Zum Inhalt springen
unterHUNDs – Hundeschule und Verhaltenstherapie im Saarland Initiative für gewaltfreies Hundetraining

Hunderatgeber · Verhaltensbiologie beim Hund · Wissenschaft und Hundewissen

Territorialverhalten beim Hund: Verteidigen Hunde ein Revier?

Bellen am Zaun gilt als Revierverteidigung. Was Studien an Wölfen, freilebenden Hunden und Familienhunden zeigen und warum Angst dabei oft die größere Rolle spielt.

Michael Sauerwein

Ein schwarz-brauner Schäferhundmischling steht im Garten vor einem dunklen Metalltor und bellt mit erhobener Rute in Richtung Straße.

Ein Hund, der am Zaun bellt, wenn jemand vorbeigeht, gilt meist als territorial, und das Wort ruft das Bild eines Wolfs hervor, der die Grenzen seines Gebiets bewacht. Die Forschung zieht eine schärfere Linie. In der Verhaltensökologie ist ein Territorium ein verteidigtes Gebiet, und eine solche Verteidigung ist bei Wölfen und bei manchen Gruppen freilebender Hunde gut belegt. Bei Familienhunden wird das, was als territoriale Aggression bezeichnet wird, überwiegend als Aggression gegenüber Fremden am oder in der Nähe des Zuhauses gemessen, und sie hängt eng mit Angst zusammen.

Dieser Beitrag erklärt, wie sich Territorium, Streifgebiet und Kerngebiet unterscheiden, was Studien an Wölfen und freilebenden Hunden tatsächlich gemessen haben, wie das Verhalten von Familienhunden am Zaun, am Fenster und an der Tür in Fragebögen und Beißstatistiken erfasst wird, was Angst, Rasse, Gene, Kastration und Lernen dazu beitragen und warum beliebte Erklärungen über Rang oder Besitzdenken nicht gestützt sind.

1. Warum die Frage wichtig ist

1.1 Eine vertraute Szene

Ein Lieferwagen hält auf der Straße. Noch bevor der Fahrer das Gartentor geöffnet hat, steht der Hund am Zaun, bellt und rennt die Grenze entlang. Der Fahrer stellt das Paket ab und geht, und der Hund wird still. Die meisten Halter würden das territoriales Verhalten nennen: Der Hund verteidigt sein Zuhause.

Das Etikett transportiert mehr als eine Beschreibung. Es unterstellt eine Motivation (die Verteidigung eines Gebiets), einen Vergleich (auch Wölfe verteidigen Territorien) und oft eine Empfehlung (der Mensch müsse im Haus das Sagen übernehmen). Jede dieser Annahmen lässt sich an der Forschung prüfen, und sie halten nicht alle gleich gut stand.

Dasselbe Bellen am Zaun kann Verschiedenes bedeuten. Ein Hund hat vielleicht Angst vor einem sich nähernden Fremden und versucht, Abstand herzustellen. Ein anderer ist durch Bewegung auf der Straße stark erregt. Ein dritter hat gelernt, dass auf sein Bellen das Weggehen des Fremden folgt. Von außen können diese Hunde sehr ähnlich aussehen. Das Verhalten muss im Zusammenhang gelesen werden.

1.2 Worum es in diesem Beitrag geht

Der Beitrag beginnt mit den Begriffen, mit denen Ökologen die Raumnutzung von Tieren beschreiben, und geht dann auf die Territorialverteidigung bei Wölfen und freilebenden Hunden ein. Der Hauptteil behandelt Familienhunde: wie die sogenannte territoriale Aggression gemessen wird, wie sie mit Angst zusammenhängt, was Rasse, Gene, Kastration und Lernen beitragen und wie du das Verhalten im Zusammenhang lesen kannst.

2. Territorium, Streifgebiet und Kerngebiet

2.1 Die klassische Unterscheidung

Die in der Säugetierökologie gebräuchlichsten Begriffe gehen auf Burt zurück. Wie spätere Übersichtsarbeiten ihn zitieren, definierte Burt ein Territorium als „jedes verteidigte Gebiet“ und grenzte es vom Streifgebiet (home range) ab, „dem Gebiet, das das Individuum bei seinen normalen Aktivitäten der Nahrungssuche, Paarung und Jungenaufzucht durchstreift“ (Burt, 1943, zitiert nach Potts & Lewis, 2014). Eine andere Übersichtsarbeit formuliert es so: Ein Territorium ist ein Gebiet, dessen ausschließlichen Besitz oder zumindest vorrangige Nutzung Individuen aufrechtzuerhalten versuchen, während ein Streifgebiet lediglich abbildet, wie ein Tier einen bestimmten Raum genutzt hat (Burt, 1943, zitiert nach Giuggioli & Kenkre, 2014).

Der entscheidende Unterschied ist die Verteidigung. Ein Streifgebiet beschreibt, wo ein Tier hingeht; ein Territorium beschreibt ein Gebiet, aus dem es andere fernzuhalten versucht. Innerhalb eines Streifgebiets kann es territoriale Bereiche geben (Giuggioli & Kenkre, 2014). „Besitz“ ist hier ein Fachbegriff für ausschließliche oder vorrangige Nutzung, keine gedankliche Vorstellung von Eigentum.

2.2 Wie Raumnutzung gemessen wird

Moderne Studien stützen sich vor allem auf GPS-Halsbänder, die die Position eines Tieres in regelmäßigen Abständen aufzeichnen. Aus diesen Positionen schätzen Forschende eine Nutzungsverteilung, also eine Karte, wie intensiv verschiedene Teile des Gebiets genutzt werden; mathematisch ähnelt ein Streifgebiet einer solchen Verteilung über die Zeit (Potts & Lewis, 2014). Bei Hunden werden meist zwei Schwellen angegeben: Das Kernstreifgebiet umfasst 50 % der geschätzten Nutzung, das erweiterte Streifgebiet 95 % (Molloy et al., 2017).

Diese Zahlen hängen davon ab, wie die Daten erhoben wurden. Schätzungen der Streifgebietsgröße hängen stark von der Häufigkeit der Messungen und von der Dauer der Aufzeichnung ab (Giuggioli & Kenkre, 2014), deshalb lassen sich Studien mit unterschiedlichen Halsbandeinstellungen nicht direkt vergleichen.

2.3 Was als Beleg für Territorialität gilt

Weil ein Territorium über Verteidigung definiert ist, können GPS-Daten allein es nicht zeigen. Belege kommen aus anderen Beobachtungen: aggressive Begegnungen zwischen benachbarten Gruppen, der Ort dieser Begegnungen, die Reaktion auf Eindringlinge und die Platzierung von Duftmarken. In Territorialmodellen spielen Duftmarken eine zentrale Rolle, und Territorien, die auf Markierung beruhen, verändern sich nur langsam (Potts & Lewis, 2014). Selbst Markieren ist ein indirekter Beleg, weil Marken mehrere Funktionen zugleich erfüllen können.

Die stärksten Belege verbinden deshalb mehrere Arten von Daten: wo Tiere leben, wo sie kämpfen, wer gewinnt und wer sich beteiligt. Für Wölfe liegen solche kombinierten Daten vor. Für freilebende Hunde gibt es sie für wenige Populationen. Für Familienhunde fehlen sie, wie die folgenden Abschnitte zeigen, weitgehend.

3. Wölfe: Territorialität im strengen Sinn

3.1 Todesfälle an den Rändern

Grauwölfe gehören zu den am besten untersuchten territorialen Säugetieren. Bei manchen Arten, darunter Grauwölfen, wird innerartlicher Streit als häufigste natürliche Todesursache beschrieben (Cassidy et al., 2017).

Eine Telemetriestudie im Nordosten Minnesotas erfasste von 1968 bis 1992 insgesamt 22 territoriale Wölfe, die von anderen Wölfen getötet wurden (Mech, 1994). Davon starben 23 % genau an den Grenzen ihrer geschätzten Territorien, 41 % innerhalb von 1,0 km um den geschätzten Rand (etwa 16 % des mittleren Territoriumsradius) und 91 % innerhalb von 3,2 km (etwa 50 % des mittleren Radius). Der Autor beschrieb dies als ersten Bericht über innerartliche Todesfälle entlang von Territoriumsgrenzen. Konflikte zwischen benachbarten Rudeln konzentrierten sich dort, wo ihre Gebiete aneinanderstießen, und sie endeten tödlich. Die Territorien waren geschätzt, und die Daten stammen aus einer einzigen Population.

