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Analdrüsen beim Hund: Was hilft und was schadet

  • Autorenbild: Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
    Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
  • 21. Juli
  • 10 Min. Lesezeit

Das Wichtigste zuerst: Fünf Dinge solltest du über die Analdrüsen wissen. Erstens: Schlittenfahren ist nicht gleich Analdrüse. Würmer, Allergien, Flöhe und Hautentzündungen im Bereich unter der Rute lösen dasselbe Verhalten aus. Zweitens, und das ist der Kernsatz: Wiederkehrende Analdrüsenprobleme sind ein Symptom, keine Diagnose. In Untersuchungen zählen weicher Kot und Hautprobleme zu den wichtigsten begünstigenden Faktoren – wer nur ausdrückt, behandelt jedes Mal das Ergebnis. Drittens: Ausdrücken ist eine Behandlung bei Befund, keine Pflegemaßnahme. Eine gesunde Analdrüse braucht das nicht. Viertens: Kleine Rassen und kurzköpfige Hunde sind deutlich häufiger betroffen – flachnasige Hunde hatten in einer großen Auswertung das rund 2,6-Fache Risiko. Fünftens: Eine feste, nicht ausdrückbare Analdrüse ist kein Fall fürs Ausdrücken, sondern für eine gründliche Untersuchung.

Die Analdrüsen sind ein unappetitliches Thema und eines der häufigsten in der tierärztlichen Praxis überhaupt. Dieser Artikel erklärt, was dort passiert, warum das Ausdrücken so oft nur kurz hilft und woran du die Fälle erkennst, die etwas anderes sind.

Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Aufklärung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Eine schmerzhafte, geschwollene oder aufgebrochene Stelle neben dem After gehört zeitnah vorgestellt.

Hund sitzt auf einem Teppich und dreht den Kopf zur Hinterhand, um den Bereich unter der Rute zu belecken. Das Verhalten kann auf Juckreiz, Unwohlsein oder Probleme im Bereich der Analdrüsen beim Hund hinweisen. Das Bild symbolisiert die Beobachtung typischer Anzeichen wie Schlittenfahren oder Lecken am After und die Bedeutung einer Ursachenabklärung.

Was die Analdrüsen sind und wofür sie da sind

Rechts und links neben dem After liegen zwei kleine Säckchen, etwa auf vier und acht Uhr, jeweils mit einem feinen Ausführungsgang zum Afterrand.

Eine Begriffsklärung vorweg, weil sie später zwei Dinge erklärt: Anatomisch sind das die Analbeutel. Die eigentlichen Drüsen sind mikroskopisch klein und sitzen in der Wand dieser Beutel; sie geben ihr Sekret nach innen ab, wo es gesammelt wird. Ausgedrückt wird also der Inhalt des Beutels, nicht eine Drüse. Und ein Tumor entsteht nicht im Sekret, sondern in der Wand. Im allgemeinen Sprachgebrauch – und im Rest dieses Artikels – heißt beides zusammen schlicht Analdrüse.

Das Sekret reicht je nach Hund von dünnflüssig bis pastös und riecht ausgesprochen streng.

Die biologische Funktion ist die individuelle Duftmarke. Beim Kotabsatz kann durch den Druck des Kots Sekret aus den Analbeuteln abgegeben werden – deshalb riechen Hunde am Kot anderer Hunde so ausgiebig. Bei starkem Schreck kann sich der Inhalt zusätzlich schlagartig entleeren; das ist normal und kein Krankheitszeichen.


Entscheidend für alles Weitere ist dieser Mechanismus: Die Entleerung hängt am Druck von innen. Ist der Kot fest und geformt, funktioniert das System. Ist er weich, fehlt der Druck – das Sekret bleibt liegen, dickt ein und verstopft den engen Ausführungsgang.

Genau hier beginnen fast alle Probleme.

Woran du ein Problem erkennst

  • Schlittenfahren: Der Hund rutscht auf dem Hinterteil über den Boden

  • Häufiges, intensives Lecken unter der Rute

  • Beißen oder Jagen der eigenen Rute, plötzliches Herumdrehen

  • Auffälliger Geruch – fischig, streng, an Möbeln oder auf Decken

  • Schmerzäußerung beim Kotabsatz oder gekrümmte Haltung

  • Schwellung oder Rötung neben dem After

  • Empfindlichkeit, wenn du die Rute anhebst oder in dem Bereich anfasst


Ernst wird es bei einer prallen, heißen, geröteten Schwellung neben dem After oder wenn dort eine offene, nässende Stelle entstanden ist. Das ist ein Abszess, der aufgebrochen ist oder kurz davorsteht – schmerzhaft und behandlungsbedürftig.



