Hund hustet: Ursachen erkennen und richtig reagieren
- Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs

- 24. Juli
- 11 Min. Lesezeit
Das Wichtigste zuerst: Fünf Dinge solltest du über Husten beim Hund wissen. Erstens: Husten ist kein Symptom, sondern ein Schutzreflex – der Körper räumt die Atemwege frei. Wer ihn nur unterdrückt, ohne die Ursache zu kennen, nimmt dem Hund ein Werkzeug weg. Zweitens: Die häufigste akute Ursache ist der Zwingerhusten, heute Canine Infectious Respiratory Disease Complex (CIRDC) genannt – meist harmlos, aber hochansteckend. Drittens: Bei chronischem Husten stehen bei kleinen Rassen Trachealkollaps und chronische Bronchitis ganz oben, nicht das Herz. Viertens: Es gibt Ursachen, an die kaum jemand denkt – Lungenwürmer etwa wurden in deutschen Untersuchungen besonders häufig in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland nachgewiesen, und sie können lebensbedrohliche Blutungsstörungen auslösen. Fünftens: Bestimmte Begleitzeichen machen aus Husten sofort einen Notfall, allen voran Atemnot, blaue Schleimhäute und Zusammenbruch.
Husten ist einer der häufigsten Gründe, warum Hunde vorgestellt werden – und einer der Gründe, bei denen am meisten falsch geraten wird. Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Ursachen ein, erklärt, worauf du beim Zuhören und Beobachten achten kannst, und was in der Praxis passiert.
Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Aufklärung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Husten, der länger als wenige Tage anhält, sich verschlechtert oder mit Atemnot einhergeht, gehört tierärztlich abgeklärt.

Husten ist ein Schutzreflex, kein Defekt
Bevor es um Ursachen geht, lohnt ein Blick auf den Mechanismus. In den großen Atemwegen – Kehlkopf, Luftröhre, große Bronchien – sitzen Hustenrezeptoren. Werden sie gereizt, folgt ein festgelegter Ablauf: tiefes Einatmen, Verschluss der Stimmritze, Aufbau von Druck, explosionsartige Öffnung. Der Luftstrom reißt mit, was nicht in die Atemwege gehört.
Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Husten ist sinnvoll. Ein Hund, der Schleim, Fremdmaterial oder Sekret abhustet, tut etwas Richtiges. Zweitens, und das erklärt viele Fehldeutungen: Weil die Rezeptoren oben sitzen, löst nicht jedes Problem tief in der Lunge Husten aus. Flüssigkeit in den Lungenbläschen etwa erzeugt eher schnelle, angestrengte Atmung als Husten.
Husten sagt dir also zuverlässig, dass die großen Atemwege gereizt sind. Woher die Reizung kommt, sagt er nicht.
Wie der Husten klingt und wann er auftritt
Der Klang beweist nichts, aber er engt ein. Es lohnt sich, vor dem Termin ein Handyvideo aufzunehmen – Hunde husten in der Praxis notorisch nicht, und ein Video ist oft aussagekräftiger als jede Beschreibung.
Trocken und hart, „hupend" oder gänseartig: klassisch für Reizungen der Luftröhre, allen voran den Trachealkollaps. Tritt typischerweise bei Aufregung, Zug am Halsband, Trinken oder Hitze auf.
Trocken, bellend, in Anfällen, oft mit Würgen am Ende: typisch für Zwingerhusten. Viele Halter beschreiben, der Hund habe „etwas im Hals" – tatsächlich ist es der gereizte Kehlkopf.
Feucht, rasselnd, produktiv: deutet eher auf Sekret in den unteren Atemwegen hin, etwa bei chronischer Bronchitis oder Lungenentzündung. Der Hund wirkt dabei oft, als müsse er etwas hochholen, und manchmal wird tatsächlich Schleim ausgeworfen – den viele Hunde anschließend wieder abschlucken, sodass er unbemerkt bleibt.
Genauso wichtig ist der Zeitpunkt. Husten nur bei Belastung, nur nachts, nur nach dem Fressen oder Trinken, nur im Sommer – jedes dieser Muster verschiebt die Wahrscheinlichkeiten. Husten direkt nach dem Fressen kann etwa auf Probleme beim Schluckvorgang hinweisen. Notiere das mit, es ist für die Praxis wertvoller, als die meisten Halter ahnen.
