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Impfungen beim Hund: Was wirklich nötig ist
In Deutschland gibt es keine Impfpflicht für Hunde – auch nicht für Tollwut. Welche Impfungen zum Kern gehören und welche vom Leben deines Hundes abhängen.
Michael Sauerwein · 22. Juli 2026
Kurz zusammengefasst
Fünf Dinge solltest du über Impfungen wissen. Erstens: In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht für Hunde – auch nicht für Tollwut. Was es gibt, sind fachliche Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Zweitens: Als Core-Impfungen, die jeder Hund braucht, gelten dort Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Tollwut ist seit einigen Jahren keine Core-Impfung mehr, bleibt für Auslandsreisen aber zwingend. Drittens: Das pauschale „einmal im Jahr alles" ist überholt – gegen Staupe und Parvovirose sind je nach Impfstoff Abstände von bis zu drei Jahren vorgesehen, Leptospirose dagegen braucht jährlich eine Auffrischung. Viertens, und das wird in der Praxis häufig übersehen: Die Impfung in der 16. Lebenswoche ist ein zentraler Bestandteil der Grundimmunisierung und sollte nicht ausgelassen werden. Je nachdem, wann die mütterlichen Antikörper abgebaut sind, kann ohne sie eine Schutzlücke bleiben, von der niemand etwas merkt. Fünftens: Genau in diese Zeit fällt die Sozialisierungsphase – und dieser Zielkonflikt lässt sich managen, aber nicht ignorieren.
Kaum ein Thema ist so von Halbwissen geprägt wie das Impfen: Die einen impfen jährlich alles, die anderen gar nicht. Dieser Artikel erklärt, was die deutsche Fachkommission tatsächlich empfiehlt, warum die Abstände unterschiedlich sind, und wie du mit dem Welpen durch die kritischen Wochen kommst.
Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Aufklärung und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Welche Impfungen dein Hund braucht, hängt von Alter, Haltung, Reisen und Vorerkrankungen ab und entscheidet deine Tierärztin.
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1. Was eine Impfung tut – und was nicht
Eine Impfung konfrontiert das Immunsystem mit einem abgeschwächten oder abgetöteten Erreger beziehungsweise dessen Bestandteilen. Der Körper baut daraufhin eine Abwehr auf, ohne die Krankheit durchmachen zu müssen, und legt ein Gedächtnis an. Trifft er später auf den echten Erreger, reagiert er schneller und wirksamer.
Zwei Einschränkungen sind wichtig, weil sie den Rest des Artikels erklären.
Nicht jede Impfung verhindert die Infektion. Manche verhindern zuverlässig die Erkrankung, andere mildern nur den Verlauf und verringern die Ausscheidung. Bei Staupe und Parvovirose ist der Schutz sehr gut. Bei der Zwingerhusten-Komponente etwa gilt laut Zulassung ausdrücklich, dass Symptome reduziert, eine Infektion aber nicht verhindert werden kann.
Nicht jeder Schutz hält gleich lang. Wie lange die Abwehr trägt, hängt vom Erreger und vom Impfstofftyp ab – und genau deshalb ist ein einheitliches Jahresintervall für alles fachlich nicht begründbar.
2. Core und Non-Core: die Einteilung der StIKo Vet
Die StIKo Vet unterscheidet zwei Gruppen. Core-Impfungen richten sich gegen Krankheiten, gegen die jedes empfängliche Tier zu jeder Zeit geschützt sein sollte. Non-Core-Impfungen hängen von den Lebensumständen ab: Haltung, Kontakte, Reisen, Region.
Nach der deutschen StIKo-Vet-Leitlinie gelten für Hunde in Deutschland als Core: Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Das ist ausdrücklich die deutsche Einordnung – international wird sie nicht überall gleich getroffen, die Leptospirose etwa anderswo zurückhaltender bewertet, weil Verbreitung und Serovaren regional stark schwanken.
Als Non-Core eingestuft sind unter anderem Tollwut, die ansteckende Leberentzündung (Hepatitis contagiosa canis, HCC), Parainfluenza und Bordetella bronchiseptica, außerdem je nach Situation Borreliose und Leishmaniose.
Zwei Punkte daran überraschen regelmäßig. HCC ist Non-Core, weil die Erkrankung in vielen Regionen durch Impfprogramme selten geworden ist – in Osteuropa zirkuliert das Virus jedoch weiter, und die Impfung bleibt sinnvoll, um den erreichten Bestandsschutz zu halten. Sie ist deshalb in den gängigen Kombinationsimpfstoffen weiterhin enthalten.
Und Tollwut ist Non-Core, weil die terrestrische Tollwut in Deutschland getilgt ist. Dazu unten mehr, denn medizinisch und rechtlich fallen die Antworten hier auseinander.
2.1 Wogegen geimpft wird – und warum es diese drei sind
Die Einteilung bleibt abstrakt, solange nicht klar ist, worum es geht. Weil diese Krankheiten dank der Impfprogramme selten geworden sind, kennt sie kaum jemand noch aus eigener Anschauung – und genau das macht es leicht, ihre Bedeutung zu unterschätzen.
Parvovirose. Ein extrem widerstandsfähiges Virus, das über Kot ausgeschieden wird und in der Umgebung monatelang ansteckend bleibt. Es zerstört die Darmschleimhaut und das Knochenmark. Betroffen sind vor allem Welpen und Junghunde; der Verlauf ist mit blutigem Durchfall, Erbrechen und schnellem Flüssigkeitsverlust dramatisch, die Behandlung intensiv und aufwendig, und sie gelingt nicht immer. Das ist die Krankheit, gegen die sich der ganze Aufwand in den Kapiteln 3 bis 5 richtet.