Schlittenfahren ist nicht immer die Analdrüse

Dieser Reflex kostet viele Halter Zeit und Geld: Der Hund rutscht, also müssen die Drüsen ausgedrückt werden.


Tatsächlich löst alles, was in diesem Bereich juckt oder brennt, dasselbe Verhalten aus:


Würmer, vor allem bei jungen Hunden und Hunden aus dem Ausland – Bandwurmglieder am After jucken erheblich.


Allergische Hauterkrankungen. Der Bereich unter der Rute gehört zu den typischen Stellen, und der Juckreiz wird durch Reiben gelindert.


Flöhe, insbesondere bei Flohspeichelallergie – der Rutengrund ist die klassische Region.


Entzündete Hautfalten oder verklebtes Fell, häufig bei langhaarigen und bei übergewichtigen Hunden.


Kotreste im Fell, gerade nach einer Durchfallphase.


Schmerzen im hinteren Bereich, etwa an der Lendenwirbelsäule.

Deshalb steht am Anfang eine Untersuchung, nicht ein Griff. Zur Beurteilung der Analdrüsen gehört das Abtasten vom Enddarm aus – nur so lässt sich sagen, ob sie überhaupt gefüllt, entzündet oder verhärtet sind.




Wiederkehrende Probleme sind ein Symptom

Das ist der Kern des Artikels, und er folgt derselben Logik wie bei den Ohren.


Eine einmalige Verstopfung kann Zufall sein. Ein Hund, der alle paar Wochen wieder Probleme hat, hat etwas anderes – und in Untersuchungen sind zwei Faktoren besonders auffällig: weicher Kot und Hautprobleme. Dazu kommen kleine Rassen und Übergewicht.


Das ergibt eine klare Reihenfolge für die Ursachensuche.


Erstens: die Kotkonsistenz. Weil die Entleerung am Druck des Kots hängt, ist chronisch weicher Kot der direkteste Weg in wiederkehrende Verstopfungen. Ein Hund mit dauerhaft breiigem Kot bekommt seine Drüsen nicht geleert – egal wie oft jemand nachhilft. Hier ist die Behandlung nicht das Ausdrücken, sondern die Klärung der Verdauung.


Dafür gibt es ein einfaches und günstiges Werkzeug: Ballaststoffe, die das Kotvolumen erhöhen. Gemahlene Flohsamenschalen sind das gebräuchlichste Mittel; sie quellen im Darm auf, binden überschüssiges Wasser und sorgen so für geformten Kot mit mehr Volumen – und damit für genau den Druck, der die Beutel beim Absetzen entleert. Auch unlösliche Rohfasern im Futter wirken in diese Richtung.


Zwei Bedingungen gehören dazu: Es muss ausreichend getrunken werden, sonst wirkt Quellmaterial gegenteilig, und die Menge gehört mit der Praxis abgestimmt. Bei chronisch weichem Kot ist das ohnehin nur die halbe Antwort – die andere ist die Frage, warum der Kot weich ist.


Zweitens: die Haut. Eine allergische Grunderkrankung verändert die Haut auch am Ausführungsgang – er schwillt an, verengt sich, und das Sekret kommt schlechter heraus. Genau derselbe Mechanismus wie am Gehörgang.


Drittens: das Gewicht. Übergewicht ist als begünstigender Faktor beschrieben; das Fettpolster verändert die Lage der Drüsen und die Mechanik beim Kotabsatz.


Daraus folgt der praktisch wichtigste Satz: Ab dem dritten Mal lautet die Frage nicht mehr „wann wieder ausdrücken", sondern „warum schon wieder".




Welche Hunde betroffen sind

Eine Auswertung von 104.212 Hunden in britischen Erstversorgerpraxen fand Analdrüsenerkrankungen bei 4,4 Prozent der Hunde innerhalb eines Jahres. Eine Befragung von Tierärztinnen und Tierärzten kam für nicht-tumorbedingte Analdrüsenerkrankungen sogar auf eine geschätzte Häufigkeit von rund 16 Prozent – die Spanne zeigt, wie stark die Zahl davon abhängt, wie erfasst wird.

Bemerkenswert ist die Verteilung nach Rassen. Deutlich erhöht war das Risiko unter anderem beim Cavalier King Charles Spaniel und King Charles Spaniel mit jeweils gut dem Dreifachen eines Mischlings, beim Cockapoo mit dem 2,6-Fachen, dazu Shih Tzu, Bichon Frisé und Cocker Spaniel.