3.2 Wer gewinnt: Rudelgröße und Zusammensetzung

Eine Langzeitstudie im Yellowstone-Nationalpark wertete 121 aggressive Begegnungen zwischen Wolfsrudeln aus den Jahren 1995 bis 2010 aus (Cassidy et al., 2015). Eine relativ größere Rudelstärke verbesserte die Chance, das gegnerische Rudel zu verdrängen. Rudel mit relativ mehr alten Tieren (älter als sechs Jahre) oder mehr erwachsenen Rüden hatten jedoch trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit höhere Siegchancen. Manche Individuen, folgerten die Autoren, sind in Konflikten zwischen Rudeln wertvoller als andere.

Der Ort einer Begegnung im Verhältnis zu den Territorien hatte keinen Einfluss auf ihren Ausgang (Cassidy et al., 2015). Das widerspricht den Daten aus Minnesota nicht, denn die eine Studie untersuchte, wo Wölfe starben, die andere, welches Rudel eine Begegnung gewann. Die beiden Ergebnisse sollten nicht zu einer Regel über einen „Heimvorteil“ verschmolzen werden. Die Population in Yellowstone war wiederangesiedelt, und für diesen Beitrag lag nur die Zusammenfassung der Studie vor.

3.3 Wer verteidigt: Rüden und Arbeitsteilung

Eine zweite Auswertung aus Yellowstone umfasste 292 aggressive Begegnungen zwischen Rudeln von 1995 bis 2011, mehr als 5.300 Beobachtungstage und 534 Wölfe (Cassidy et al., 2017). Alle Wölfe jagten Rivalen eher, wenn ihr Rudel dem Gegner zahlenmäßig überlegen war. Rüden jagten rivalisierende Rudel und einzelne männliche Eindringlinge häufiger als Fähen, und das Alter der Rüden korrelierte positiv mit dem Jagen. Grau gefärbte Wölfe waren aggressiver als schwarze, und Rüden sowie graue Wölfe hatten höhere Cortisolwerte. Die Autoren deuteten das als Arbeitsteilung bei der Verteidigung von Ressourcen und Territorium. Territorialverteidigung ist bei Wölfen also eine Gruppenaktivität, zu der Individuen unterschiedlich beitragen, keine einheitliche Reaktion jedes Rudelmitglieds. Die Studie ist eine Beobachtungsstudie, und der Zusammenhang mit Cortisol ist korrelativ.

3.4 Duftmarken an Wegkreuzungen

In einem 12.000 ha großen Naturpark im Nordwesten Spaniens sammelten Forschende zwischen 1998 und 2000 entlang von Wegen 311 Wolfslosungen (Barja et al., 2004). Die Losungen lagen bevorzugt an Kreuzungen (60,1 %) und auf auffälligen Unterlagen (72,1 %), häufiger an Kreuzungen, die weit entfernte Territorien verbinden, und mehr an größeren Kreuzungen. Die Autoren folgerten, dass Losungen eine wichtige Funktion bei der territorialen Markierung haben. Diese Funktion ist aus der Platzierung erschlossen, nicht aus den Reaktionen anderer Wölfe.

3.5 Das Wolfsrudel ist eine Familie

Beliebte Erklärungen für territoriales Verhalten bei Hunden greifen oft auf das Bild eines „Alpha“-Wolfs zurück, der sein Land verteidigt. Dieses Bild ist überholt. Eine Literaturübersicht, verbunden mit 13 Sommern Beobachtung auf Ellesmere Island, kam zu dem Schluss, dass die verbreitete Alpha-Vorstellung vor allem auf unnatürlich zusammengesetzte Gruppen von Gehegewölfen zurückgeht (Mech, 1999). Das typische wilde Rudel ist eine Familie, in der die Eltern die Aktivitäten in Arbeitsteilung lenken; die Fähe übernimmt vorwiegend die Welpenbetreuung und -verteidigung, der Rüde vorwiegend Nahrungssuche und Versorgung (warum das Dominanzkonzept Hundeverhalten nicht erklärt). Die Wolfsdaten stützen Territorialverteidigung als Gruppenaktivität einer Familie mit echten Kosten, nicht als Ausdruck von Rang.

4. Freilebende Hunde: Raumnutzung und Gruppenkonflikte

4.1 Freilebende Hunde sind keine wilden Wölfe

Freilebende Hunde gelten oft als Fenster zu dem, was Hunde „von Natur aus“ tun. Sie sind ein besseres Modell als Gehegewölfe, aber sie sind keine wilden Wölfe. Die meisten leben nah beim Menschen und sind von ihm abhängig, und ihre soziale Organisation unterscheidet sich von Ort zu Ort (wie sich Hund und Wolf im Sozialverhalten unterscheiden).

4.2 Streifgebiete aus GPS-Daten

In vier abgelegenen Aborigine-Gemeinden im australischen Northern Territory trugen 58 Hunde ein bis vier Tage lang GPS-Halsbänder, die alle ein bis drei Minuten eine Position aufzeichneten (Molloy et al., 2017). Das mittlere Kernstreifgebiet (Median) lag bei 0,27 ha, das mittlere erweiterte Streifgebiet bei 3,1 ha. Die Streifgebiete unterschieden sich zwischen den Gemeinden, und Hunde an der Küste legten pro Tag mehr Strecke zurück. Die Größe hing mit Geschlecht und Kastrationsstatus zusammen; unkastrierte Rüden streiften mehr als kastrierte Hündinnen, und Hunde in schlechtem oder mäßigem Ernährungszustand hatten größere Kerngebiete. Die Aufzeichnungszeiträume waren kurz und auf eine Jahreszeit beschränkt.

Über acht Gemeinden von Aborigines und Torres-Strait-Insulanern hinweg zeigten GPS-Daten von 135 Hunden Kernstreifgebiete von 0,17 bis 2,33 ha und erweiterte Streifgebiete von 0,86 bis 40,46 ha (Dürr et al., 2017). Unkastrierte Rüden hatten die größten Streifgebiete, gefolgt von kastrierten Hündinnen, und die Hunde streiften vor der Regenzeit mehr als danach.

Eine Studie in vier Ländern stattete 773 Hunde in Tschad, Guatemala, Indonesien und Uganda mit georeferenzierten Kontaktsensoren und GPS-Aufzeichnung aus; die Beobachtungsdauer betrug im Mittel etwa 60 Stunden (Warembourg et al., 2021). Für die Streifgebietsanalyse wurden 87 Hunde wegen zu kurzer Aufzeichnung, zu weniger GPS-Daten oder fehlender Angaben ausgeschlossen. Die mittleren Kernstreifgebiete waren auffallend ähnlich: 0,30, 0,33, 0,30 und 0,25 ha; die mittleren erweiterten Streifgebiete lagen bei 7,7, 5,7, 5,6 und 5,7 ha. Was das Streifen vorhersagte, unterschied sich jedoch zwischen den Ländern, und das Geschlecht war nur im Tschad ein Prädiktor. Die Autoren folgerten, dass das Streifverhalten eng mit dem sozioökonomischen Umfeld der Halter und der örtlichen Umgebung zusammenhängt und dass frei laufende Hunde stark vom Menschen abhängen.

Auf den Tiwi-Inseln waren von geschätzt 326 ± 52 Hunden nur 9,8 ± 2,5 % auf einen Hausgarten beschränkt (Sparkes et al., 2014). Die Aktivitätsgebiete über sieben Tage reichten von 9,2 bis 133,7 ha, Rüden streiften weiter, und unkastrierte Hündinnen sowie kastrierte Rüden hatten mehr Kontakte mit anderen Hunden als kastrierte Hündinnen oder unkastrierte Rüden. Weil die Halsbänder nur sieben Tage getragen wurden, berechneten die Autoren keine klassischen Streifgebiete und sprachen stattdessen von Aktivitätsgebieten.

4.3 Was Streifgebietsdaten nicht zeigen

Viele frei laufende Dorfhunde verbringen den größten Teil ihrer Zeit auf einem Bruchteil eines Hektars rund um das Haus ihrer Halter. Was diese Studien nicht zeigen, ist Verteidigung. Keine von ihnen hat gemessen, ob Hunde andere Hunde aus ihren Kerngebieten fernhielten, und die Hunde auf den Tiwi-Inseln hatten häufig Kontakt miteinander (Sparkes et al., 2014). Ein kleines Kerngebiet als Territorium zu bezeichnen, würde Belege für Verteidigung erfordern, die nicht erhoben wurden. Ein Streifgebietsbefund beschreibt, wie ein Hund den Raum nutzt, und nicht mehr.