Wann du sofort zum Tierarzt musst
Diese Zeichen bedeuten keinen Termin nächste Woche, sondern jetzt:
Atemnot: angestrengte Atmung, weit gestellte Ellbogen, gestreckter Hals, offenes Maul in Ruhe
Blasse, graue oder bläuliche Schleimhäute an Zahnfleisch oder Zunge
Zusammenbruch, Ohnmacht oder ausgeprägte Schwäche
Blut im Hustenauswurf, Nasenbluten oder ungewöhnliche blaue Flecken an der Haut
Husten nach einem Erstickungsanfall oder nach dem Spiel mit Stöcken, Bällen oder Kauartikeln
Schnelle Verschlechterung innerhalb von Stunden
Dauerhaft erhöhte Ruhe-Atemfrequenz, also anhaltend mehr als etwa 30 Atemzüge pro Minute beim entspannt schlafenden Hund
Fehlen solche Warnzeichen, kann man bei einem ansonsten fitten Hund zunächst beobachten. Hält der Husten jedoch an oder kehrt er wieder, gehört er abgeklärt – als grober Anhaltspunkt spätestens nach ein bis zwei Wochen, auch wenn der Hund ansonsten fit wirkt.
Zwingerhusten (CIRDC): die häufigste akute Ursache
Der Name ist irreführend, denn mit Zwingern hat es wenig zu tun. Fachlich heißt das Bild heute Canine Infectious Respiratory Disease Complex (CIRDC), und „Komplex" ist das entscheidende Wort: Dahinter steht kein einzelner Erreger, sondern ein ganzes Bündel – unter anderem das canine Parainfluenzavirus, das canine Adenovirus Typ 2, das Bakterium Bordetella bronchiseptica, Mykoplasmen und weitere. Oft sind mehrere gleichzeitig beteiligt.
Angesteckt wird sich überall dort, wo Hunde zusammenkommen: Hundewiese, Pension, Tierheim, Welpengruppe, Tierarztwartezimmer. Typisch ist ein plötzlich einsetzender, trockener, anfallsartiger Husten bei einem sonst munteren Hund mit gutem Appetit.
Die gute Nachricht: Bei ansonsten gesunden, erwachsenen Hunden heilt das meist innerhalb von ein bis drei Wochen von selbst aus. Antibiotika sind nicht automatisch nötig – ein großer Teil der Fälle ist viral, und dagegen richten sie nichts aus. Ernst wird es bei Welpen, alten Hunden, vorerkrankten Tieren sowie dann, wenn Fieber, Fressunlust oder Atemnot dazukommen.
Zur Impfung, sauber eingeordnet: Sie ist laut StIKo Vet eine Non-Core-Impfung, also nicht für jeden Hund vorgesehen, sondern für Hunde mit viel Kontakt zu Artgenossen – Pension, Tierheim, Welpengruppe. Wichtig ist eine ehrliche Erwartung: Nach Zulassung können die Impfstoffe die durch Bordetella bronchiseptica verursachten Symptome verringern, eine Infektion aber nicht verhindern. Sie deckt außerdem nur einen Teil der beteiligten Erreger ab. Der Schutz hält höchstens ein Jahr. Und der Zeitpunkt zählt: Bei den intranasalen Impfstoffen ist etwa 72 Stunden nach der Impfung mit Wirkung zu rechnen, sie sollte mindestens eine Woche vor der Exposition erfolgen; beim oralen Impfstoff setzt der Schutz erst nach drei Wochen ein. Wer den Tag vor dem Pensionsaufenthalt impfen lässt, hat nichts gewonnen.
Trachealkollaps und chronische Bronchitis: die Dauerhuster
Bei Hunden, die über Monate oder Jahre husten, stehen zwei Diagnosen ganz oben – und beide betreffen bevorzugt kleine, ältere Rassen.
