ist aber keine Einbahnstraße: In derselben Befragung beschrieben Halter Verläufe in beide Richtungen. Hunde, die als Welpen positive Erfahrungen mit Geräuschen gemacht hatten, zeigten später seltener schwere Feuerwerksangst. Das ist ein Zusammenhang aus einer Befragung, kein Beweis – aber ein guter Grund, beim jungen Hund nicht bis zum ersten Silvester zu warten (Kapitel 8).

2. Angst erkennen – auch die leise

2.1 Gesehen, aber nicht als Angst gedeutet

Zittern, Hecheln und Verstecken erkennt fast jeder. Schwieriger sind die leiseren Formen. In einer britischen Befragung gaben rund 25 Prozent der Halter an, ihr Hund habe Angst vor Geräuschen. Fast 50 Prozent beschrieben aber mindestens ein typisches Angstverhalten bei Geräuschen (Blackwell et al., 2013). Viele Halter sehen das Verhalten also, ordnen es aber nicht als Angst ein.

2.2 Was eine Videoanalyse an Silvester zeigt

Eine Videoanalyse hat 36 Hunde an Silvester und an einem ruhigen Vergleichsabend gefilmt (Gähwiler et al., 2020). Am deutlichsten unterschieden sich drei Zeichen: nach hinten gelegte Ohren, mehr Herumlaufen und Hecheln. Züngeln und Gähnen, die oft als Stresszeichen gelten, unterschieden sich in dieser Studie nicht signifikant zwischen Feuerwerks- und Kontrollabend. Das heißt nicht, dass sie in anderen Situationen nichts bedeuten.

Typische Zeichen von Feuerwerksangst:

  • Ohren nach hinten, geduckte Haltung, eingezogene Rute
  • Unruhe, Hin- und Herlaufen, kein Zur-Ruhe-Kommen
  • Hecheln ohne Wärme oder Anstrengung
  • Verstecken, Erstarren oder auffälliges Nähesuchen
  • Futter wird verweigert, auch das Lieblingsleckerchen
  • Zittern, Winseln, Bellen
  • Fluchtversuche, Kratzen an Türen
  • Unsauberkeit im Haus

Ein einfacher Prüfstein aus der Praxis: Nimmt dein Hund noch Futter? Wenn selbst sehr attraktives Futter verweigert wird, spricht das häufig für eine hohe Belastung; futtergestütztes Training ist dann meist kaum praktikabel. Dann geht es zuerst um Sicherheit, nicht um Training.

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3. Zuerst in die Tierarztpraxis – und zwar früh

3.1 Schmerz als möglichen Hintergrund prüfen lassen

Ein Befund verdient besondere Aufmerksamkeit. In einer Auswertung von 20 Fallakten aus einer Überweisungspraxis begann die Geräuschempfindlichkeit bei Hunden mit Schmerzen am Bewegungsapparat im Mittel fast vier Jahre später als bei Hunden ohne Schmerzen. In der Schmerzgruppe zeigte sich in den Fallakten häufiger eine Generalisierung auf mit den Geräuschen verbundene Orte, und die Hunde wichen häufiger anderen Hunden aus (Lopes Fagundes et al., 2018). Zwanzig Fälle sind wenig, und das heißt nicht, dass jeder ängstliche Hund Schmerzen hat. Wenn die Angst aber erst im Erwachsenenalter beginnt oder plötzlich deutlich stärker wird, gehört eine körperliche Untersuchung an den Anfang.

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3.2 Medikamente sind kein letztes Mittel

Für Geräuschangst gibt es Medikamente, die genau in der Silvesternacht geprüft wurden. In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 182 Hunden zeigten Hunde, die ein Dexmedetomidin-Gel für die Mundschleimhaut bekamen, an Silvester deutlich weniger Angstzeichen als die Placebogruppe. Das Gel wurde in subsedativer Dosierung eingesetzt; Sedierung bzw. Schläfrigkeit traten nur vereinzelt auf (Korpivaara et al., 2017). In einer zweiten Studie mit 238 Hunden in Deutschland und den Niederlanden war Imepitoin, ebenfalls an Silvester geprüft, dem Placebo klar überlegen (Engel et al., 2019). Beide Wirkstoffe sind in der EU für Geräuschangst bzw. Geräuschphobie bei Hunden zugelassen (European Medicines Agency, 2015, 2018).