Staupe. Ein Virus, das gleich mehrere Systeme befällt – Atemwege, Magen-Darm-Trakt und in der Folge häufig das Nervensystem. Überlebende behalten nicht selten bleibende neurologische Schäden. Die Staupe ist keineswegs Geschichte: Sie zirkuliert in der Wildtierpopulation weiter, unter anderem bei Füchsen und Mardern.
Leptospirose. Die einzige bakterielle Core-Impfung, ausführlich in Kapitel 7. Sie ist zugleich die einzige der drei, die auch für den Menschen ansteckend ist.
Was diese drei verbindet: Sie sind schwer bis nicht ursächlich behandelbar, sie treffen bevorzugt junge Tiere, und sie kommen hier tatsächlich vor. Genau daraus ergibt sich die Einstufung – nicht aus einer allgemeinen Vorliebe fürs Impfen.
3. Die Grundimmunisierung beim Welpen
Die Grundimmunisierung ist keine einzelne Impfung, sondern eine Serie – und sie endet später, als die meisten annehmen. Das Schema der StIKo Vet sieht im Kern so aus:
- 8. Lebenswoche: Parvovirose, Staupe, Leptospirose, (HCC)
- 12. Lebenswoche: Parvovirose, Staupe, Leptospirose, (HCC), (Tollwut)
- 16. Lebenswoche: Parvovirose, Staupe, (HCC)
- 15. Lebensmonat: Parvovirose, Staupe, Leptospirose, (HCC), gegebenenfalls Tollwut
Nach dem Schema der StIKo Vet wird die Grundimmunisierung mit dem Termin im 15. Lebensmonat abgeschlossen. Wer nach der dritten Welpenimpfung aufhört, hat die Serie nicht zu Ende geführt – ein häufiger und folgenreicher Irrtum.
Wie das Schema im Einzelfall aussieht, hängt allerdings vom verwendeten Impfstoff und von den bisherigen Impfungen ab. Manche Präparate sehen abweichende Abstände vor, und bei einem Hund, der später übernommen wurde, wird der Plan an das angepasst, was nachweisbar schon gegeben wurde. Maßgeblich ist deshalb immer der Plan deiner Praxis, nicht die Tabelle oben.
Auffällig ist, dass Leptospirose in der 16. Woche fehlt und Staupe und Parvovirose dafür ein weiteres Mal kommen. Das hat einen Grund, und er ist der wichtigste Teil dieses Artikels.
3.1 Was der Impfpass festhält – und woran du ihn prüfst
Der Impfpass ist das einzige Dokument, das die Serie aus dem vorigen Abschnitt belegt, und er ist häufiger fehlerhaft als angenommen. Ein Blick darauf lohnt sich direkt nach jedem Termin, nicht erst Jahre später.
Vollständig ist ein Eintrag, wenn er Datum, Impfstoffaufkleber mit Chargennummer, Unterschrift und Stempel enthält. Der Aufkleber ist dabei der übliche Nachweis für Impfstoff und Charge – und damit die Grundlage dafür, welches Wiederholungsintervall gilt. Fehlt er, lässt sich das aus dem Pass allein nicht mehr ablesen. Genau daran hängt die Frage aus Kapitel 6.
Zu prüfen ist außerdem, ob die Chipnummer eingetragen und bei jedem Eintrag dieselbe ist, und ob das Alter beim ersten Eintrag plausibel war. Bei der Tollwutimpfung kommt hinzu, dass der Hund ein Mindestalter erreicht haben muss, damit sie gültig ist – bei einem zu früh geimpften Welpen ist die Eintragung wertlos, und das fällt oft erst bei der Reiseplanung auf.
Fotografiere die ausgefüllten Seiten nach jedem Termin. Geht der Pass verloren, sind die Impfungen aus ihm allein nicht mehr nachvollziehbar – häufig lässt sich das über die Unterlagen der behandelnden Praxis rekonstruieren, die den Verlauf in aller Regel elektronisch dokumentiert. Gelingt das nicht, bleiben eine Titerbestimmung oder ein Neubeginn der Serie, und beides ist aufwendiger als ein Foto auf dem Handy.
4. Die Impflücke: warum die 16. Woche so wichtig ist
Ein Welpe kommt nicht schutzlos zur Welt. Über die Muttermilch, vor allem über die erste Milch in den ersten Lebenstagen, erhält er Antikörper der Mutter. Diese maternalen Antikörper schützen ihn in den ersten Lebenswochen – und sie sind gleichzeitig das größte Problem beim Impfen.
Denn sie unterscheiden nicht zwischen echtem Erreger und Impfstoff. Solange genug davon im Blut ist, fangen sie auch den Impfstoff ab, bevor das Immunsystem des Welpen selbst reagieren kann. Die Impfung läuft dann ins Leere, ohne dass irgendjemand es merkt.
Der Haken: Die Menge dieser mütterlichen Antikörper baut sich individuell ab. Bei einem Welpen ist sie mit acht Wochen fast verschwunden, bei einem anderen erst mit sechzehn Wochen. Und niemand sieht dem Welpen an, wo er steht.
Daraus entsteht die sogenannte immunologische Lücke: ein Zeitfenster, in dem die mütterlichen Antikörper zu schwach geworden sind, um noch zu schützen, aber noch stark genug, um die Impfung zu blockieren. In dieser Phase ist der Welpe ungeschützt, obwohl er geimpft ist.