Beim Trachealkollaps verliert die Luftröhre ihre Stabilität. Die knorpeligen Spangen werden weich, das Rohr fällt beim Atmen teilweise in sich zusammen. Das Ergebnis ist der charakteristische harte, hupende Husten, der bei Aufregung, Hitze, Anstrengung und Zug am Hals zunimmt. Betroffen sind klassisch Yorkshire Terrier, Zwergpudel, Chihuahua, Mops und andere kleine Rassen.
Zwei Stellschrauben liegen dabei direkt bei dir. Übergewicht verschlechtert die Situation messbar, Abnehmen ist eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen überhaupt. Und Zug am Hals muss weg: Ein gut sitzendes Brustgeschirr statt Halsband ist bei diesen Hunden keine Geschmacksfrage.
Die chronische Bronchitis ist eine anhaltende Entzündung der unteren Atemwege. Der Husten ist häufig feuchter, kommt oft morgens und nach Ruhephasen, und er begleitet den Hund über Jahre. Beide Erkrankungen treten häufig gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig – und beide finden sich mit Vorliebe bei genau den Hunden, die im Alter auch ein Herzgeräusch entwickeln. Genau daraus entsteht die Verwechslung, um die es weiter unten geht.
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Lungenwürmer: im Saarland ein unterschätztes Thema
Das ist die Ursache, an die am seltensten gedacht wird – und ausgerechnet hier bei uns die mit der höchsten Relevanz.
Der Französische Herzwurm (Angiostrongylus vasorum) ist ein Parasit, der in den Lungenarterien und im rechten Herzen lebt. Hunde stecken sich an, indem sie Schnecken fressen – absichtlich oder beiläufig mit Gras, aus der Wasserschale im Garten oder vom Spielzeug, das über Nacht draußen lag. Ein zweiter, verwandter Wurm, Crenosoma vulpis, kommt auf demselben Weg.
Lange galt das als Randthema. Eine Untersuchung von 810 Hunden mit ungeklärter Lungen-, Kreislauf- oder Gerinnungssymptomatik zeichnete jedoch ein anderes Bild: Bei 13 Prozent wurden Lungenwürmer gefunden – 7,4 Prozent A. vasorum, 6 Prozent C. vulpis. Entscheidend ist die regionale Verteilung: Die meisten Nachweise stammten aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, während etwa Bayern deutlich weniger betroffen war (Barutzki & Schaper 2009). Spätere Arbeiten aus Bayern bestätigten dieses Nord-Süd-Gefälle mit dort sehr niedrigen Werten.
Für Hundehalter im Saarland heißt das schlicht: Diese Diagnose gehört bei unklarem Husten auf den Tisch.
Umgekehrt bedeutet es nicht, dass anderswo Entwarnung gilt. In derselben Untersuchung fanden sich Nachweise in nahezu allen einbezogenen Bundesländern, nur eben in sehr unterschiedlicher Dichte. Hinzu kommt der eigentliche Motor im Hintergrund: Der Fuchs ist der natürliche Wirt beider Wurmarten und deutlich häufiger befallen als der Hund. Wo viele Füchse leben – ländlich, aber zunehmend auch am Stadtrand –, ist mit Lungenwürmern zu rechnen, unabhängig vom Bundesland.
Was den Parasiten besonders macht, ist die Bandbreite der Beschwerden. Husten und schnelle Ermüdung sind das eine. Daneben verursacht A. vasorum aber häufig Gerinnungsstörungen – und die zeigen sich als Nasenbluten, blaue Flecken in der Haut, Blut im Kot oder unerklärliche Blutungen nach kleinen Verletzungen. Ein Hund, der hustet und ungewöhnlich leicht blutet, ist ein Alarmsignal. Auch neurologische Ausfälle kommen vor. Ein Teil der befallenen Hunde bleibt zunächst völlig unauffällig.
Nachgewiesen wird der Wurm über Larven im Kot, meist mit dem Auswanderungsverfahren nach Baermann. Wichtig für dich: Eine einzelne negative Kotprobe schließt nichts aus. Die Larven werden schubweise ausgeschieden, deshalb wird üblicherweise über drei aufeinanderfolgende Tage gesammelt; ergänzend gibt es Antigentests aus dem Blut. Behandelt wird mit bestimmten Entwurmungswirkstoffen, und die Prognose ist bei rechtzeitiger Diagnose gut – unbehandelt kann die Infektion tödlich verlaufen. Deshalb lohnt es sich, bei chronischem Husten ohne klare Erklärung aktiv nach dem Lungenwurm zu fragen, statt darauf zu warten.