Zur Reichweite: Die Angstzeichen wurden in beiden Studien von den Haltern beurteilt, auch die Placebogruppen zeigten deutliche Verbesserungen, und an beiden Studien waren die Hersteller beteiligt. Die Überlegenheit gegenüber Placebo bleibt trotzdem der stärkste Wirksamkeitsbeleg, den es zu Feuerwerksangst gibt.

Ein weiterer Befund spricht dagegen, Medikamente erst einzusetzen, wenn nichts anderes mehr hilft. In einer Studie mit 22 Hunden über zehn Geräuschereignisse sank die Wahrscheinlichkeit, dass beim nächsten Ereignis überhaupt behandelt werden musste, von Ereignis zu Ereignis (Gruen et al., 2020). Eine naheliegende Deutung: Ein Hund, der ohne Panik durch die Nacht kommt, macht eine andere Erfahrung als einer, der in Panik gerät. Geprüft hat die Studie diese Deutung nicht.

Welches Präparat infrage kommt, in welcher Dosis und wann es gegeben wird, entscheidet die Tierarztpraxis. Manche Mittel werden schon Tage vor dem Ereignis begonnen. Aus der Praxis: Viele Praxen raten zu einer Probegabe an einem ruhigen Tag, damit du siehst, wie dein Hund reagiert. Deshalb gehört der Termin in den November, nicht auf den 30. Dezember. Und: kein Beruhigungsmittel aus der eigenen Hausapotheke.

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4. Ab jetzt: die Wochen vor Silvester

4.1 Einen Rückzugsort aufbauen

Such einen Ort, an den dein Hund ohnehin gern geht – möglichst innen liegend, mit wenig Fenstern und weg von der Straßenseite. Eine Decke, eine nach vorn offene Höhle unter dem Tisch oder eine Box, wenn dein Hund sie kennt und mag. Der Ort muss freiwillig sein: Eine Tür, die sich hinter einem panischen Hund schließt, macht aus dem Rückzugsort eine Falle.

Aus der Praxis: Verbinde den Platz schon jetzt mit guten Dingen. Den Kauknochen gibt es dort, das Abendleckerchen auch. Ein Ort, den dein Hund erst an Silvester kennenlernt, ist ein fremder Ort in einer beängstigenden Nacht.

4.2 Ein Knall-Ritual: Knall bedeutet Futter

In der Befragung von 1.225 Haltern schnitt die Gegenkonditionierung im Alltag am besten ab: dem Hund nach einem Geräusch sofort etwas Angenehmes geben. Über 70 Prozent der 694 Halter, die das nutzten, bewerteten es als wirksam (Riemer, 2020). Es ist eine Halterbefragung, keine kontrollierte Studie; daraus lässt sich keine kausale Wirksamkeit ableiten.

So setzt du das um: Ab jetzt bekommt dein Hund bei jedem Knall in der Nähe sofort etwas besonders Gutes, etwa ein Stück Käse, Fleischwurst oder ein paar Löffel Nassfutter. Die Reihenfolge ist wichtig: erst der Knall, dann das Futter, nicht umgekehrt. In den Wochen vor Silvester knallt es ohnehin immer wieder – jeder dieser Knalle ist eine Übungsgelegenheit. Das funktioniert nur, solange dein Hund noch frisst. Lässt er das Futter liegen, war der Knall zu nah oder zu laut, und du sorgst zuerst für Abstand.

4.3 Geräuschtraining – nur unterhalb der Angstschwelle

Geräuschaufnahmen, mit denen ein Hund schrittweise an Feuerwerk gewöhnt werden soll, wurden in derselben Befragung von 55 Prozent der 377 Anwender als wirksam bewertet (Riemer, 2020). Das ist eine Halterbewertung und kein gemessener Effekt einer kontrollierten Studie. Wenn du es versuchen willst: so leise beginnen, dass dein Hund kaum reagiert, dabei füttern oder spielen, und erst steigern, wenn er entspannt bleibt. Das braucht Wochen bis Monate, und ein bereits stark ängstlicher Hund braucht dafür fachliche Begleitung.

Aus der Praxis: Die Aufnahme kurz vor Silvester einmal laut abzuspielen, „damit er sich daran gewöhnt“, ist das Gegenteil von Training. Ein Hund, der dabei in Angst gerät, lernt eher, dass die Geräusche schlimm sind.

