Hunderatgeber · Verhaltensbiologie beim Hund · Wissenschaft und Hundewissen
Hundegerichtete Sprache: Warum wir mit Hunden wie mit Babys reden
Warum wir mit Hunden hoch, langsam und in Wiederholungen sprechen, wie Hunde auf Wörter und Tonfall reagieren und was Studien über Lob und Lernen wirklich zeigen.
Michael Sauerwein
Die meisten Menschen, die mit einem Hund leben, sprechen höher, langsamer und mit vielen Wiederholungen, sobald sie ihn ansprechen, oft ohne es zu merken. Akustische Studien in mehreren Sprachen bestätigen, dass es diese Sprechweise gibt, und sie zeigen auch, wo sie sich davon unterscheidet, wie Erwachsene mit Babys reden: Die Stimme geht nach oben, aber die Vokale werden nicht überdeutlich ausgesprochen.
Dieser Beitrag erklärt, was hundegerichtete Sprache ist, welche Hypothesen es dazu gibt, warum Menschen sie verwenden, wie Welpen und erwachsene Hunde in Abspiel- und Hirnstudien reagieren, was Hunde tatsächlich aus Wörtern und aus der Betonung entnehmen und was die Belege über Lob im Training sagen. Außerdem prüft er drei verbreitete Behauptungen an den Studien und benennt die Stellen, an denen die Forschung dünn oder widersprüchlich ist.
1. Was hundegerichtete Sprache ist
1.1 Eine erkennbare Art zu sprechen
Hundegerichtete Sprache (im Englischen „dog-directed speech“) ist der Fachbegriff für die besondere Art, wie Menschen sprechen, wenn sie sich an einen Hund wenden. Es handelt sich um ein Register: eine Reihe von Veränderungen in Stimme, Wortwahl und Satzbau, die Sprecher übernehmen, wenn sich der Zuhörer ändert.
Die erste systematische Beschreibung stammt aus der Entwicklungspsychologie. Hirsh-Pasek und Treiman (1982) untersuchten, wie vier Halter mit ihren Hunden sprachen, und verglichen diese Sprache mit veröffentlichten Beschreibungen von „Motherese“, also der Sprechweise, die Erwachsene gegenüber kleinen Kindern verwenden. Sie nannten die Hundeversion „Doggerel“ und fanden ihre strukturellen Eigenschaften der Babysprache auffallend ähnlich. Unterschiede könnten sich, so die Autoren, in funktionalen und sozialen Bereichen ergeben. Vier Mensch-Hund-Paare sind eine sehr kleine Grundlage, aber die Arbeit stellte die Frage, die spätere Forschung aufgriff: Wozu dient diese Sprechweise eigentlich?
Spätere Beobachtungsstudien beschrieben, was Menschen sagen. In einer Studie mit 23 Personen, die jeweils mit einem vertrauten und einem fremden Hund spielten, enthielt eine Interaktion im Durchschnitt etwa 208 Wörter, und nur acht Wörter machten mehr als die Hälfte von allem Gesagten aus (Mitchell & Edmonson, 1999). Am häufigsten waren „come on“ und „come here“ („komm schon“, „komm her“). Aufforderungen waren der häufigste Satztyp, gefolgt von Aufmerksamkeitsrufen, Aussagen über den Hund und Fragen. Laut den Autoren hatte dieses wiederholende Sprechen einige gesprächsähnliche Züge, diente aber vor allem dazu, den Hund zu lenken.
1.2 Das akustische Profil
Akustische Studien in englisch-, französisch-, ungarisch- und deutschsprachigen Stichproben stimmen in den Kernmerkmalen überein. Verglichen mit der Sprache gegenüber Erwachsenen hat hundegerichtete Sprache eine höhere mittlere Tonhöhe, in den meisten Studien mehr Tonhöhenschwankung, kürzere und stärker wiederholende Äußerungen sowie viele Aufforderungen und Aufmerksamkeitsrufe. In der früheren Literatur, wie eine akustische Studie sie zusammenfasst, teilen kindgerichtete und hundegerichtete Sprache diese Punkte: Beide haben eine höhere Gesamttonhöhe und mehr Tonhöhenschwankung, eine geringere mittlere Äußerungslänge und mehr Wiederholung als die Sprache unter Erwachsenen (Mitchell, 2001; Gergely et al., 2017).
Eine Produktionsstudie nahm 30 Frauen im Alter von 17 bis 55 Jahren auf (Ben-Aderet et al., 2017). Jede Frau sprach einen festen Text („Hi! Hello cutie! Who’s a good boy? Come here!“), während sie Fotos eines Welpen, eines erwachsenen Hundes und eines alten Hundes betrachtete, und sprach ihn ein weiteres Mal an eine Forscherin gerichtet. Elf von 17 akustischen Merkmalen unterschieden sich zwischen hundegerichteter und normaler Sprache. Hundegerichtete Sprache war höher, stärker in der Tonhöhe schwankend und harmonischer im Klang. Verglichen mit normaler Sprache stieg die mittlere Tonhöhe beim Welpenfoto um etwa 21 %, beim erwachsenen Hund um 11 % und beim alten Hund um 13 %. Laut den Autoren verringert das Sprechen zu Fotos die Alltagsnähe.
Eine spätere Studie mit anwesenden Versuchsleiterinnen fand in den für Hunde aufgenommenen Äußerungen dieselben Kernmerkmale: Die hundegerichtete Sprachmelodie hatte eine höhere Tonhöhe, eine stärkere Tonhöhenmodulation und ein langsameres Sprechtempo als die erwachsenengerichtete (Benjamin & Slocombe, 2018). Die höhere Tonhöhe ist über alle Studien hinweg der robusteste Befund. Wie Hunde solche Laute wahrnehmen, steht an anderer Stelle (wie das Hören beim Hund funktioniert).
1.3 Der Tonhöhenumfang hängt von der Situation ab
Nicht jedes Merkmal gilt in jeder Situation. In einer Studie mit 53 Haltern, die während einer angepassten Form der „Fremden Situation“ aufgenommen wurden, war die Sprache an den Hund höher als vorgelesene Sprache und als normale Unterhaltung, und am höchsten war die Stimme, wenn die Halter ihre Hunde riefen (Lesch et al., 2019). Der Tonhöhenumfang war jedoch enger als beim Vorlesen, nicht weiter. Die Autoren schrieben, ihre Ergebnisse stützten den „zuvor beschriebenen größeren Tonhöhenumfang nicht“, und vermuteten, dass die Tonhöhe eher Gefühl transportiert, während der Umfang dem Gewinnen von Aufmerksamkeit dienen könnte. Da die Aufnahmen aus einem Stresstest in einem Labor stammen, zeigt das, dass die Situation das Register verändern kann, nicht dass frühere Befunde falsch waren.
Der Einfluss der Situation wurde direkt bei 34 Frauen untersucht, die in vier Situationen mit ihrem eigenen Hund sprachen: vor einer kurzen Trennung, nach dem Wiedersehen, beim Spielen und beim Geben von Signalen (Jeannin et al., 2017b). Vor der Trennung sprachen die Frauen tief, mit wenig Modulation, starken Lautstärkeschwankungen und sehr wenigen gefühlsbetonten Sätzen. Beim Wiedersehen war die Stimme sehr hoch, Aufforderungen waren selten, Kosenamen häufig. Beim Spielen kamen vor allem Fragen und Aufmerksamkeitsrufe vor, bei den Signalen vor allem Aufforderungen in Verbindung mit Aufmerksamkeitsrufen. Es gibt also nicht die eine hundegerichtete Stimme; die „Babysprache“ entspricht am ehesten dem Muster beim Wiedersehen und beim Spielen.
1.4 Hunde, Babys und Erwachsene im Vergleich
Zwei Studien nahmen dieselben Sprecher auf, während sie einen Erwachsenen, ein Baby und ein Tier ansprachen. In der ersten sprachen 12 australische Mütter mit ihrem sechs Monate alten Baby, mit ihrem Haustier (fünf Katzen und sieben Hunde) und mit einem anderen Erwachsenen (Burnham et al., 2002). Die Tonhöhe in der tier- und in der kindgerichteten Sprache war statistisch gleichwertig, und beide lagen höher als in der erwachsenengerichteten Sprache. Der Gefühlsausdruck, bewertet anhand gefilterter Aufnahmen ohne verständliche Wörter, war bei den Babys am stärksten, bei den Tieren mittel und bei den Erwachsenen am schwächsten.
