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Mitralklappenerkrankung (MMVD) beim Hund: Herzgeräusch, Symptome und Behandlung

  • Autorenbild: Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
    Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
  • 24. Juli
  • 14 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Juli

Das Wichtigste zuerst: Fünf Dinge solltest du über die Mitralklappenerkrankung wissen. Erstens: Die MMVD (myxomatöse Mitralklappenerkrankung, früher „Endokardiose") ist die häufigste Herzerkrankung des Hundes – dabei verdickt und verformt sich die Mitralklappe, sodass sie nicht mehr dicht schließt und Blut zurückfließt. Zweitens: Betroffen sind vor allem kleine bis mittelgroße Rassen (allen voran der Cavalier King Charles Spaniel), und das Risiko steigt mit dem Alter. Drittens: Fast immer verrät sich MMVD durch ein Herzgeräusch, das die Tierärztin beim Abhören hört – oft Jahre, bevor der Hund überhaupt Symptome zeigt. Viertens: MMVD ist nicht heilbar, aber in vielen Fällen über lange Zeit gut behandelbar; entscheidend ist, in welchem Stadium sie erkannt wird. Fünftens, und das überrascht die meisten: Husten ist ein schlechter Herzmarker. Der weit verbreitete „Herzhusten" kommt bei Hunden mit Herzgeräusch sehr oft aus den Atemwegen und nicht aus dem Herzen – der zuverlässigere Frühwarnwert ist die Ruhe-Atemfrequenz.

Ein Herzgeräusch beim jährlichen Check ist für viele Halter der erste Kontakt mit dem Thema. Dieser Artikel erklärt, was an der Klappe passiert, welche Hunde betroffen sind, woran du fortschreitende Anzeichen erkennst, wie diagnostiziert und je nach Stadium behandelt wird, welche Komplikationen im Verlauf auftreten können – und worin sich MMVD von der anderen großen Herzerkrankung, der DCM, unterscheidet.

Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Aufklärung und ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ein Herzgeräusch oder Verdacht auf eine Herzerkrankung gehört immer tierärztlich, idealerweise kardiologisch, abgeklärt.


Tierärztin untersucht einen Cavalier King Charles Spaniel mit Stethoskop in einer Tierklinik. Im Hintergrund ist ein Herzultraschallgerät mit Darstellung des Herzens zu sehen. Die Untersuchung dient der Abklärung einer Mitralklappenerkrankung (MMVD) und anderer Herzerkrankungen beim Hund.

Was ist MMVD – und was passiert an der Klappe?

Die Mitralklappe sitzt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Sie funktioniert wie ein Rückschlagventil: Wenn sich die Kammer zusammenzieht, soll die Klappe dicht schließen, damit das Blut nur nach vorne in den Körperkreislauf gepumpt wird und nicht zurück in den Vorhof.

Bei der MMVD verändert sich das Klappengewebe langsam und fortschreitend. Die feinen Klappensegel verdicken sich, werden knotig und verlieren ihre Elastizität; auch die Haltefäden (Sehnenfäden) können betroffen sein. Die Folge: Die Klappe schließt nicht mehr vollständig, und bei jedem Herzschlag fließt ein Teil des Blutes zurück in den linken Vorhof – die sogenannte Mitralklappeninsuffizienz oder Undichtigkeit. Genau dieser Rückfluss erzeugt das typische Herzgeräusch.


Der Körper gleicht das lange aus, und zwar auf zwei Wegen. Mechanisch weiten sich Vorhof und Kammer, um das zurückgeflossene Blut zu fassen. Hormonell schalten sich Regelkreise dazu, die Blutdruck und Flüssigkeitshaushalt anheben, um die Auswurfleistung zu sichern – kurzfristig sinnvoll, auf Dauer aber eine zusätzliche Belastung für das ohnehin überlastete Herz. Genau hier setzen später mehrere der eingesetzten Medikamente an. Deshalb bleibt die Erkrankung über Jahre ohne Symptome. Erst wenn die Kompensation nicht mehr reicht, staut sich Blut zurück in die Lunge, und es kann zum Lungenödem („Wasser in der Lunge") und damit zur Herzinsuffizienz kommen.