Fremdkörper, Grannen und Verletzungen im Rachen
Beginnt der Husten plötzlich, bei einem Hund, der eben noch völlig gesund war, ändert sich die Rangfolge sofort. Dann steht ein Fremdkörper ganz oben.
Klassiker sind Stöcke, die beim Apportieren splittern oder sich in den Rachen bohren, Teile von Kauartikeln, Ballstücke und Grasrispen. Besonders tückisch sind Grannen: Diese Ährenteile haben Widerhaken, die nur eine Richtung erlauben. Werden sie eingeatmet, wandern sie tiefer in die Atemwege und können dort schwere Entzündungen und Abszesse auslösen. Typisch ist plötzlicher, heftiger Husten nach einem Spaziergang durch trockenes Gras, oft im Sommer.
Ein Fremdkörper verschwindet nicht von selbst, und Abwarten macht die Sache schlechter. Plötzlicher heftiger Husten oder Würgen bei einem vorher gesunden Hund gehört zeitnah untersucht.
Kommt der Husten vom Herzen?
Diese Frage stellen die meisten Halter zuerst, wenn der Hund älter wird und ein Herzgeräusch bekannt ist. Die ehrliche Antwort lautet: seltener, als fast überall behauptet wird.
Die Hustenrezeptoren sitzen in den oberen Atemwegen, ein Lungenödem sammelt sich in den Lungenbläschen. Eine Herzinsuffizienz zeigt sich deshalb vor allem durch schnelle und angestrengte Atmung, nicht in erster Linie durch Husten. Und genau die kleinen, alten Hunde, die eine Herzklappenerkrankung entwickeln, haben besonders oft gleichzeitig einen Trachealkollaps oder eine chronische Bronchitis. Zwei Baustellen im selben Hund – und der Husten geht dabei oft nicht auf das Herz zurück.
Das heißt nicht, dass das Herz nie beteiligt ist. Es heißt, dass ein Herzgeräusch plus Husten noch keine Diagnose ist. Der verlässlichere Wert ist die Ruhe-Atemfrequenz beim schlafenden Hund: Anhaltend mehr als etwa 30 Atemzüge pro Minute sind bei einem sonst stabilen Hund ein Warnzeichen – unabhängig davon, ob er hustet oder nicht. Wie das im Detail zusammenhängt, welche Rolle die Größe des linken Vorhofs spielt und warum Entwässerungsmittel hier trügerisch wirken können, steht in den beiden Herzartikeln.
Seltenere Ursachen, die man kennen sollte
Lungenentzündung: meist mit Fieber, Abgeschlagenheit und Fressunlust. Eine Sonderform entsteht, wenn Futter oder Erbrochenes in die Lunge gelangt – ein Risiko bei Schluckstörungen und bei Hunden nach einer Narkose.
Kehlkopflähmung (Larynxparalyse): eher bei größeren, älteren Hunden. Führend sind ein raues Atemgeräusch, heiseres Bellen und deutliche Probleme bei Wärme und Belastung.
Tumoren in Lunge, Atemwegen oder Brustkorb: insgesamt selten, aber im Alter Teil der Überlegungen, vor allem bei Husten, der über Wochen zunimmt und mit Gewichtsverlust einhergeht.
Allergisch-entzündliche Atemwegserkrankungen: oft saisonal oder an bestimmte Umgebungen gebunden.
Reizstoffe im Haushalt: Rauch, Sprays, Räucherstäbchen, Staub bei Renovierungen. Der Hund atmet dieselbe Luft wie du, nur dichter am Boden.
Was in der Tierarztpraxis passiert
Am Anfang stehen Vorbericht und Abhören von Herz und Lunge. Der Vorbericht ist dabei kein Vorgeplänkel, sondern das wichtigste Werkzeug: Wie lange, wie klingt es, wann tritt es auf, welche Kontakte gab es, welche Vorerkrankungen, welche Region, welche Entwurmung – das engt mehr ein als jedes Einzelbild.