Die zweite Studie nahm 39 ungarische Eltern (21 Mütter, 18 Väter) aus 21 Familien auf, jeweils mit einem Kind unter 30 Monaten und einem erwachsenen Hund in vier Sprechsituationen (Gergely et al., 2017). Die erwachsenengerichtete Sprache unterschied sich unabhängig von Geschlecht und Situation von der kind- und der hundegerichteten. In den freien Situationen war die mittlere Tonhöhe in der hundegerichteten Sprache höher als in der kindgerichteten. Der Tonhöhenumfang war in beiden ähnlich und weiter als in der erwachsenengerichteten Sprache, außer beim gemeinsamen Lösen einer Aufgabe, wo sich die hundegerichtete Sprache nicht von der erwachsenengerichteten unterschied. Die Autoren merkten an, dass die höhere Tonhöhe gegenüber Hunden eine Besonderheit des Ungarischen sein könnte. Der Vorbehalt ist berechtigt, denn die australische Studie fand keinen Unterschied.
1.5 Die fehlenden Vokale
Der deutlichste Unterschied zwischen den beiden Registern betrifft die Vokale. Wenn Erwachsene mit Babys sprechen, dehnen sie den Vokalraum: Die Vokale werden akustisch extremer und deutlicher voneinander unterscheidbar. Das wurde für Englisch, Russisch und Schwedisch gezeigt, und die Autoren argumentierten, dass Babys dadurch klar umrissene Informationen über die Einheiten ihrer Sprache erhalten (Kuhl et al., 1997). Dieses Merkmal heißt Vokal-Hyperartikulation.
Der hundegerichteten Sprache fehlt es. In der australischen Studie war das Vokaldreieck, ein übliches Maß dafür, wie weit die Eckvokale auseinanderliegen, in der kindgerichteten Sprache größer als in der erwachsenengerichteten, die tiergerichtete Sprache unterschied sich dagegen nicht von der erwachsenengerichteten (Burnham et al., 2002). Die Autoren beschrieben die Vokal-Hyperartikulation als „didaktisches Mittel“ und fassten zusammen: „Mütter überzeichnen ihre Vokale für ihre Babys, aber nicht für ihre Haustiere.“ Eine Folgestudie mit 11 Erwachsenen, die jeweils mit einem Erwachsenen, einem Hund, einem Papagei und einem Baby sprachen, fand den größten Vokalraum bei den Babys, einen kleineren beim Papagei und den kleinsten bei Erwachsenen und Hunden (Xu et al., 2013). Die ungarischen Daten zeigen dasselbe Muster: Hyperartikulation in der kindgerichteten Sprache, aber keine in der hundegerichteten, die der erwachsenengerichteten entsprach (Gergely et al., 2017).
Die Autoren deuten das als Zeichen, dass Menschen ihre Vokale an die tatsächliche oder erwartete Sprachkompetenz des Zuhörers anpassen. Trifft diese Deutung zu, dann sind die Anteile, die hundegerichtete und kindgerichtete Sprache gemeinsam haben, die gefühls- und aufmerksamkeitsbezogenen Anteile (Tonhöhe, Melodie, Wiederholung). Der Anteil, der vermutlich das Sprachlernen unterstützt, ist genau der, den Menschen weglassen. Es gibt Konferenzberichte über hyperartikulierte Vokale gegenüber Haustieren, aber die begutachteten Studien finden übereinstimmend keine solche Hyperartikulation gegenüber Hunden.
2. Warum Menschen so sprechen
2.1 Vier Hypothesen
Keine Studie hat direkt untersucht, warum Menschen hundegerichtete Sprache verwenden. Was folgt, sind Deutungen von Autoren auf Grundlage von Produktions- und Abspieldaten: Hypothesen, keine Befunde, die einander nicht ausschließen.
Hypothese 1: Das Register folgt der sozialen Ansprechbarkeit des Zuhörers. Hirsh-Pasek und Treiman (1982) folgerten, dass die Babysprache möglicherweise nicht durch den sprachlichen oder geistigen Entwicklungsstand eines Kindes ausgelöst wird, da Hunde eine ähnliche Sprechweise erhalten. Sie vermuteten, dass „die soziale Ansprechbarkeit des Zuhörers ausreichen könnte“.
Hypothese 2: Das Register ist Teil von Fürsorgeverhalten, das auf eine andere Art übertragen wird. Prato-Previde et al. (2006) deuteten das Verhalten von Haltern gegenüber ihren Hunden als „artübergreifendes Elternverhalten“ und boten eine evolutionsbiologische Deutung des Befunds an, dass Frauen mehr mit ihren Hunden sprachen. Benjamin und Slocombe (2018) warfen die verwandte Frage auf, ob hundegerichtete Sprache eine Übertragung der kindgerichteten Sprache über ihren eigentlichen Zweck hinaus ist, zumindest innerhalb westlicher Kulturen. Beides wurde in den Studien nicht geprüft.
Hypothese 3: Das Register ist ein spontaner Versuch, die Verständigung mit Zuhörern ohne Sprache zu erleichtern. Ben-Aderet et al. (2017) fanden, dass Welpen, nicht aber erwachsene Hunde, stärker auf hundegerichtete Sprache reagierten (siehe Abschnitt 3). Weil Menschen sie auch bei erwachsenen Hunden verwenden, vermuteten die Autoren, dass sie bei älteren Hunden „vor allem ein spontaner Versuch sein könnte, die Interaktion mit nicht sprechenden Zuhörern zu erleichtern“.
Hypothese 4: Das Register dient der Lenkung und der Aufmerksamkeit. Die Beobachtungsdaten zum Spiel beschreiben ein Sprechen, das von Aufforderungen und Aufmerksamkeitsrufen beherrscht wird (Mitchell & Edmonson, 1999), und die Stresstest-Studie schlug vor, dass der Tonhöhenumfang dem Gewinnen von Aufmerksamkeit dienen könnte (Lesch et al., 2019).
2.2 Wer spricht: Geschlecht, Vertrautheit und Persönlichkeit
Zwei kleine Beobachtungsstudien untersuchten Unterschiede zwischen Sprechern. In einer Studie mit 8 Männern und 15 Frauen, die mit dem eigenen und mit einem fremden Hund spielten, verwendeten Frauen das Babysprache-Register häufiger als Männer, und beide Geschlechter verwendeten es häufiger beim fremden Hund (Mitchell, 2004). Beim fremden Hund lobten die Sprecher außerdem mehr, nutzten einen vielfältigeren Wortschatz und längere Äußerungen. Insgesamt betonte der Autor, dass Männer und Frauen ähnliche Formen des Sprechens verwendeten.
In einer italienischen Studie mit 25 Haltern (10 Männer, 15 Frauen), die in einer angepassten „Fremden Situation“ beobachtet wurden, sprachen Frauen mehr, begannen früher zu sprechen, und ihre Sprache ähnelte der kindgerichteten Sprache stärker (Prato-Previde et al., 2006). Bei freundlich zugewandtem Verhalten, beim Spiel und bei der angegebenen Bindung gab es keine klaren Geschlechtsunterschiede. Die „Fremde Situation“ ist ein Verfahren aus der Säuglingsforschung, mit dem untersucht wird, wie Hunde auf Trennung von ihrer Bezugsperson und auf das Wiedersehen reagieren (was Bindungsstile beim Hund bedeuten).
In der österreichischen Stresstest-Studie beeinflussten das Geschlecht der Halter und das Persönlichkeitsmerkmal Offenheit den Tonhöhenumfang und die Unregelmäßigkeit der Stimme, das Fürsorgeverhalten der Halter und die Bindungseinstufung der Hunde dagegen nicht (Lesch et al., 2019). Das Register variiert also mit dem Sprecher, aber die Stichproben sind klein und die Methoden unterschiedlich (was über Geschlechtsunterschiede beim Hund bekannt ist).
3. Wie Hunde reagieren
3.1 Die Logik der Abspielstudien
Um das Register selbst zu prüfen, müssen Forschende die Stimme von allem trennen, was ein Sprecher sonst noch tut, etwa sich vorbeugen oder lächeln. Die meisten Studien spielen deshalb Aufnahmen über Lautsprecher ab, während kein Mensch zu sehen ist, oder sie bitten die Halter, mit dem Rücken zum Hund zu sitzen und Kopfhörer zu tragen. So kann der Hund nicht auf unbeabsichtigte Körpersignale reagieren (warum unbeabsichtigte Hinweise in Hundestudien wichtig sind). Der Preis ist eine künstliche Situation: eine Stimme ohne Körper.