Welche Hunde betroffen sind

MMVD ist typischerweise eine Erkrankung kleiner bis mittelgroßer Rassen. Besonders häufig und oft früh betroffen ist der Cavalier King Charles Spaniel, bei dem die Erkrankung eine starke erbliche Komponente hat und schon in vergleichsweise jungen Jahren auftreten kann. Auch Dackel, Chihuahua, Zwerg- und Toypudel, kleine Terrier, Malteser und viele andere kleine Rassen zählen dazu.

Zwei Muster sind wichtig. Erstens: Das Risiko steigt deutlich mit dem Alter – bei kleinen Rassen ist ein Herzgeräusch im höheren Alter keine Seltenheit. Zweitens: Rüden entwickeln die Erkrankung im Schnitt etwas früher und oft schneller fortschreitend als Hündinnen. Das heißt nicht, dass jeder kleine Hund erkrankt oder dass große Rassen nie betroffen sind – aber die Rasse und das Alter helfen bei der Einordnung eines Herzgeräuschs.


Symptome – vom stummen Herzgeräusch bis zur Herzinsuffizienz

Über lange Zeit ist das Herzgeräusch das einzige Zeichen – der Hund merkt nichts, und der Halter auch nicht. Diese Phase kann Jahre dauern. Schreitet die Undichtigkeit fort, treten nach und nach Symptome auf:

  • schnellere oder angestrengte Atmung, besonders in Ruhe – das zuverlässigste Zeichen für einen beginnenden Flüssigkeitsstau

  • nachlassende Belastbarkeit, schnellere Ermüdung beim Spaziergang

  • Husten – häufig, aber deutlich weniger aussagekräftig, als allgemein angenommen wird (siehe nächster Abschnitt)

  • Ohnmachtsanfälle (Synkopen) bei Anstrengung oder Aufregung

  • im fortgeschrittenen Stadium Anzeichen einer Herzinsuffizienz: deutliche Atemnot, Unruhe, blasse oder bläuliche Schleimhäute

Ein besonders wertvoller Heim-Marker ist die Ruhe-Atemfrequenz. Zähle beim entspannt schlafenden Hund die Atemzüge pro Minute (ein Heben und Senken des Brustkorbs = ein Atemzug). Dauerhaft mehr als etwa 30 Atemzüge pro Minute in Ruhe sind bei einem sonst stabilen Hund – gerade bei bekannter Herzerkrankung – ein Warnzeichen für beginnenden Flüssigkeitsstau und ein Grund, zeitnah tierärztlich abklären zu lassen. Wichtig ist, dass wirklich der ruhende oder schlafende Hund gezählt wird, nicht der dösende nach dem Spaziergang.


Der Mythos vom „Herzhusten"

Kaum eine Vorstellung hält sich so hartnäckig wie diese: Der alte kleine Hund hustet, er hat ein Herzgeräusch, also kommt der Husten vom Herzen. Diese Gleichung steht in vielen Lehrbüchern – und sie ist nach heutigem Kenntnisstand in dieser Form nicht haltbar.

Der anatomische Grund ist einfach: Die Hustenrezeptoren sitzen in den großen, oberen Atemwegen. Flüssigkeit im Lungenödem sammelt sich dagegen in den Lungenbläschen und im Zwischengewebe – dort, wo kein Hustenreiz ausgelöst wird. Ein Lungenödem zeigt sich deshalb vor allem durch schnelle und angestrengte Atmung; Husten allein ist jedoch kein zuverlässiger Hinweis auf eine Herzinsuffizienz.


Die bisherigen Daten sprechen dafür. Eine Auswertung von 358 Hunden mit MMVD aus zwei vorbestehenden Studien deutet darauf hin, dass eine bestehende Herzinsuffizienz die Hustenwahrscheinlichkeit nicht zuverlässig erklärt: Hunde mit Herzinsuffizienz husteten dort etwa so häufig wie Hunde im symptomfreien Stadium. Ein Anstieg zeigte sich nur bei stark vergrößertem linkem Vorhof, nicht bei leichter oder mittelgradiger Vergrößerung (Rishniw et al. 2026). Und selbst dieser Zusammenhang ist wohl nicht mechanisch: Eine Untersuchung mit vier unabhängigen Fachradiologinnen und -radiologen an 51 Röntgenserien konnte hustende und nicht hustende Hunde anhand der Bronchien-Einengung nicht unterscheiden – die Autorinnen und Autoren halten eine Kompression der Bronchien durch das vergrößerte Herz als Hustenursache für unwahrscheinlich (van Opstal et al. 2025). Bereits eine ältere Arbeit fand keinen Zusammenhang zwischen Vorhofgröße und Atemwegskollaps, dafür aber sehr häufig eine Entzündung der Atemwege (Singh et al. 2012).