4.4 Gruppenverteidigung in Rom

Die deutlichsten Belege für eine gemeinsame Verteidigung von Raum bei Hunden stammen von freilebenden Hunden in Rom. Konflikte zwischen benachbarten Gruppen waren dort regelmäßige Ereignisse mit erkennbaren Beteiligten und vorhersehbarer Eskalation und Rückzug, und die Gruppen waren stabil und zeigten koordiniertes gemeinsames Verhalten (Bonanni, Valsecchi & Natoli, 2010). Wie diese Gruppen organisiert sind, wird an anderer Stelle besprochen (wie freilebende Hunde ihr Sozialleben organisieren).

Eine Studie zu natürlich auftretenden Konflikten in einer vorstädtischen Population freilebender Hunde ergab: Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Rudelmitglied sich den Gegnern aggressiv näherte, stieg, je kleiner das Verhältnis von Rivalen zu eigenen Gefährten war, und die Wahrscheinlichkeit, dass sich mehr als die Hälfte des Rudels zurückzog, stieg mit diesem Verhältnis (Bonanni et al., 2011). Die Einschätzung wurde bei größerem Ungleichgewicht genauer, sofern mindestens ein Rudel mehr als vier Mitglieder hatte. Die Hunde verhielten sich also, als würden sie Gegner und Gefährten vergleichen, bevor sie sich auf einen Kampf einließen. Die Studie ist eine Beobachtungsstudie, und ihre Stichprobengröße ließ sich für diesen Beitrag nicht prüfen.

4.5 Grenzen und Gerüche in Indien

In Katwa, einer Stadt in Indien, begleitete eine zwölfmonatige Studie 21 freilebende Hunde in vier benachbarten Gruppen (Pal, 2015). Gemeinsame Verteidigung fand vor allem an den Territoriumsgrenzen statt, Rüden zeigten dort mehr agonistisches Verhalten, und in den meisten Fällen beteiligte sich mehr als ein Hund an Konflikten. Das Streifgebiet der Gruppen war im späten Monsun und im Winter am größten. Die Stichprobe war klein und stammte aus einer einzigen Stadt.

In einem Rudel freilebender Hunde wurden Duftmarken genutzt, um eine „Grundstücksgrenze“ zu bilden und Rivalen in Konflikten zu drohen; beide Geschlechter markierten außerdem im Zusammenhang mit dem Rang und vermutlich, um Futter wiederzufinden oder Besitz zu wahren, und die Autoren betonten, dass sich diese Funktionen nicht gegenseitig ausschließen (Cafazzo et al., 2012). Ein Feldexperiment in Indien bot Duftmarken von Hunden unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Gruppen an strategischen Stellen eines Territoriums an (Biswas et al., 2025). Beide Geschlechter interessierten sich mehr für die Marken als für Kontrollreize, Übermarkieren zeigten vor allem Rüden, besonders bei Marken von Rüden und von Nachbargruppen, und die Gerüche von Rüden aus Nachbargruppen lösten die deutlichsten Reaktionen aus. Die Autoren folgerten, dass Duftmarken sowohl die Territorialverteidigung als auch die Konkurrenz innerhalb eines Geschlechts vermitteln (was Markieren zwischen Hunden mitteilt).

Gruppenleben besteht nicht nur aus Konflikten. Eine fünfjährige Studie an 23 Mutter-Wurf-Einheiten in 15 Gruppen dokumentierte verbreitete Fremdaufzucht durch erwachsene Rüden und Hündinnen; mutmaßliche Väter spielten mehr mit den Welpen und schützten sie mehr (Paul & Bhadra, 2018). Welpen zu schützen ist eine Form der Verteidigung, aber keine Verteidigung eines Gebiets.

4.6 Unterschiede zwischen Populationen

Die Forschung stützt keine allgemeine Aussage wie „Hunde verteidigen Territorien“. Stabile Rudel mit koordinierten Konflikten zwischen Gruppen wurden in Rom beschrieben (Bonanni, Valsecchi & Natoli, 2010), kleinere, familienbasierte Gruppen mit Grenzverteidigung in einer indischen Stadt (Pal, 2015) und kleine, an den Haushalt der Halter gebundene Streifgebiete ohne jede Messung von Verteidigung in Dorfpopulationen (Warembourg et al., 2021). Hunde sind unter manchen ökologischen Bedingungen zu gemeinsamer Raumverteidigung fähig. Ob eine Population territorial ist, hängt von ihrer Ökologie, der Stabilität der Gruppen und der Abhängigkeit vom Menschen ab.

5. Familienhunde: Was „territoriale Aggression“ in den Daten bedeutet

5.1 Ein Etikett für einen Ort

Bei Familienhunden meint „territoriale Aggression“ meist Aggression am oder in der Nähe des Zuhauses: Bellen und Vorschnellen am Zaun oder Fenster, Drohen gegenüber Besuchern oder Losstürmen auf Zusteller. Das Etikett benennt, wo das Verhalten auftritt, nicht warum (warum Aggressionsetiketten Situationen statt Ursachen beschreiben). Die Bedingungen, die Territorialität bei Wölfen ausmachen, fehlen weitgehend: Es gibt keine benachbarten rivalisierenden Gruppen und keinen Beleg dafür, dass der Hund über längere Zeit ein ausschließliches Gebiet gegen andere Hunde behauptet. Was bleibt, ist ein Hund, der an einem vertrauten Ort auf Menschen und Hunde reagiert.

5.2 Wie der C-BARQ es erfasst

Ein großer Teil der umfangreichen Forschung nutzt den Canine Behavioral Assessment and Research Questionnaire (C-BARQ). In seiner Validierungsstudie beantworteten Halter von 1.851 Hunden sowie von 203 Hunden aus einer Verhaltenssprechstunde 152 Fragen, und die Faktorenanalyse ergab aus 68 Fragen 11 Faktoren, die 57 % der gemeinsamen Varianz erklärten; 200 der 203 Sprechstundenhunde ließen sich sieben diagnostischen Kategorien zuordnen, die zu sieben Faktoren passten (Hsu & Serpell, 2003).

Die Fragenliste, die mit einer späteren Studie veröffentlicht wurde, zeigt, wo Situationen am Zuhause landen (Farhoody et al., 2018). „Wenn Postboten oder andere Zusteller sich deinem Zuhause nähern“, „wenn Fremde an deinem Zuhause vorbeigehen, während dein Hund draußen oder im Garten ist“, „wenn Jogger, Radfahrer, Inlineskater oder Skateboarder an deinem Zuhause vorbeikommen“, „wenn sich eine fremde Person dir oder einem anderen Familienmitglied zu Hause nähert“, „gegenüber fremden Personen, die dich zu Hause besuchen“ und „gegenüber fremden Personen, die sich dem Hund nähern, während er im Auto ist“ gehören alle zur fremdengerichteten Aggression. „Gegenüber fremden Hunden, die zu Besuch kommen“ gehört zur hundegerichteten Aggression.

In den hier ausgewerteten Quellen gibt es keinen eigenen validierten Faktor für Territorialität. Was Halter territorial nennen, wird als Aggression gegenüber Fremden gemessen, wobei Situationen am Zuhause mit dem Auto und anderen Situationen gemischt sind. Befunde zur fremdengerichteten Aggression gelten deshalb für eine Sammelskala, nicht speziell für den Zaun oder die Tür.

5.3 Wie häufig es vorkommt

In einer britischen Halterbefragung wurde Aggression gegenüber fremden Menschen, die das Haus betreten, bei etwa 7 % der Hunde berichtet, gegenüber Familienmitgliedern bei etwa 3 % (Casey et al., 2014). Aggression trat selten in mehreren Situationen zugleich auf, und die erfassten Variablen erklärten weniger als 10 % der Varianz. Der Einsatz von positiver Strafe oder negativer Verstärkung ging mit mehr berichteter Aggression gegenüber Fremden einher. Die genaue Stichprobengröße und die Effektstärken ließen sich nicht an der Originalquelle prüfen.