Auch die Messgrößen sind indirekt: Blickdauer, Hinwenden, Annäherung oder zusammengesetzte Verhaltenswerte, allesamt Stellvertreter für Aufmerksamkeit oder Interesse. Keine davon misst Verstehen, Lernen oder die Beziehung zwischen Hund und Mensch.
3.2 Welpen reagieren, erwachsene Hunde nicht: Ben-Aderet et al.
Im ersten Abspielexperiment von Ben-Aderet et al. (2017) wurden die Aufnahmen der 30 Frauen 10 Tierheimwelpen im Alter von zwei bis fünf Monaten und 10 erwachsenen Tierheimhunden im Alter von 13 bis 48 Monaten in New York vorgespielt, dazu 10 französischen Familienhunden, die eine französische Fassung des Textes hörten, sodass insgesamt 20 erwachsene Hunde getestet wurden. Die Forschenden fassten 11 Verhaltensweisen zu einem Gesamtwert zusammen. Neun von 10 Welpen reagierten stärker auf welpengerichtete als auf erwachsenengerichtete Sprache. Die erwachsenen Hunde unterschieden sich nicht: 11 von 20 reagierten stärker auf die hundegerichtete Fassung, was nahe am Zufall liegt. Die Herkunft (Tierheim oder Familie) machte keinen Unterschied.
Ein zweites Experiment mit 10 anderen Welpen im Alter von drei bis acht Monaten verglich Sprache, die für das Welpenfoto aufgenommen worden war, mit Sprache für das Foto des erwachsenen Hundes und fand keinen Unterschied. Die Reaktionen der Welpen wurden stark von der mittleren Tonhöhe beeinflusst, die der erwachsenen Hunde nicht. Mit 10 Welpen pro Experiment und ausschließlich weiblichen Stimmen sind diese Ergebnisse ein Ausgangspunkt, keine gesicherte Antwort.
3.3 Erwachsene Hunde reagieren, Welpen nicht: Jeannin et al.
Eine französische Studie aus demselben Jahr kam bei erwachsenen Hunden zum gegenteiligen Ergebnis (Jeannin et al., 2017a). Neun Frauen wurden aufgenommen, während sie „On va se promener?“ („Gehen wir spazieren?“) zu einem echten Hund, zu einem echten drei bis vier Monate alten Baby und zu einem Erwachsenen sagten. Von 71 getesteten Familienhunden wurden 8 ausgeschlossen, weil sie nicht reagierten; ausgewertet wurden 44 erwachsene Hunde (Durchschnittsalter 3,74 Jahre, Spanne 1 bis 14,25 Jahre) und 19 Welpen (zwei bis sechs Monate). Aufmerksamkeit wurde als Blickdauer in Richtung Lautsprecher gemessen.
Die erwachsenen Hunde waren bei tiergerichteter Sprache signifikant aufmerksamer als bei erwachsenengerichteter, und ihre Aufmerksamkeit stieg mit der Tonhöhe der Frauenstimmen. Die Welpen zeigten keinen signifikanten Unterschied zwischen den Sprechweisen, obwohl sie insgesamt stärker auf alle Reize reagierten. Kindgerichtete und erwachsenengerichtete Sprache unterschieden sich nicht signifikant, und an wiederholte kindgerichtete Sprache gewöhnten sich die Hunde schnell. Die Autoren schrieben, ihre Ergebnisse „bestätigen nicht“ die von Ben-Aderet et al.
3.4 Warum die beiden Studien sich widersprechen
Jeannin et al. (2017a) führten den Widerspruch auf Unterschiede im Vorgehen zurück. In der einen Studie sprachen die Frauen zu Fotos, in der anderen zu einem echten Hund. Die eine verwendete einen zusammengesetzten Verhaltenswert, die andere die Blickdauer. Auch die Stichproben unterschieden sich: Tierheimwelpen und eine gemischte Gruppe erwachsener Hunde in der einen, Familienhunde in der anderen, mit 10 gegenüber 19 Welpen und 20 gegenüber 44 erwachsenen Hunden.
Keine der beiden Studien klärt die Altersfrage: Die Welpenstichproben sind klein, und die Messgrößen sind nicht vergleichbar. Der Widerspruch ist selbst aufschlussreich, denn das Ergebnis scheint davon abzuhängen, wie die Sprache erzeugt wurde und was als Reaktion zählt. Eine allgemeine Aussage wie „Welpen brauchen Babysprache“ oder „erwachsene Hunde ignorieren sie“ wird von keiner der beiden Studien gestützt. Entwicklungsbedingte Veränderungen darin, wie Welpen auf ihre Umwelt reagieren, liegen als Erklärung nahe, wurden in den Studien aber nicht untersucht (was sich im Welpengehirn während der sensiblen Phase verändert).
3.5 Inhalt plus Sprachmelodie: Benjamin und Slocombe
Bei Benjamin und Slocombe (2018) saßen zwei Versuchsleiterinnen im Raum, jede mit einem Lautsprecher, der ihre eigene aufgenommene Sprache abspielte. Die eine sprach natürliche hundegerichtete Sprache mit hundebezogenem Inhalt und passender Sprachmelodie, die andere erwachsenengerichtete Sprache mit Inhalten für Erwachsene. Gemessen wurden die Blickdauer während des Abspielens und die Nähe zu jeder Person in einer anschließenden einminütigen Phase ohne Leine.
Im ersten Experiment mit 37 Hunden aus einer Hundepension in York (Durchschnittsalter sechs Jahre; 33 für die Blickdauer und 34 für die Nähe ausgewertet) schauten die Hunde signifikant länger zur Sprecherin der natürlichen hundegerichteten Sprache, mit einem großen Effekt, und hielten sich danach länger in ihrer Nähe auf. Im zweiten Experiment mit 32 Hunden (29 für die Blickdauer ausgewertet) vertauschten die Forschenden Inhalt und Sprachmelodie: hundebezogener Inhalt in erwachsenengerichteter Melodie und Erwachseneninhalt in hundegerichteter Melodie. Jetzt wurde keine Sprecherin bevorzugt, weder beim Blick noch bei der Nähe, und eine Teststärkeanalyse zeigte, dass die Studie einen Effekt hätte entdecken können.
Dieses Ergebnis zeigt nicht, dass Hunde nur auf den Inhalt oder nur auf den Tonfall reagieren. In diesem Aufbau brauchte die Bevorzugung beides zusammen. Die Autoren vermuteten, dass hundegerichtete Sprache die Bindung zwischen Hund und Sprecherin stärken könnte, nannten aber auch Einschränkungen: Die Aufnahmen derselben zwei Versuchsleiterinnen wurden von vielen Hunden gehört, was eine Pseudoreplikation auf der Ebene der Reize ist, und im zweiten Experiment hatten die Hunde von vornherein eine Vorliebe für eine der beiden Versuchsleiterinnen.
3.6 Im Gehirn: Empfindlichkeit für überhöhte Sprachmelodie
Eine fMRT-Studie untersuchte 19 trainierte erwachsene Familienhunde (zwei bis zehn Jahre; Golden Retriever, Border Collies, Cocker Spaniel, Mischlinge und andere) mit Aufnahmen von 12 weiblichen und 12 männlichen Sprechern, die die Hunde nicht kannten und die aus der ungarischen Produktionsstudie stammten (Gergely et al., 2023). Zwei nicht primäre Hörregionen in der linken Hirnhälfte reagierten stärker auf natürliche hunde- und/oder kindgerichtete Sprache als auf erwachsenengerichtete, besonders bei weiblichen Sprechern. Die Reaktion nahm mit der mittleren Tonhöhe und der Tonhöhenvarianz zu.
Die Autoren nannten als Einschränkungen, dass die Hunde für den Scanner trainiert waren, Geschlecht der Halter und Rasse nur teilweise kontrolliert wurden und unklar ist, ob der Effekt eine direkte Reaktion auf die akustischen Merkmale oder eine von Aufmerksamkeit gesteuerte Wirkung ist. Die Studie zeigt, dass Hundegehirne überhöhte Sprachmelodie registrieren, nicht dass dies Folgen für das Verhalten außerhalb des Scanners hat.
