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Zahngesundheit beim Hund: Was wirklich hilft

  • Autorenbild: Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
    Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs
  • 22. Juli
  • 10 Min. Lesezeit

Das Wichtigste zuerst: Fünf Dinge solltest du über die Zähne deines Hundes wissen. Erstens: Erkrankungen des Zahnhalteapparats gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die bei Hunden festgestellt werden – und sie werden massiv unterschätzt. In britischen Praxisdaten wurde sie bei 12,5 Prozent der Hunde binnen eines Jahres dokumentiert; Studien, die tatsächlich in jedes Maul geschaut haben, kommen auf 44 bis 64 Prozent. Zweitens: Betroffen sind vor allem kleine Rassen – je höher das Körpergewicht, desto niedriger das Risiko. Drittens, und das ändert den Blick aufs Thema: Zahnstein ist nicht die Krankheit. Die Krankheit spielt sich unter dem Zahnfleischrand ab, wo man nichts davon sieht. Viertens: Trockenfutter reinigt die Zähne nicht – gewöhnliche Kroketten zerbrechen beim Zubiss, ohne die Zahnfläche zu berühren. Fünftens: Zu harte Kauobjekte brechen Zähne, und zwar häufiger, als die meisten Halter ahnen.

Der Mund ist die Körperregion, in die am seltensten jemand hineinschaut – und gleichzeitig die, in der sich bei den meisten Hunden ab dem mittleren Alter etwas abspielt. Dieser Artikel erklärt, was dort passiert, warum es so lange unbemerkt bleibt und was im Alltag tatsächlich etwas bringt.

Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Aufklärung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Beurteilen lässt sich ein Gebiss nur vollständig unter Narkose, inklusive Röntgen der Zahnwurzeln.

Hund bekommt zu Hause mit einer Zahnbürste die Zähne geputzt. Eine Halterin pflegt vorsichtig das Gebiss eines kleinen Hundes und gewöhnt ihn an die tägliche Zahnpflege. Das Bild zeigt die regelmäßige Zahnreinigung beim Hund als wichtige Maßnahme zur Vorbeugung von Zahnstein und Zahnerkrankungen.

Wie eine Parodontitis entsteht

Der Ablauf ist bei Hund und Mensch im Kern derselbe, und er beginnt harmlos.

Auf der Zahnoberfläche bildet sich innerhalb von Stunden ein bakterieller Belag, die Plaque. Wird er nicht entfernt, mineralisiert er binnen weniger Tage zu Zahnstein – hart, rau und fest mit dem Zahn verbunden.

Wichtig ist hier eine Unterscheidung, die fast überall verwischt wird: Zahnstein besteht aus mineralisiertem Belag und ist kein lebendes Gewebe. Seine Bedeutung liegt darin, dass seine raue Oberfläche Plaque festhält, die natürliche Reinigung durch Zunge und Speichel erschwert und dadurch die Ansiedlung entzündungsfördernder Bakterien begünstigt. Die Zerstörung des Gewebes betreiben die Bakterien der Plaque selbst, und zwar zunehmend am Zahnfleischrand und darunter, wo in den sauerstoffarmen Taschen besonders aggressive Arten gedeihen. Das Zahnfleisch entzündet sich, wird rot, geschwollen und blutet leicht – die Gingivitis. Bis hierher ist alles noch umkehrbar.

Schreitet es fort, löst sich der Halteapparat: Zwischen Zahn und Zahnfleisch entsteht eine Tasche, die sich vertieft, das Fasergewebe wird abgebaut, und schließlich schwindet der Knochen um die Zahnwurzel. Das ist die Parodontitis, und ab hier ist der Schaden bleibend. Zähne lockern sich, Wurzeln liegen frei, und es entstehen schmerzhafte Entzündungsherde.

Der entscheidende Punkt: Diese zweite Phase spielt sich unter dem Zahnfleisch ab. Was du von außen siehst, ist bestenfalls ein Hinweis darauf.

Die Lücke zwischen diagnostiziert und vorhanden

Hier liegt der Befund, der das Thema neu einordnet.

Eine Auswertung von 22.333 Hunden in britischen Erstversorgerpraxen ermittelte für ein Jahr eine dokumentierte Häufigkeit von 12,52 Prozent – gemeint ist: Bei so vielen Hunden stand die Diagnose in der Akte (O'Neill et al. 2021).

In derselben Arbeit weisen die Autoren allerdings darauf hin, dass prospektive Studien – also solche, bei denen aktiv und systematisch untersucht wurde – auf Werte von 44 bis 63,6 Prozent kommen.

