Impfungen beim Hund: Was wirklich nötig ist
- Michael Sauerwein Hundeschule unterHUNDs

- 22. Juli
- 10 Min. Lesezeit
Das Wichtigste zuerst: Fünf Dinge solltest du über Impfungen wissen. Erstens: In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht für Hunde – auch nicht für Tollwut. Was es gibt, sind fachliche Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Zweitens: Als Core-Impfungen, die jeder Hund braucht, gelten dort Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Tollwut ist seit einigen Jahren keine Core-Impfung mehr, bleibt für Auslandsreisen aber zwingend. Drittens: Das pauschale „einmal im Jahr alles" ist überholt – gegen Staupe und Parvovirose sind je nach Impfstoff Abstände von bis zu drei Jahren vorgesehen, Leptospirose dagegen braucht jährlich eine Auffrischung. Viertens, und das wird am häufigsten falsch gemacht: Die Impfung in der 16. Lebenswoche ist ein zentraler Bestandteil der Grundimmunisierung und sollte nicht ausgelassen werden. Ohne sie kann eine Schutzlücke bleiben, von der niemand etwas merkt. Fünftens: Genau in diese Zeit fällt die Sozialisierungsphase – und dieser Zielkonflikt lässt sich managen, aber nicht ignorieren.
Kaum ein Thema ist so von Halbwissen geprägt wie das Impfen: Die einen impfen jährlich alles, die anderen gar nicht. Dieser Artikel erklärt, was die deutsche Fachkommission tatsächlich empfiehlt, warum die Abstände unterschiedlich sind, und wie du mit dem Welpen durch die kritischen Wochen kommst.
Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Aufklärung und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Welche Impfungen dein Hund braucht, hängt von Alter, Haltung, Reisen und Vorerkrankungen ab und entscheidet deine Tierärztin.

Was eine Impfung tut – und was nicht
Eine Impfung konfrontiert das Immunsystem mit einem abgeschwächten oder abgetöteten Erreger beziehungsweise dessen Bestandteilen. Der Körper baut daraufhin eine Abwehr auf, ohne die Krankheit durchmachen zu müssen, und legt ein Gedächtnis an. Trifft er später auf den echten Erreger, reagiert er schneller und wirksamer.
Zwei Einschränkungen sind wichtig, weil sie den Rest des Artikels erklären.
Nicht jede Impfung verhindert die Infektion. Manche verhindern zuverlässig die Erkrankung, andere mildern nur den Verlauf und verringern die Ausscheidung. Bei Staupe und Parvovirose ist der Schutz sehr gut. Bei der Zwingerhusten-Komponente etwa gilt laut Zulassung ausdrücklich, dass Symptome reduziert, eine Infektion aber nicht verhindert werden kann.
Nicht jeder Schutz hält gleich lang. Wie lange die Abwehr trägt, hängt vom Erreger und vom Impfstofftyp ab – und genau deshalb ist ein einheitliches Jahresintervall für alles fachlich nicht begründbar.
Core und Non-Core: die Einteilung der StIKo Vet
Die StIKo Vet unterscheidet zwei Gruppen. Core-Impfungen richten sich gegen Krankheiten, gegen die jedes empfängliche Tier zu jeder Zeit geschützt sein sollte. Non-Core-Impfungen hängen von den Lebensumständen ab: Haltung, Kontakte, Reisen, Region.
Nach der deutschen StIKo-Vet-Leitlinie gelten für Hunde in Deutschland als Core: Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Das ist ausdrücklich die deutsche Einordnung – international wird sie nicht überall gleich getroffen, die Leptospirose etwa anderswo zurückhaltender bewertet, weil Verbreitung und Serovaren regional stark schwanken.
Als Non-Core eingestuft sind unter anderem Tollwut, die ansteckende Leberentzündung (Hepatitis contagiosa canis, HCC), Parainfluenza und Bordetella bronchiseptica, außerdem je nach Situation Borreliose und Leishmaniose.
Zwei Punkte daran überraschen regelmäßig. HCC ist Non-Core, weil die Erkrankung in vielen Regionen durch Impfprogramme selten geworden ist – in Osteuropa zirkuliert das Virus jedoch weiter, und die Impfung bleibt sinnvoll, um den erreichten Bestandsschutz zu halten. Sie ist deshalb in den gängigen Kombinationsimpfstoffen weiterhin enthalten.
Und Tollwut ist Non-Core, weil die terrestrische Tollwut in Deutschland getilgt ist. Dazu unten mehr, denn medizinisch und rechtlich fallen die Antworten hier auseinander.