Bei 13.700 finnischen Hunden wurde Aggression gegenüber Familienmitgliedern und gegenüber Fremden jeweils bei 6 % berichtet, und nur 9 % der aggressiven Hunde waren gegenüber beiden aggressiv (Salonen et al., 2020). In einer britischen Befragung zu Aggression gegenüber Hunden berichteten 22 % der Halter Aggression gegenüber fremden Hunden und 8 % gegenüber Hunden im eigenen Haushalt, mit geringer Übereinstimmung zwischen hunde- und menschengerichteter Aggression (Casey et al., 2013). Aggression ist oft an eine Situation und ein Ziel gebunden, ein weiterer Grund, „territoriale Aggression“ als Beschreibung einer Situation zu behandeln und nicht als Eigenschaft.

5.4 Bisse zu Hause und auf Grundstücken

In einer Online-Gelegenheitsstichprobe von 484 Gebissenen kannten 66,1 % den beißenden Hund (Oxley et al., 2018). Von 402 Bissen mit erfasstem Ort ereigneten sich 40,5 % auf Privatgrundstücken, 27,4 % im öffentlichen Raum und 16,7 % auf Geschäftsgelände; 0,7 % geschahen an einer Grenze zwischen öffentlichem und privatem Raum, etwa wenn jemand einen Arm durch einen Zaun streckte. Von 398 beschriebenen Situationen betrafen 34,7 % den Umgang mit dem Hund und 20,1 % das Gehen oder Vorbeigehen; das Betreten oder Verlassen eines Hauses, Raums, Grundstücks oder Gartens machte 6,5 % aus, das Zustellen von Post, Zeitungen oder Prospekten 3,0 %. Die meisten Bisse waren leicht: 62,3 % der Gebissenen suchten keine medizinische Behandlung. Die Stichprobe war selbst ausgewählt, die Situationen wurden von den Gebissenen beschrieben, und die Motivation der Hunde ist unbekannt.

In einer Gemeindebefragung in Cheshire mit 694 Befragten in 385 Haushalten waren 24,78 % schon einmal gebissen worden, bei einer Inzidenz von 18,7 pro 1.000 Personen und Jahr; 54,7 % der Bisse stammten von einem Hund, den die Person nie zuvor getroffen hatte (Westgarth et al., 2018). Halter mehrerer Hunde berichteten 3,3-mal häufiger, gebissen worden zu sein. Ob diese Bisse auf dem Grundstück des Hundes geschahen, wurde in den für diesen Beitrag zugänglichen Teilen nicht ausgewertet.

Eine tierarztpraxisbasierte Studie in Kingston, Jamaika (660 Hunde) und San Francisco (452 Hunde) fand, dass Hunde, die als Gefährten angeschafft worden waren, häufiger gebissen hatten als Hunde, die zum Schutz angeschafft worden waren (relatives Risiko 1,66; 95-%-KI 1,02 bis 2,70), und dass es mit Beißen zusammenhing, wenn der Hund regelmäßig bei Besuch anwesend sein durfte (Messam et al., 2008). Andere Risikofaktoren unterschieden sich zwischen den Städten: Das Schlafen im Schlafzimmer eines Familienmitglieds war in Kingston ein Risikofaktor, nicht aber in San Francisco, das unbegleitete Verlassen des Gartens in San Francisco, nicht aber in Kingston. Die Autoren betonten, dass Zusammenhänge sich je nach Kultur unterscheiden. Der Befund zu Schutzhunden widerspricht dem Klischee vom Wachhund, ist aber mit Vorsicht zu lesen, weil Hunde, die zum Schutz gehalten werden, womöglich stärker eingeschränkt und deshalb seltener Situationen ausgesetzt sind, in denen Bisse passieren.

6. Angst und fremdengerichtetes Verhalten

6.1 Aggression und Angst vor Fremden treten gemeinsam auf

Wenn die häusliche Form vor allem fremdengerichtete Aggression ist, dann ist Angst ihr beständigster Begleiter in den großen Befragungen. In einer C-BARQ-Studie zu Rasseunterschieden korrelierte fremdengerichtete Aggression in beiden Stichproben mit fremdengerichteter Angst: rs = 0,357 (n = 1.275) und rs = 0,409 (n = 3.216), jeweils P < 0,0001 (Duffy et al., 2008). Das sind mittlere Korrelationen: Hunde, die als aggressiver gegenüber Fremden eingeschätzt wurden, wurden tendenziell auch als ängstlicher gegenüber Fremden eingeschätzt; nicht jeder aggressive Hund ist ängstlich.

6.2 Angst als stärkster Zusammenhang

Eine Studie an finnischen Rassehunden wertete 9.270 Hunde aus, davon 1.791 mit häufiger Aggression gegenüber Menschen (Mikkola et al., 2021). Zu den Fragen gehörten Knurren oder Schnappen, wenn ein Fremder den Hund „zu Hause oder draußen“ anfassen wollte. Höheres Alter, männliches Geschlecht, geringe Körpergröße, fehlende Artgenossen im Haushalt, der erste Hund des Halters, die Rasse und Ängstlichkeit gingen mit höheren Chancen einher. Ängstlichkeit war der stärkste Faktor: Hohe gegenüber niedriger Ängstlichkeit hatte ein Odds Ratio von 5,181 (95-%-KI 4,525 bis 5,917), mittlere gegenüber niedriger 1,931 (1,667 bis 2,237). Die Autoren konnten angstbedingte nicht von anderer Aggression trennen, hielten es für möglich, dass die meisten Hunde angstbedingte Aggression zeigten, und werteten den häuslichen Kontext nicht gesondert aus.

In der größeren finnischen Stichprobe waren ängstliche Hunde 3,2-mal häufiger aggressiv als nicht ängstliche, was die Autoren so deuteten, dass Aggression häufig durch Angst motiviert ist (Salonen et al., 2020). Das ist eine Deutung gemeinsamen Auftretens, keine Messung von Motivation (wie Angst und Furcht im Gehirn des Hundes arbeiten).

6.3 Woher soziale Angst kommt

Bei 6.000 finnischen Hunden hing Angst vor Artgenossen oder fremden Menschen mit städtischem Wohnumfeld, mangelhafter Sozialisierung im Welpenalter, seltenem Training und wenigen Aktivitäten, geringer Größe, weiblichem Geschlecht und Kastration zusammen, mit Unterschieden zwischen Rassen (Puurunen et al., 2020). Die Studie war eine Querschnittsstudie, die Richtung der Zusammenhänge ist also offen, aber Angst vor Fremden hat Zusammenhänge mit Entwicklung und Umwelt, nicht nur mit Genetik.

6.4 Korrelation ist nicht Motivation

Bei einem Hund, der am Zaun bellt und vorschnellt, kann man nicht einfach annehmen, dass er selbstsicher verteidigt. Bei vielen Hunden dient das Verhalten womöglich dazu, Abstand zu vergrößern; bei anderen ist es eine Mischung aus Annäherung und Meiden oder hohe Erregung ohne viel Angst. Keine der hier ausgewerteten Studien hat die Motivation direkt an der Grundstücksgrenze untersucht, und der Schluss vom Verhalten auf eine Emotion ist immer eine Deutung (warum Verhalten keine direkte Anzeige für Emotion ist). Der vorsichtige Schluss lautet: Territoriales Verhalten zu Hause ist oft angstbezogen, und diese Möglichkeit sollte bedacht werden, bevor man selbstsichere Verteidigung unterstellt.

7. Bellen gegenüber Fremden

7.1 Bellen unterscheidet sich je nach Situation

Bellen ist der häufigste Teil dessen, was Halter territoriales Verhalten nennen. Ein theoretischer Beitrag widersprach der Ansicht, Bellen sei funktionslos, und schlug vor, dass sich die Struktur des Bellens vorhersagbar mit der Situation verändert (Yin, 2002). Das Bellen von zehn Hunden war in einer Störungssituation rau, tief und wenig moduliert, während Bellen beim Alleinsein und im Spiel höher und tonaler klang (Yin & McCowan, 2004). Woraus die Störungssituation genau bestand, ließ sich hier nicht prüfen.

Mit Bellaufnahmen von Mudis aus gestellten Situationen, darunter ein Fremder am Tor, ordneten menschliche Hörer die Situationen „weit über dem Zufallsniveau“ zu (Pongrácz et al., 2005). Tiefes, raues Bellen mit kurzen Abständen war typisch für die Situationen mit Fremden und Kampf (Pongrácz, Molnár & Miklósi, 2006). Die Aufnahmen stammten von einer einzigen Rasse, und die Situationen waren gestellt (was Bellen, Knurren und Winseln mitteilen).