Zwischen „steht in der Akte" und „ist tatsächlich vorhanden" klafft also ein Faktor von vier bis fünf. Das ist kein Vorwurf an Praxen: Der Unterschied entsteht dadurch, dass beim Routinetermin ein Blick von der Seite ins Maul möglich ist – nicht mehr. Die Zahnfleischtaschen lassen sich am wachen Hund nicht sondieren, und die Zahnwurzeln lassen sich ohne Röntgen gar nicht beurteilen.

Für dich folgt daraus ein unbequemer, aber nützlicher Satz: „Beim letzten Termin war nichts" bedeutet nicht, dass nichts ist. Es bedeutet, dass von außen nichts auffiel.

Dieselbe Logik kennst du aus dem Arthrose-Artikel – auch dort lag die tatsächliche Häufigkeit weit über dem, was bemerkt und behandelt wurde. Es ist dasselbe Muster: Erkrankungen, die langsam kommen und nicht schreien, werden systematisch übersehen.

Warum kleine Hunde stärker betroffen sind

Ein Ergebnis derselben Untersuchung überrascht die meisten: Mit steigendem Körpergewicht sinkt das Risiko. Kleine Hunde sind also stärker betroffen, nicht große.

Die höchsten Werte fanden sich beim Zwergpudel, dessen Risiko fast das Vierfache eines Mischlings betrug, dazu King Charles Spaniel, Greyhound und Cavalier King Charles Spaniel. Kurzköpfige Rassen lagen ebenfalls höher, Spaniel-Typen ebenso.

Der Grund ist Geometrie. Die Zahngröße hat sich im Lauf der Rassezucht nicht im gleichen Maß verkleinert wie der Kiefer. In einem verkürzten Kiefer stehen die Zähne dadurch enger, teils gedreht oder verschoben. Enge Zwischenräume lassen sich schlechter reinigen, Futterreste bleiben liegen, und der Belag hat mehr Angriffsfläche.

Praktisch heißt das: Gerade die kleinen Hunde, bei denen Halter am ehesten denken „der frisst ja nur Weiches, der braucht das nicht", gehören zur Hauptrisikogruppe.



Woran du es erkennst

Die Zeichen sind leise, und der wichtigste ist der, den fast alle für normal halten.

Mundgeruch. „Hundeatem" ist keine Rasseeigenschaft. Deutlicher, fauliger Geruch ist ein bakterieller Prozess und damit ein Befund.

Rotes, geschwollenes Zahnfleisch, vor allem am Übergang zum Zahn, und Blut am Kauspielzeug oder im Wassernapf.

Zahnstein als gelbbraune bis grüne Auflagerung, besonders an den großen Backenzähnen oben.

Verändertes Fressverhalten: einseitiges Kauen, Fallenlassen von Futter, Meiden harter Sachen, langsameres Fressen.

Speicheln, Pfoten am Maul, Kopfschütteln.


Rückzug und Reizbarkeit – chronischer Zahnschmerz senkt die Reizschwelle, genau wie andere Dauerschmerzen.

Was du nicht erwarten solltest, ist eine deutliche Schmerzäußerung. Hunde fressen mit erheblichen Zahnschmerzen weiter. Die Vorstellung, „er würde es schon zeigen", ist der Hauptgrund, warum so lange gewartet wird.

Warum Zahnstein nicht das eigentliche Problem ist

Diese Unterscheidung entscheidet über fast alles, was danach kommt.

Zahnstein selbst ist mineralisierter Belag – hart, sichtbar und für sich genommen nicht schmerzhaft. Er ist ein Risikofaktor, weil er der lebenden Plaque Halt und Schutz bietet und weil er den Rand ins Zahnfleisch drückt. Aber er ist nicht die Erkrankung.

Die Erkrankung ist der Abbau des Halteapparats in der Tiefe. Und daraus folgt zweierlei.

Ein Gebiss kann sauber aussehen und trotzdem krank sein. Umgekehrt kann ein Hund sichtbaren Zahnstein haben, während der Halteapparat weitgehend intakt ist.

Die reine Entfernung des sichtbaren Zahnsteins behandelt nichts. Sie stellt den Zustand her, den man sehen wollte, nicht den, der zählt. Genau das ist der Grund, warum die Zahnreinigung ohne Narkose fachlich nicht überzeugt: Unter den Zahnfleischrand kommt man am wachen Hund weder mit dem Instrument noch mit dem Blick, und Röntgenaufnahmen der Wurzeln sind gar nicht möglich.