Die Grundimmunisierung beim Welpen
Die Grundimmunisierung ist keine einzelne Impfung, sondern eine Serie – und sie endet später, als die meisten annehmen. Das Schema der StIKo Vet sieht im Kern so aus:
8. Lebenswoche: Parvovirose, Staupe, Leptospirose, (HCC)
12. Lebenswoche: Parvovirose, Staupe, Leptospirose, (HCC), (Tollwut)
16. Lebenswoche: Parvovirose, Staupe, (HCC)
15. Lebensmonat: Parvovirose, Staupe, Leptospirose, (HCC), gegebenenfalls Tollwut
Erst mit dem Termin im 15. Lebensmonat gilt ein Hund als vollständig grundimmunisiert. Wer nach der dritten Welpenimpfung aufhört, hat die Serie nicht abgeschlossen – ein häufiger und folgenreicher Irrtum.
Auffällig ist, dass Leptospirose in der 16. Woche fehlt und Staupe und Parvovirose dafür ein weiteres Mal kommen. Das hat einen Grund, und er ist der wichtigste Teil dieses Artikels.
Die Impflücke: warum die 16. Woche so wichtig ist
Ein Welpe kommt nicht schutzlos zur Welt. Über die Muttermilch, vor allem über die erste Milch in den ersten Lebenstagen, erhält er Antikörper der Mutter. Diese maternalen Antikörper schützen ihn in den ersten Lebenswochen – und sie sind gleichzeitig das größte Problem beim Impfen.
Denn sie unterscheiden nicht zwischen echtem Erreger und Impfstoff. Solange genug davon im Blut ist, fangen sie auch den Impfstoff ab, bevor das Immunsystem des Welpen selbst reagieren kann. Die Impfung läuft dann ins Leere, ohne dass irgendjemand es merkt.
Der Haken: Die Menge dieser mütterlichen Antikörper baut sich individuell ab. Bei einem Welpen ist sie mit acht Wochen fast verschwunden, bei einem anderen erst mit sechzehn Wochen. Und niemand sieht dem Welpen an, wo er steht.
Daraus entsteht die sogenannte immunologische Lücke: ein Zeitfenster, in dem die mütterlichen Antikörper zu schwach geworden sind, um noch zu schützen, aber noch stark genug, um die Impfung zu blockieren. In dieser Phase ist der Welpe ungeschützt, obwohl er geimpft ist.
Genau deshalb wird mehrfach geimpft. Nicht, weil eine Impfung „nicht reicht", sondern weil man den Zeitpunkt nicht kennt, an dem sie zum ersten Mal greift. Die Impfung in der 16. Woche fängt die Welpen ab, bei denen die mütterlichen Antikörper besonders lange gehalten haben.
Wird dieser Termin ausgelassen – weil der Welpe „ja schon zweimal geimpft" ist, weil der Urlaub dazwischenkommt oder weil er gerade Durchfall hatte – bleibt bei einem Teil der Hunde eine Lücke, die niemand bemerkt. Bis er auf Parvoviren trifft.
Sozialisierung gegen Infektionsschutz: der echte Zielkonflikt
Und damit zu dem Punkt, an dem sich Tiermedizin und Verhaltensberatung ins Gehege kommen – und den beide Seiten oft zu einfach beantworten.
Die Sozialisierungsphase liegt etwa zwischen der dritten und der sechzehnten Lebenswoche, individuell variabel. In dieser Zeit lernt ein Welpe mit einer Leichtigkeit, was zu seiner normalen Welt gehört, die er später nie wieder erreicht. Versäumtes lässt sich zwar durch spätere positive Erfahrungen abmildern, aber selten vollständig aufholen.
Diese Phase endet exakt dann, wenn die Impfserie abgeschlossen ist. Das ist keine unglückliche Terminüberschneidung, sondern ein echter Zielkonflikt: Wer den Welpen bis zur vollständigen Absicherung zu Hause lässt, schützt ihn vor Parvoviren und riskiert dafür ein Verhaltensproblem, das ihn ein Leben lang begleitet. Wer ihn überall mit hinnimmt, macht es umgekehrt.
Beide Extreme sind falsch. Was funktioniert, ist risikogesteuerte Sozialisierung – also weder Quarantäne noch Sorglosigkeit, sondern die bewusste Wahl der Situationen:
Kontakte zu bekannten, gesunden, vollständig geimpften erwachsenen Hunden sind vertretbar. Die Hundewiese mit unbekannten Hunden ist es nicht.