7.2 Für wen ist das Bellen gedacht?

Eine Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass Bellen Menschen Informationen über den inneren Zustand des Hundes liefert, es aber nur wenige Hinweise darauf gibt, dass Hunde Bellen zur Verständigung untereinander nutzen (Pongrácz, Molnár & Miklósi, 2010). Daraus ergibt sich eine Hypothese: Bellen am Zaun könnte ebenso sehr ein Signal an den eigenen Haushalt sein wie an den Fremden. Weil Bellen in Situationen mit Fremden akustisch eigenständig ist, kann es Menschen zumindest mitteilen, dass etwas Ungewöhnliches passiert. Keine der hier ausgewerteten Studien hat geprüft, an wen sich Bellen am Zaun richtet, und die Hypothese sollte nicht als Befund behandelt werden.

8. Rasse, Gene und Sexualhormone

8.1 Rasseunterschiede auf Populationsebene

In der C-BARQ-Rassestudie war Aggression gegenüber anderen Hunden am ausgeprägtesten, dann gegenüber fremden Menschen, dann gegenüber Haushaltsmitgliedern (Duffy et al., 2008). Dackel, Chihuahuas und Jack Russell Terrier erreichten hohe Werte für ernsthafte Aggression gegenüber Fremden und Haltern, Australian Cattle Dogs gegenüber Fremden, während Golden und Labrador Retriever, Berner Sennenhunde, Bretonen, Greyhounds und Whippets zu den am wenigsten aggressiven zählten. In Finnland wurde Aggression gegenüber Fremden bei 10,6 % der Zwergschnauzer, aber nur bei 0,4 % der Labrador Retriever berichtet (Salonen et al., 2020).

Duffy et al. (2008) verglichen ihre Rangfolgen außerdem mit Expertenrangfolgen für „Wachhundbellen“ (Melden eines Eindringlings) und „Territorialverteidigung“ (Angriff auf einen Eindringling) und fanden weitgehende Übereinstimmung mit einigen abweichenden Rassen. Das ist die einzige Stelle in den Quellen zu Familienhunden, an der „territorial“ als eingestuftes Merkmal auftaucht, und sie beruht auf Expertenurteilen. Eine genetische Studie mit mehr als 14.000 Hunden aus 101 Rassen fand eine hohe Erblichkeit zwischen Rassen für 14 Verhaltensmerkmale und 131 zugehörige Genvarianten in der Nähe von Genen, die im Gehirn stark exprimiert werden (MacLean et al., 2019). Die merkmalsspezifische Erblichkeit für fremdengerichtete Aggression ließ sich für diesen Beitrag nicht prüfen.

8.2 Wenig Vorhersagekraft für den einzelnen Hund

Rassedurchschnitte sagen wenig über einen einzelnen Hund. Duffy et al. (2008) wiesen darauf hin, dass die erhebliche Streuung innerhalb der Rassen auf eine große Rolle von Entwicklung und Umwelt hindeutet und dass Halterangaben durch Rasseklischees verzerrt sein können. Bei 18.385 befragten und 2.155 genotypisierten Hunden hatten die meisten Merkmale eine Erblichkeit über 25 %, doch die Rasse erklärte nur etwa 9 % der Verhaltensunterschiede zwischen einzelnen Hunden (Morrill et al., 2022). Für die „agonistische Schwelle“, also wie leicht ein Hund durch beängstigende, unangenehme oder störende Reize zu provozieren ist, war die Rasse nahezu ohne Aussagekraft. Lexikonrangfolgen für „Wachhundeignung“ und „Freundlichkeit gegenüber Fremden“ korrelierten beide mit der Geselligkeit gegenüber Menschen, aber in entgegengesetzter Richtung (wie wenig die Rasse über den einzelnen Hund verrät). „Wachhunderassen sind territorial, andere nicht“ ist damit nicht gestützt.

8.3 Kastration und territoriale Aggression

Die älteste Studie, die territoriale Aggression gesondert erfasste, ist eine rückblickende Untersuchung an 42 erwachsenen Rüden, die wegen Verhaltensproblemen kastriert worden waren; die Halter wurden im Mittel 27 Monate danach telefonisch befragt (Hopkins, Schubert & Hart, 1976). Das mittlere Kastrationsalter lag bei 24 Monaten (8 Monate bis 12 Jahre). Zu den Problemen gehörten Streunen (16 Hunde), Urinmarkieren im Haus (10), Aufreiten (15), Aggression gegenüber anderen Rüden (8), territoriale Aggression (8) und angstbedingte Aggression (4). Die Autoren teilten Aggression in mehrere Typen ein, darunter konkurrenzbedingte, angstbedingte, schmerzbedingte, räuberische, territoriale, mütterliche und erlernte Aggression, ein Schema, das auf der Situation beruht und nicht auf gemessener Motivation.

Das Streunen ging bei 90 % zurück, Aggression gegenüber anderen Rüden nahm bei 62 % der acht betroffenen Hunde ab, und Urinmarkieren im Haus ging bei etwa der Hälfte zurück. Territoriale und angstbedingte Aggression veränderten sich nicht (Hopkins, Schubert & Hart, 1976). Die 62 % sind ein Anteil der Hunde, keine Verringerung der Aggression um 62 %. Die Autoren warnten selbst, dass ihre Prozentwerte die subjektiven Halterangaben nicht genau abbilden. Mit acht Hunden, ohne Kontrollgruppe und mit Erinnerungsdaten zeigt die Studie nur, dass die Kastration territoriale Aggression in dieser kleinen Gruppe nicht erkennbar veränderte (was Testosteron bei Aggression bewirkt und was nicht).

Eine C-BARQ-Studie wertete 13.498 Fragebögen zur Aggression gegenüber Fremden aus (Farhoody et al., 2018). Sie fand eine geringe, aber signifikante Erhöhung der Chance auf mittlere oder schwere fremdengerichtete Aggression bei kastrierten Hunden, die vollständig auf Hunde zurückging, die mit 7 bis 12 Monaten kastriert worden waren (26 % wahrscheinlicher), und keinen Zusammenhang mit Aggression gegenüber vertrauten Menschen oder Hunden. In Finnland hing Kastration mit sozialer Ängstlichkeit zusammen (Puurunen et al., 2020). Die Richtungen sind nicht einheitlich, und alle Daten stammen aus Querschnittsstudien oder unkontrollierten Studien, aber keine davon stützt die Kastration als Behandlung territorialer oder fremdengerichteter Aggression (was Kastration am Verhalten verändert und was nicht).

9. Was das Verhalten aufrechterhält

9.1 Der Postbote, der immer geht

Ein Merkmal territorialen Verhaltens zu Hause wird oft übersehen: Der Fremde geht fast immer wieder. Der Postbote geht weiter, der Passant läuft weiter, der Fahrer fährt davon. Für den Hund endet jede Episode gleich, ob das Bellen etwas damit zu tun hatte oder nicht.

Die Lerntheorie bietet einen plausiblen Mechanismus. Wenn auf das Bellen das Weggehen von etwas folgt, das der Hund als bedrohlich oder beunruhigend erlebt, kann dieses Weggehen als negative Verstärkung wirken, und über viele Wiederholungen kann das Bellen stärker und schneller werden. Das ist eine Hypothese. Eine empirische Studie zum Bellen gegenüber Postboten mit überprüfbarer Veröffentlichung wurde nicht gefunden, und wie viel Lernen im Vergleich zu Angst, Erregung oder Genetik beiträgt, ist unbekannt.

9.2 Wiederholung, Sensibilisierung und Erregung

Wiederholte Reize können zu Gewöhnung oder zu Sensibilisierung führen, je nach Reizstärke und Zustand des Tieres (wann Wiederholung beruhigt und wann sie sensibilisiert). Ein Hund, der den ganzen Tag auf eine belebte Straße schaut, kann sich daran gewöhnen oder reaktiver werden. Auch Erregung kann sich aufbauen: Ein Hund, der innerhalb einer Stunde drei Passanten angebellt hat, reagiert auf den vierten womöglich stärker. Beide Überlegungen passen zu dem, was über Erregung und Lernen bekannt ist, aber keine wurde gezielt an der Grundstücksgrenze untersucht.

Lernen, Angst und Erregung sind keine konkurrierenden Erklärungen. Ein Hund, der leicht ängstlich gegenüber Fremden ist, stark auf Bewegung anspricht und immer wieder erlebt, dass Fremde nach seinem Bellen gehen, kann von allen dreien zugleich beeinflusst sein. Was bei einem bestimmten Hund überwiegt, lässt sich aus den Fragebogendaten nicht ablesen, und die Antwort kann sich ändern, wenn sich das Verhalten über Monate wiederholt.