Was bei einer Zahnsanierung passiert

Der Ablauf ist mehr als „Zahnstein abkratzen", und es lohnt zu wissen, was eine gute Sanierung ausmacht.

Unter Narkose wird zuerst das gesamte Gebiss befundet: Jeder Zahn wird einzeln beurteilt, die Zahnfleischtaschen werden mit einer Sonde gemessen, Lockerung und Furkationen werden geprüft. Anschließend folgt in aller Regel ein Zahnröntgen – der Teil, den viele nicht auf dem Schirm haben und der einen erheblichen Anteil der Befunde überhaupt erst sichtbar macht, weil abgestorbene Wurzeln und Knochenabbau von außen unsichtbar sind.


Dann wird gereinigt, und zwar oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrands. Der zweite Teil ist der eigentlich therapeutische. Zum Abschluss werden die Zähne poliert, weil eine raue Oberfläche nach der Reinigung sonst schneller neuen Belag ansetzt.

Zähne, die nicht zu erhalten sind, werden gezogen. Das klingt drastisch und ist es nicht: Ein entzündeter, gelockerter Zahn ist eine dauerhafte Schmerzquelle, und Hunde kommen ohne einzelne Zähne bemerkenswert gut zurecht. Wer zögert, verlängert nur den Schmerz.


Eine gute Praxis erklärt dir vorher, dass der Umfang erst unter Narkose feststeht – seriös lässt sich das vorab nicht auf den Zahn genau beziffern.


Zähneputzen: der einzige Goldstandard

Es gibt viele Produkte und genau eine Maßnahme mit klarem Wirkprinzip: das mechanische Entfernen der Plaque, bevor sie mineralisiert.


Entscheidend ist dabei die Frequenz, nicht die Gründlichkeit – und dafür gibt es einen biologischen Grund. Plaque kann innerhalb kurzer Zeit mineralisieren und zu Zahnstein werden; wie schnell, hängt unter anderem von Speichelzusammensetzung, Fütterung, Mundflora und Zahnstellung ab. Solange der Belag weich ist, lässt er sich mit der Bürste entfernen. Ist er verkalkt, hilft nur noch das Instrument in der Praxis.

Daraus ergibt sich die Faustregel: täglich ist ideal, dreimal die Woche die untere sinnvolle Grenze. Einmal wöchentlich ausgiebig zu putzen bringt dagegen wenig, weil ein Teil des Belags bis dahin längst hart geworden ist.

Praktisch:

Nur Zahnpasta für Hunde. Menschliche enthält Fluorid und teils Xylit – Letzteres ist für Hunde hochgiftig.

Geputzt wird außen. Die Innenseiten werden durch die Zunge weitgehend mitgereinigt; der Aufwand lohnt dort nicht.

Aufbau in kleinen Schritten, über Tage bis Wochen: erst Finger am Maul, dann Zahnpasta vom Finger lecken lassen, dann Finger an den Zähnen, dann Bürste. Wer sofort mit der Bürste anfängt, hat nach drei Versuchen einen Hund, der sich abwendet.

Das ist im Kern ein Trainingsthema, kein medizinisches – und deshalb etwas, das gut in die Welpenzeit gehört, lange bevor es nötig wird.



Was Futter leisten kann – und was nicht

Hier hält sich der hartnäckigste Mythos: „Trockenfutter reinigt die Zähne."

Gewöhnliche Kroketten tun das nicht, und dafür gibt es zwei Gründe.

Der erste ist der Ort des Kontakts. Der Hund beißt mit der Spitze der Zahnkrone in die Krokette, und die platzt sofort auf. Berührt wird dabei höchstens die Kaufläche ganz oben – der Bereich am Zahnfleischsaum, in dem die Parodontitis überhaupt erst entsteht, bleibt völlig unberührt. Gereinigt wird also ausgerechnet dort nicht, wo es zählt.

Der zweite ist banaler: Viele Hunde, vor allem schlingende, schlucken Trockenfutter weitgehend unzerkaut herunter. Dann findet gar kein Kontakt statt.

Anders sieht es bei speziellen Zahnpflegediäten aus. Deren Kroketten sind größer und mit einer Fasermatrix aufgebaut, die dem sofortigen Zerbrechen widersteht: Der Zahn dringt ein, statt die Krokette zu sprengen, und wird dabei über eine größere Fläche mechanisch abgerieben. Für diese Produkte gibt es Wirksamkeitsnachweise.