4. Wörter und Betonung: Wie Hunde Sprache verarbeiten
4.1 Stimmen und Gefühlston
Hunde haben ein eigenes stimmliches Repertoire und leben in einer Welt, in der Laute soziale Informationen tragen (wie Hunde mit ihrer eigenen Stimme kommunizieren). Eine vergleichende fMRT-Studie berichtete über stimmempfindliche Regionen im Hundegehirn, mit einem ähnlichen Muster wie die vorderen Stimmareale im Schläfenlappen des Menschen, und über Empfindlichkeit für die emotionale Färbung von Stimmlauten in ähnlich gelegenen nicht primären Hörregionen (Andics et al., 2014). Zu dieser Arbeit erschien später ein Erratum (Andics, Gácsi, et al., 2017). Deshalb stützt sich dieser Beitrag bei der Seitenverteilung im Gehirn nicht auf ihre ursprünglichen Seitenangaben.
Als Hunde nicht sprachliche menschliche Lautäußerungen zu sechs Grundgefühlen hörten, zeigten Kopfwende- und Herzfrequenzmessungen überwiegend eine Bevorzugung der rechten Hirnhälfte bei deutlich negativen Gefühlen wie Angst und Traurigkeit und eine Bevorzugung der linken Hirnhälfte bei Freude (Siniscalchi et al., 2018). Da es nicht um Sprache ging, stützt die Studie nur die engere Aussage, dass der Gefühlston menschlicher Stimmen verarbeitet wird. Hunde verbinden Stimmen außerdem mit Personen: Sie schauten länger hin, wenn ein Gesicht nicht zu der Stimme des Halters oder der fremden Person passte, die sie gerade gehört hatten (Adachi et al., 2007). Mehr zu Gefühlen beim Hund (was über Emotionen beim Hund bekannt ist).
4.2 Andics et al. (2016) und das veröffentlichte Erratum
Die bekannteste Studie zu Wörtern und Betonung beim Hund nutzte fMRT bei wachen Hunden, mit ungarischen Lobwörtern und neutralen Wörtern, jeweils in lobender und in neutraler Betonung gesprochen (Andics et al., 2016). Die ursprüngliche Zusammenfassung berichtete eine „Bevorzugung der linken Hirnhälfte bei der Verarbeitung bedeutungstragender Wörter, unabhängig von der Betonung“, eine rechte Hörregion, die betonte von unbetonten Wörtern unterschied, und eine stärkere Aktivität in Belohnungsregionen nur dann, wenn sowohl das Wort als auch die Betonung zu Lob passten.
Im Jahr 2017 veröffentlichte Science ein Erratum zu dieser Arbeit (Andics, Gábor, et al., 2017). Seitdem beschreibt dieselbe Arbeitsgruppe die bevorzugte Verarbeitung der Lobwörter als rechtsseitig, nicht linksseitig. In einer Folgestudie mit fast denselben Hunden schrieben die Autoren: „Wir haben unsere früheren Befunde repliziert, dass Hunde lexikalisch markierte Lobwörter mit einer Bevorzugung der rechten Hirnhälfte verarbeiten“ (Gábor et al., 2020). Die Aussage zur linken Hirnhälfte aus der ursprünglichen Zusammenfassung darf daher nicht als aktueller Befund zitiert werden.
Die übrigen Ergebnisse aus der ursprünglichen Zusammenfassung, einschließlich des Befunds zu den Belohnungsregionen, stammen aus einer einzigen Stichprobe sehr gut trainierter Hunde in einem einzigen Labor.
4.3 Gábor et al. (2020): eine Bevorzugung der rechten Hirnhälfte
Die Folgestudie untersuchte 12 Familienhunde (sechs Border Collies, fünf Golden Retriever und einen Deutschen Schäferhund im Alter von zwei bis zehn Jahren), von denen alle bis auf einen an der früheren Studie teilgenommen hatten (Gábor et al., 2020). Die Reize waren drei ungarische Lobwörter („azaz“, „ügyes“, „jól van“) und drei neutrale Wörter („akár“, „olyan“, „mégsem“), jeweils in lobender und in neutraler Betonung.
Eine klassische Auswertung mit vier Bedingungen fand keine Effekte. Die Analyse der Gewöhnung im Gehirn zeigte kurz- und langfristige Anpassung an die emotionale Betonung in tiefer liegenden, subkortikalen Regionen sowie eine langfristige Anpassung an die lexikalisch markierten Wörter in kortikalen Hörregionen. Diese war rechtsseitig betont, veränderte sich mit dem Alter und war in einer sekundären Region unabhängig von der Betonung. Die Autoren schrieben: „Wir behaupten nicht, dass Hunde menschenähnliche lexikalische Repräsentationen haben“, und sie hielten fest, dass unbekannt ist, ob die Hunde die Bedeutung der Lobwörter gelernt hatten oder ob diese Wörter für sie einfach bedeutsamer geworden waren.
4.4 Widersprüchliche Belege aus Kopfwende-Studien
Im Kopfwende-Verfahren der Verhaltensforschung gilt die Richtung, in die ein Hund seinen Kopf einem Laut zuwendet, als Hinweis darauf, welche Hirnhälfte den Laut stärker verarbeitet (was Lateralität beim Hund ist und wie sie gemessen wird). Mit diesem Verfahren fanden Ratcliffe und Reby (2014) eine signifikante Bevorzugung der linken Hirnhälfte, wenn die bedeutungstragenden Laute in einem vertrauten Signal hervorgehoben wurden, und eine signifikante Bevorzugung der rechten Hirnhälfte, wenn Betonung oder sprecherbezogene Merkmale hervorgehoben wurden.
Das kommt dem vom Menschen bekannten Muster „Wörter links, Tonfall rechts“ nahe. Das korrigierte fMRT-Ergebnis mit rechtsseitig betonter Verarbeitung von Lobwörtern passt nicht dazu. Gábor et al. (2020) räumten ein, ihr Ergebnis sei mit solchen Verhaltensbefunden „schwerer in Einklang zu bringen“, und vermuteten, dass Kopfwende-Vorlieben die Verarbeitung in den Hirnhälften nicht unmittelbar widerspiegeln müssen. Die Studie zur Sprachmelodie macht es komplizierter, denn die Regionen, die auf überhöhte Sprachmelodie reagierten, lagen links (Gergely et al., 2023). Die Frage ist offen, aber ein einfaches Schema „Wörter links, Tonfall rechts“ wird von den aktuellen fMRT-Daten beim Hund nicht gestützt.
4.5 Hunde erkennen Wörter auch ohne Melodie
Mehrere Studien zeigen, dass Hunde Informationen aus Wörtern entnehmen, nicht nur aus dem Tonfall. Der direkteste Test nutzte Aufnahmen, in denen die Halter einen neutralen Lesetext vorlasen, die sogenannte „Rainbow Passage“, in den ein Satz eingebettet war, der für den Hund entweder bedeutsam war („[Name des Hundes], come on then!“) oder nicht („[ein anderer Name], pass me a coffee!“) (Root-Gutteridge et al., 2025). Der Satz wurde entweder in neutraler Vorlesebetonung oder in hundegerichteter Sprache gesprochen. Die Halter saßen mit dem Rücken zum Hund und trugen Kopfhörer; gemessen wurde der Blick des Hundes zum Halter.
Für die Hauptstudie an der University of Sussex wurden 53 Hunde aus Privathaushalten mit 57 Haltern (17 Männer, 40 Frauen) rekrutiert, ausgewertet wurden 49 Hunde. In 99 von 172 ausgewerteten Durchgängen (57,6 %) blickten Hunde zu ihren Haltern. Die Art des Satzes hatte einen signifikanten Effekt: Am wahrscheinlichsten schauten die Hunde, wenn sie den bedeutsamen Satz in hundegerichteter Sprache hörten, am unwahrscheinlichsten beim Kontrollsatz in Vorlesebetonung. Der bedeutsame Satz in Vorlesebetonung unterschied sich nicht vom Kontrollsatz in hundegerichteter Sprache, und die Blickdauer war beim bedeutsamen Satz in hundegerichteter Sprache am längsten. In einem zweiten Experiment mit 13 Hunden hatte das Geschlecht der Halter keinen signifikanten Effekt. Die Autoren folgerten, dass hundegerichtete Sprachmelodie das Erkennen bedeutsamer Inhalte erleichtert, indem sie Aufmerksamkeit fängt, Hunde solche Inhalte aber auch ohne überhöhte Melodie erkennen.