Genau deshalb wird mehrfach geimpft. Nicht, weil eine Impfung „nicht reicht", sondern weil man den Zeitpunkt nicht kennt, an dem sie zum ersten Mal greift. Die Impfung in der 16. Woche fängt die Welpen ab, bei denen die mütterlichen Antikörper besonders lange gehalten haben.
Wird dieser Termin ausgelassen – weil der Welpe „ja schon zweimal geimpft" ist, weil der Urlaub dazwischenkommt oder weil er gerade Durchfall hatte – bleibt bei einem Teil der Hunde eine Lücke, die niemand bemerkt. Bis er auf Parvoviren trifft.
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5. Sozialisierung gegen Infektionsschutz: der echte Zielkonflikt
Und damit zu dem Punkt, an dem sich Tiermedizin und Verhaltensberatung ins Gehege kommen – und den beide Seiten oft zu einfach beantworten.
Die Sozialisierungsphase liegt etwa zwischen der dritten und der sechzehnten Lebenswoche, individuell variabel. In dieser Zeit lernt ein Welpe mit einer Leichtigkeit, was zu seiner normalen Welt gehört, die er später nie wieder erreicht. Versäumtes lässt sich zwar durch spätere positive Erfahrungen abmildern, aber selten vollständig aufholen.
Diese Phase endet exakt dann, wenn die Impfserie abgeschlossen ist. Das ist keine unglückliche Terminüberschneidung, sondern ein echter Zielkonflikt: Wer den Welpen bis zur vollständigen Absicherung zu Hause lässt, schützt ihn vor Parvoviren und riskiert dafür ein Verhaltensproblem, das ihn ein Leben lang begleitet. Wer ihn überall mit hinnimmt, macht es umgekehrt.
Beide Extreme sind falsch. Was funktioniert, ist risikogesteuerte Sozialisierung – also weder Quarantäne noch Sorglosigkeit, sondern die bewusste Wahl der Situationen:
Kontakte zu bekannten, gesunden, vollständig geimpften erwachsenen Hunden sind vertretbar. Die Hundewiese mit unbekannten Hunden ist es nicht.
Umweltreize lassen sich fast vollständig ohne Bodenkontakt erschließen. Stadt, Verkehr, Menschenmengen, Geräusche, Untergründe, Fahrstuhl, Bus – vieles davon geht auf dem Arm oder in der Transportbox. Der Welpe lernt mit Augen, Ohren und Nase, nicht mit den Pfoten.
Gemieden werden Orte mit hoher Hundedichte und unbekanntem Gesundheitsstatus: Hundewiesen, Sammelplätze, stark frequentierte Auslaufflächen, und Bereiche, in denen viel Kot liegt. Parvoviren sind in der Umwelt außerordentlich lange stabil.
Ein seriöser Welpenkurs arbeitet genau in diesem Rahmen: Impfnachweis als Zugangsvoraussetzung, saubere und desinfizierbare Flächen, kleine Gruppen, kein Kontakt zu fremden Hunden außerhalb des Kurses. Ein Kurs, der keinen Impfnachweis verlangt, ist kein Sicherheitsgewinn, sondern ein Risiko.
Der ehrliche Satz dazu lautet: Es gibt hier kein Nullrisiko, sondern nur die Wahl, welches Risiko du steuerst. Verhaltensprobleme aus verpasster Sozialisierung sind die häufigere Ursache dafür, dass Hunde später abgegeben werden – Infektionskrankheiten sind die dramatischere. Beides ernst zu nehmen ist die einzig sinnvolle Antwort.
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5.1 Was risikogesteuerte Sozialisierung praktisch heißt
Weil dieser Zielkonflikt der Punkt ist, an dem wir in der Hundeschule am häufigsten beraten, hier konkret, was in den Wochen vor Abschluss der Impfserie geht und was nicht.
Was praktisch immer geht. Autofahrten mit Blick aus dem Fenster. Tragen oder Fahren an belebte Orte, ohne den Welpen abzusetzen – Bahnhof, Fußgängerzone, Baustelle aus sicherer Entfernung. Besuch im eigenen Zuhause, von Menschen jeden Alters, mit Hut, mit Rollator, mit Kinderwagen. Untergründe in der eigenen Wohnung und im eigenen Garten. Geräusche, Haushaltsgeräte, Handling.
Was mit Auswahl geht. Kontakt zu bekannten, gesunden, vollständig geimpften erwachsenen Hunden in deren oder eurem Zuhause. Spaziergänge auf Flächen, auf denen wenige fremde Hunde unterwegs sind – Wiesen und Waldwege abseits der Hunderunden. Eine gut geführte Welpengruppe, in der Impfstatus geprüft wird und die Fläche gereinigt werden kann.
Was in dieser Zeit besser wartet. Hundewiesen und stark frequentierte Auslaufflächen. Der Vorplatz der Tierarztpraxis und Bereiche, in denen kranke Hunde unterwegs waren. Kontakt zu Hunden mit unbekanntem Impfstatus, besonders aus Tierheim oder Auslandstierschutz.
Der Gedanke dahinter: Parvoviren werden über Kot ausgeschieden und bleiben in der Umgebung sehr lange ansteckend. Was dein Welpe braucht, sind Eindrücke – und die meisten davon bekommt er, ohne auf einer Fläche zu schnüffeln, auf der dutzende unbekannte Hunde waren.
Das ist auch der Grund, warum die pauschale Aussage „vor der Grundimmunisierung darf er gar nicht raus" in dieser Form falsch ist. Sie schützt vor einem Risiko und erzeugt dabei ein anderes, das ebenso ernst ist – und sie ist gar nicht nötig, weil sich beides trennen lässt.