9.3 Erklärungen, die die Belege nicht stützen

Vier beliebte Erklärungen sind weit verbreitet, und die hier ausgewerteten Belege stützen sie nicht.

Der Hund verteidige das Territorium seines Rudels wie ein Wolf: Wölfe verteidigen Territorien unter hohen Kosten gegen benachbarte Rudel (Mech, 1994; Cassidy et al., 2015, 2017), und das Wolfsrudel ist eine Familie (Mech, 1999). Ein Familienhund lebt nicht in einer territorialen Gruppe mit rivalisierenden Nachbargruppen, und stabile territoriale Gruppen sind nur in manchen freilebenden Populationen belegt (Bonanni et al., 2011; Pal, 2015). Der Vergleich lässt sich nicht übertragen.

Der Hund belle am Zaun, um zu zeigen, wer der Chef ist: Keine der hier ausgewerteten Quellen bringt Bellen am Zaun oder an der Tür mit Rang in Verbindung. Diese Situationen werden als fremdengerichtete Aggression gemessen (Farhoody et al., 2018), und diese korreliert mit Angst (Duffy et al., 2008; Mikkola et al., 2021; Salonen et al., 2020).

Der Hund bewache das Haus, weil er glaube, es gehöre ihm: Keine Studie hat Besitzvorstellungen bei Hunden gemessen. Der biologische Territoriumsbegriff ist über Verteidigung definiert, nicht über eine gedankliche Vorstellung von Eigentum (Burt, 1943, zitiert nach Potts & Lewis, 2014). Zu beschreiben, was der Hund tut, wo und gegenüber wem, ist genauer.

Kastration heile territoriale Aggression: Territoriale Aggression veränderte sich bei acht kastrierten Hunden nicht (Hopkins, Schubert & Hart, 1976), und die große C-BARQ-Studie fand keine Verringerung fremdengerichteter Aggression (Farhoody et al., 2018).

10. Das Verhalten im Zusammenhang lesen

10.1 Dasselbe Bellen, verschiedene Bedeutungen

Es gibt keinen Test, der zeigt, welche Motivation hinter dem Verhalten eines bestimmten Hundes am Zaun steht. Die Forschung bietet eine Reihe von Möglichkeiten, die man auseinanderhalten sollte: Angst vor Fremden, hohe Erregung durch Bewegung oder Geräusche, Verhalten, das durch seine Folgen aufrechterhalten wird, Frust an einer Barriere und bei manchen Hunden vielleicht eine selbstsichere Drohung. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus, und ein Hund kann an verschiedenen Tagen unterschiedliche Mischungen zeigen. Haltung, zeitlicher Ablauf und Erholung liefern Hinweise: Ein Hund, der mit nach hinten verlagertem Gewicht und zurückgelegten Ohren bellt, ist womöglich in einem anderen Zustand als einer, der aufrecht mit nach vorn gerichteten Ohren steht, auch wenn solche Signale für sich allein mehrdeutig sind (wie du Haltung und Mimik beim Hund liest).

Aus der Praxis: Oft hilft es, die Frage „Wie erregt ist mein Hund?“ von der Frage „Wie viel Angst hat mein Hund?“ zu trennen. Ein Hund, der bei jeder Bewegung bellt, auch bei bekannten Nachbarn, hat womöglich vor allem mit Erregung zu tun, während ein Hund, der nur auf fremde Menschen reagiert und ihnen danach ausweicht, womöglich vor allem mit Angst zu tun hat. Diese Unterscheidung stammt aus der Trainingspraxis, nicht aus kontrollierten Studien, und viele Hunde zeigen beides.

10.2 Den Zugang zur Grenze steuern

Wenn Lernen und Wiederholung beteiligt sind, zählt die Zahl der Wiederholungen. Weniger Episoden verändern nicht die zugrunde liegende Motivation, können aber verhindern, dass das Verhalten stärker wird, während an anderem gearbeitet wird.

Aus der Praxis: Wenn du den unbeaufsichtigten Zugang zu den Orten begrenzt, an denen das Verhalten auftritt, etwa zu einem Zaun an einem belebten Fußweg oder zu einem niedrigen Fenster zur Straße, sinkt die Zahl der Episoden oft deutlich. Sichtschutzfolie, umgestellte Möbel oder begleitete Gartenzeiten sind einfache Wege dazu. Das ist eine Beobachtung aus der Praxis, kein Ergebnis kontrollierter Studien.

10.3 Sicherheit bei Besuch und Zustellern

Bisse passieren auf Privatgrundstücken, manche beim Betreten eines Hauses oder beim Zustellen (Oxley et al., 2018), und die regelmäßige Anwesenheit des Hundes bei Besuch hing mit Beißen zusammen (Messam et al., 2008). Keine der beiden Studien belegt eine Ursache, aber der Moment, in dem jemand hereinkommt, verdient Aufmerksamkeit.

Aus der Praxis: Bei Hunden, die stark auf Besuch oder Zusteller reagieren, ist es sicherer, wenn dein Hund schon hinter einer geschlossenen Tür oder einem Gitter ist, bevor du die Haustür öffnest, und wenn er Besucher, wenn überhaupt, erst trifft, wenn sie drinnen und ruhig sind. Ein Briefkasten außen am Zaun sorgt dafür, dass niemand in den Bereich des Hundes greifen muss. Diese Maßnahmen stammen aus der Praxis und sollen Vorfälle verhindern, nicht die Motivation des Hundes verändern.

10.4 Training und aversive Methoden

Training bei Reaktionen auf Fremde zu Hause zielt meist darauf, die emotionale Reaktion des Hundes zu verändern, etwa indem ein Fremder auf Abstand mit etwas Angenehmem verknüpft und die Reizstärke schrittweise gesteigert wird, während der Hund unter seiner Reaktionsschwelle bleibt (wie Desensibilisierung und Gegenkonditionierung emotionale Reaktionen verändern).

Aversive Methoden, etwa den Hund beim Bellen zu erschrecken oder zu bestrafen, können das Bellen im Moment beenden. Die Frage ist, was der Hund dabei lernt und zu welchem Preis. Wenn das Bellen angstbezogen ist, fügt Strafe einer Situation, die der Hund ohnehin als bedrohlich erlebt, eine weitere unangenehme Erfahrung hinzu. In britischen Befragungen ging der Einsatz von positiver Strafe oder negativer Verstärkung mit mehr berichteter Aggression gegenüber Fremden und Hunden einher, auch wenn das Studiendesign keine Ursache-Wirkungs-Beziehung zeigt (Casey et al., 2013, 2014). Strafe kann außerdem Warnsignale unterdrücken, ohne den zugrunde liegenden Zustand zu verändern (was Strafe mit Warnsignalen und Verhalten machen kann).

Aus der Praxis: Training am Zaun oder an der Tür kommt meist verlässlicher voran, wenn es bei einem Abstand oder einer Lautstärke beginnt, bei der dein Hund den Auslöser noch wahrnehmen und auf dich reagieren kann, und wenn die Einheiten kurz sind und enden, bevor er überfordert ist. Das ist eine Beobachtung aus der Praxis, nicht aus kontrollierten Studien.

11. Zusammenfassung auf einen Blick

Ein Territorium ist ein verteidigtes Gebiet, ein Streifgebiet das Gebiet, das ein Tier nutzt (Burt, 1943, zitiert nach Potts & Lewis, 2014; Giuggioli & Kenkre, 2014). GPS-Studien an frei laufenden Hunden messen Streifgebiete, oft mit Kerngebieten von einem Bruchteil eines Hektars, aber keine Verteidigung (Molloy et al., 2017; Dürr et al., 2017; Warembourg et al., 2021).

Wölfe sind im strengen Sinn territorial: Konflikte zwischen Rudeln können tödlich sein und konzentrieren sich nahe den Territoriumsrändern, ihr Ausgang hängt von Rudelgröße und Zusammensetzung ab, und Rüden sind auf Verteidigung spezialisiert (Mech, 1994; Cassidy et al., 2015, 2017). Manche Populationen freilebender Hunde verteidigen Raum gemeinsam und schätzen die Zahl der Gegner ein, doch die soziale Organisation unterscheidet sich zwischen Populationen (Bonanni et al., 2011; Pal, 2015; Biswas et al., 2025).