Deutlich verringert war es bei größeren Rassen: Boxer, Deutscher Schäferhund, Lurcher, Staffordshire Bullterrier, Border Collie und Labrador lagen teils bei einem Drittel des Risikos eines Mischlings.


Und ein Muster, das sich durch mehrere Erkrankungen zieht: Kurzköpfige Hunde hatten das rund 2,6-Fache Risiko gegenüber langköpfigen, Spaniel-Typen etwa das Doppelte.

Der Cockapoo in dieser Liste ist derselbe Befund wie der Labradoodle beim Ohr: Doodle-Kreuzungen werden oft mit dem Versprechen besserer Gesundheit verkauft, und bei diesen Erkrankungen trifft das nicht zu.

Was in der Praxis passiert

Der Ablauf ist kurz, aber er hat eine feste Reihenfolge – und die erste Stufe wird zu Hause am häufigsten übersprungen.

Untersuchung vom Enddarm aus. Nur so lässt sich beurteilen, ob eine Drüse gefüllt, entzündet, verhärtet oder unauffällig ist – und ob überhaupt sie das Problem ist. Von außen ist das nicht zu sehen.


Beurteilung des Sekrets. Farbe und Beschaffenheit sagen etwas aus: bräunlich und flüssig ist normal, dickflüssig-pastös spricht für eine Verstopfung, eitrig oder blutig für eine Entzündung. Bei wiederholten Entzündungen kann eine Untersuchung des Sekrets im Labor sinnvoll sein.

Blick auf die Haut ringsum, die Rutenbasis und den Damm – häufig liegt dort die eigentliche Ursache.

Und die Suche nach dem Grund, wenn es nicht das erste Mal ist: Kotkonsistenz, Parasiten, Haut, Gewicht.

Ausdrücken: wann ja, wann nein

Hier liegt der praktische Kern, und er wird häufig missverstanden.

Ausdrücken ist eine Behandlung bei Befund. Sind die Drüsen tastbar gefüllt und macht das dem Hund Beschwerden, ist die Entleerung sinnvoll und bringt oft sofortige Erleichterung.

Ein gesunder Analbeutel braucht keine routinemäßige manuelle Entleerung. Bei den meisten Hunden erledigt der Kotabsatz das ausreichend. Ein routinemäßiges Ausdrücken bei jedem Frisörbesuch, ohne dass ein Befund vorliegt, hat keinen belegten Nutzen – und es ist für den Hund unangenehm.

Wer ausdrückt, sollte es können. Die schonende Methode geht vom Enddarm aus, weil sich die Drüse dabei gezielt und vollständig entleeren lässt. Das reine Zusammendrücken von außen erwischt oft nur einen Teil und ist deutlich unangenehmer.

Und selbst machen ist keine gute Idee. Es klingt nach einer Kleinigkeit und ist keine: Zu grobes Vorgehen kann die Drüse reizen oder verletzen, und ein bereits entzündeter Ausführungsgang macht die Sache schlimmer. Dazu kommt, dass ein Hund, dem in diesem Bereich wehgetan wurde, sich beim nächsten Mal wehrt – und das betrifft dann auch die Untersuchung beim Tierarzt.

Wenn es in deinem Fall regelmäßig nötig ist, lass es dir zeigen und lass klären, warum es regelmäßig nötig ist.


Wenn es entzündet ist oder aufbricht

Bleibt eine verstopfte Drüse zu lange, entzündet sie sich – und aus der Entzündung kann ein Abszess werden.


Zeichen: eine schmerzhafte, geschwollene, oft gerötete Stelle neben dem After, Fieber, deutliche Berührungsempfindlichkeit, Sitzunlust. Bricht der Abszess auf, entsteht eine offene, nässende Wunde – für Halter erschreckend, aber immerhin ist der Druck dann weg.


Behandelt wird mit vorsichtiger Entleerung über den Ausführungsgang und Spülung – bei starken Schmerzen unter Sedierung –, dazu Schmerzmittel und je nach Befund Antibiotika. Warme Umschläge über mehrere Tage unterstützen den Heilungsverlauf.


Und hier ein Sicherheitshinweis, der wichtiger ist als alles andere in diesem Artikel: Bei einer heiß geschwollenen, hochschmerzhaften Stelle neben dem After darf auf keinen Fall selbst gedrückt werden. Kräftiges Drücken von außen kann einen entzündeten Beutel nach innen aufreißen lassen, statt ihn nach außen zu entleeren – mit der Folge, dass sich die Entzündung im umliegenden Gewebe des Beckens ausbreitet. Aus einem unangenehmen Problem wird so ein schweres. Ein akut entzündeter Analbeutel gehört in tierärztliche Hand, nicht in die eigene.