6. Warum „jährlich alles" überholt ist
Die Vorstellung, ein Hund brauche einmal im Jahr „seine Impfung", stammt aus einer Zeit, in der man die Schutzdauer schlicht nicht genau kannte. Heute ist das Bild differenziert.
Nach abgeschlossener Grundimmunisierung sind für Staupe und Parvovirose je nach Hersteller Wiederholungsintervalle von bis zu drei Jahren vorgesehen. Für Leptospirose dagegen bleibt es bei einer jährlichen Auffrischung, in Regionen mit hohem Infektionsdruck teils häufiger.
Der Grund für diesen Unterschied liegt in der Art des Erregers. Staupe und Parvovirose sind Viren, gegen die Lebendimpfstoffe eine lange, belastbare Immunität aufbauen. Leptospiren sind Bakterien, und der Impfschutz gegen sie ist von vornherein kürzer und weniger vollständig.
Praktisch heißt das: Der jährliche Termin bleibt sinnvoll – aber nicht, weil jedes Mal alles geimpft werden muss, sondern weil einmal im Jahr Leptospirose ansteht und die Gesundheitsuntersuchung ohnehin dazugehört. Was an diesem Termin sonst noch gegeben wird, ist eine Frage des Impfplans, nicht der Gewohnheit.
Frag ruhig nach, was genau in der Spritze ist und wann es das nächste Mal fällig wäre. Ein guter Impfplan ist begründbar.
6.1 Den eigenen Impfplan lesen lernen
Aus dem vorigen Abschnitt folgt eine Frage, die sich jeder Halter beantworten können sollte: Was steht bei meinem Hund wann an? Die Antwort steht im Impfpass, sie ist nur selten auf einen Blick erkennbar.
Schritt eins: Welche Komponenten wurden zuletzt gegeben? Kombinationsimpfstoffe werden über Buchstabenkürzel auf dem Aufkleber gekennzeichnet – gängig sind unter anderem S für Staupe, H oder HCC für die ansteckende Leberentzündung, P für Parvovirose, Pi für Parainfluenza, L oder Lepto für Leptospirose und T oder R für Tollwut. Eine Impfung mit „SHPPiL" enthält also anderes als eine mit „L" allein.
Schritt zwei: Wann ist welche Komponente wieder fällig? Und hier wird es unübersichtlich, weil die Intervalle auseinanderlaufen: Leptospirose jährlich, Staupe und Parvovirose je nach Impfstoff bis zu drei Jahre, Tollwut je nach Präparat unterschiedlich. Ein Hund kann also drei verschiedene Fälligkeiten gleichzeitig haben.
Schritt drei: Frag nach dem Plan, nicht nach dem Termin. Die nützliche Frage in der Praxis lautet nicht „ist er dran?", sondern: Welche Komponenten bekommt er heute, welche nicht, und wann ist die nächste jeweils fällig? Lass dir das notieren.
Der Hintergrund ist nicht Misstrauen, sondern Praktikabilität. Eine Erinnerungskarte nennt oft nur ein Datum, ohne zu unterscheiden, was daran fällig ist. Wer das auseinanderhält, impft weder zu viel noch zu wenig – und genau darum geht es in diesem Kapitel.
7. Leptospirose: die Ausnahme mit dem kurzen Schutz
Die Leptospirose verdient eine eigene Erwähnung, weil sie die einzige bakterielle Core-Impfung ist und weil ihre Bedeutung zunimmt.
Leptospiren werden über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden, vor allem von Nagern, und überleben in feuchter Umgebung. Die Ansteckung läuft typischerweise über stehende Gewässer, Pfützen und feuchte Böden. Die Erkrankung kann Leber und Nieren schwer schädigen und tödlich verlaufen – und sie ist auf den Menschen übertragbar.
Zwei praktische Konsequenzen: Die jährliche Auffrischung ist hier keine Verkaufsmasche, sondern fachlich begründet. Und der Schutz ist nicht vollständig, weil die Impfstoffe nur einen Teil der vorkommenden Serovaren abdecken – ein geimpfter Hund kann erkranken, in aller Regel aber deutlich milder.
8. Tollwut: rechtlich wichtiger als medizinisch
Hier fallen zwei Antworten auseinander, und beide sind richtig.
Medizinisch hat die StIKo Vet die Tollwutimpfung zur Non-Core-Impfung herabgestuft, weil die terrestrische Tollwut in Deutschland getilgt ist. Eine flächendeckende Impfung ist damit nicht mehr erforderlich, und auch für Jagd- und Arbeitshunde besteht kein erhöhtes Risiko mehr, auf ein tollwütiges Tier zu treffen.
Rechtlich und praktisch sieht es anders aus. Für Reisen innerhalb der EU ist eine gültige Tollwutimpfung nach EU-Recht zwingend; für Drittländer gelten je nach Zielland eigene, teils deutlich strengere Anforderungen bis hin zu Titernachweis und Wartefristen. Und die nationale Tollwutverordnung sieht für den theoretisch möglichen Verdachtsfall weiterhin einschneidende behördliche Maßnahmen vor – ein geimpfter Hund ist dabei deutlich bessergestellt als ein ungeimpfter. Das ist in der Praxis das stärkste Argument: nicht die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung, sondern die Folgen im Ernstfall.
Wer also nie ins Ausland fährt, kann darüber sprechen. Wer mit seinem Hund ins Ausland reisen möchte, braucht in aller Regel eine gültige Tollwutimpfung – und sollte die Anforderungen des Ziellands rechtzeitig prüfen, weil Wartefristen die Planung bestimmen.