Der nächste Schritt ist meist ein Röntgenbild des Brustkorbs. Es zeigt Herzgröße, Lungenstruktur, Fremdkörper und Stauungszeichen. Häufig folgt eine Kotuntersuchung auf Lungenwurmlarven über drei Tage – bei uns in der Region besonders sinnvoll. Je nach Verdacht kommen ein Herzultraschall, eine Blutuntersuchung oder eine Spiegelung der Atemwege mit Probenentnahme dazu.
Was dabei auffällt: Bei chronischem Husten ist meist mehr als ein Verfahren nötig. Wer nach einem unauffälligen Röntgenbild aufgibt, findet den Lungenwurm nie.
Warum Hustenstiller nicht der erste Griff sind
Der Reflex ist verständlich: Der Hund hustet, also soll der Husten weg. Bei einem Schutzreflex ist das aber der falsche Zugriff.
Hat der Hund eine Lungenentzündung, muss er Sekret abhusten. Steckt ein Fremdkörper in den Atemwegen, ist der Husten der Versuch, ihn loszuwerden. Wird der Reflex gedämpft, verschwindet das sichtbare Zeichen, während sich die Ursache in Ruhe weiterentwickelt. Hustendämpfende Mittel haben durchaus ihren Platz – etwa bei einem quälenden Reizhusten beim Trachealkollaps –, aber eben nach der Diagnose und tierärztlich verordnet, nicht davor.
Besonders gefährlich ist der Griff in die eigene Hausapotheke. Menschliche Hustenmittel sind für Hunde nicht gedacht, manche enthalten Wirkstoffe, die bei Hunden anders oder gar nicht wirken, und gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sind für Hunde ausgesprochen gefährlich. Auch pflanzliche Präparate sind nicht automatisch harmlos: Sie sind nicht auf den Hund dosiert, manche Pflanzenauszüge reizen den Magen-Darm-Trakt – und sie verdecken die Ursache genauso zuverlässig wie ein chemischer Hustenstiller.
Was du zu Hause tun kannst
Dokumentiere. Ein Handyvideo des Hustens, eine Notiz zu Dauer, Klang, Tageszeit und Auslösern, dazu die Ruhe-Atemfrequenz beim schlafenden Hund. Das kostet nichts und verkürzt die Diagnostik spürbar.
Nimm Zug vom Hals. Brustgeschirr statt Halsband ist bei jedem hustenden Hund sinnvoll und bei Trachealkollaps notwendig.
Halte deinen Hund schlank. Das ist bei Atemwegserkrankungen keine Nebensache, sondern eine der wenigen Maßnahmen mit direkter Wirkung.
Reduziere Reizstoffe. Nicht in Gegenwart des Hundes rauchen, auf Sprays und stark duftende Reiniger verzichten, bei trockener Heizungsluft für Feuchtigkeit sorgen.
Passe die Belastung an, ohne ganz zu stoppen. Ruhige, gleichmäßige Spaziergänge statt Belastungsspitzen, bei Hitze deutlich zurückstecken.
Halte Abstand, solange der Verdacht auf CIRDC besteht. Das gehört zur Rücksicht gegenüber anderen Hunden – gerade in Gruppenkursen und auf Hundewiesen.
Grenzen der Evidenz
Beim Husten ist vieles weniger gesichert, als der bestimmte Ton mancher Ratgeber vermuten lässt.
Die Prävalenzzahlen zu Lungenwürmern stammen überwiegend aus Untersuchungen an vorselektierten Hunden – also solchen, die ohnehin wegen verdächtiger Symptome vorgestellt wurden. Sie sagen deshalb etwas über die Wahrscheinlichkeit bei unklarem Husten aus, aber nichts über die Durchseuchung der Hundepopulation insgesamt. Zudem wurden die Proben der deutschlandweiten Referenzerhebung zwischen 2007 und 2009 gesammelt. Neuere Zahlen dieser Reichweite fehlen bislang. Die Verbreitung von Parasiten ist aber nichts Statisches: Sie hängt an Klima, Schneckenvorkommen und Fuchsdichte. Die regionale Rangfolge von damals sollte man deshalb als Hinweis lesen, nicht als festen Befund – in beide Richtungen.