Was hustet dann häufig? In vielen Fällen sind die Atemwege selbst beteiligt. Genau die kleinen, alten Hunde, die MMVD bekommen, leiden überdurchschnittlich oft gleichzeitig an chronischer Bronchitis, Trachealkollaps oder Bronchomalazie. Zwei Erkrankungen im selben Hund – und der Husten geht dann oft nicht auf das Herz zurück.

Warum das praktisch zählt: Wird der Husten fälschlich als Herzhusten gedeutet, bekommt der Hund Entwässerungsmittel, die er nicht braucht. Tückisch ist, dass das oft trotzdem zu wirken scheint. Furosemid entwässert nämlich nicht nur, sondern hat daneben entzündungshemmende und hustendämpfende Eigenschaften; eine atemwegserweiternde Wirkung ist bislang vor allem bei Katze und Mensch beschrieben, für den Hund nicht gesichert. Der Husten kann sich dadurch bessern, ohne dass je ein Lungenödem vorlag. Der scheinbare Behandlungserfolg bestätigt dann die falsche Diagnose, während die eigentliche Atemwegserkrankung unbehandelt bleibt und der Hund unnötig entwässert wird.

Für dich heißt das: Husten allein ist kein Beweis für eine Herzinsuffizienz, und ein Herzgeräusch allein macht aus Husten keinen Herzhusten. Die Unterscheidung gelingt über die Untersuchung – Ruhe-Atemfrequenz, Röntgenbild, Herzultraschall –, nicht über den Höreindruck. Und Hustenstiller aus der menschlichen Hausapotheke sind hier besonders gefährlich: Sie unterdrücken ein Symptom, dessen Ursache niemand kennt.


Was könnte es sonst sein? Differenzialdiagnosen

Viele Menschen landen bei diesem Thema, weil ihr kleiner Hund hustet, schlechter Luft bekommt oder nicht mehr so gut mitkommt. All das kann viele Ursachen haben – MMVD ist nur eine davon, und häufig ist sie nur eine von mehreren gleichzeitig. Ein paar häufige Alternativen zur Einordnung, die keine Untersuchung ersetzen:

Trachealkollaps und chronische Bronchitis: die wichtigsten Differenzialdiagnosen überhaupt, weil sie dieselben kleinen, älteren Rassen betreffen. Der Trachealkollaps äußert sich klassisch in einem trockenen, „hupenden" Husten, oft bei Aufregung oder Zug am Halsband.

Kehlkopflähmung (Larynxparalyse): eher bei größeren Hunden, typischerweise mit rauem Atemgeräusch, Heiserkeit und Problemen bei Wärme und Belastung.

Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie): kann Folge der MMVD sein, aber auch eigenständig durch Atemwegserkrankungen entstehen – und macht ebenfalls Belastungsschwäche und Ohnmachtsanfälle.

Arthrose und altersbedingter Muskelabbau: Bei alten Hunden wird nachlassende Ausdauer schnell dem Herzen zugeschrieben, obwohl Gelenkschmerzen der eigentliche Bremsklotz sind.

Die Unterscheidung gelingt nicht am Symptom, sondern über die Untersuchung – Abhören, Röntgen, Herzultraschall und je nach Fall weiterführende Atemwegsdiagnostik.



Diagnose: vom Herzgeräusch zur Stadien-Einteilung

Der erste Schritt ist meist das Abhören: Ein Herzgeräusch über der linken Herzspitze ist bei MMVD fast immer vorhanden, und seine Lautstärke gibt einen groben Hinweis auf die Schwere. Üblich ist eine Einteilung in Grade von 1 bis 6, wobei die lauteren Grade im Schnitt mit stärkerer Undichtigkeit einhergehen. „Im Schnitt" ist dabei wörtlich zu nehmen: Aus der Lautstärke allein lässt sich das Stadium nicht ablesen. Anders als bei der DCM, die nicht zwingend ein Geräusch macht, ist das Herzgeräusch bei MMVD immerhin ein sehr verlässlicher erster Marker dafür, dass überhaupt etwas an der Klappe ist.