Woran du sie erkennst: am VOHC-Siegel. Der Veterinary Oral Health Council wurde 1997 innerhalb des amerikanischen Zahnmedizin-Fachkollegiums gegründet und prüft Produkte anhand vorgegebener Studienprotokolle; verlangt werden mindestens zwei Studien, und das Siegel gibt es nur bei einer nachgewiesenen Reduktion von Belag oder Zahnstein um mindestens 20 Prozent. Beim Blick auf die Verpackung lohnt eine Unterscheidung: Das Siegel wird getrennt für Plaque (Belag) und für Tartar (Zahnstein) vergeben, und manche Produkte tragen nur eines von beiden. Ein Produkt, das nur den Zahnstein reduziert, verhindert im Wesentlichen das Verkalken – gegen die lebende Plaque, die die Entzündung antreibt, tut es wenig. Wer die Wahl hat, nimmt ein Produkt mit beiden Angaben.

Bemerkenswert offen ist der VOHC noch in einem weiteren Punkt: Er vergibt keine Aussagen zur Verringerung von Zahnfleischentzündung – das Siegel steht für Belag und Zahnstein, nicht für die Erkrankung selbst.

Und die wichtigste Einschränkung gilt für alle diese Produkte: Keines wirkt unter dem Zahnfleischrand. Sie verlangsamen, was oben passiert. Was unten passiert, erreichen sie nicht.

Kauartikel: Nutzen und Bruchgefahr

Kauen ist gut – für die Zähne, für die Beschäftigung und für die Beruhigung. Die Frage ist womit.

Das Risiko ist nicht theoretisch: Zu harte Objekte brechen Zähne, typischerweise den großen Backenzahn im Oberkiefer, und meist als Absplitterung der Außenseite. Solche Frakturen bleiben oft monatelang unbemerkt, weil der Hund normal weiterfrisst – während die Pulpa freiliegt und sich entzündet.

Eine brauchbare Faustregel: Was du mit dem Fingernagel nicht eindrücken kannst und was dir wehtun würde, wenn es dir aufs Knie fällt, ist zu hart. Damit fallen Geweihe, Hufe, sehr harte Nylonknochen, gefrorene Objekte und Steine heraus – ebenso Stöcke, die zusätzlich splittern und Rachenverletzungen verursachen.

Geeignet sind nachgiebige Kauartikel, die sich unter Druck verformen, sowie Kauprodukte mit VOHC-Siegel. Wichtig bleibt die Größe: zu klein bedeutet Verschluckungsgefahr.




Welpen: Zahnwechsel und was dabei schiefgehen kann

Zwischen etwa dem vierten und siebten Lebensmonat werden die Milchzähne durch bleibende ersetzt. Meist verläuft das unauffällig, und die Milchzähne werden verschluckt, ohne dass jemand sie findet.


Zwei Dinge lohnen ein Auge.


Persistierende Milchzähne – ein Milchzahn fällt nicht aus, während der bleibende schon durchbricht. Am häufigsten betrifft das die Eckzähne. Stehen zwei Zähne nebeneinander, entsteht genau die Enge, in der sich Belag festsetzt, und die Stellung des bleibenden Zahns kann leiden. Solche Zähne gehören zeitnah entfernt, nicht abgewartet.


Fehlstellungen, bei denen ein Zahn beim Schließen auf Zahnfleisch oder Gaumen trifft. Das ist schmerzhaft und muss beurteilt werden.


Ein Blick ins Maul während des Zahnwechsels ist deshalb sinnvoll – und nebenbei die beste Gelegenheit, das Anfassen am Maul zu trainieren, solange der Hund es leicht lernt.



Der Zusammenhang mit anderen Organen

Ein chronisch entzündeter Zahnhalteapparat kann wiederholt Bakterien und Entzündungsbotenstoffe in den Körper gelangen lassen. Diskutiert werden daraus folgende Belastungen für Herz, Niere und Leber.


Hier ist Vorsicht angebracht: Die Zusammenhänge sind plausibel und werden breit angenommen, aber sauber belegte Ursache-Wirkung-Ketten sind beim Hund dünn gesät. Wer eine Zahnsanierung mit der Rettung der Niere begründet, überzieht.


Was auch ohne diesen Zusammenhang trägt, ist einfacher: Eine Parodontitis ist chronischer Schmerz. Das allein reicht als Grund.




Was du zu Hause tun kannst

Schau einmal die Woche hinein. Lippe hochheben, beide Seiten ansehen, kurz riechen. Dreißig Sekunden.