👉 Desensibilisierung und Gegenkonditionierung beim Hund

4.4 Die Sicherung vorbereiten

Aus der Praxis: Die größte akute Gefahr an Silvester ist nicht der Knall, sondern ein Hund, der sich in Panik losreißt und davonläuft. Deshalb:

  • Doppelt sichern: ein gut sitzendes, ausbruchsicheres Geschirr (zum Beispiel mit zusätzlichem Bauchgurt) und dazu ein Halsband, beides mit der Leine verbunden. Probier das Geschirr jetzt aus, nicht am 31. Dezember.
  • Chip prüfen: Ist der Chip registriert, etwa bei Tasso oder Findefix, und stimmt deine Telefonnummer noch?
  • Anhänger mit Telefonnummer am Halsband. Wer einen Hund findet, liest keinen Chip aus.
  • GPS-Tracker erwägen, wenn dein Hund zu Fluchtreaktionen neigt.

👉 GPS-Tracker für Hunde: wann sie sinnvoll sind

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5. Die letzten Tage vor Silvester

In Deutschland darf Silvesterfeuerwerk nur am 31. Dezember und am 1. Januar abgebrannt werden. Geknallt wird trotzdem oft schon Tage vorher. Für diese Tage gilt:

  • Spaziergänge bei Tageslicht und auf ruhigen Strecken, weg von Wohngebieten mit Kindern und Jugendlichen, die schon üben.
  • Immer an der Leine – auch der Hund, der sonst zuverlässig abrufbar ist. Ein Rückruf hält einem Knall aus nächster Nähe selten stand.
  • Kürzere Runden sind in dieser Woche in Ordnung. Nasenarbeit und Suchspiele im Haus ersetzen einen Teil der Bewegung.
  • Medikamente nach Plan geben, wenn die Tierarztpraxis das so vorgesehen hat – nicht erst, wenn die Panik da ist.
  • Notdienst heraussuchen: Welche Tierarztpraxis oder Klinik ist in der Silvesternacht erreichbar? Telefonnummer ins Handy und auf einen Zettel.
  • Den Abend planen: Ein Hund mit starker Angst sollte an Silvester nicht allein sein. Wenn Gäste kommen, braucht er einen Ort, an dem ihn niemand stört.

Aus der Praxis: Manche Halter mit sehr ängstlichen Hunden fahren über Silvester in eine abgelegene Ferienwohnung oder in eine Gegend, in der kaum geknallt wird. Das ist kein Training, aber für manche Hunde der beste Schutz für diese eine Nacht.

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6. Der Silvesterabend

6.1 Die letzte Runde früh

Geh am Silvesterabend früh die letzte Runde, bevor das große Knallen beginnt – angeleint und doppelt gesichert. Auch in den eigenen Garten geht der Hund an diesem Abend nur an der Leine. Aus der Praxis: Panische Hunde überwinden Zäune und Hecken, die sie sonst nie überwinden würden.

6.2 Rückzugsort, Rollläden, Musik: Schutz, keine Therapie

Rollläden runter, Licht an, leise Musik oder der Fernseher als Hintergrundgeräusch, der Rückzugsort zugänglich – das ist vernünftig. Ein überraschender Befund gehört aber dazu: In der Befragung von 1.225 Haltern war die zusammengefasste Management-Komponente aus Abschirmung, Rückzugsort, geschlossenen Fenstern bzw. Rollläden und Hintergrundgeräuschen nicht mit einer günstigeren Entwicklung der Feuerwerksangst verbunden – sie ging sogar mit einer ungünstigeren Entwicklung einher (Riemer, 2020).

Das heißt nicht, dass du sie weglassen sollst. Die Befragung zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen, und die naheliegende Erklärung ist: Halter stark ängstlicher Hunde schirmen mehr ab, gerade weil ihre Hunde stärker leiden. Außerdem wurden diese Maßnahmen als gemeinsame Komponente ausgewertet und nicht jede einzeln. Ein verängstigter Hund braucht einen Ort, an den er gehen kann. Sieh das Abschirmen als Schutz für diese Nacht und nicht als alleinige Therapie.

👉 Wie Musik Hunde beruhigen kann

6.3 Futter, Kauen und Spiel, während es knallt

Von den vier untersuchten Management-Komponenten war nur die Komponente „Futter/Spiel“ mit einer günstigeren Entwicklung der Feuerwerksangst verbunden (Riemer, 2020). Halte deshalb bereit, was dein Hund am liebsten mag: einen Kauknochen, einen gefüllten Futterball oder Schnüffelteppich, besonders gute Leckerchen, das Lieblingsspielzeug. Biete an, dräng nichts auf. Frisst dein Hund nicht mehr, ist das ein Zeichen, dass er gerade zu stark belastet ist – dann ist ruhige Nähe wichtiger als Futter.