Die wichtigste Untersuchung zur genauen Beurteilung ist die Echokardiografie (Herzultraschall): Sie zeigt die veränderte Klappe, das Ausmaß des Rückflusses und – entscheidend für die Behandlung – ob Vorhof und Kammer bereits vergrößert sind. Dafür werden standardisierte Messwerte herangezogen, unter anderem das Größenverhältnis von linkem Vorhof zur Aorta und der auf die Körpergröße normierte Kammerdurchmesser. Ergänzend kommen ein Röntgenbild (Herzgröße über den Wirbelsäulen-Herz-Score, Lungenstauung, Atemwege) und Blut-Biomarker wie NT-proBNP hinzu. Biomarker sind dabei Hinweisgeber, keine Entscheider: Ein erhöhter Wert stützt den Verdacht auf eine Herzbelastung, ersetzt aber weder Ultraschall noch Röntgen. Der Herzultraschall selbst ist schmerzfrei, nicht invasiv und braucht keine Narkose.


Aus diesen Befunden ergibt sich die Stadien-Einteilung nach den ACVIM-Leitlinien (Keene et al. 2019), die die Behandlung steuert:


  • Stadium A: Risikorasse ohne nachweisbare Herzveränderung (z. B. ein junger, gesunder Cavalier).

  • Stadium B1: Undichtigkeit und Herzgeräusch vorhanden, aber normal große Herzkammern – noch keine Behandlung nötig.

  • Stadium B2: Undichtigkeit mit vergrößertem Herz (definierte Ultraschall- und Röntgenkriterien), aber noch ohne Symptome – hier beginnt die medikamentöse Behandlung.

  • Stadium C: bestehende oder frühere Herzinsuffizienz (z. B. Lungenödem).

  • Stadium D: therapieresistente Herzinsuffizienz trotz Standardbehandlung.


Diese Einteilung ist mehr als Theorie: Sie entscheidet, ob und wann Medikamente sinnvoll sind. Deshalb ist die Kontrolldichte im Stadium B1 keine Formsache – sie soll den Übergang nach B2 abfangen, und der kündigt sich nicht durch Symptome an.



Behandlung – abhängig vom Stadium

MMVD ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Ziel ist, den Übergang in die Herzinsuffizienz hinauszuzögern und, wenn sie eingetreten ist, das Herz zu entlasten.


In Stadium B1 wird nicht behandelt, sondern kontrolliert – meist mit regelmäßigen Verlaufsuntersuchungen, um den Übergang in B2 nicht zu verpassen.


In Stadium B2, also bei vergrößertem Herz ohne Symptome, hat die EPIC-Studie einen wichtigen Beleg geliefert: Der Wirkstoff Pimobendan verzögert den Ausbruch der Herzinsuffizienz deutlich – im Median verlängerte sich die symptomfreie Zeit von rund 766 auf 1228 Tage, also um etwa 15 Monate (Boswood et al. 2016). Pimobendan verbessert dabei die Kraft der Herzmuskelkontraktion und weitet gleichzeitig die Gefäße, senkt also den Widerstand, gegen den das Herz anpumpen muss. Der Beginn mit Pimobendan in diesem Stadium ist heute Standard.


In Stadium C (Herzinsuffizienz) wird eine Kombination eingesetzt, die an verschiedenen Stellen ansetzt: Entwässerungsmittel (Diuretika wie Furosemid) schwemmen den Flüssigkeitsstau aus, Pimobendan stützt die Pumpleistung, ein ACE-Hemmer und häufig Spironolacton dämpfen die hormonellen Regelkreise, die das Herz auf Dauer zusätzlich belasten – Spironolacton wirkt dabei gezielt als Gegenspieler des Hormons Aldosteron, das sonst Wasser- und Salzrückhalt sowie den bindegewebigen Umbau des Herzmuskels fördert. Diese Kombination stabilisiert die Lebensqualität oft rasch wieder. Dass Pimobendan auch bei bestehender Herzinsuffizienz die Überlebenszeit verbessert, hatte zuvor die QUEST-Studie an 260 Hunden gezeigt (Häggström et al. 2008). In Stadium D werden die Dosierungen angepasst, das Diuretikum gegebenenfalls gewechselt und weitere Wirkstoffe ergänzt. Konkrete Dosierungen nennen wir hier bewusst nicht: Sie hängen von Gewicht, Nierenfunktion, Blutwerten und Begleiterkrankungen ab und gehören individuell in tierärztliche Hand.