Andere Studien weisen in dieselbe Richtung. Hunde bevorzugten ihren Namen gegenüber einem gleich betonten Ersatzwort einer unbekannten Person, in Ruhe und vor Stimmengewirr bis zu einem Signal-Rausch-Abstand von 0 dB, einem Wert, bei dem einjährige Kinder laut den Autoren scheitern (Mallikarjun et al., 2019). Arbeitshunde schnitten besser ab. In einer Studie mit „gevocodeter“ Sprache, einer akustisch verfremdeten Form von Sprache, hörten Hunde ihrem eigenen Namen länger zu als Ersatzwörtern, wenn er über 16 Kanäle verarbeitet war, ohne vorherige Erfahrung mit solcher Sprache (Mallikarjun et al., 2024). Im zweiten Experiment mit 25 ausgewerteten Hunden hing das Erkennen davon ab, wie viele Laute der Name enthielt.
In einer älteren und sehr kleinen Studie wurden sechs Hunde darauf trainiert, sich auf Tonbandsignale hin zu setzen und herzukommen. Veränderungen an den Lauten der Signale verschlechterten ihre Leistung in allen Fällen deutlich (Fukuzawa et al., 2005). Die Art der Veränderung spielte beim veränderten „Sitz“ eine Rolle, beim veränderten „Komm“ dagegen nicht. In diesen Grenzen zeigt das Ergebnis, dass Hunde auf den Klang des Wortes achten, nicht nur auf seine Melodie.
4.6 Was Hunde in Wörtern nicht hören
Es gibt Grenzen. In einer EEG-Studie mit ereigniskorrelierten Potenzialen bei 17 wachen Hunden unterschieden sich die Hirnreaktionen zwischen vertrauten Signalwörtern und lautlich deutlich abweichenden Unsinnswörtern, nicht aber zwischen bekannten Wörtern und lautlich ähnlichen Unsinnswörtern (Magyari et al., 2020). Bei Hunden, die die Signale häufiger hörten, war der Unterschied größer. Die Autoren beschrieben dies als begrenzte Bereitschaft, lautliche Details abzurufen, wiesen darauf hin, dass der typische Wortschatz von Hunden sehr klein ist, und forderten eine Bestätigung durch weitere Studien.
Eine fMRT-Studie mit 12 Hunden, die darauf trainiert waren, zwei benannte Gegenstände zu bringen, fand für neue Kunstwörter eine stärkere Aktivierung als für die trainierten Wörter, und zwar in parietotemporalen Regionen beider Hirnhälften. Die Autoren deuteten das als Erkennen von Neuem (Prichard et al., 2018). Nur bei einem Teil der Hunde gab es Bereiche, die die beiden trainierten Wörter unterschieden. Eine weitere EEG-Studie fand eine Abweichungsreaktion, wenn auf ein Gegenstandswort ein nicht passender Gegenstand folgte, und diese war bei Wörtern größer, die die Hunde laut ihren Haltern gut kannten (Boros et al., 2024). Das spricht für Erwartungen an den Gegenstand, auf den sich ein Wort bezieht, nicht für das Verstehen von Sätzen. Das Wortlernen wird in einem eigenen Beitrag behandelt (wie Hunde Wörter lernen).
Hunde können auch über Sprecher hinweg verallgemeinern. In einer Gewöhnungsstudie ordneten sie spontan einen unbekannten Sprecher über verschiedene Wörter hinweg zu und ein Wort über verschiedene Sprecher desselben Geschlechts hinweg. Die Autoren beschrieben das als Fähigkeit, die „kein ausschließlich menschliches Merkmal“ ist (Root-Gutteridge et al., 2019). Ein von einer Person gelerntes Signal kann also grundsätzlich auch bei einer anderen erkannt werden (wie Hunde Gelerntes verallgemeinern). Schließlich unterschieden die Hirnreaktionen von 18 Hunden natürliche von zerhackter Sprache und zeigten unterschiedliche Muster für eine vertraute und eine unvertraute Sprache, mit größeren Unterschieden bei älteren Hunden (Cuaya et al., 2022). Hunde aus englisch- und spanischsprachigen Haushalten unterschieden die beiden Sprachen auch in einem Kopfwende-Verfahren und hörten der weniger vertrauten länger zu (Mallikarjun et al., 2023). Beides zeigt Empfindlichkeit dafür, wie eine Sprache klingt, nicht Verständnis.
5. Tonfall, Gesten und Zusammenhang
Der Tonfall trägt für Hunde auch ohne Wörter Information. In einer Wahlaufgabe mit Behältern gab eine Versuchsleiterin mit dem Rücken zum Hund Laute ohne Wörter von sich (Colbert-White et al., 2018). Im ersten Experiment bevorzugten die Hunde den Behälter mit positiver, fröhlich klingender Betonung; negative Betonung und ein neutrales Atemgeräusch unterschieden sich nicht. Im zweiten Experiment kam Zeigen hinzu, und die Hunde bevorzugten den gezeigten Behälter sowie den mit negativer Betonung, am stärksten, wenn beide Hinweise zusammenkamen. Die Autoren folgerten, dass die Betonung allein informativ ist, ihre Wirkung aber stark vom Zeigen beeinflusst wird (wie Hunde menschliche Signale nutzen, um Situationen einzuschätzen).
In der Alltagsverständigung konkurrieren Wörter außerdem mit dem Körper. Wasserrettungshunde, die auf Gesten und auf Wortsignale trainiert waren, folgten Gesten signifikant besser, wenn beide getrennt gegeben wurden, und wenn Gesten und Wörter einander widersprachen, folgten sie meist der Geste (D'Aniello et al., 2016). Die Ausnahme war das gesprochene „Komm“ zusammen mit einem gestischen „Bleib“, während sich der Halter entfernte. Hündinnen reagierten stärker auf Gesten, Rüden reagierten besser auf Wortsignale als Hündinnen. Wie sich ein Mensch bewegt, kann mehr zählen als das, was er sagt (wie Hunde menschliche Gesten lesen).
Weder Tonfall noch Wörter wirken für sich allein. Wie ein Signal wirkt, hängt vom Zusammenhang ab: davon, wer spricht, was üblicherweise folgt und was der Hund mit diesem Laut bisher erlebt hat.
6. Lob und Training
6.1 Ist Lob mit der Stimme ein Verstärker?
Ob Lob für einen Hund als Verstärker wirkt, hängt auch von Lerngeschichte und Situation ab. Die folgenden Experimente zeigen, dass stimmliches Lob unter ihren Bedingungen schwächer wirkte als Streicheln, nicht dass es generell wertlos ist. In einer Reihe von Wahlversuchen bevorzugten Tierheimhunde, Familienhunde mit fremden Personen und Familienhunde mit ihren Haltern allesamt Streicheln gegenüber stimmlichem Lob (Feuerbacher & Wynne, 2015). Wenn nur eine Form der Zuwendung verfügbar war, führte Streicheln zu mehr Nähe als stimmliches Lob, und stimmliches Lob „erzeugte so wenig Nähesuchen wie gar keine Interaktion“. Das Streicheln nutzte sich über acht Sitzungen von je drei Minuten nicht ab.
Eine frühere Studie verglich soziale Zuwendung mit Futter als Verstärker für eine Nasenberührungsaufgabe bei Tierheimhunden, Familienhunden und von Hand aufgezogenen Wölfen (Feuerbacher & Wynne, 2012). Kurze soziale Zuwendung, etwa vier Sekunden Streicheln mit Lob, war im Vergleich zu Futter ein relativ unwirksamer Verstärker: Die Tiere reagierten seltener und mit längerer Verzögerung. Die Autoren folgerten, dass stimmliches Lob „wahrscheinlich gezielt konditioniert werden muss“, um als Verstärker zu wirken. In den Lobstudien wurde die Sprachmelodie nicht verändert, sie zeigen also nicht, ob Lob in hundegerichteter Sprache anders abgeschnitten hätte (wie Hunde Futter, Streicheln und Lob bewerten).
6.2 Lob als gelerntes Signal
Durch Lernen kann stimmliches Lob aber Bedeutung und Verstärkerwert gewinnen. Ein Wort, das zuverlässig vor Futter oder Spiel kommt, kann als Ankündigung Wert gewinnen, so wie andere gelernte Signale auch (wie Verstärkerpläne Verhalten aufrechterhalten). Das passt zu dem fMRT-Ergebnis, dass Belohnungsregionen am stärksten reagierten, wenn Lobwörter und lobende Betonung zusammenkamen (Andics et al., 2016), und zu der Beobachtung, dass die Hirnreaktionen auf Signalwörter bei Hunden größer waren, die sie häufiger hörten (Magyari et al., 2020). Keine der beiden Studien hat Konditionierung direkt untersucht.