Wichtig für den Verlauf: Nach einem Abszess ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es wiederkommt – umso mehr Grund, jetzt nach der Ursache zu suchen.



Der Knoten, der kein Stau ist

Diesen Abschnitt sollte jeder Halter eines älteren Hundes gelesen haben.


Aus dem Drüsengewebe kann ein bösartiger Tumor entstehen. Er tritt typischerweise bei älteren Hunden auf, beim English Cocker Spaniel ist eine Veranlagung beschrieben.


Was ihn tückisch macht, ist die Präsentation: Er ist häufig nicht schmerzhaft, und er fällt oft erst spät auf. Das entscheidende Warnzeichen ist eine feste, vergrößerte Analdrüse, die sich nicht ausdrücken lässt – auch nicht nach Spülung.


Ein zweiter, ganz anderer Weg zur Diagnose führt über den Kalziumhaushalt: Diese Tumoren können den Kalziumspiegel im Blut anheben, und das äußert sich als vermehrtes Trinken und Urinieren. Ein älterer Hund, der plötzlich mehr trinkt, wird auf Niere, Cushing und Diabetes untersucht – und die Analdrüse gehört bei der Untersuchung mit abgetastet. Ein erhöhter Kalziumwert wurde je nach Untersuchung bei rund einem Viertel bis zur Hälfte der betroffenen Hunde zum Zeitpunkt der Diagnose gefunden.


Weitere mögliche Zeichen sind Schwierigkeiten beim Kotabsatz, dünner geformter Kot und eine Schwellung im Dammbereich.


Der praktische Merksatz lautet deshalb: Eine Analdrüse, die sich nicht entleeren lässt, wird nicht kräftiger gedrückt, sondern untersucht. Dazu gehören Abtasten, Ultraschall zur Beurteilung der Lymphknoten im Bauchraum und die Bestimmung des Kalziumwerts.




Wenn nichts anderes mehr hilft: die Operation

Bei Hunden mit hartnäckig wiederkehrenden Problemen kann die operative Entfernung der Analdrüsen infrage kommen. Sie werden für nichts gebraucht, und der Hund kommt ohne sie gut zurecht.


Zwei Dinge sind dabei wichtig.


Die Operation ist anspruchsvoll, und der Grund dafür ist Anatomie: Die Analbeutel liegen unmittelbar am äußeren Analschließmuskel, und die feinen Nerven, die diesen Muskel versorgen, verlaufen direkt an der Beutelwand. Wer den Beutel herauslöst, arbeitet also millimeternah an genau den Nerven, die darüber entscheiden, ob ein Hund seinen Kot halten kann. Als mögliche Komplikation gilt entsprechend eine Beeinträchtigung der Kotkontrolle – bei erfahrener Durchführung selten, aber nicht ausgeschlossen.


Das erklärt beides: warum die Erfahrung der Chirurgin hier besonders zählt, und warum nicht im akut entzündeten Zustand operiert wird – entzündetes, verklebtes Gewebe macht es ungleich schwerer, diese Strukturen sauber zu unterscheiden.


Der Zeitpunkt zählt. Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Ergebnis besser ausfällt, wenn zuvor konservativ behandelt und die Entzündung beruhigt wurde – statt im akut entzündeten Zustand zu operieren.


Deshalb ist die Operation die letzte Stufe und nicht die Abkürzung: Erst Ursachensuche und konservative Behandlung, dann, wenn das nicht reicht, der Eingriff.


Was du zu Hause tun kannst

Achte auf die Kotkonsistenz. Das ist der wirksamste einzelne Hebel. Geformter Kot leert die Drüsen von selbst – breiiger nicht. Wer hier etwas ändert, ändert oft das ganze Problem.

Halte deinen Hund schlank.

Halte den Bereich sauber, gerade bei langhaarigen Hunden. Fell kürzen, Kotreste entfernen, nach Durchfall gründlich säubern.

Nimm Schlittenfahren als Frage, nicht als Antwort. Es sagt „hier stimmt etwas nicht", nicht „drück die Drüsen aus".

Führe Buch, wie oft es vorkommt. Beim dritten Mal in einem halben Jahr sprich die Ursachensuche aktiv an.