Umweltreize lassen sich fast vollständig ohne Bodenkontakt erschließen. Stadt, Verkehr, Menschenmengen, Geräusche, Untergründe, Fahrstuhl, Bus – vieles davon geht auf dem Arm oder in der Transportbox. Der Welpe lernt mit Augen, Ohren und Nase, nicht mit den Pfoten.
Gemieden werden Orte mit hoher Hundedichte und unbekanntem Gesundheitsstatus: Hundewiesen, Sammelplätze, stark frequentierte Auslaufflächen, und Bereiche, in denen viel Kot liegt. Parvoviren sind in der Umwelt außerordentlich lange stabil.
Ein seriöser Welpenkurs arbeitet genau in diesem Rahmen: Impfnachweis als Zugangsvoraussetzung, saubere und desinfizierbare Flächen, kleine Gruppen, kein Kontakt zu fremden Hunden außerhalb des Kurses. Ein Kurs, der keinen Impfnachweis verlangt, ist kein Sicherheitsgewinn, sondern ein Risiko.
Der ehrliche Satz dazu lautet: Es gibt hier kein Nullrisiko, sondern nur die Wahl, welches Risiko du steuerst. Verhaltensprobleme aus verpasster Sozialisierung sind die häufigere Ursache dafür, dass Hunde später abgegeben werden – Infektionskrankheiten sind die dramatischere. Beides ernst zu nehmen ist die einzig sinnvolle Antwort.
Warum „jährlich alles" überholt ist
Die Vorstellung, ein Hund brauche einmal im Jahr „seine Impfung", stammt aus einer Zeit, in der man die Schutzdauer schlicht nicht genau kannte. Heute ist das Bild differenziert.
Nach abgeschlossener Grundimmunisierung sind für Staupe und Parvovirose je nach Hersteller Wiederholungsintervalle von bis zu drei Jahren vorgesehen. Für Leptospirose dagegen bleibt es bei einer jährlichen Auffrischung, in Regionen mit hohem Infektionsdruck teils häufiger.
Der Grund für diesen Unterschied liegt in der Art des Erregers. Staupe und Parvovirose sind Viren, gegen die Lebendimpfstoffe eine lange, belastbare Immunität aufbauen. Leptospiren sind Bakterien, und der Impfschutz gegen sie ist von vornherein kürzer und weniger vollständig.
Praktisch heißt das: Der jährliche Termin bleibt sinnvoll – aber nicht, weil jedes Mal alles geimpft werden muss, sondern weil einmal im Jahr Leptospirose ansteht und die Gesundheitsuntersuchung ohnehin dazugehört. Was an diesem Termin sonst noch gegeben wird, ist eine Frage des Impfplans, nicht der Gewohnheit.
Frag ruhig nach, was genau in der Spritze ist und wann es das nächste Mal fällig wäre. Ein guter Impfplan ist begründbar.
Leptospirose: die Ausnahme mit dem kurzen Schutz
Die Leptospirose verdient eine eigene Erwähnung, weil sie die einzige bakterielle Core-Impfung ist und weil ihre Bedeutung zunimmt.
Leptospiren werden über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden, vor allem von Nagern, und überleben in feuchter Umgebung. Die Ansteckung läuft typischerweise über stehende Gewässer, Pfützen und feuchte Böden. Die Erkrankung kann Leber und Nieren schwer schädigen und tödlich verlaufen – und sie ist auf den Menschen übertragbar.
Zwei praktische Konsequenzen: Die jährliche Auffrischung ist hier keine Verkaufsmasche, sondern fachlich begründet. Und der Schutz ist nicht vollständig, weil die Impfstoffe nur einen Teil der vorkommenden Serovaren abdecken – ein geimpfter Hund kann erkranken, in aller Regel aber deutlich milder.
Tollwut: rechtlich wichtiger als medizinisch
Hier fallen zwei Antworten auseinander, und beide sind richtig.
Medizinisch hat die StIKo Vet die Tollwutimpfung zur Non-Core-Impfung herabgestuft, weil die terrestrische Tollwut in Deutschland getilgt ist. Eine flächendeckende Impfung ist damit nicht mehr erforderlich, und auch für Jagd- und Arbeitshunde besteht kein erhöhtes Risiko mehr, auf ein tollwütiges Tier zu treffen.