6.4 Trösten ist erlaubt

Der Satz „Wenn du ihn tröstest, belohnst du seine Angst“ hält sich hartnäckig. Er beruht auf einem Missverständnis: Angst ist eine emotionale Reaktion, kein Verhalten, das durch Zuwendung häufiger wird. In der Befragung war die Interaktion mit dem Hund – darunter Streicheln, Ansprechen und Körperkontakt – weder mit einer Verbesserung noch mit einer Verschlechterung der Feuerwerksangst verbunden (Riemer, 2020). Sucht dein Hund deine Nähe, gib sie ihm – ruhig, ohne Aufregung in der Stimme. Will er lieber in sein Versteck, lass ihn.

👉 Angst beim Hund: Warum Trösten kein Fehler ist

6.5 Was du lassen solltest

  • Schimpfen oder Strafen – auch nicht für Bellen oder Unsauberkeit in dieser Nacht. Strafe verschärft bei einem ängstlichen Hund häufig genau den Zustand, der das Verhalten antreibt.
  • Den Hund mit nach draußen nehmen, „damit er sich daran gewöhnt“.
  • Den Hund allein lassen, wenn er Angst vor Feuerwerk hat.
  • Den Hund aus seinem Versteck ziehen, um ihn zu beruhigen.
  • Den Hund im Auto lassen, während du draußen feierst.
  • Selbst in Hundenähe zünden.

7. Neujahr und die Tage danach

7.1 Erholung braucht Zeit

Wie schnell sich Hunde erholen, ist sehr unterschiedlich. In der Befragung von 1.225 Haltern hatte sich knapp drei Viertel der Hunde bis zum nächsten Morgen erholt. Bei rund 10 Prozent dauerte es bis zu einem Tag, bei 12 Prozent bis zu einer Woche und bei über 3 Prozent Wochen bis Monate (Riemer, 2019). Plane die ersten Tage des Jahres deshalb ruhig, mit Leine und auf vertrauten Wegen. Vereinzelt knallt es noch bis weit in den Januar hinein.

7.2 Vorsicht bei Feuerwerksresten

Auf Straßen und Wiesen liegen an Neujahr Reste von Raketen und Böllern, teils mit nicht abgebranntem Inhalt. Lass deinen Hund nichts davon aufnehmen. Hat er doch etwas gefressen und zeigt Erbrechen, Speicheln, Zittern oder Unruhe, ruf die Tierarztpraxis an.

👉 Verdacht auf Vergiftung: was du im Notfall tun solltest

7.3 Auswerten und das nächste Jahr planen

Schreib dir in den ersten Januartagen auf, wie die Nacht verlaufen ist: Wann hat die Angst begonnen, wie stark war sie, was hat geholfen, wie lange hat die Erholung gedauert? Diese Notizen sind das wertvollste Material für das Gespräch mit der Tierarztpraxis oder einer verhaltenstherapeutisch arbeitenden Fachperson. Und sie zeigen dir, wann du im nächsten Jahr anfangen solltest: Geräuschtraining gehört in die ruhige Jahreszeit, nicht in den Dezember.

Wenn dein Hund an Silvester in Panik war, länger als einen Tag gebraucht hat, um sich zu erholen, oder inzwischen auch auf andere Geräusche ängstlich reagiert, warte nicht bis zum nächsten Herbst. Dann lohnt sich professionelle Hilfe jetzt.

👉 Angsthunde: Ursachen verstehen und Wege finden

8. Welpen und junge Hunde: das erste Silvester

Prävention beginnt, bevor Angst entsteht. Hunde, die positive Geräuscherfahrungen gemacht hatten, bevor sich eine Angst entwickelte, zeigten später seltener schwere Feuerwerksangst (Riemer, 2019). Das Design ist eine Befragung, also ein Zusammenhang und kein Beweis; präventives Training war nicht nur auf das Welpenalter beschränkt.

Für das erste Silvester heißt das: Sorg dafür, dass dein Welpe die Nacht als gut erlebt. Bleib bei ihm, verbinde die Knalle mit Futter und Spiel, solange er entspannt bleibt, und schaff Abstand, wenn er unsicher wird. Nimm ihn nicht mit zum Feuerwerk und probiere nicht aus, „wie er es verträgt“. Zeigt er schon Angst, ist es kein Training mehr, sondern eine schlechte Erfahrung.