Beim CIRDC ist die Zusammensetzung der beteiligten Erreger regional und über die Zeit unterschiedlich, und für viele Behandlungsansätze gibt es keine belastbaren kontrollierten Studien bei Hunden. Vieles beruht auf klinischer Erfahrung.
Und die Zuordnung von Hustenklang zu Ursache, die auch dieser Artikel nutzt, ist eine Faustregel und kein Beweis. Sie hilft beim Sortieren – ersetzt aber keine Untersuchung.
Fazit
Husten ist ein Schutzreflex und ein Hinweis darauf, dass die großen Atemwege gereizt sind – mehr sagt er nicht. Akut und bei sonst munterem Hund steht meist der Zwingerhusten dahinter, der oft von selbst ausheilt. Chronisch und bei kleinen, älteren Hunden sind Trachealkollaps und chronische Bronchitis die häufigsten Erklärungen, deutlich häufiger als das Herz. Und im Saarland gehört der Lungenwurm zu den Ursachen, die man aktiv ausschließen sollte, statt sie zu vergessen – gerade wenn Husten und ungewöhnliche Blutungsneigung zusammentreffen. Was in fast allen Fällen falsch ist: den Husten zu dämpfen, bevor irgendjemand weiß, wogegen.
Quellen
Barutzki, D. & Schaper, R. (2009): Natürliche Infektionen mit Angiostrongylus vasorum und Crenosoma vulpis bei Hunden in Deutschland (2007–2009). Der Praktische Tierarzt. (810 Hunde mit respiratorischer, kardiovaskulärer, neurologischer oder Gerinnungssymptomatik; 13,0 % Lungenwurmbefall – 7,4 % A. vasorum, 6,0 % C. vulpis; regionale Schwerpunkte Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Saarland)
Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut: Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, Stand 06.01.2025. https://www.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/leitlinien/dokumente/impfleitlinien/Impfleitlinie_Kleintiere_2025-01-06.pdf (B. bronchiseptica als Non-Core-Impfung; Symptomreduktion, kein Infektionsschutz; Immunitätsbeginn intranasal ca. 72 h, oral 3 Wochen; Immunitätsdauer max. 1 Jahr; Bezeichnung CIRDC statt Zwingerhustenkomplex)
Rishniw, M., Borgarelli, M., Ferasin, L. & Menciotti, G. (2026): Severe left atrial enlargement, but not congestive heart failure, increases the probability of coughing in dogs with mitral valve disease. Journal of the American Veterinary Medical Association 264(5). https://doi.org/10.2460/javma.25.07.0507 (Herzinsuffizienz erklärt die Hustenwahrscheinlichkeit nicht zuverlässig)
van Opstal, K. Y., Kittleson, M. D., Teske, E., Auriemma, E., van den Broek, H., Spattini, G., Vilaplana Grosso, F. R. & Szatmári, V. (2025): No Correlation Between Chronic Cough and Radiographic Signs of Bronchial Narrowing in Dogs with Cardiomegaly and Left Atrial Dilation Secondary to Primary Mitral Valve Regurgitation. Animals 15(17): 2510. https://doi.org/10.3390/ani15172510
Singh, M. K., Johnson, L. R., Kittleson, M. D. & Pollard, R. E. (2012): Bronchomalacia in Dogs with Myxomatous Mitral Valve Degeneration. Journal of Veterinary Internal Medicine. https://doi.org/10.1111/j.1939-1676.2012.00887.x (kein Zusammenhang zwischen Vorhofgröße und Atemwegskollaps; Atemwegsentzündung häufig)
Keene, B. W., Atkins, C. E., Bonagura, J. D., Fox, P. R., Häggström, J., Luis Fuentes, V., Oyama, M. A., Rush, J. E., Stepien, R. & Uechi, M. (2019): ACVIM consensus guidelines for the diagnosis and treatment of myxomatous mitral valve disease in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine 33(3): 1127–1140. https://doi.org/10.1111/jvim.15488

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