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9. Impftiter statt Wiederholungsimpfung?
Eine Frage, die immer häufiger gestellt wird: Kann man den Schutz messen, statt blind nachzuimpfen?
Für einen Teil der Impfungen: ja. Antikörper gegen Staupe lassen sich in verschiedenen Testsystemen bestimmen, und die StIKo Vet nennt das ausdrücklich als Grundlage für die Entscheidung, ob eine Wiederholungsimpfung nötig ist. Auch für Parvovirose sind solche Tests verfügbar.
Drei Einschränkungen gehören dazu.
Es funktioniert nicht für alles. Bei der Leptospirose ist ein Antikörpertiter kein brauchbarer Maßstab für den Schutz – hier bleibt es beim Impfintervall.
Es ist meist nicht günstiger. Der Test kostet in der Regel mehr als die Impfung, die er ersetzen soll.
Ein niedriger Titer bedeutet nicht automatisch fehlenden Schutz, weil das Immungedächtnis über Zellen auch dann noch tragen kann, wenn wenig Antikörper messbar sind.
Sinnvoll ist die Titerbestimmung deshalb vor allem in besonderen Situationen: bei Hunden, die auf frühere Impfungen deutlich reagiert haben, bei schwer vorerkrankten Tieren, oder wenn die Impfhistorie unbekannt ist.
10. Nebenwirkungen realistisch einordnen
Impfreaktionen gibt es, und sie zu verschweigen hilft niemandem.
Häufig und harmlos sind Müdigkeit und leichte Abgeschlagenheit für ein bis zwei Tage, eine örtliche Schwellung an der Einstichstelle sowie leicht erhöhte Temperatur. Das ist kein Fehler, sondern das Immunsystem bei der Arbeit.
Selten sind allergische Reaktionen. Sie treten typischerweise innerhalb der ersten Stunden auf und zeigen sich als Schwellungen im Gesicht, Quaddeln, Erbrechen oder Kreislaufproblemen. Deshalb ist es sinnvoll, den Hund am Impftag im Blick zu behalten und nicht direkt danach allein zu lassen.
Sehr selten sind schwerwiegende Reaktionen.
Wichtig ist die Verhältnismäßigkeit: Eine Parvovirose-Erkrankung ist für einen Welpen lebensgefährlich und die Behandlung intensiv und teuer. Das Risiko einer schweren Impfreaktion liegt um Größenordnungen darunter. Wer eine frühere Impfreaktion erlebt hat, sollte das aber unbedingt melden – der Impfplan lässt sich anpassen, etwa durch Aufteilen von Komponenten oder Vorbehandlung.
Ein kranker Hund wird grundsätzlich nicht geimpft. Fieber, Durchfall oder ein akuter Infekt sind ein Grund zu verschieben, nicht auszulassen.
10.1 Der Impftag selbst
Aus dem vorigen Abschnitt lassen sich ein paar praktische Punkte ableiten, die den Termin für beide Seiten leichter machen.
Nicht direkt danach allein lassen. Allergische Reaktionen treten typischerweise innerhalb der ersten Stunden auf. Plane den Termin deshalb so, dass du danach ein paar Stunden Zeit hast – nicht kurz bevor du zur Arbeit musst.
Keine Belastungsspitzen am selben Tag. Kein Hundesport, keine lange Tour, kein Besuch mit vielen Hunden. Ein ruhiger Tag ist kein Muss, aber er erspart die Frage, ob die Abgeschlagenheit am Abend von der Impfung kommt oder von der Runde.
Die Einstichstelle im Blick behalten. Eine kleine, schmerzarme Schwellung ist normal und verschwindet innerhalb weniger Tage. Eine Schwellung, die größer wird, schmerzt oder nach Wochen noch besteht, gehört gezeigt.
Und für den Welpen: Der Termin ist auch eine Übung fürs Handling. Ein Welpe, der auf dem Tisch entspannt bleibt, weil vorher zu Hause geübt wurde, macht die ganze Serie aus Kapitel 3 zu einer anderen Erfahrung – und das trägt über Jahre.
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11. Der Hund aus dem Ausland
Hunde aus dem Auslandstierschutz brauchen eine eigene Betrachtung. Der Impfpass ist manchmal vollständig und korrekt – manchmal aber auch großzügig ausgefüllt worden.
Sinnvoll ist, den Pass tierärztlich prüfen zu lassen: Sind Chipnummer, Datum und Impfstoffaufkleber schlüssig? War der Hund beim Ersteintrag alt genug? Passt die Reihenfolge? Im Zweifel wird nachgeimpft oder der Titer bestimmt – nachimpfen schadet nicht, eine falsch angenommene Immunität dagegen schon.
Dazu kommt, dass in vielen Herkunftsländern Krankheiten vorkommen, die hier selten sind
– HCC etwa zirkuliert in Osteuropa weiterhin.
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11.1 Der erwachsene Hund ohne verlässliche Vorgeschichte
Nicht nur Auslandshunde kommen ohne brauchbare Papiere. Dasselbe gilt für Fundtiere, für Hunde aus schwierigen Abgaben und für den Fall, dass ein Impfpass verloren gegangen ist. Die Frage ist dann immer dieselbe: Von vorn anfangen oder erst messen?