👉 Sozialisation beim Welpen

9. Was wenig bringt

In den Wochen vor Silvester werden Beruhigungsprodukte besonders stark beworben. In der Befragung von 1.225 Haltern beschrieben 27 bis 35 Prozent der Anwender Pheromone, pflanzliche Mittel, Nahrungsergänzungsmittel, ätherische Öle, Homöopathie und Bachblüten als wirksam. Diese niedrigen Halterbewertungen erlauben aus der Befragung keinen Nachweis einer spezifischen Wirksamkeit einzelner Produkte (Riemer, 2020). Druckwesten kamen auf 44 Prozent.

Zur Reichweite: Das sind Halterangaben aus einer Befragung, keine kontrollierten Studien zu einzelnen Produkten. Ein bestimmtes Produkt ist damit nicht widerlegt. Wer viel Geld für Beruhigungsmittel ausgibt und den Tierarzttermin dafür weglässt, setzt aber auf die schwächere Karte.

👉 Pheromone und Nahrungsergänzung beim Hund

10. Zur Reichweite

Fast alles, was wir über Feuerwerksangst und ihre Behandlung wissen, stammt aus Halterbefragungen. Die beiden großen Feuerwerksstudien (Riemer, 2019, 2020) beruhen auf denselben 1.225 Befragten, die sich online freiwillig gemeldet hatten. Ihre Ergebnisse sind in sich stimmig, aber das ist nicht dasselbe wie unabhängig wiederholt. Die Videoanalyse (Gähwiler et al., 2020) umfasst 36 Hunde. Die Medikamentenstudien sind die methodisch stärksten Arbeiten, beruhen aber ebenfalls auf Halterurteilen und wurden mit Beteiligung der Hersteller durchgeführt. Wo dieser Beitrag Erfahrungen aus dem Training wiedergibt, steht „aus der Praxis“ dabei.

11. Fazit

Silvester steht im Kalender. Das macht Feuerwerksangst zu einem der wenigen Verhaltensprobleme mit einer bekannten Frist – und genau darin liegt die Chance. Wer im Oktober oder November anfängt, hat ein Tierarztgespräch, einen vertrauten Rückzugsort, ein eingeübtes Knall-Ritual und eine sichere Ausrüstung zur Verfügung. Wer am 30. Dezember anfängt, hat vor allem Rollläden.

Drei besonders wichtige Punkte:

Früh mit der Tierarztpraxis sprechen. Bei starker Angst sind Medikamente kein Versagen, sondern ein gut geprüfter Baustein.

Am Abend handlungsfähig bleiben. Futter, Kauen und Spiel können angeboten werden, solange der Hund sie annimmt; der Rückzugsort und die Abschirmung bleiben wichtige Managementbausteine.

Doppelt sichern. Vom ersten Knall Ende Dezember bis in den Januar.

👉 Individuelle Beratung und Training im Saarland

Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zu Silvester mit Hund

Feuerwerksangst ist häufig. In einer finnischen Untersuchung mit 13.715 Hunden zeigten 26 Prozent Angst vor Feuerwerk (Salonen et al., 2020).

Viele Halter sehen die Angst, deuten sie aber nicht so. Rund 25 Prozent nannten ihren Hund geräuschängstlich, fast 50 Prozent beschrieben Angstverhalten (Blackwell et al., 2013).

Die deutlichsten Zeichen an Silvester: nach hinten gelegte Ohren, Herumlaufen und Hecheln. Züngeln und Gähnen unterschieden sich in dieser Studie nicht signifikant zwischen Feuerwerks- und Kontrollabend (Gähwiler et al., 2020).

Medikamente sind an Silvester placebokontrolliert geprüft. Dexmedetomidin-Gel und Imepitoin waren dem Placebo überlegen (Korpivaara et al., 2017; Engel et al., 2019). Der Termin gehört in den November.

Von vier Management-Komponenten war nur „Futter/Spiel“ mit einer günstigeren Entwicklung der Feuerwerksangst verbunden. Die zusammengefasste Umweltabschirmung ging sogar mit einer ungünstigeren Entwicklung einher – vermutlich, weil stärker betroffene Hunde mehr abgeschirmt werden (Riemer, 2020).

Zuwendung war in der Befragung weder mit Verbesserung noch mit Verschlechterung verbunden. Dazu gehörten Streicheln, Ansprechen und Körperkontakt (Riemer, 2020).