Rechtlich und praktisch sieht es anders aus. Für Reisen innerhalb der EU ist eine gültige Tollwutimpfung nach EU-Recht zwingend; für Drittländer gelten je nach Zielland eigene, teils deutlich strengere Anforderungen bis hin zu Titernachweis und Wartefristen. Und die nationale Tollwutverordnung sieht für den theoretisch möglichen Verdachtsfall weiterhin einschneidende behördliche Maßnahmen vor – ein geimpfter Hund ist dabei deutlich bessergestellt als ein ungeimpfter. Das ist in der Praxis das stärkste Argument: nicht die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung, sondern die Folgen im Ernstfall.
Wer also nie ins Ausland fährt, kann darüber sprechen. Wer mit seinem Hund ins Ausland reisen möchte, braucht in aller Regel eine gültige Tollwutimpfung – und sollte die Anforderungen des Ziellands rechtzeitig prüfen, weil Wartefristen die Planung bestimmen.
Impftiter statt Wiederholungsimpfung?
Eine Frage, die immer häufiger gestellt wird: Kann man den Schutz messen, statt blind nachzuimpfen?
Für einen Teil der Impfungen: ja. Antikörper gegen Staupe lassen sich in verschiedenen Testsystemen bestimmen, und die StIKo Vet nennt das ausdrücklich als Grundlage für die Entscheidung, ob eine Wiederholungsimpfung nötig ist. Auch für Parvovirose sind solche Tests verfügbar.
Drei Einschränkungen gehören dazu.
Es funktioniert nicht für alles. Bei der Leptospirose ist ein Antikörpertiter kein brauchbarer Maßstab für den Schutz – hier bleibt es beim Impfintervall.
Es ist meist nicht günstiger. Der Test kostet in der Regel mehr als die Impfung, die er ersetzen soll.
Ein niedriger Titer bedeutet nicht automatisch fehlenden Schutz, weil das Immungedächtnis über Zellen auch dann noch tragen kann, wenn wenig Antikörper messbar sind.
Sinnvoll ist die Titerbestimmung deshalb vor allem in besonderen Situationen: bei Hunden, die auf frühere Impfungen deutlich reagiert haben, bei schwer vorerkrankten Tieren, oder wenn die Impfhistorie unbekannt ist.
Nebenwirkungen realistisch einordnen
Impfreaktionen gibt es, und sie zu verschweigen hilft niemandem.
Häufig und harmlos sind Müdigkeit und leichte Abgeschlagenheit für ein bis zwei Tage, eine örtliche Schwellung an der Einstichstelle sowie leicht erhöhte Temperatur. Das ist kein Fehler, sondern das Immunsystem bei der Arbeit.
Selten sind allergische Reaktionen. Sie treten typischerweise innerhalb der ersten Stunden auf und zeigen sich als Schwellungen im Gesicht, Quaddeln, Erbrechen oder Kreislaufproblemen. Deshalb ist es sinnvoll, den Hund am Impftag im Blick zu behalten und nicht direkt danach allein zu lassen.
Sehr selten sind schwerwiegende Reaktionen.
Wichtig ist die Verhältnismäßigkeit: Eine Parvovirose-Erkrankung ist für einen Welpen lebensgefährlich und die Behandlung intensiv und teuer. Das Risiko einer schweren Impfreaktion liegt um Größenordnungen darunter. Wer eine frühere Impfreaktion erlebt hat, sollte das aber unbedingt melden – der Impfplan lässt sich anpassen, etwa durch Aufteilen von Komponenten oder Vorbehandlung.
Ein kranker Hund wird grundsätzlich nicht geimpft. Fieber, Durchfall oder ein akuter Infekt sind ein Grund zu verschieben, nicht auszulassen.
Der Hund aus dem Ausland
Hunde aus dem Auslandstierschutz brauchen eine eigene Betrachtung. Der Impfpass ist manchmal vollständig und korrekt – manchmal aber auch großzügig ausgefüllt worden.
Sinnvoll ist, den Pass tierärztlich prüfen zu lassen: Sind Chipnummer, Datum und Impfstoffaufkleber schlüssig? War der Hund beim Ersteintrag alt genug? Passt die Reihenfolge? Im Zweifel wird nachgeimpft oder der Titer bestimmt – nachimpfen schadet nicht, eine falsch angenommene Immunität dagegen schon.
Dazu kommt, dass in vielen Herkunftsländern Krankheiten vorkommen, die hier selten sind
– HCC etwa zirkuliert in Osteuropa weiterhin.
Was du zu Hause tun kannst
Führe den Impfpass sorgfältig und nimm ihn zu jedem Termin mit. Fotografiere die Seiten – ein verlorener Impfpass ohne Kopie bedeutet im Zweifel, dass von vorn begonnen wird.
Trag dir den Termin im 15. Lebensmonat ein, sobald der Welpe einzieht. Das ist der am häufigsten vergessene Termin überhaupt.