Nachimpfen ist der einfachere Weg. Eine zusätzliche Impfung bei einem Hund, der bereits geschützt ist, schadet ihm nach heutigem Stand nicht – die vorhandenen Antikörper fangen den Impfstoff ab, ähnlich wie bei den Welpen aus Kapitel 4. Das ist kein Argument für unnötiges Impfen, aber eine Entlastung, wenn Unsicherheit besteht.
Titerbestimmung lohnt dort, wo sie etwas entscheidet. Für Staupe und Parvovirose ist sie möglich und kann eine Wiederholung ersparen. Für Leptospirose nicht – dort wird ohnehin geimpft. Und für Tollwut beantwortet ein Titer nicht die rechtliche Frage: Für Reisen zählt die eingetragene gültige Impfung, nicht der gemessene Wert.
Bei einem Hund mit Vorerkrankungen oder mit berichteten früheren Impfreaktionen ist die Messung dagegen oft der bessere Weg, weil sie unnötige Belastung vermeidet.
Was in jedem Fall gilt: Die Entscheidung wird einmal getroffen und dann dokumentiert. Ein neuer Impfpass mit einem Vermerk zum Ausgangspunkt ist mehr wert als drei Zettel aus verschiedenen Quellen – und er verhindert, dass in zwei Jahren dieselbe Frage noch einmal gestellt wird.
12. Die Non-Core-Impfungen im Einzelnen
Die Einteilung aus Kapitel 2 sagt, dass diese Impfungen von den Lebensumständen abhängen. Welche Umstände das jeweils sind, bleibt dabei meist offen – hier die Entscheidungsgrundlagen.
12.1 Zwingerhusten
Gemeint sind die Komponenten gegen Bordetella bronchiseptica und Parainfluenza. Sinnvoll sind sie bei Hunden mit vielen Kontakten: Hundeschule, Tagesbetreuung, Pension, Hundesport, Ausstellungen – überall dort, wo viele Hunde auf engem Raum zusammenkommen.
Was sie leisten, steht in Kapitel 1 und gehört an dieser Stelle wiederholt: Sie verringern Symptome und Ausscheidung, sie verhindern die Infektion nicht. Und sie decken nur einen Teil der beteiligten Erreger ab, weil hinter dem Zwingerhusten ein ganzer Komplex steht.
Der Punkt, an dem es praktisch am häufigsten scheitert, ist der Zeitpunkt. Die intranasale Verabreichung braucht Vorlauf bis zur Wirkung, die orale deutlich länger. Wer am Tag vor der Pension impfen lässt, hat nichts gewonnen – frag beim Buchen, welcher Nachweis verlangt wird und wie lange vorher geimpft werden muss.
12.2 Borreliose
Diese Impfung wird kontrovers beurteilt, und die Entscheidung hängt stark von der Region und vom Zeckenaufkommen ab. Was dabei zählt: Sie ersetzt den Zeckenschutz nicht. Zecken übertragen mehr als nur Borrelien, und gegen den Rest hilft nur, dass die Zecke gar nicht erst sticht oder schnell wieder abfällt.
Sinnvoll ist das Gespräch darüber bei Hunden, die viel in zeckenreichem Gelände unterwegs sind – Jagd, Feld, hohes Gras. Für einen Stadthund mit kurzen Runden auf befestigten Wegen stellt sich die Frage meist nicht.
12.3 Leishmaniose und andere Reisekrankheiten
Relevant für Hunde, die in den Mittelmeerraum mitreisen oder von dort stammen. Hier gilt dasselbe Prinzip: Der wirksamste Schutz ist, den Stich zu verhindern – über geeignete Präparate gegen Sandmücken und über die Vermeidung der Dämmerungsstunden im Freien.
Vor jeder Reise gehört deshalb ein eigener Termin dazu, bei dem Impfungen, Parasitenschutz und die Einreisebestimmungen des Ziellands gemeinsam durchgegangen werden. Der Vorlauf beträgt je nach Ziel Wochen bis Monate.
12.4 Wie du selbst einordnest, was dein Hund braucht
Vier Fragen strukturieren das Gespräch mit der Praxis.
Wie viele fremde Hunde trifft dein Hund pro Woche, und unter welchen Bedingungen? Gruppenstunde und Pension sind etwas anderes als ein Spaziergang im Feld.
Wo geht ihr spazieren? Stehende Gewässer, Pfützen und feuchte Wiesen erhöhen das Leptospirose-Risiko, hohes Gras das Zeckenrisiko.
Reist ihr, und wohin? Das entscheidet über Tollwut, über Reisekrankheiten und über den Zeitplan.
Gibt es Vorerkrankungen oder frühere Impfreaktionen? Beides kann den Plan verändern.
Ein Impfplan, der diese vier Antworten berücksichtigt, sieht bei zwei Hunden desselben Alters unterschiedlich aus – und genau das ist der Unterschied zwischen einem Plan und einer Gewohnheit.
13. Was du zu Hause tun kannst
Führe den Impfpass sorgfältig und nimm ihn zu jedem Termin mit. Fotografiere die Seiten – ohne Kopie sind die Impfungen aus dem Pass allein nicht mehr nachvollziehbar, und die Rekonstruktion ist aufwendiger als das Foto.
Trag dir den Termin im 15. Lebensmonat ein, sobald der Welpe einzieht. Er liegt weit genug hinter der Welpenzeit, dass er leicht untergeht – und er schließt die Serie ab.
Frag beim Züchter nach den bereits erfolgten Impfungen und lass dir die Dokumentation aushändigen. Fehlt sie, ist das ein Warnsignal.
Beobachte deinen Hund am Impftag und plane keine große Belastung, keinen langen Spaziergang und keinen Hundekontakt direkt danach.