Für ausgewählte Fälle gibt es inzwischen die chirurgische Mitralklappen-Reparatur am offenen Herzen unter Herz-Lungen-Maschine – die einzige Option mit potenziell heilendem Anspruch. Dabei werden der Klappenring gerafft und gerissene Sehnenfäden durch künstliche ersetzt (Uechi 2012). Sie wird nur an wenigen spezialisierten Zentren weltweit angeboten, ist technisch anspruchsvoll, mit erheblichen Kosten verbunden und setzt eine sorgfältige Auswahl geeigneter Patienten voraus.


Die Ergebnisse sind an erfahrenen Zentren gut, hängen aber stark vom Stadium ab: Hunde in früheren Stadien überstehen den Eingriff deutlich zuverlässiger als Hunde mit weit fortgeschrittener, therapieresistenter Herzinsuffizienz. Hinzu kommt die Erfahrung des Teams: Der dokumentierte Aufbau eines europäischen Programms zeigt, wie stark Routine und Teamstruktur die Ergebnisse beeinflussen können – die Resultate verbesserten sich dort im Verlauf des Programms deutlich (Brockman et al. 2025). Wer diesen Weg erwägt, sollte also gezielt nach der Fallzahl des Zentrums fragen.


Daneben hat sich ein deutlich weniger invasives Verfahren etabliert: Beim TEER-Verfahren (Transcatheter Edge-to-Edge Repair) wird am schlagenden Herzen über einen kleinen Schnitt in der Brustwand ein Clip gesetzt, der die Klappensegel aneinander heftet und so die Undichtigkeit verringert – ohne Herz-Lungen-Maschine. Es kommt für eine engere Auswahl infrage, unter anderem abhängig von Körpergewicht und Klappenanatomie, und wird inzwischen auch in Deutschland angeboten.


Für die allermeisten Hunde bleibt die medikamentöse Behandlung der Weg.




Komplikationen im Verlauf

Die MMVD schreitet meist langsam voran, kann aber Komplikationen nach sich ziehen, die den Verlauf plötzlich verändern. Für die Einordnung sind vier relevant.

Riss eines Sehnenfadens (Chordae-tendineae-Ruptur): Reißt einer der Haltefäden, die das Klappensegel führen, verschlechtert sich die Undichtigkeit schlagartig. Typisch ist ein Hund, dem es über Nacht deutlich schlechter geht, obwohl er tags zuvor stabil war – oft mit akuter Atemnot.

Riss des linken Vorhofs: Ein stark gedehnter Vorhof kann einreißen. Blutet es in den Herzbeutel, entsteht eine akut lebensbedrohliche Situation mit plötzlicher Schwäche, blassen Schleimhäuten und Kollaps. Selten, aber ein Notfall.

Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie): Der Rückstau ins Lungengefäßsystem kann den Druck dort dauerhaft erhöhen. Lungenhochdruck ist bei MMVD nicht selten und verschlechtert die Prognose (Borgarelli et al. 2015). Wichtig für die Behandlung: Entsteht der Lungenhochdruck durch die Linksherzerkrankung selbst – in der ACVIM-Einteilung Gruppe 2 –, steht die Entlastung des linken Herzens im Vordergrund. Gefäßerweiternde Mittel wie Sildenafil sind in dieser Konstellation ausdrücklich nicht das Mittel der ersten Wahl (Reinero et al. 2020). Das schließt ihren Einsatz in Einzelfällen nicht aus, macht ihn aber zur Entscheidung der Kardiologie und nicht zum Automatismus.


Belastung der Nieren: Herz und Niere hängen eng zusammen. Entwässerungsmittel sind bei Herzinsuffizienz unverzichtbar, können die Nierenwerte aber verschlechtern – gerade bei alten Hunden, die ohnehin oft eine Nierenschwäche haben. Deshalb gehören Blut- und Nierenwertkontrollen zur laufenden Behandlung dazu; es ist immer ein Abwägen zwischen ausreichender Entwässerung und Schonung der Niere. Für dich heißt das praktisch: Wasser muss jederzeit frei verfügbar sein – Entwässerungsmittel niemals mit einer Begrenzung der Trinkmenge kombinieren – und deutlich vermehrter Durst, Appetitlosigkeit, Erbrechen oder auffällige Müdigkeit gehören zeitnah abgeklärt.