Beruhigungsprodukte erhielten niedrige Wirksamkeitsbewertungen. Pheromone, Nahrungsergänzung, Homöopathie und Bachblüten wurden von 27 bis 35 Prozent der Anwender als wirksam bewertet; daraus lässt sich keine spezifische Wirksamkeit ableiten (Riemer, 2020).

Vorsorge beginnt, bevor Angst entsteht. Positive Geräuscherfahrungen vor Beginn einer Angst gingen mit seltenerer schwerer Feuerwerksangst einher (Riemer, 2019).

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Ob und welches Medikament für deinen Hund infrage kommt, entscheidet die Tierarztpraxis.

Häufige Fragen zu Silvester mit Hund

Vorbereitung, Silvesterabend und die Tage danach

Wann sollte ich anfangen, meinen Hund auf Silvester vorzubereiten?

Am besten im Oktober oder November. Ein Tierarzttermin mit möglicher Probegabe eines Medikaments, ein vertrauter Rückzugsort und ein eingeübtes Ritual, bei dem auf jeden Knall Futter folgt, brauchen Wochen. Geräuschtraining mit Aufnahmen braucht oft Monate und gehört in die ruhige Jahreszeit.

Darf ich meinen Hund an Silvester trösten?

Ja. Angst ist eine emotionale Reaktion und wird durch Zuwendung nicht belohnt wie ein Verhalten. In einer Befragung von 1.225 Haltern war die Interaktion mit dem Hund – darunter Streicheln, Ansprechen und Körperkontakt – weder mit einer Verbesserung noch mit einer Verschlechterung der Feuerwerksangst verbunden. Sucht dein Hund deine Nähe, gib sie ihm ruhig. Will er in sein Versteck, lass ihn.

Was hilft meinem Hund am Silvesterabend am meisten?

Von den vier untersuchten Management-Komponenten war in der genannten Befragung nur „Futter/Spiel“ mit einer günstigeren Entwicklung der Feuerwerksangst verbunden. Rückzugsort, Rollläden und Hintergrundgeräusche wurden als gemeinsame Umwelt-Komponente ausgewertet und bleiben sinnvolle Managementmaßnahmen für die Nacht.

Soll ich meinem Hund ein Beruhigungsmittel geben?

Bei starker Angst lohnt sich das Gespräch mit der Tierarztpraxis, und zwar früh. Dexmedetomidin-Gel und Imepitoin sind für Geräuschangst bei Hunden zugelassen und wurden in placebokontrollierten Studien in der Silvesternacht geprüft. Welches Mittel, in welcher Dosis und ab wann, entscheidet die Praxis. Medikamente aus der eigenen Hausapotheke sind tabu.

Helfen Pheromone, Bachblüten oder Nahrungsergänzungsmittel?

Die Belege dafür sind schwach. In einer großen Halterbefragung bewerteten nur 27 bis 35 Prozent der Anwender solche Produkte als wirksam; aus der Befragung lässt sich keine spezifische Wirksamkeit einzelner Produkte ableiten. Einzelne Produkte sind damit nicht widerlegt, aber sie ersetzen weder Training noch den Tierarzttermin.

Wie schütze ich meinen Hund davor, an Silvester wegzulaufen?

Sichere ihn in den Tagen um Silvester doppelt mit einem ausbruchsicheren Geschirr und einem Halsband, beides mit der Leine verbunden. Lass ihn auch im Garten nur an der Leine hinaus, geh die letzte Runde früh und prüfe vorher, ob der Chip registriert ist und deine Telefonnummer stimmt. Ein Anhänger mit Telefonnummer hilft Findern sofort.

Kann ich meinen Hund an Silvester allein lassen?

Wenn dein Hund Angst vor Feuerwerk hat, solltest du ihn an Silvester nicht allein lassen. Ein allein gelassener Hund in Panik kann sich verletzen, ausbrechen oder die Angst als noch schlimmer erleben. Plan den Abend so, dass jemand bei ihm ist, den er kennt.

Wie lange braucht mein Hund, um sich nach Silvester zu erholen?

Das ist sehr unterschiedlich. In einer Befragung von 1.225 Haltern hatte sich knapp drei Viertel der Hunde bis zum nächsten Morgen erholt, andere brauchten bis zu einem Tag oder einer Woche, wenige Wochen bis Monate. Dauert die Erholung länger als einen Tag oder wird die Angst von Jahr zu Jahr stärker, ist professionelle Hilfe sinnvoll.

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