Bestehe im Welpenkurs auf dem Impfnachweis – auch für die anderen Teilnehmer. Das schützt deinen Hund mehr als jede Vorsichtsmaßnahme, die du allein treffen kannst.
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14. Grenzen der Evidenz
Die Empfehlungen der StIKo Vet sind Leitlinien auf Basis von Expertenkonsens, Zulassungsdaten und epidemiologischer Lage – keine Ergebnisse randomisierter Vergleichsstudien. Sie werden regelmäßig überarbeitet, und die Einstufung der Tollwutimpfung zeigt, dass sich solche Bewertungen ändern können.
Die Angaben zur Schutzdauer stammen zu einem erheblichen Teil aus Zulassungsstudien der Hersteller, sind also je nach Präparat unterschiedlich. „Bis zu drei Jahre" ist deshalb keine allgemeine Naturkonstante, sondern eine produktabhängige Angabe.
Und die Empfehlungen zur risikogesteuerten Sozialisierung beruhen auf einer Abwägung zweier Risiken, für die es keine sauberen Vergleichsdaten gibt: Niemand hat Welpen randomisiert in „isoliert" und „sozialisiert" eingeteilt und die Langzeitfolgen gemessen. Die Abwägung ist plausibel und fachlich breit getragen, aber sie ist eine Abwägung.
Zur Struktur der Belege: Dieser Beitrag gibt im Kern die Leitlinie der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin wieder – also abgestimmte Fachmeinung auf Basis der verfügbaren Literatur und der Zulassungsunterlagen, nicht das Ergebnis einer einzelnen Studie. Das ist für Impfempfehlungen der übliche und angemessene Quellentyp.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die konkreten Intervalle hängen am jeweiligen Impfstoff und können sich mit neuen Zulassungen ändern – maßgeblich ist immer die Fachinformation des verwendeten Präparats, nicht eine allgemeine Jahreszahl. Und die Einstufung als Core oder Non-Core ist eine nationale Entscheidung: Die deutsche Einordnung der Leptospirose als Core wird international nicht überall geteilt, weil Verbreitung und vorkommende Serovaren regional stark schwanken.
Leitlinien werden überarbeitet. Wer diesen Abschnitt in einigen Jahren liest, sollte den aktuellen Stand prüfen.
15. Fazit
Impfen beim Hund ist weder Pflichtprogramm noch Geldmacherei, sondern eine Frage der Begründung. Core sind in Deutschland Staupe, Parvovirose und Leptospirose; Tollwut ist medizinisch herabgestuft, für Reisen aber unverzichtbar. Die Abstände unterscheiden sich – bis zu drei Jahre bei Staupe und Parvovirose, jährlich bei Leptospirose –, und der jährliche Termin ist vor allem deshalb sinnvoll, weil Leptospirose ansteht und der Hund einmal gründlich angesehen wird. Besonders wichtig ist der Termin in der 16. Lebenswoche, der die Lücke schließt, die niemand sehen kann. Und genau in dieser Zeit gilt es, den Welpen nicht wegzusperren, sondern klug auszuwählen, wo er hindarf.
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Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst: Lass den Termin in der 16. Lebenswoche nicht ausfallen, und hör nach der dritten Welpenimpfung nicht auf. Beide Fehler sind häufig, beide bleiben unbemerkt – und beide betreffen ausgerechnet die Krankheit, die für einen jungen Hund am gefährlichsten ist.
Wichtigste Erkenntnisse im Überblick zu Impfungen beim Hund
Es gibt in Deutschland keine allgemeine Impfpflicht für Hunde – auch nicht für Tollwut. Was es gibt, sind fachliche Empfehlungen der StIKo Vet.
Core sind in Deutschland Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Tollwut ist Non-Core, weil die terrestrische Tollwut hierzulande getilgt ist – für Reisen bleibt sie zwingend.
Die Grundimmunisierung endet nach dem Schema der StIKo Vet erst im 15. Lebensmonat, nicht nach der dritten Welpenimpfung. Wer dort aufhört, hat die Serie nicht zu Ende geführt – die konkreten Abstände hängen dabei vom verwendeten Impfstoff ab.
Die Impfung in der 16. Woche ist der entscheidende Termin. Mütterliche Antikörper blockieren den Impfstoff, solange genug davon da ist – und wann das endet, ist individuell und von außen nicht erkennbar. Dieser Termin fängt die Welpen ab, bei denen es besonders lange gedauert hat.
„Jährlich alles“ ist überholt. Für Staupe und Parvovirose sind je nach Impfstoff bis zu drei Jahre vorgesehen, für Leptospirose bleibt es jährlich – weil ein bakterieller Impfschutz von vornherein kürzer trägt.
Der Zielkonflikt mit der Sozialisierung ist echt. Die sensible Phase endet genau dann, wenn die Impfserie greift. Beide Extreme – Quarantäne und Sorglosigkeit – sind falsch; was funktioniert, ist die bewusste Wahl der Situationen.
Titerbestimmung geht nicht für alles. Für Staupe und Parvovirose ja, für Leptospirose nicht. Sie ist meist teurer als die Impfung und lohnt vor allem in besonderen Lagen.
Nicht jede Impfung verhindert die Infektion. Bei der Zwingerhusten-Komponente ist ausdrücklich nur eine Verringerung der Symptome zugesagt.
Ein kranker Hund wird nicht geimpft – der Termin wird verschoben, nicht ausgelassen. Und eine frühere Impfreaktion gehört gemeldet, weil sich der Plan anpassen lässt.