Lass dir die Analdrüsen bei jedem Vorsorgetermin mit abtasten, besonders beim älteren Hund. Das dauert Sekunden und ist die einzige Routine, mit der ein Tumor früh auffällt.


Grenzen der Evidenz

Die Häufigkeitsangaben schwanken erheblich – 4,4 Prozent aus dokumentierten Praxisdiagnosen gegenüber rund 16 Prozent aus einer Befragung von Tierärztinnen und Tierärzten. Beide messen Unterschiedliches: einmal, was in der Akte steht, einmal, was Behandelnde einschätzen. Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen.

Die Aussage, dass routinemäßiges Ausdrücken ohne Befund schadet, beruht auf klinischer Erfahrung und auf dem plausiblen Mechanismus einer Reizung des Ausführungsgangs – nicht auf einer kontrollierten Studie. Belegt ist der fehlende Nutzen bei gesunden Drüsen; der Nachweis eines Schadens steht aus.

Die Angaben zu begünstigenden Faktoren stammen zu einem Teil aus einer Befragung und damit aus Einschätzungen, nicht aus systematisch erhobenen Patientendaten.

Und die Rassedaten stammen aus britischen Praxisdaten eines einzelnen Jahres. Die Rangfolge dürfte in Deutschland ähnlich aussehen, die genauen Werte nicht.

Fazit

Analdrüsenprobleme gehören zu den häufigsten Gründen für einen Tierarztbesuch – und zu den am häufigsten falsch verstandenen. Schlittenfahren ist eine Frage, keine Antwort: Würmer, Allergien und Flöhe lösen dasselbe Verhalten aus. Und wiederkehrende Probleme sind ein Symptom, nicht die Erkrankung selbst; die beiden häufigsten Treiber dahinter sind weicher Kot und eine Hauterkrankung. Wer beim dritten Mal noch immer nur ausdrückt, wird beim zehnten Mal dasselbe tun. Zwei Dinge lohnt es sich zu merken: Ein gesunder Analbeutel braucht keine routinemäßige manuelle Entleerung – und eine feste, nicht ausdrückbare Drüse wird nicht kräftiger gedrückt, sondern untersucht.

Quellen

  • O'Neill, D. G. et al.: Anal sac disorders in dogs under primary veterinary care in the UK. VetCompass Programme, Royal Veterinary College. https://www.rvc.ac.uk/vetcompass/news/ground-breaking-rvc-research-explores-prevalence-of-anal-sac-disorders-in-dogs (2.372 Fälle aus 104.212 Hunden; Einjahres-Häufigkeit 4,4 %; erhöhtes Risiko u. a. bei Cavalier King Charles Spaniel 3,31-fach, King Charles Spaniel 3,30-fach, Cockapoo 2,59-fach, Shih Tzu, Bichon Frisé und Cocker Spaniel; verringertes Risiko u. a. bei Boxer, Deutschem Schäferhund und Labrador; kurzköpfige Hunde 2,62-fach, Spaniel-Typen 2,09-fach erhöht)

  • A Cross-Sectional Study on Canine and Feline Anal Sac Disease. Animals. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8749694/ (geschätzte Häufigkeit nicht-tumorbedingter Analdrüsenerkrankungen beim Hund 15,7 %; begünstigend Durchfall, Hautprobleme, kleine Rassen und Übergewicht; manuelle Entleerung und Behandlung der Grunderkrankung als wichtigste Maßnahmen; operative Entfernung bei therapieresistenten Fällen mit besserem Ergebnis nach vorheriger konservativer Behandlung)

  • Anal Sac Disease in Dogs and Cats. MSD/Merck Veterinary Manual. https://www.merckvetmanual.com/digestive-system/diseases-of-the-rectum-and-anus/anal-sac-disease-in-dogs-and-cats (Tumorverdacht bei festen, vergrößerten und auch nach Spülung nicht ausdrückbaren Analdrüsen; Bestimmung des Kalziumwerts zur Abklärung einer tumorbedingten Erhöhung; Analdrüsentumoren meist nicht schmerzhaft; Beschwerden teils über Kalziumerhöhung mit vermehrtem Trinken und Urinieren)

  • A Retrospective Study of Clinical and Histopathological Features of 81 Cases of Canine Apocrine Gland Adenocarcinoma of the Anal Sac. Animals, 2021. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8614406/ (Veranlagung beim English Cocker Spaniel beschrieben; tumorbedingt erhöhter Kalziumwert bei 25 bis 51 % der Hunde zum Zeitpunkt der Diagnose)

Häufige Fragen zu Analdrüsen beim Hund



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