Fang mit dem Putzen an, auch wenn du spät dran bist. Zwei Minuten täglich schlagen jedes Produkt.


Nimm Mundgeruch ernst statt ihn zu überdecken.


Prüfe Kauartikel mit dem Fingernagel, bevor du sie gibst.


Achte auf einseitiges Kauen – es ist oft das erste Zeichen und wird fast immer übersehen.


Lass das Gebiss beim Jahrescheck ansprechen und frag konkret nach, ob eine Beurteilung unter Narkose sinnvoll wäre. Bei kleinen Rassen ab dem mittleren Alter lautet die Antwort öfter ja, als die meisten erwarten.



Grenzen der Evidenz

Die Häufigkeitszahlen stammen aus britischen Praxisdaten und aus prospektiven Studien mit unterschiedlichen Untersuchungsmethoden und Falldefinitionen. Die Spanne von 44 bis 64 Prozent spiegelt genau diese Unterschiede – sie ist eine Größenordnung, kein Messwert.

Der dokumentierte Wert von 12,5 Prozent misst zudem etwas anderes als die Erkrankung: Er misst, wie oft eine Diagnose in die Akte kam. Beides zu vergleichen ist erhellend, aber es ist kein direkter Vergleich zweier Messungen derselben Sache.


Bei den Zahnpflegediäten beziehen sich die Nachweise auf Belag und Zahnstein, nicht auf den Verlauf der Parodontitis. Ob ein Produkt tatsächlich Zahnverluste verhindert, ist damit nicht gezeigt.


Und für die Faustregeln zur Härte von Kauartikeln gibt es keine kontrollierten Studien, sondern klinische Erfahrung aus der Zahnmedizin.



Fazit

Erkrankungen des Zahnhalteapparats gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die bei Hunden festgestellt werden – und zu den am zuverlässigsten übersehenen – die Lücke zwischen dokumentierten 12,5 Prozent und den 44 bis 64 Prozent aus Untersuchungsstudien zeigt, wie groß der blinde Fleck ist. Betroffen sind vor allem kleine Rassen, und die entscheidende Erkenntnis ist, dass das sichtbare Problem nicht das eigentliche ist: Zahnstein ist ein Risikofaktor, die Krankheit sitzt darunter. Was hilft, ist unspektakulär und vor allem konsequent – regelmäßig hineinschauen, regelmäßig putzen, harte Kauobjekte weglassen und eine Beurteilung unter Narkose nicht aufschieben, bis ein Zahn locker ist.




Quellen

  • O'Neill, D. G., Mitchell, C. E., Humphrey, J., Church, D. B., Brodbelt, D. C. & Pegram, C. (2021): Epidemiology of periodontal disease in dogs in the UK primary-care veterinary setting. Journal of Small Animal Practice. https://doi.org/10.1111/jsap.13405 (22.333 Hunde; dokumentierte Einjahres-Häufigkeit 12,52 %; prospektive Studien mit Werten von 44 bis 63,6 % zitiert; höchste Risiken bei Zwergpudel, King Charles Spaniel, Greyhound und Cavalier King Charles Spaniel; sinkendes Risiko mit steigendem Körpergewicht; brachyzephale Rassen 1,25-fach, Spaniel-Typen 1,63-fach erhöht)


  • O'Neill, D. G., Church, D. B., McGreevy, P. D., Thomson, P. C. & Brodbelt, D. C. (2014): Prevalence of Disorders Recorded in Dogs Attending Primary-Care Veterinary Practices in England. PLOS ONE. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0090501 (häufigste dokumentierte Diagnosen: Ohrentzündung 10,2 %, Parodontalerkrankung 9,3 %, Analbeutelverstopfung 7,1 %)

  • Veterinary Oral Health Council (VOHC). https://vohc.org/ (Vergabe des VOHC-Siegels für Produkte zur Verringerung von Belag und Zahnstein; Gremium aus neun Fachtierärztinnen und -ärzten für Zahnmedizin und Dentalwissenschaftlern; VOHC führt die Studien nicht selbst durch, sondern prüft eingereichte Daten)

  • Royal Canin Academy: The VOHC seal – what does it mean. https://academy.royalcanin.com/en/veterinary/the-vohc-seal-what-does-it-mean (VOHC 1997 innerhalb des American Veterinary Dental College gegründet; mindestens zwei Studien je Produkt erforderlich; ausdrücklich keine Produktaussage zur Verringerung von Gingivitis)


Die häufigsten Fragen zur Zahngesundheit beim Hund



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