Bei Familienhunden wird territoriale Aggression als fremdengerichtete Aggression gemessen, ohne eigenen Territorialfaktor (Farhoody et al., 2018). Sie korreliert mit Angst (Duffy et al., 2008; Mikkola et al., 2021). Die Rasse erklärt wenig von den Unterschieden zwischen einzelnen Hunden (Morrill et al., 2022), und Kastration veränderte territoriale Aggression in einer kleinen, unkontrollierten Studie nicht (Hopkins, Schubert & Hart, 1976). Lernen durch das wiederholte Weggehen von Fremden ist plausibel, aber ungeprüft. Erklärungen über Rudel, Rang und Besitzdenken sind nicht gestützt.

12. Forschungslücken und kritische Einordnung

12.1 Keine Studie an der Grundstücksgrenze

Die zentrale Lücke: Keine der hier ausgewerteten Studien hat die Motivation von Familienhunden direkt an der Grundstücksgrenze gemessen, mit standardisierten Auslösern und Maßen für Angst, Erregung und Erholung. Alles, was über die Motivation gesagt wird, ist aus Fragebogenkorrelationen und aus anderen Populationen erschlossen. Beobachtungsstudien, die das Verhalten an echten Zäunen und Türen über längere Zeit erfassen, zusammen mit Körpersprache und Erholung, würden einen großen Teil dieser Lücke schließen.

12.2 Halterangaben als Messinstrument

Die Daten zu Familienhunden stammen fast vollständig aus Halterfragebögen. Der C-BARQ ist validiert (Hsu & Serpell, 2003), aber seine Skala für fremdengerichtete Aggression mischt Situationen zu Hause mit anderen, und Halterangaben sind anfällig für Verzerrungen und Rasseklischees (Duffy et al., 2008; Morrill et al., 2022). Die finnischen Studien konnten angstbedingte nicht von anderer Aggression trennen (Mikkola et al., 2021), und Korrelationen von 0,36 bis 0,41 lassen viel Streuung unerklärt.

12.3 Kleine und unkontrollierte Daten zur Kastration

Die einzige Studie, die territoriale Aggression vor und nach der Kastration erfasste, hatte acht solche Hunde, keine Kontrollgruppe und beruhte auf rückblickenden telefonischen Erinnerungen (Hopkins, Schubert & Hart, 1976). Die größeren C-BARQ-Daten sind Querschnittsdaten (Farhoody et al., 2018). Eine kontrollierte Studie fehlt.

12.4 Kurze GPS-Zeiträume

Die GPS-Studien zeichneten ein bis sieben Tage in einer oder wenigen Jahreszeiten auf (Molloy et al., 2017; Sparkes et al., 2014; Warembourg et al., 2021). Weil die Schätzungen von Messhäufigkeit und Dauer abhängen (Giuggioli & Kenkre, 2014), sind die berichteten Streifgebiete Momentaufnahmen, und keine Studie hat Verteidigung gemessen.

12.5 Wenige Populationen

Belege für gemeinsame Verteidigung bei freilebenden Hunden stammen vor allem aus Rom und Indien. Die indische Grenzstudie umfasste 21 Hunde in einer Stadt (Pal, 2015), und die Stichprobengrößen einiger zentraler Studien ließen sich nicht prüfen (Bonanni et al., 2011; Biswas et al., 2025). Die Wolfsdaten stammen aus zwei Regionen, eine davon mit einer wiederangesiedelten Population (Cassidy et al., 2015, 2017).

12.6 Beißdaten ohne Motivation

Die Beißbefragungen nutzten Gelegenheits- oder Gemeindestichproben und die Beschreibungen der Gebissenen (Oxley et al., 2018; Westgarth et al., 2018). Sie zeigen, wo Bisse passieren, nicht warum. Begutachtete Daten zu Bissen bei Postboten mit überprüfbarer Veröffentlichung wurden nicht gefunden.

13. Fazit

Verteidigen Hunde ein Revier? Manche tun es. Freilebende Hunde in stabilen Gruppen wurden dabei beobachtet, wie sie Raum gegen Nachbarn verteidigen, Gegner einschätzen und Grenzen markieren, ähnlich wie Wölfe. Das ist Territorialität im biologischen Sinn, belegt in wenigen Populationen.

Der Familienhund, der am Gartenzaun bellt, ist ein anderer Fall. Die Forschung misst dieses Verhalten als Aggression gegenüber Fremden an einem vertrauten Ort, und sein beständigster Begleiter ist Angst. Die Rasse trägt auf Populationsebene bei, sagt aber wenig über den einzelnen Hund, Kastration scheint es nicht zu verändern, und Lernen durch das wiederholte Weggehen von Fremden ist plausibel, aber ungeprüft. Die häusliche Form lässt sich besser als fremdengerichtetes Verhalten an einem vertrauten Ort beschreiben, oft verbunden mit Angst oder Erregung und manchmal durch Lernen aufrechterhalten. Erklärungen über Rudel, Rang und Besitzdenken sind nicht gestützt. Dasselbe Bellen kann Verschiedenes bedeuten, und es im Zusammenhang zu lesen, hilft mehr als ein einzelnes Etikett (wie du mit Bellen am Zaun, am Fenster und an der Tür umgehst).

Wichtigste Erkenntnisse im Überblick

  • Ein Territorium ist ein verteidigtes Gebiet, ein Streifgebiet das genutzte Gebiet; GPS-Studien an frei laufenden Hunden messen Streifgebiete, keine Verteidigung (Burt, 1943, zitiert nach Potts & Lewis, 2014; Warembourg et al., 2021).

  • Wölfe sind im strengen Sinn territorial: 91 % von 22 Wölfen, die in Minnesota von anderen Wölfen getötet wurden, starben innerhalb von 3,2 km um den geschätzten Territoriumsrand (Mech, 1994).

  • Manche freilebenden Hunde verteidigen Raum gemeinsam und wägen Gegner gegen Gefährten ab, bevor sie angreifen oder sich zurückziehen, doch Populationen unterscheiden sich (Bonanni et al., 2011; Pal, 2015).

  • Bei Familienhunden werden die als territorial bezeichneten Situationen als fremdengerichtete Aggression gemessen; ein eigener Territorialfaktor taucht in den ausgewerteten Quellen nicht auf (Farhoody et al., 2018).

  • Fremdengerichtete Aggression korreliert mit Angst vor Fremden, und Ängstlichkeit ist in großen Befragungen der stärkste Zusammenhang mit Aggression gegenüber Menschen (Duffy et al., 2008; Mikkola et al., 2021).

  • Die Rasse erklärt etwa 9 % der Verhaltensunterschiede zwischen einzelnen Hunden (Morrill et al., 2022), und territoriale Aggression veränderte sich nach der Kastration bei acht Hunden nicht (Hopkins, Schubert & Hart, 1976).

  • Lernen durch das wiederholte Weggehen von Fremden ist ein plausibler, aber ungeprüfter Mechanismus; Erklärungen über Rudel, Dominanz und Besitzdenken sind nicht gestützt.

Quellen

Barja, I., de Miguel, F. J., & Bárcena, F. (2004). The importance of crossroads in faecal marking behaviour of the wolves (Canis lupus). Naturwissenschaften, 91(10), 489–492. https://doi.org/10.1007/s00114-004-0557-1

Biswas, S., Ghosh, K., Ghosh, S., Biswas, A., & Bhadra, A. (2025). What is in a scent? Understanding the role of scent marking in social dynamics and territoriality of free-ranging dogs. Behavioral Ecology and Sociobiology, 79(1), 3. https://doi.org/10.1007/s00265-024-03547-3

Bonanni, R., Natoli, E., Cafazzo, S., & Valsecchi, P. (2011). Free-ranging dogs assess the quantity of opponents in intergroup conflicts. Animal Cognition, 14(1), 103–115. https://doi.org/10.1007/s10071-010-0348-3

Bonanni, R., Valsecchi, P., & Natoli, E. (2010). Pattern of individual participation and cheating in conflicts between groups of free-ranging dogs. Animal Behaviour, 79(4), 957–968. https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2010.01.016

Burt, W. H. (1943). Territoriality and home range concepts as applied to mammals. Journal of Mammalogy, 24(3), 346–352. https://doi.org/10.2307/1374834

Cafazzo, S., Natoli, E., & Valsecchi, P. (2012). Scent-marking behaviour in a pack of free-ranging domestic dogs. Ethology, 118(10), 955–966. https://doi.org/10.1111/j.1439-0310.2012.02088.x