Aus der Praxis: Lobwörter funktionieren als Markersignal am besten, wenn ihnen zuverlässig etwas folgt, das dein Hund schätzt, zum Beispiel Futter, Spiel oder Zugang zu etwas, das er haben möchte. Ein Lobwort, dessen Ankündigungsfunktion nicht mehr durch passende Konsequenzen gestützt wird, kann an Wirksamkeit verlieren. Das ist eine Beobachtung aus der Trainingspraxis und eine Folgerung aus der Lerntheorie, kein Ergebnis einer Studie zu hundegerichteter Sprache.
6.3 Die fehlende Studie
Keine geprüfte Studie hat untersucht, ob hundegerichtete Sprache Lerngeschwindigkeit, Trainingserfolg oder Zuverlässigkeit verbessert. Die Hundestudien maßen Aufmerksamkeit, Blick, Annäherung, Hirnaktivität oder das Erkennen von Wörtern, nicht Lernen. Der Blick auf die Babyforschung hilft nicht, denn die dort vermutete Verbindung zum Sprachlernen läuft über die Vokal-Hyperartikulation, also genau das Merkmal, das der hundegerichteten Sprache fehlt (Kuhl et al., 1997; Burnham et al., 2002).
7. Verbreitete Behauptungen im Faktencheck
7.1 „Hunde verstehen alles, was wir sagen“
Nicht gestützt. Hunde erkennen vertraute Wörter, Namen und Wendungen, aber die Belege sprechen für das Erkennen bedeutsamer Lautmuster, nicht für das Verstehen von Sätzen. Die Autoren der wichtigsten fMRT-Folgestudie behaupten ausdrücklich nicht, dass Hunde menschenähnliche lexikalische Repräsentationen haben (Gábor et al., 2020). EEG-Daten zeigen eine begrenzte Aufmerksamkeit für lautliche Details (Magyari et al., 2020), und die Studie zu Gegenstandswörtern zeigt Erwartungen an bestimmte Gegenstände, kein Verständnis von Grammatik (Boros et al., 2024).
7.2 „Babysprache lässt Hunde schneller lernen“
Nicht gestützt. Keine geprüfte Studie hat das untersucht; die Hundestudien maßen Aufmerksamkeit und ähnliche Stellvertretergrößen (Ben-Aderet et al., 2017; Jeannin et al., 2017a; Benjamin & Slocombe, 2018; Root-Gutteridge et al., 2025). Aufmerksamkeit ist eine Voraussetzung für Lernen, aber mehr Aufmerksamkeit in einem Abspieltest ist kein Beleg für schnelleres Lernen.
7.3 „Hunde reagieren nur auf den Tonfall, nicht auf Wörter“
Nicht gestützt. Hunde erkannten einen bedeutsamen Satz in einer monotonen Vorlesestimme (Root-Gutteridge et al., 2025), erkannten ihren Namen im Lärm und in verfremdeter Sprache (Mallikarjun et al., 2019, 2024), schnitten schlechter ab, wenn Laute in Signalen verändert wurden (Fukuzawa et al., 2005), und zeigten Hirnreaktionen auf bekannte Wörter unabhängig von der Betonung (Andics et al., 2016; Prichard et al., 2018; Gábor et al., 2020; Boros et al., 2024). Der Tonfall zählt, aber er ist nicht die ganze Botschaft.
7.4 „Eine hohe Stimme stärkt die Bindung“
Nur schwach gestützt. Eine Studie mit einer passenden kurzfristigen Annäherungsmessung fand, dass Pensionshunde sich in der Minute nach dem Abspielen länger in der Nähe der Sprecherin natürlicher hundegerichteter Sprache aufhielten (Benjamin & Slocombe, 2018). Die Autoren schrieben, das Register „könnte“ die Bindung stärken. Langzeitdaten zu hundegerichteter Sprache und zur Beziehung zwischen Hund und Mensch gibt es nicht.
8. Was daraus für den Alltag folgt
Die Forschung rechtfertigt keine strengen Regeln, wie du mit deinem Hund sprechen solltest. Es gibt keinen Grund, auf eine hohe, freundliche Stimme zu verzichten: In einigen Studien zog sie mehr Aufmerksamkeit auf sich, und sie störte das Erkennen von Wörtern nicht (Root-Gutteridge et al., 2025). Auch die Wörter selbst zählen. Ein Hund, der ein Wort gelernt hat, reagiert auf seinen Klang, und eine Veränderung des Klangs kann die Reaktion verringern (Fukuzawa et al., 2005). Und Lob ist nicht schon deshalb eine Belohnung, weil es fröhlich klingt.
Aus der Praxis: Eine erhobene, freundliche Stimme eignet sich im Alltag gut, um die Aufmerksamkeit deines Hundes zu bekommen, etwa vor einem Signal oder wenn du ihn aus der Entfernung rufst. Sobald er aufmerksam ist, kannst du das Signal selbst in normaler Stimme geben. Das ist eine Beobachtung aus der Praxis, passend zum Befund, dass hundegerichtete Sprachmelodie Aufmerksamkeit fängt; als Trainingsmethode untersucht wurde es nicht.
Aus der Praxis: Signale sind für einen Hund am leichtesten zu erkennen, wenn sie immer gleich klingen: dasselbe Wort, ein ähnlicher Tonfall und am besten dieselben Wörter bei allen im Haushalt. In vielen Familien sagt der eine „Komm“, die andere „Hierher“ und der dritte „Hier“, und aus einem Signal werden drei. Das ist eine Empfehlung aus der Praxis, indirekt gestützt durch den Befund, dass veränderte Laute die Reaktion störten.
Aus der Praxis: Wenn du ein Signal mehrmals mit immer lauterer Stimme wiederholst, kann dein Hund lernen, dass die erste Wiederholung ignoriert werden darf. Sinnvoller ist es, das Signal einmal zu geben, abzuwarten und deinem Hund bei Bedarf zu helfen. Das ist eine Empfehlung aus der Trainingspraxis; keine Studie zu hundegerichteter Sprache hat das geprüft.
9. Zusammenfassung auf einen Blick
Hundegerichtete Sprache ist ein Register mit höherer mittlerer Tonhöhe, meist mehr Tonhöhenschwankung, langsamerem Sprechtempo und kurzen, wiederholenden Äußerungen, in denen Aufforderungen und Aufmerksamkeitsrufe überwiegen. Sie wurde in mehreren Sprachen bestätigt (Ben-Aderet et al., 2017; Gergely et al., 2017; Lesch et al., 2019). Ihr Tonhöhenumfang hängt von der Situation ab und war in einem Stresstest enger (Lesch et al., 2019; Jeannin et al., 2017b). Anders als kindgerichteter Sprache fehlt ihr die Vokal-Hyperartikulation (Burnham et al., 2002; Xu et al., 2013; Gergely et al., 2017).
Die Ergebnisse dazu, wie Hunde reagieren, widersprechen sich. Eine Studie fand, dass Welpen, nicht aber erwachsene Hunde, stärker reagierten (Ben-Aderet et al., 2017); eine andere fand das Gegenteil (Jeannin et al., 2017a). In einer Studie mit anwesenden Sprecherinnen bevorzugten erwachsene Hunde natürliche hundegerichtete Sprache, aber nur, wenn hundebezogener Inhalt und hundegerichtete Sprachmelodie zusammenkamen (Benjamin & Slocombe, 2018). Hunde erkennen Wörter auch ohne überhöhte Sprachmelodie, aber diese Melodie macht das Erkennen wahrscheinlicher (Root-Gutteridge et al., 2025). Auf die ursprüngliche Aussage zur linken Hirnhälfte bei der Wortverarbeitung folgte ein Erratum, und dieselbe Gruppe berichtet heute eine Bevorzugung der rechten Hirnhälfte (Andics, Gábor, et al., 2017; Gábor et al., 2020). Stimmliches Lob allein war ein schwacher Verstärker (Feuerbacher & Wynne, 2012, 2015), und keine Studie hat geprüft, ob hundegerichtete Sprache das Lernen verbessert.