MMVD oder DCM? Der Unterschied auf einen Blick

Weil beide die häufigsten Herzerkrankungen des Hundes sind und beide zur Herzinsuffizienz führen können, werden sie oft verwechselt. Der Kern des Unterschieds: Bei der MMVD ist eine Klappe undicht, bei der DCM ist der Herzmuskel selbst geschwächt.


Daraus ergeben sich praktische Unterscheidungsmerkmale. MMVD betrifft vor allem kleine bis mittelgroße Rassen und verursacht fast immer ein deutliches Herzgeräusch. Die DCM betrifft vor allem große und Riesenrassen (klassisch der Dobermann) und macht nicht zwingend ein Geräusch – sie kann beim reinen Abhören übersehen werden und fällt teils zuerst durch Rhythmusstörungen oder plötzlichen Herztod auf. Auch der Screening-Weg unterscheidet sich: Bei MMVD führt das gehörte Geräusch zum Ultraschall, bei den DCM-Risikorassen braucht es ein aktives jährliches Screening aus Ultraschall und Langzeit-EKG, weil es kein verlässliches Vorzeichen zum Abhören gibt.




Prognose und Lebenserwartung

Die Prognose bei MMVD ist insgesamt besser als bei vielen anderen Herzerkrankungen – und stark stadienabhängig. Viele Hunde leben mit einer Undichtigkeit im Stadium B über Jahre völlig unbeschwert; nicht wenige kleine Hunde sterben irgendwann mit ihrer MMVD, nicht an ihr. Entscheidend ist, dass der Übergang in die behandlungsbedürftige Phase erkannt und rechtzeitig behandelt wird.


Ist die Herzinsuffizienz (Stadium C) eingetreten, wird die Prognose ernster, bleibt aber individuell sehr unterschiedlich: Viele Hunde sind unter der Kombinationstherapie noch längere Zeit stabil und lebensfroh, andere schreiten rascher fort. Wie viel Zeit bleibt, hängt vom Ansprechen auf die Behandlung ab, vom Ausmaß der Vorhofvergrößerung, von Begleitkomplikationen wie Lungenhochdruck oder einem Sehnenfadenriss und von der Nierenfunktion. Feste Zahlen für den Einzelfall lassen sich seriös nicht nennen – die Einschätzung gehört in die Hand der behandelnden Kardiolog:in.


Alltag, Fütterung und was du zu Hause tun kannst

Nimm ein Herzgeräusch beim Check ernst und lass es abklären, auch wenn dein Hund fit wirkt – gerade in der stummen Phase entscheidet die richtige Kontrolle über den weiteren Verlauf.

Der wichtigste Heimwert ist die Ruhe-Atemfrequenz. Sie ist einfach zu messen, kostet nichts und ist einer der zuverlässigsten Frühwarnhinweise für einen beginnenden Flüssigkeitsstau. Noch aussagekräftiger als der Richtwert ist der individuelle Basiswert: Miss die Ruhe-Atemfrequenz an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen, solange dein Hund stabil ist, und notiere sie. Dann vergleichst du später gegen seinen eigenen Normalwert statt gegen einen Lehrbuchwert und erkennst eine Abweichung deutlich früher.


Halte deinen Hund schlank – Übergewicht belastet ein ohnehin arbeitendes Herz zusätzlich. Umgekehrt gilt im fortgeschrittenen Stadium das Gegenteil: Abnehmen ohne Diät ist ein Warnzeichen, weil eine Herzerkrankung Muskelmasse abbauen kann. Beides gehört beobachtet.


Bewegung bleibt erlaubt und sinnvoll. Was wegfällt, sind Belastungsspitzen: Statt einer langen, schnellen Runde lieber mehrere ruhige, gleichmäßige Spaziergänge, und bei Hitze deutlich zurückstecken. Ein Brustgeschirr statt eines Halsbands ist bei Hunden mit gleichzeitiger Atemwegsproblematik oft angenehmer. Eine besonders salzarme Spezialdiät ist im Stadium B nach heutigem Stand nicht nötig; sinnvoll ist ein ausgewogenes Futter und der Verzicht auf stark gesalzene Snacks.