Quellenverzeichnis
- Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut: Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, Stand 06.01.2025. https://www.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/leitlinien/dokumente/impfleitlinien/Impfleitlinie_Kleintiere_2025-01-06.pdf (Core/Non-Core-Einteilung; Wiederholungsintervalle bis zu drei Jahren für Staupe und Parvovirose, jährlich für Leptospirose; Tollwut als Non-Core wegen Tilgung der terrestrischen Tollwut; Staupe-Antikörperbestimmung als Entscheidungsgrundlage für Wiederholungsimpfungen; B. bronchiseptica: Symptomreduktion, kein Infektionsschutz)
- Friedrich-Loeffler-Institut: Aktuelle Impfempfehlungen der StIKo Vet für Kleintiere und Wiederkäuer. https://www.fli.de/de/aktuelles/kurznachrichten/neues-einzelansicht/aktuelle-impfempfehlungen-der-stiko-vet-fuer-kleintiere-und-wiederkaeuer/ (Definition der Core-Impfung; Tollwutimpfung nur noch bei grenzüberschreitenden Reisen empfohlen)
- Truyen, U., Straubinger, R., Osterrieder, K. & Bastian, M. (2017): Die aktualisierten Impfleitlinien für Kleintiere und Pferde. Deutsches Tierärzteblatt 65(4). https://www.bundestieraerztekammer.de/btk/dtbl/archiv/2017/artikel/DTBl_04_2017-Impfleitlinien-Ktr-Pfd.pdf (Schema der Grundimmunisierung: 8., 12. und 16. Lebenswoche sowie 15. Lebensmonat)
- Bundesverband für Tiergesundheit e. V.: Impfempfehlung Kleintier. https://www.bft-online.de/themen/krankheiten-vorbeugen/bedeutung-von-impfstoffen/haeufig-gestellte-fragen/impfempfehlung-kleintier (Einordnung der HCC-Impfung als weiterhin sinnvoll zum Erhalt des Bestandsschutzes; Tollwut bei Auslandsreisen zwingend und rechtliche Besserstellung geimpfter Tiere)
Häufige Fragen zu Impfungen beim Hund
Was in der Beratung am häufigsten gefragt wird
Welche Impfungen braucht ein Hund?
Nach der deutschen StIKo-Vet-Leitlinie gelten Staupe, Parvovirose und Leptospirose als Core-Impfungen für Hunde in Deutschland. Weitere Impfungen wie Tollwut, HCC, Parainfluenza oder Bordetella hängen von Haltung, Reisen und individuellem Risiko ab.
Wie oft muss ein Hund geimpft werden?
Das hängt von der jeweiligen Erkrankung und dem Impfstoff ab. Staupe und Parvovirose können je nach Impfstoff mit Abständen von bis zu drei Jahren aufgefrischt werden. Leptospirose benötigt dagegen in der Regel eine jährliche Auffrischung.
Warum ist die Impfung in der 16. Lebenswoche so wichtig?
Die Impfung in der 16. Lebenswoche ist ein zentraler Bestandteil der Grundimmunisierung. Sie schließt die Lücke, in der mütterliche Antikörper eine frühere Impfung blockieren können, während der eigene Schutz des Welpen noch nicht sicher aufgebaut ist.
Warum reicht die Impfung mit 8 und 12 Wochen nicht immer aus?
Welpen erhalten über die Muttermilch Antikörper, die vor Krankheiten schützen, aber gleichzeitig Impfungen unwirksam machen können. Da der Abbau dieser Antikörper individuell unterschiedlich ist, braucht ein Teil der Welpen eine weitere Impfung in der 16. Woche.
Muss ein Welpe bis zur letzten Impfung zu Hause bleiben?
Nein. Sinnvoll ist eine risikogesteuerte Sozialisierung. Kontakte zu bekannten, gesunden und vollständig geimpften Hunden sowie kontrollierte Umweltreize sind möglich, während stark frequentierte Hundewiesen oder unbekannte Hundekontakte vermieden werden sollten.
Ist Tollwut beim Hund noch notwendig?
Medizinisch ist Tollwut in Deutschland keine Core-Impfung mehr, weil die terrestrische Tollwut getilgt ist. Für Reisen ins Ausland ist eine gültige Tollwutimpfung jedoch in der Regel weiterhin erforderlich und kann rechtlich entscheidend sein.
Warum muss Leptospirose jedes Jahr aufgefrischt werden?
Der Impfschutz gegen Leptospirose hält kürzer als bei manchen Virusimpfungen. Außerdem handelt es sich um eine Erkrankung, die Leber und Nieren schwer schädigen kann und auf Menschen übertragbar ist.
Kann ein Impftiter eine Wiederholungsimpfung ersetzen?
Bei bestimmten Impfungen wie Staupe und Parvovirose kann eine Antikörperbestimmung bei der Entscheidung helfen. Für Leptospirose ist ein Titer dagegen kein geeigneter Maßstab für den Schutz.
Welche Nebenwirkungen können Impfungen beim Hund haben?
Häufig sind kurzfristige Müdigkeit, leichte Abgeschlagenheit oder eine kleine Schwellung an der Einstichstelle. Seltene allergische Reaktionen können sich durch Schwellungen, Quaddeln, Erbrechen oder Kreislaufprobleme zeigen.
Darf ein kranker Hund geimpft werden?
Ein Hund mit akutem Infekt, Fieber oder deutlichen Krankheitssymptomen sollte in der Regel nicht geimpft werden. Die Entscheidung trifft die Tierärztin oder der Tierarzt nach Untersuchung des Hundes.