10. Forschungslücken und kritische Einordnung
10.1 Kleine Stichproben
Die Studie zu Signalen testete 6 Hunde (Fukuzawa et al., 2005), die erste Abspielstudie 10 Welpen pro Experiment (Ben-Aderet et al., 2017), die fMRT-Studien 12 bis 19 Hunde und die EEG-Studie zu lautlichen Details 17. Auf der Seite der Sprecher beruhte die erste Beschreibung des Registers auf vier Mensch-Hund-Paaren (Hirsh-Pasek & Treiman, 1982), und zentrale akustische Vergleiche nutzten 9 bis 12 Sprecher (Burnham et al., 2002; Jeannin et al., 2017a; Xu et al., 2013). Solche Stichproben reichen für große Effekte, aber nicht, um abzuschätzen, wie verbreitet ein Effekt ist oder wie stark sich einzelne Hunde unterscheiden.
10.2 Stellvertretende Messgrößen
Die Messgrößen sind Blickdauer, Kopfwenden, zusammengesetzte Verhaltenswerte, Nähe während einer Minute und das BOLD-Signal im Scanner. Keine misst Lernen, Gehorsam, Stress oder die langfristige Beziehung zwischen Hund und Mensch. Die Lücke zwischen „der Hund schaute länger hin“ und „es nützt dem Hund“ schließt keine dieser Studien.
10.3 Alltagsnähe
Die Sprache wurde vor Fotos aufgenommen (Ben-Aderet et al., 2017), als vorgegebene Sätze oder als vorgelesener Text mit eingebettetem Satz. Abgespielt wurde meist über Lautsprecher ohne sichtbare Person. Die einzige Studie mit anwesenden Sprecherinnen musste eine Pseudoreplikation in Kauf nehmen, weil die Aufnahmen von zwei Versuchsleiterinnen von vielen Hunden gehört wurden (Benjamin & Slocombe, 2018). Das alltägliche Gespräch zwischen Hund und Halter ist kaum untersucht.
10.4 Sprache und Kultur
Die Studien stammen aus englischsprachigen (USA, Großbritannien, Australien), französischen, ungarischen und österreichischen Stichproben, dazu eine Studie aus englisch- und spanischsprachigen Haushalten. Keine geprüfte Produktionsstudie stammt aus einer nicht westlichen Kultur. Ob das Register allgemein menschlich oder kulturspezifisch ist, ist offen, wie Benjamin und Slocombe (2018) anmerkten. Die widersprüchlichen Befunde zur Tonhöhe in hunde- gegenüber kindgerichteter Sprache bei australischen und ungarischen Sprechern weisen in dieselbe Richtung (Burnham et al., 2002; Gergely et al., 2017).
10.5 Wer spricht und welche Hunde zuhören
Weibliche Stimmen überwiegen in den Reizsets: 30 Frauen in einer Studie (Ben-Aderet et al., 2017), 9 in einer anderen (Jeannin et al., 2017a), zwei Versuchsleiterinnen in einer dritten (Benjamin & Slocombe, 2018). Eine fMRT-Studie fand stärkere Reaktionen auf weibliche Sprecher (Gergely et al., 2023), während das Geschlecht der Halter in der Vorlesestudie keinen signifikanten Effekt hatte (Root-Gutteridge et al., 2025). Die fMRT-Hunde sind sehr gut trainiert und stammen aus wenigen Rassen, vor allem Border Collies und Golden Retriever. Ergebnisse aus diesen sowie aus Tierheim- und Pensionspopulationen lassen sich nicht ohne Weiteres auf Familienhunde zu Hause übertragen.
10.6 Korrekturen und Replikation
Zu zwei fMRT-Studien über Hunde und Stimmen erschienen Errata (Andics, Gábor, et al., 2017; Andics, Gácsi, et al., 2017). Die Folgestudie von 2020 bezeichnet ihren Befund zur rechten Hirnhälfte als Replikation, sie wurde aber von derselben Arbeitsgruppe mit fast denselben Hunden durchgeführt (Gábor et al., 2020). Eine unabhängige Replikation, idealerweise in anderen Laboren, mit anderen Sprachen und weniger ausgewählten Hunden, steht für die fMRT-Befunde noch aus, und der Widerspruch zwischen fMRT- und Kopfwende-Ergebnissen ist ungelöst.
11. Fazit
Menschen sprechen mit Hunden in einem erkennbaren Register: höhere Stimme, mehr Melodie, langsamere und stärker wiederholende Sprache. Das aufschlussreichste Detail ist, was fehlt. Für Babys, von denen man erwartet, dass sie sprechen lernen, übertreiben Menschen die Vokale, für Hunde nicht. Hundegerichtete Sprache sieht weniger nach Unterricht aus und mehr nach einem Weg, einen Zuhörer zu erreichen, der sozial reagiert, aber nicht antwortet.
Ob Hunde davon profitieren, ist weniger klar. Die Ergebnisse für Welpen und erwachsene Hunde widersprechen sich. Gut gestützt ist, dass Hunde nicht auf die Melodie angewiesen sind: Sie erkennen Wörter in einer flachen Stimme, im Lärm und in verfremdeter Sprache, auch wenn die hohe Stimme ihnen helfen kann, hinzuhören. Lob mit fröhlicher Stimme ist nicht automatisch eine Belohnung, und keine Studie hat gezeigt, dass Babysprache Hunde schneller lernen lässt. Die praktische Lehre ist bescheiden: Sprich mit deinem Hund in der Stimme, die sich für dich natürlich anfühlt, halte Signale einheitlich und denk daran, dass das, was ein Laut für deinen Hund bedeutet, davon abhängt, was üblicherweise darauf folgt.
Wichtigste Erkenntnisse im Überblick
Hundegerichtete Sprache hat eine höhere Tonhöhe, meist mehr Tonhöhenschwankung, ein langsameres Sprechtempo und viele kurze, wiederholende Aufforderungen; das wurde in mehreren Sprachen gezeigt (Ben-Aderet et al., 2017; Gergely et al., 2017; Benjamin & Slocombe, 2018).
Anders als bei Babys werden die Vokale gegenüber Hunden nicht überdeutlich ausgesprochen, was die Autoren als Zeichen deuten, dass Menschen Hunde nicht als Sprachlerner behandeln (Burnham et al., 2002; Xu et al., 2013).
Die Befunde zum Alter widersprechen sich: Eine kleine Studie fand stärkere Reaktionen bei Welpen, eine andere bei erwachsenen Hunden (Ben-Aderet et al., 2017; Jeannin et al., 2017a).
In einer Studie mit anwesenden Sprecherinnen bevorzugten erwachsene Hunde hundegerichtete Sprache nur, wenn hundebezogener Inhalt und hundegerichtete Sprachmelodie zusammenkamen (Benjamin & Slocombe, 2018).
Hunde erkennen bedeutsame Wörter auch ohne überhöhte Sprachmelodie, aber hundegerichtete Melodie macht das Erkennen wahrscheinlicher (Root-Gutteridge et al., 2025).
Zur Studie über Wortverarbeitung von 2016 erschien ein Erratum; dieselbe Gruppe berichtet heute eine Bevorzugung der rechten Hirnhälfte für Lobwörter und bezeichnet das als Replikation (Andics, Gábor, et al., 2017; Gábor et al., 2020).
In den untersuchten Versuchen war stimmliches Lob allein gegenüber Streicheln beziehungsweise Futter ein schwächerer Verstärker; seine Wirkung kann von Lernhistorie und Kontext abhängen (Feuerbacher & Wynne, 2012, 2015). Ein positiver Effekt hundegerichteter Sprache auf den Lernerfolg ist damit nicht belegt.