Casey, R. A., Loftus, B., Bolster, C., Richards, G. J., & Blackwell, E. J. (2013). Inter-dog aggression in a UK owner survey: Prevalence, co-occurrence in different contexts and risk factors. Veterinary Record, 172(5), 127. https://doi.org/10.1136/vr.100997

Casey, R. A., Loftus, B., Bolster, C., Richards, G. J., & Blackwell, E. J. (2014). Human directed aggression in domestic dogs (Canis familiaris): Occurrence in different contexts and risk factors. Applied Animal Behaviour Science, 152, 52–63. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2013.12.003

Cassidy, K. A., MacNulty, D. R., Stahler, D. R., Smith, D. W., & Mech, L. D. (2015). Group composition effects on aggressive interpack interactions of gray wolves in Yellowstone National Park. Behavioral Ecology, 26(5), 1352–1360. https://doi.org/10.1093/beheco/arv081

Cassidy, K. A., Mech, L. D., MacNulty, D. R., Stahler, D. R., & Smith, D. W. (2017). Sexually dimorphic aggression indicates male gray wolves specialize in pack defense against conspecific groups. Behavioural Processes, 136, 64–72. https://doi.org/10.1016/j.beproc.2017.01.011

Duffy, D. L., Hsu, Y., & Serpell, J. A. (2008). Breed differences in canine aggression. Applied Animal Behaviour Science, 114(3–4), 441–460. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2008.04.006

Dürr, S., Dhand, N. K., Bombara, C., Molloy, S., & Ward, M. P. (2017). What influences the home range size of free-roaming domestic dogs? Epidemiology and Infection, 145(7), 1339–1350. https://doi.org/10.1017/S095026881700022X

Farhoody, P., Mallawaarachchi, I., Tarwater, P. M., Serpell, J. A., Duffy, D. L., & Zink, C. (2018). Aggression toward familiar people, strangers, and conspecifics in gonadectomized and intact dogs. Frontiers in Veterinary Science, 5, 18. https://doi.org/10.3389/fvets.2018.00018

Giuggioli, L., & Kenkre, V. M. (2014). Consequences of animal interactions on their dynamics: Emergence of home ranges and territoriality. Movement Ecology, 2, 20. https://doi.org/10.1186/s40462-014-0020-7

Hopkins, S. G., Schubert, T. A., & Hart, B. L. (1976). Castration of adult male dogs: Effects on roaming, aggression, urine marking, and mounting. Journal of the American Veterinary Medical Association, 168(12), 1108–1110. https://doi.org/10.2460/javma.1976.168.12.1108

Hsu, Y., & Serpell, J. A. (2003). Development and validation of a questionnaire for measuring behavior and temperament traits in pet dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 223(9), 1293–1300. https://doi.org/10.2460/javma.2003.223.1293

MacLean, E. L., Snyder-Mackler, N., vonHoldt, B. M., & Serpell, J. A. (2019). Highly heritable and functionally relevant breed differences in dog behaviour. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 286(1912), 20190716. https://doi.org/10.1098/rspb.2019.0716

Mech, L. D. (1994). Buffer zones of territories of gray wolves as regions of intraspecific strife. Journal of Mammalogy, 75(1), 199–202. https://doi.org/10.2307/1382251

Mech, L. D. (1999). Alpha status, dominance, and division of labor in wolf packs. Canadian Journal of Zoology, 77(8), 1196–1203. https://doi.org/10.1139/z99-099

Messam, L. L. McV., Kass, P. H., Chomel, B. B., & Hart, L. A. (2008). The human–canine environment: A risk factor for non-play bites? The Veterinary Journal, 177(2), 205–215. https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2007.08.020

Mikkola, S., Salonen, M., Puurunen, J., Hakanen, E., Sulkama, S., Araujo, C., & Lohi, H. (2021). Aggressive behaviour is affected by demographic, environmental and behavioural factors in purebred dogs. Scientific Reports, 11, 9433. https://doi.org/10.1038/s41598-021-88793-5

Molloy, S., Burleigh, A., Dürr, S., & Ward, M. P. (2017). Roaming behaviour of dogs in four remote Aboriginal communities in the Northern Territory, Australia: Preliminary investigations. Australian Veterinary Journal, 95(3), 55–63. https://doi.org/10.1111/avj.12562

Morrill, K., Hekman, J., Li, X., McClure, J., Logan, B., Goodman, L., Gao, M., Dong, Y., Alonso, M., Carmichael, E., Snyder-Mackler, N., Alonso, J., Noh, H. J., Johnson, J., Koltookian, M., Lieu, C., Megquier, K., Swofford, R., Turner-Maier, J., … Karlsson, E. K. (2022). Ancestry-inclusive dog genomics challenges popular breed stereotypes. Science, 376(6592), eabk0639. https://doi.org/10.1126/science.abk0639

Oxley, J. A., Christley, R. M., & Westgarth, C. (2018). Contexts and consequences of dog bite incidents. Journal of Veterinary Behavior, 23, 33–39. https://doi.org/10.1016/j.jveb.2017.10.005

Pal, S. K. (2015). Factors influencing intergroup agonistic behaviour in free-ranging domestic dogs (Canis familiaris). Acta Ethologica, 18(2), 209–220. https://doi.org/10.1007/s10211-014-0208-2

Paul, M., & Bhadra, A. (2018). The great Indian joint families of free-ranging dogs. PLOS ONE, 13(5), e0197328. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0197328

Pongrácz, P., Molnár, C., & Miklósi, Á. (2006). Acoustic parameters of dog barks carry emotional information for humans. Applied Animal Behaviour Science, 100(3–4), 228–240. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2005.12.004

Pongrácz, P., Molnár, C., & Miklósi, Á. (2010). Barking in family dogs: An ethological approach. The Veterinary Journal, 183(2), 141–147. https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2008.12.010

Pongrácz, P., Molnár, C., Miklósi, Á., & Csányi, V. (2005). Human listeners are able to classify dog (Canis familiaris) barks recorded in different situations. Journal of Comparative Psychology, 119(2), 136–144. https://doi.org/10.1037/0735-7036.119.2.136

Potts, J. R., & Lewis, M. A. (2014). How do animal territories form and change? Lessons from 20 years of mechanistic modelling. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 281(1784), 20140231. https://doi.org/10.1098/rspb.2014.0231

Puurunen, J., Hakanen, E., Salonen, M. K., Mikkola, S., Sulkama, S., Araujo, C., & Lohi, H. (2020). Inadequate socialisation, inactivity, and urban living environment are associated with social fearfulness in pet dogs. Scientific Reports, 10, 3527. https://doi.org/10.1038/s41598-020-60546-w

Salonen, M., Sulkama, S., Mikkola, S., Puurunen, J., Hakanen, E., Tiira, K., Araujo, C., & Lohi, H. (2020). Prevalence, comorbidity, and breed differences in canine anxiety in 13,700 Finnish pet dogs. Scientific Reports, 10, 2962. https://doi.org/10.1038/s41598-020-59837-z

Sparkes, J., Körtner, G., Ballard, G., Fleming, P. J. S., & Brown, W. Y. (2014). Effects of sex and reproductive state on interactions between free-roaming domestic dogs. PLOS ONE, 9(12), e116053. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0116053

Warembourg, C., Wera, E., Odoch, T., Bulu, P. M., Berger-González, M., Alvarez, D., Abakar, M. F., Maximiano Sousa, F., Cunha Silva, L., Alobo, G., Bal, V. D., López Hernandez, A. L., Madaye, E., Meo, M. S., Naminou, A., Roquel, P., Hartnack, S., & Dürr, S. (2021). Comparative study of free-roaming domestic dog management and roaming behavior across four countries: Chad, Guatemala, Indonesia, and Uganda. Frontiers in Veterinary Science, 8, 617900. https://doi.org/10.3389/fvets.2021.617900

Westgarth, C., Brooke, M., & Christley, R. M. (2018). How many people have been bitten by dogs? A cross-sectional survey of prevalence, incidence and factors associated with dog bites in a UK community. Journal of Epidemiology and Community Health, 72(4), 331–336. https://doi.org/10.1136/jech-2017-209330

Yin, S. (2002). A new perspective on barking in dogs (Canis familiaris). Journal of Comparative Psychology, 116(2), 189–193. https://doi.org/10.1037/0735-7036.116.2.189

Yin, S., & McCowan, B. (2004). Barking in domestic dogs: Context specificity and individual identification. Animal Behaviour, 68(2), 343–355. https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2003.07.016

Zum Weiterlesen

Fachbücher aus dem unterHUNDs Verlag

Alle Lernangebote