Grenzen der Evidenz

So gut die MMVD erforscht ist, bleiben offene Fragen. Der beste Zeitpunkt für den Behandlungsbeginn in der Grauzone zwischen B1 und B2 ist im Einzelfall nicht immer eindeutig, und selbst die Kriterien für „vergrößertes Herz" werden fachlich diskutiert. Ob ein ACE-Hemmer schon im Stadium B2 zusätzlich zu Pimobendan nützt, ist nicht abschließend geklärt.


Auch beim Husten ist das letzte Wort nicht gesprochen: Dass eine Herzinsuffizienz allein den Husten nicht erklärt, ist gut belegt, aber warum ausgerechnet ein stark vergrößerter Vorhof mit mehr Husten einhergeht, wenn es nicht an mechanischer Kompression liegt, ist offen. Die vorliegenden Arbeiten sind zudem teils klein oder rückblickend.


Und generell gilt: Die großen Studien beziehen sich auf bestimmte Rassen, Gewichtsklassen oder Ausgangslagen – nicht jede Zahl lässt sich eins zu eins auf jeden Hund übertragen. Die Leitlinien geben einen sehr guten Rahmen, aber die konkrete Entscheidung gehört in erfahrene kardiologische Hände.



Fazit

MMVD ist die häufigste Herzerkrankung des Hundes und betrifft vor allem kleine bis mittelgroße Rassen wie den Cavalier King Charles Spaniel. Sie verrät sich früh durch ein Herzgeräusch, verläuft dann lange stumm und ist über die ACVIM-Stadien gut steuerbar: In der symptomfreien Phase mit vergrößertem Herz (B2) verzögert Pimobendan den Ausbruch der Herzinsuffizienz, bei manifester Insuffizienz (C) stabilisiert eine Kombinationstherapie die Lebensqualität. Zwei Dinge lohnt es sich zu merken: Ein Herzgeräusch ernst nehmen und sauber per Ultraschall einordnen, statt den richtigen Behandlungszeitpunkt zu verpassen – und Husten nicht vorschnell dem Herzen zuschreiben, sondern die Ruhe-Atemfrequenz als den verlässlicheren Wert nutzen.




Quellen

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  • Boswood, A., Häggström, J., Gordon, S. G., Wess, G., Stepien, R. L., Oyama, M. A. et al. (2016): Effect of Pimobendan in Dogs with Preclinical Myxomatous Mitral Valve Disease and Cardiomegaly: The EPIC Study – A Randomized Clinical Trial. Journal of Veterinary Internal Medicine 30(6): 1765–1779. https://doi.org/10.1111/jvim.14586 (Pimobendan verzögert im Stadium B2 den Ausbruch der Herzinsuffizienz; 1228 vs. 766 Tage)


  • Häggström, J., Boswood, A., O'Grady, M., Jöns, O., Smith, S., Swift, S. et al. (2008): Effect of pimobendan or benazepril hydrochloride on survival times in dogs with congestive heart failure caused by naturally occurring myxomatous mitral valve disease: the QUEST study. Journal of Veterinary Internal Medicine 22(5): 1124–1135. https://doi.org/10.1111/j.1939-1676.2008.0150.x (260 Hunde mit Herzinsuffizienz durch MMVD; Therapie der manifesten Insuffizienz)


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  • Reinero, C., Visser, L. C., Kellihan, H. B., Masseau, I., Rozanski, E., Clercx, C., Williams, K., Abbott, J., Borgarelli, M. & Scansen, B. A. (2020): ACVIM consensus statement guidelines for the diagnosis, classification, treatment, and monitoring of pulmonary hypertension in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine 34(2): 549–573. https://doi.org/10.1111/jvim.15725 (Gruppe 2 = Lungenhochdruck durch Linksherzerkrankung; PDE5-Hemmer dort nicht Mittel der ersten Wahl)


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  • Singh, M. K., Johnson, L. R., Kittleson, M. D. & Pollard, R. E. (2012): Bronchomalacia in Dogs with Myxomatous Mitral Valve Degeneration. Journal of Veterinary Internal Medicine. https://doi.org/10.1111/j.1939-1676.2012.00887.x (kein Zusammenhang zwischen Vorhofgröße und Atemwegskollaps; Atemwegsentzündung häufig)



Häufige Fragen zu MMVD beim Hund



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