Quellen
Adachi, I., Kuwahata, H., & Fujita, K. (2007). Dogs recall their owner's face upon hearing the owner's voice. Animal Cognition, 10(1), 17–21. https://doi.org/10.1007/s10071-006-0025-8
Andics, A., Gábor, A., Gácsi, M., Faragó, T., Szabó, D., & Miklósi, Á. (2016). Neural mechanisms for lexical processing in dogs. Science, 353(6303), 1030–1032. https://doi.org/10.1126/science.aaf3777
Andics, A., Gábor, A., Gácsi, M., Faragó, T., Szabó, D., & Miklósi, Á. (2017). Erratum for the Report "Neural mechanisms for lexical processing in dogs". Science, 356(6333), eaan3276. https://doi.org/10.1126/science.aan3276
Andics, A., Gácsi, M., Faragó, T., Kis, A., & Miklósi, Á. (2014). Voice-sensitive regions in the dog and human brain are revealed by comparative fMRI. Current Biology, 24(5), 574–578. https://doi.org/10.1016/j.cub.2014.01.058
Andics, A., Gácsi, M., Faragó, T., Kis, A., & Miklósi, Á. (2017). Voice-sensitive regions in the dog and human brain are revealed by comparative fMRI (erratum). Current Biology, 27(8), 1248–1249. https://doi.org/10.1016/j.cub.2017.03.036
Ben-Aderet, T., Gallego-Abenza, M., Reby, D., & Mathevon, N. (2017). Dog-directed speech: Why do we use it and do dogs pay attention to it? Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 284(1846), 20162429. https://doi.org/10.1098/rspb.2016.2429
Benjamin, A., & Slocombe, K. (2018). 'Who's a good boy?!' Dogs prefer naturalistic dog-directed speech. Animal Cognition, 21(3), 353–364. https://doi.org/10.1007/s10071-018-1172-4
Boros, M., Magyari, L., Morvai, B., Hernández-Pérez, R., Dror, S., & Andics, A. (2024). Neural evidence for referential understanding of object words in dogs. Current Biology, 34(8), 1750–1754.e4. https://doi.org/10.1016/j.cub.2024.02.029
Burnham, D., Kitamura, C., & Vollmer-Conna, U. (2002). What's new, pussycat? On talking to babies and animals. Science, 296(5572), 1435. https://doi.org/10.1126/science.1069587
Colbert-White, E. N., Tullis, A., Andresen, D. R., Parker, K. M., & Patterson, K. E. (2018). Can dogs use vocal intonation as a social referencing cue in an object choice task? Animal Cognition, 21(2), 253–265. https://doi.org/10.1007/s10071-018-1163-5
Cuaya, L. V., Hernández-Pérez, R., Boros, M., Deme, A., & Andics, A. (2022). Speech naturalness detection and language representation in the dog brain. NeuroImage, 248, 118811. https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2021.118811
D'Aniello, B., Scandurra, A., Alterisio, A., Valsecchi, P., & Prato-Previde, E. (2016). The importance of gestural communication: A study of human–dog communication using incongruent information. Animal Cognition, 19(6), 1231–1235. https://doi.org/10.1007/s10071-016-1010-5
Feuerbacher, E. N., & Wynne, C. D. L. (2012). Relative efficacy of human social interaction and food as reinforcers for domestic dogs and hand-reared wolves. Journal of the Experimental Analysis of Behavior, 98(1), 105–129. https://doi.org/10.1901/jeab.2012.98-105
Feuerbacher, E. N., & Wynne, C. D. L. (2015). Shut up and pet me! Domestic dogs (Canis lupus familiaris) prefer petting to vocal praise in concurrent and single-alternative choice procedures. Behavioural Processes, 110, 47–59. https://doi.org/10.1016/j.beproc.2014.08.019
Fukuzawa, M., Mills, D. S., & Cooper, J. J. (2005). The effect of human command phonetic characteristics on auditory cognition in dogs (Canis familiaris). Journal of Comparative Psychology, 119(1), 117–120. https://doi.org/10.1037/0735-7036.119.1.117
Gábor, A., Gácsi, M., Szabó, D., Miklósi, Á., Kubinyi, E., & Andics, A. (2020). Multilevel fMRI adaptation for spoken word processing in the awake dog brain. Scientific Reports, 10, 11968. https://doi.org/10.1038/s41598-020-68821-6
Gergely, A., Faragó, T., Galambos, Á., & Topál, J. (2017). Differential effects of speech situations on mothers' and fathers' infant-directed and dog-directed speech: An acoustic analysis. Scientific Reports, 7, 13739. https://doi.org/10.1038/s41598-017-13883-2
Gergely, A., Gábor, A., Gácsi, M., Kis, A., Czeibert, K., Topál, J., & Andics, A. (2023). Dog brains are sensitive to infant- and dog-directed prosody. Communications Biology, 6, 859. https://doi.org/10.1038/s42003-023-05217-y
Hirsh-Pasek, K., & Treiman, R. (1982). Doggerel: Motherese in a new context. Journal of Child Language, 9(1), 229–237. https://doi.org/10.1017/S0305000900003731
Jeannin, S., Gilbert, C., Amy, M., & Leboucher, G. (2017a). Pet-directed speech draws adult dogs' attention more efficiently than adult-directed speech. Scientific Reports, 7, 4980. https://doi.org/10.1038/s41598-017-04671-z
Jeannin, S., Gilbert, C., & Leboucher, G. (2017b). Effect of interaction type on the characteristics of pet-directed speech in female dog owners. Animal Cognition, 20(3), 499–509. https://doi.org/10.1007/s10071-017-1077-7
Kuhl, P. K., Andruski, J. E., Chistovich, I. A., Chistovich, L. A., Kozhevnikova, E. V., Ryskina, V. L., Stolyarova, E. I., Sundberg, U., & Lacerda, F. (1997). Cross-language analysis of phonetic units in language addressed to infants. Science, 277(5326), 684–686. https://doi.org/10.1126/science.277.5326.684
Lesch, R., Kotrschal, K., Schöberl, I., Beetz, A., Solomon, J., & Fitch, W. T. (2019). Talking to dogs: Companion animal-directed speech in a stress test. Animals, 9(7), 417. https://doi.org/10.3390/ani9070417
Magyari, L., Huszár, Z., Turzó, A., & Andics, A. (2020). Event-related potentials reveal limited readiness to access phonetic details during word processing in dogs. Royal Society Open Science, 7(12), 200851. https://doi.org/10.1098/rsos.200851
Mallikarjun, A., Shroads, E., & Newman, R. S. (2019). The cocktail party effect in the domestic dog (Canis familiaris). Animal Cognition, 22(3), 423–432. https://doi.org/10.1007/s10071-019-01255-4
Mallikarjun, A., Shroads, E., & Newman, R. S. (2023). Language preference in the domestic dog (Canis familiaris). Animal Cognition, 26(2), 451–463. https://doi.org/10.1007/s10071-022-01683-9
Mallikarjun, A., Shroads, E., & Newman, R. S. (2024). Perception of vocoded speech in domestic dogs. Animal Cognition, 27(1), 34. https://doi.org/10.1007/s10071-024-01869-3
Mitchell, R. W. (2001). Americans' talk to dogs: Similarities and differences with talk to infants. Research on Language and Social Interaction, 34(2), 183–210. https://doi.org/10.1207/S15327973RLSI34-2_2
Mitchell, R. W. (2004). Controlling the dog, pretending to have a conversation, or just being friendly? Influences of sex and familiarity on Americans' talk to dogs during play. Interaction Studies, 5(1), 99–129. https://doi.org/10.1075/is.5.1.06mit
Mitchell, R. W., & Edmonson, E. (1999). Functions of repetitive talk to dogs during play: Control, conversation, or planning? Society & Animals, 7(1), 55–81. https://doi.org/10.1163/156853099X00167
Prato-Previde, E., Fallani, G., & Valsecchi, P. (2006). Gender differences in owners interacting with pet dogs: An observational study. Ethology, 112(1), 64–73. https://doi.org/10.1111/j.1439-0310.2006.01123.x
Prichard, A., Cook, P. F., Spivak, M., Chhibber, R., & Berns, G. S. (2018). Awake fMRI reveals brain regions for novel word detection in dogs. Frontiers in Neuroscience, 12, 737. https://doi.org/10.3389/fnins.2018.00737
Ratcliffe, V. F., & Reby, D. (2014). Orienting asymmetries in dogs' responses to different communicatory components of human speech. Current Biology, 24(24), 2908–2912. https://doi.org/10.1016/j.cub.2014.10.030
Root-Gutteridge, H., Korzeniowska, A., Ratcliffe, V., & Reby, D. (2025). Domestic dogs (Canis familiaris) recognise meaningful content in monotonous streams of read speech. Animal Cognition, 28(1), 29. https://doi.org/10.1007/s10071-025-01948-z
Root-Gutteridge, H., Ratcliffe, V. F., Korzeniowska, A. T., & Reby, D. (2019). Dogs perceive and spontaneously normalize formant-related speaker and vowel differences in human speech sounds. Biology Letters, 15(12), 20190555. https://doi.org/10.1098/rsbl.2019.0555
Siniscalchi, M., d'Ingeo, S., Fornelli, S., & Quaranta, A. (2018). Lateralized behavior and cardiac activity of dogs in response to human emotional vocalizations. Scientific Reports, 8, 77. https://doi.org/10.1038/s41598-017-18417-4
Xu, N., Burnham, D., Kitamura, C., & Vollmer-Conna, U. (2013). Vowel hyperarticulation in parrot-, dog- and infant-directed speech. Anthrozoös, 26(3), 373–380. https://doi.org/10.2752/175303713X13697429463592