Frag beim Züchter nach den bereits erfolgten Impfungen und lass dir die Dokumentation aushändigen. Fehlt sie, ist das ein Warnsignal.
Beobachte deinen Hund am Impftag und plane keine große Belastung, keinen langen Spaziergang und keinen Hundekontakt direkt danach.
Bestehe im Welpenkurs auf dem Impfnachweis – auch für die anderen Teilnehmer. Das schützt deinen Hund mehr als jede Vorsichtsmaßnahme, die du allein treffen kannst.
Grenzen der Evidenz
Die Empfehlungen der StIKo Vet sind Leitlinien auf Basis von Expertenkonsens, Zulassungsdaten und epidemiologischer Lage – keine Ergebnisse randomisierter Vergleichsstudien. Sie werden regelmäßig überarbeitet, und die Einstufung der Tollwutimpfung zeigt, dass sich solche Bewertungen ändern können.
Die Angaben zur Schutzdauer stammen zu einem erheblichen Teil aus Zulassungsstudien der Hersteller, sind also je nach Präparat unterschiedlich. „Bis zu drei Jahre" ist deshalb keine allgemeine Naturkonstante, sondern eine produktabhängige Angabe.
Und die Empfehlungen zur risikogesteuerten Sozialisierung beruhen auf einer Abwägung zweier Risiken, für die es keine sauberen Vergleichsdaten gibt: Niemand hat Welpen randomisiert in „isoliert" und „sozialisiert" eingeteilt und die Langzeitfolgen gemessen. Die Abwägung ist plausibel und fachlich breit getragen, aber sie ist eine Abwägung.
Fazit
Impfen beim Hund ist weder Pflichtprogramm noch Geldmacherei, sondern eine Frage der Begründung. Core sind in Deutschland Staupe, Parvovirose und Leptospirose; Tollwut ist medizinisch herabgestuft, für Reisen aber unverzichtbar. Die Abstände unterscheiden sich – bis zu drei Jahre bei Staupe und Parvovirose, jährlich bei Leptospirose –, und der jährliche Termin ist vor allem deshalb sinnvoll, weil Leptospirose ansteht und der Hund einmal gründlich angesehen wird. Besonders wichtig ist der Termin in der 16. Lebenswoche, der die Lücke schließt, die niemand sehen kann. Und genau in dieser Zeit gilt es, den Welpen nicht wegzusperren, sondern klug auszuwählen, wo er hindarf.
Quellen
Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut: Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, Stand 06.01.2025. https://www.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/leitlinien/dokumente/impfleitlinien/Impfleitlinie_Kleintiere_2025-01-06.pdf (Core/Non-Core-Einteilung; Wiederholungsintervalle bis zu drei Jahren für Staupe und Parvovirose, jährlich für Leptospirose; Tollwut als Non-Core wegen Tilgung der terrestrischen Tollwut; Staupe-Antikörperbestimmung als Entscheidungsgrundlage für Wiederholungsimpfungen; B. bronchiseptica: Symptomreduktion, kein Infektionsschutz)
Friedrich-Loeffler-Institut: Aktuelle Impfempfehlungen der StIKo Vet für Kleintiere und Wiederkäuer. https://www.fli.de/de/aktuelles/kurznachrichten/neues-einzelansicht/aktuelle-impfempfehlungen-der-stiko-vet-fuer-kleintiere-und-wiederkaeuer/ (Definition der Core-Impfung; Tollwutimpfung nur noch bei grenzüberschreitenden Reisen empfohlen)
Truyen, U., Straubinger, R., Osterrieder, K. & Bastian, M. (2017): Die aktualisierten Impfleitlinien für Kleintiere und Pferde. Deutsches Tierärzteblatt 65(4). https://www.bundestieraerztekammer.de/btk/dtbl/archiv/2017/artikel/DTBl_04_2017-Impfleitlinien-Ktr-Pfd.pdf (Schema der Grundimmunisierung: 8., 12. und 16. Lebenswoche sowie 15. Lebensmonat)
Bundesverband für Tiergesundheit e. V.: Impfempfehlung Kleintier. https://www.bft-online.de/themen/krankheiten-vorbeugen/bedeutung-von-impfstoffen/haeufig-gestellte-fragen/impfempfehlung-kleintier (Einordnung der HCC-Impfung als weiterhin sinnvoll zum Erhalt des Bestandsschutzes; Tollwut bei Auslandsreisen zwingend und rechtliche Besserstellung geimpfter Tiere)

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